Maramuresch gehört für mich zu den schönsten Landstrichen Rumäniens. Gerade zur Osterzeit wird ein Besuch dort empfohlen. Wir hatten uns vorgenommen, nun eben zum orthodoxen Osterfest hinzufahren. Das Programm vollgepackt mit Ereignissen, verbrachten wir drei herrliche Tage im hohen Norden. Wir reisten mit dem Zug nach Baia Mare und nahmen von dort am nächsten Morgen einen Mietwagen. Zurück ging es dann von Cluj, wo wir den Mietwagen wieder stehen ließen. Und so sah die Reise aus...
Ostersamstag - auf geht's!
Wir brachen kurz nach zehn Uhr in Baia Mare auf und verließen die Stadt in Richtung Sighetu Marmatiei. Auf dem Weg dahin ging es durch die Wälder, enge Serpentinen immer den Berg hoch. Es war eine wunderschöne Strecke und wir machten ein paar Mal kurz halt, der Aussicht wegen. In Sighet fuhren wir zum Museum und der Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus. Die Ausstellung ist relativ groß, man sollte also Zeit mitbringen. Wir waren nicht allzu aufnahmefähig und verschafften uns eher einen Überblick, aber bereuten es trotzdem nicht, das Museum besucht zu haben.
Nach dem Museum fuhren wir weiter nach Sapanta, zum Fröhlichen Friedhof. Vorher fuhren wir aber erstmal noch ein Stück weiter und aßen in einer Gaststätte mit Forellenzucht zu Mittag. Für mich gab es leckere Mamaliga mit Käse und Schmand. Danach besuchten wir den Friedhof. Er heißt fröhlicher Friedhof, weil ein Kunsthandwerker aus dem Ort einst anfing, den verstorbenen Sprüche in die Holzkreuze zu schnitzen, die von ihrem Leben erzählten. Da war auch schon mal ein Schwank und eine lustige Geschichte dabei, um der Tragik des Todes etwas entgegenzusetzen. Auch heute noch wird die Tradition fortgesetzt und man kann auf den Kreuzen über Lebemänner und böse Schwiegermütter lesen. Ein Besuch lohnt sich vor allem, wenn man des Rumänischen mächtig ist.
Nach Sapanta wurde es auch schon langsam Abend und wir wollten eine Unterkunft für die Nacht auf einem der Dörfer suchen. Da uns an der Hauptstraße nichts so richtig zusagte, schauten wir dann doch im Internet und fuhren gezielt zu einer Unterkunft, die uns angezeigt worden war. In der Osternacht wollten wir zur Auferstehungsmesse gehen, deswegen war uns wichtig, dass wir in einem kleinen Ort mit Kirche waren. Nach einem kurzen Spaziergang machten wir ein Nickerchen, ehe es kurz vor zwölf Uhr nachts hieß, aufzubrechen.
Die Ostermesse ist immer interessant. In Maramuresch ist es oft so, dass ein Großteil des Dorfes in traditioneller Tracht kommt. Wir waren etwas außen vor, außerdem hatten wir keine Kerze dabei. Nach der Predigt geht man mit Kerze dreimal um die Kirche. Ein Mann wies uns darauf hin, dass es in der Kirche vielleicht noch Kerzen gäbe und wir durch den Seiteneingang hinein sollten. Wir hätten auch wieder durch den Seiteneingang hinaus sollen, als wir keine Kerze fanden, aber warum auch immer nahmen wir den Haupteingang. Damit standen wir direkt vorm Priester, praktisch auf dem Altar. Die alten Weiber in der ersten Reihe warfen uns bitterböse Blicke zu und es gab scheinbar keinen Weg zu entkommen. Entschuldigungen murmelnd kämpften wir uns schließlich durch die Gläubigen, um wieder in den hinteren Reihen zu stehen. Nun ging auch bald die Prozession los. Zuvorderst gingen die Frauen, dahinter die Männer. Was sollte ich nun machen? Ich wollte mich ungern von meinem Begleiter trennen. Inzwischen auch in Besitz einer brennenden Kerze schlossen wir uns in den letzten Reihen der Männer an - ich hoffe, Gott ist nicht so kleinlich, meine vollkommene Überforderung mit der Situation als Sünde zu werten. Mir gefiel die Atmosphäre, beispielsweise, dass auch fast jedem Grab Kerzen brannten. Nach so viel Aufregung mussten wir dennoch nicht bis zum Ende der Messe bleiben und wir entfernten uns unauffällig, nach dem wir dreimal um die Kirche gegangen waren.
