Posts mit dem Label Bukarest werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bukarest werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 23. August 2016

Auf den Straßen von Bukarest



Carturesti Carusel
Ich war letzten Samstag für ein paar Stunden in Bukarest unterwegs, bevor es weiterging nach Timisoara. Ich spazierte durch die Innenstadt, hauptsächlich in Lipscani umher. Außerdem besuchte ich natürlich Carturesti Carusel, die mit viel Medienaufmerksamkeit eröffnete mehrstöckige Buchhandlung, allerdings war mir nicht danach, mein Reisegepäck durch Bücher zu belasten. Den großen Rucksack hatte ich im Übrigen gar nicht dabei. Inzwischen kann man Gepäck sehr komfortabel in einem Schließfach am Bahnhof lassen. Die Schließfächer sehen relativ neu aus und kosten 10 Lei für 12 Stunden für ein normalgroßes Schließfach (mein Treckingrucksack und die Isomatte haben locker reingepasst), außerdem gibt es darin einen Stromanschluss zum Aufladen elektronischer Geräte. Das konnte ich leider nicht ausprobieren, da mein Ipod-Ladekabel wohl einen Defekt hat. XXL-Schließfächer für 20 Lei gibt es auch. (Mehr Infos: http://romobility.ro/en). 

Mein Spaziergang durch Bukarest war also sehr entspannt und sogar recht unterhaltsam. Hier ein paar Eindrücke.

Na dann ist ja alles gut bewacht.

Mir fiel spontan jemand ein, mit dem ich gern im Regen tanzen würde.

"NICHT zu verkaufen sind die Wohnungen Nr. ..."

Creaturi dragute!

I am the designer of my own catastrophy.

"Sich nicht zu bewegen ist jetzt der intelligenteste Schritt."

"Iss gesund!"


Nu te mai preocupa, esti frumoasa astazi. - Das heißt soviel wie "Sorge dich nicht mehr, du bist heute schön.", und richtet sich an weibliche Hauptstädterinnen (frumoasa ist die weibliche Form von schön). Ein schöner Spruch, der mit Edding an viele Wände in U-Bahn-Stationen geschrieben steht. Mal ist das "astazi" [heute] durchgestrichen und durch "tot timpul" [immer] ersetzt, in der Variante unten steht etwas pessimistischer: dar timpul trece [aber die Zeit vergeht].





Dienstag, 1. Januar 2013

Ein gutes altes Jahr, ein gutes neues Jahr

Das letzte Jahr war durchwachsen, es gab einige harte Momente, aber insgesamt war es ein großartiges Jahr. Ich bin viel herumgekommen, dass ich die Möglichkeit dazu hatte war eine glückliche Fügung. Ich habe ganz viel gelernt dieses Jahr und bin soweit vorangekommen. Ich weiß immer noch nicht genau, was ich will, aber das ist nicht mehr so schlimm. Das Wichtigste war wohl die Erkenntnis, dass es alles irgendwie klappt. Ich habe viele neue Ideen und Impulse bekommen und neue Sachen ausprobiert, die ich unter anderem Umständen vielleicht nicht gemacht hätte. Ich habe Freundschaften geschlossen und intensiviert, eine Menge Menschen kennen und schätzen gelernt, die wohl zu den Besten auf dieser Welt gehören. Meine Leidenschaft für Musik ist wieder aufgekeimt und obwohl ich immer noch ganz schön beschränkt bin in meinem Geschmack, habe ich mich doch auch auf neue Sachen eingelassen. Ich war wieder viel bei Konzerten, ich habe wild und selbstvergessen getanzt. Ich bin meine Abschlussarbeit angegangen und wie auch immer es am Ende wird, ich weiß, dass ich es schaffen kann, wenn ich es einfach anpacke.


Hier eine schnelle Jahreszusammenfassung in Bildern...








Montag, 10. September 2012

Vom Allgäu nach Bukarest

Die zweite Etappe der Rumänien-Reise


Ich habe in meinem eigentlich recht schönem Hotelzimmer keinen guten Schlaf gefunden, ich bin ja vor Reisen immer etwas aufgeregt, und noch dazu zu wenig. Es hat aber dann alles geklappt, ich bin früh halb sechs durch die düstere Stadt getappt und war zu früh am Busbahnhof, bin dann zum Flughafen gefahren und war wiedermal viel zu früh da. Eineinhalb Stunden, das ist eigentlich schon ziemlich wenig für meine Verhältnisse, die ich immer extra Zeit einrechne, „falls unterwegs was schief geht“.

Der Flieger über Traumlandschaften und Wattewölkchen, dazu noch die tiefstehende Sonne – Perfektion aus einem 20-mal-30-cm-Guckloch. Dazu Anna Gavalda, die ich mit „Alles Glück kommt nie“ lieben gelernt habe. Jetzt lese ich „Zusammen ist man weniger allein“ und ärgere mich, dass es nicht viel mehr Bücher von ihr gibt. Den Band mit Erzählungen habe ich auch schon durch. Ich versuche mich immer zu stoppen und das Buch immer mal wieder wegzulegen, denn wenn ich es weiter in dem Tempo verschlinge, habe ich es heute Abend durch. Und das wäre schade. Ich möchte es noch herauszögern.



In Bukarest angekommen habe ich erst einmal meinen für teuer Geld bei Wizzair erstandenen Shuttle-Bus in die Stadt verpasst, weil ich an der falschen Stelle stand und habe dann nach einer Ewigkeit warten doch den normalen Linienbus genommen. Dann das Hostel gesucht und gefunden – liegt in einer netten Gegend voll von ehemals schönen Villen und Einfamilienhäusern, die nun zum großen Teil sehr heruntergekommen sind oder gerade super protzig wieder herausgeputzt werden. Ich muss morgen mal das Haus mit den goldenen griechischen Säulen fotografieren. 

Kaum war ich im Hostel bin ich ins Archiv gesprintet und saß eineinhalb Stunden vor einem Mikrofichelesegerät – ganz schön anstrengend. Leider auch nicht ganz das