Ostersonntag
Wir hatten in unserer Pension um Frühstück gebeten und dieses wurde uns auch vorbereitet - als wir aufstanden, stand alles schon bereit. Gekochter Schweineschinken, Würste, Drob (eine Art Pastete aus Schaf, Innereien und Ei), Ei, Tomaten, Meerrettich, Rote-Beete-Salat, süßes Osterbrot und Kuchen. Ich vergaß mal wieder mein Vegetarierdasein, denn es war Ostern, auch wenn mir später mein Bauch etwas böse dafür war - ich war eben einfach kein Fleisch mehr gewöhnt. Danach gingen wir zur zweiten Messe, wo wir auch zahlreiche Fotos von den Menschen in Tracht schießen konnten. Die Dorfbewohner hatten traditionelle Beutel mit Speisen gefüllt, die nun gesegnet werden sollten. Wieder trugen alle Tracht. Auch wir bekamen ein paar Spritzer Weihwasser ab. Unser Herbergsvater freute sich kindisch, dass er Kaffee in den Beutel zur Segnung geschmuggelt hatte und bot uns später vor dem Abschied noch davon an. So gestärkt waren wir für einen weiteren abenteuerlichen Tag vorbereitet. Außerdem nahmen wir selbst noch gewebte traditionelle Taschen, sogenannte Traiste, mit und ein Tuch für mich. Meine Tasche war gerade kaputt gegangen, da bot sich das an.
Nur wenige Kilometer weiter besuchten wir das Kloster Barsana. Es handelt sich um eine riesige Klosteranlage, die im traditionellen Stil mit sehr viel Holz erbaut ist und unzähliche Touristen anzieht. Es scheinen auch noch ständig weitere Gebäude hinzuzukommen, jedenfalls sah es so aus, als würde ständig erweitert. Wir aßen noch ein Eis und setzten uns an den vorbeifließenden Fluss, dann ging es weiter.
In Ieud machten wir noch Halt, um die Holzkirche zu besichtigen, die aber leider verschlossen war. Dann ging es weiter nach Borsa, wo wir dem Skigebiet einen Besuch abstatteten. Obwohl in den Bergen gelegen, lag auch hier kein Schnee mehr. Dennoch funktionierte der Sessellift. Nachdem wir uns in einem einfachen Gasthaus gestärkt hatten, fuhren wir die 2km lange Strecke mit dem Sessellift den Berg hoch. Oben lag noch Schnee und der Ausblick war beeindruckend. Auch ein paar Skiläufer und Wanderer waren hier oben noch unterwegs gewesen. Wir konnten nichts weiter unternehmen, da schon gleich die letzte Abfahrt ins Tal war. Wir kamen noch ein Wenig mit dem Mann, der den Lift oben betreute ins Gespräch. Witzigerweise hatte er einmal im Banat gearbeitet, und zwar in einer Firma, die damals der Großvater eines Freundes meines Begleiters leitete. Ja, Rumänien ist doch klein.
Wieder unten wurde es Zeit für uns, nach Viseu de Sus / Oberwischau zu fahren. Dort wollten wir im Hotelzug übernachten und am nächsten Tag einen Ausflug mit der Wassertalbahn machen. Der Hotelzug ist ein auf dem Bahnhof feststehender Zug, in dem in zwei Waggons aus den Abteilen Hotelzimmer gemacht wurden, außerdem wird das Essen im Speisewagen serviert. Ab 19 Uhr würde uns das Abendessen serviert, was im Paket enthalten war, also mussten wir uns sputen. Als wir ankamen, hatten wir dann aber doch noch Zeit, in aller Ruhe unser Abteil zu beziehen. Es war ein altes Schlafwagenabteil, mit zwei Liegen übereinander, einem kleinen Waschbecken neben dem Fenster und einer Garderobe. WCs waren am Ende des Zugs und Duschen in Containern neben dem Zug. Die WCs waren aber moderne Toiletten, die offensichtlich nachträglich eingebaut worden waren, ansonsten hatte das Zugabteil aber viel von seinem ursprünglichen Charme. Es war alles sehr gut gepflegt. Ein paar Nachteile gibt es aber schon - da der Zug ja nicht fährt und die Abteile sehr hellhörig sind, kann man praktisch alles von den Nachbarn mithören. Für große Menschen sind die kleinen Kojen sicher auch nicht so komfortabel. Es war ein nettes Abenteuer für eine Nacht und die Verpflegung zum Abendessen und zum Frühstück war ebenfalls sehr gut. Für einen längeren Aufenthalt sollte man aber vielleicht lieber die weiteren Nächte in einer Pension buchen, von denen es in Viseu reichlich gibt.Ostermontag
Wir krochen zeitig aus den Betten und waren die ersten, die morgens um acht am Frühstücksbuffet standen. Es war übersichtlich, aber ausreichend, mit kalter Platte mit Wurst- und Käseaufschnitt, Müsli und Cornflakes, Joghurt, Marmelade, Saft und Milch sowie Brötchen und Brot. Dazu konnte man Kaffee oder Tee bestellen.
Wir checkten aus unserem Abteil aus und deponierten unsere Sachen im Auto, welches am Bahnhof bleiben konnte, dann gingen wir die Zugfahrtickets kaufen. Uns wurde empfohlen, uns gleich einen Platz im Zug zu sichern, was wir auch taten. Ich hatte ein bisschen Angst, auf der Fahrt zu verhungern, denn der Ausflug dauert etwa 6 Stunden und unterwegs gibt es nur Fleisch. Ein Steak musste ich jetzt nicht noch haben, also deckte ich mich am Bahnhof noch mit Krapfen ein. Leider gab es nichts anderes, nirgends gab es Kekse oder Schokolade zu kaufen. Ich würde empfehlen, besonders als Vegetarier, ein kleines Lunchpaket mitzunehmen. Außerdem kam schnell Angst vor schreienden Kindern auf. Gerade in dem Abteil, wo wir uns niedergelassen hatten, tauchten auf einmal eine Menge schreiener verzogener Bälger auf, nebst Eltern, die so gar nicht gingen. Wir beschlossen, umzuziehen, riskierten dann dadurch aber fast komplett irgendeinen Platz. Schließlich gelang es uns zwei wunderbare Plätze in einem Abteil mit drei etwa sechs- bis achtjährigen Jungs zu erwischen, die aber im Vergleich zum zweijährigen Schreikind aus dem anderen Abteil eine wahre Wohltat waren. Hier schoss auch keine Mutter unablässig Handybilder von ihrer ach-so-süßen Tochter, eine halbe Stunde bevor der Zug überhaupt losgefahren war.
Die Fahrt an sich war wirklich schön, noch dazu, weil die Sonne praktisch die ganze Zeit über schien. Die Lokomotive dampfte kräftig und fuhr durch enge Täler und spektakuläre Landschaften. Als wir am Endbahnhof ankamen, hatte die Volkstanzgruppe schon losgelegt und Volksmusik schmetterte durchs Tal. Zu für Rumänien unerhörten Preisen wurden Grillteller verkauft und man konnte ein kleines Museum über das Wassertal besuchen. Alles in allem ganz schön, wenn auch nicht spektakulär. Nach über eineinhalb Stunden ging es dann zurück und wir landeten wieder am Ausgangspunkt.
Mit dem Auto fuhren wir noch bis Bistrita / Bistritz und gingen dort eine Pizza und ein Eis essen, bevor wir uns in einem Hotelzimmer zur Ruhe legten. Die letzte Etappe der Reise stand an.
Rückreise
Da wir das Auto in Cluj / Klausenburg wieder abgeben wollten, mussten wir noch bis dorthin fahren. Wir starteten frühmorgens, um noch Zwischenstopps machen zu können. Das taten wir dann auch am Banffy-Schloss in Bontida, wo seit ein paar Jahren im Sommer das Electric Castle Festival stattfindet. Das alte Schloss ist zum Teil noch eine Ruine, zum Teil bereits restauriert. Gegen ein geringes Eintrittsgeld kann man es besuchen. Wenn Bauarbeiter da sind, kann man sich leider nicht in dem Teil herumtreiben, der noch baufällig ist, sondern nur von außen schauen. Auf zahlreichen Tafeln wir die Geschichte der einzelnen Gebäude erklärt. Meines Erachtens lohnt es sich nicht unbedingt, das Schloss unbedingt zu besuchen, wenn man nicht ohnehin einmal von Cluj einen kleinen Ausflug machen will oder es auf dem Weg liegt, aber so ist es schon interessant.
In Cluj gingen wir noch beim Inder Mittagessen, danach ging es mit dem Zug nach Hause.
Das war die Route:
Und nun noch ein paar Infos:
Museum in Sighet: Memorial Sighet
Öffnungszeiten: täglich 9:30 - 18:30 (Sommer), dienstags bis sonntags 9:30 - 16:30 (Winter)
Eintritt: 6 Lei, 3 Lei ermäßigt
Weitere Infos (z.B. Öffnungszeiten an Feiertagen): http://www.memorialsighet.ro/ (4. Überschrift auf der linken Seitenleiste: Museum)
Wassertalbahn
Tägliche Fahrten 9:00 oder 10:00, Dauer ca. 6 Stunden incl. längerer Pause
Infos, auch zur Übernachtung im Hotelzug: http://www.cffviseu.ro/content/de
Übernachtung in einer privaten Pension:
www.agrotur.ro
Unsere Pension war folgende: www.agrotur.ro/bud - die Herbergsleute waren sehr nett und die Zimmer in Ordnung
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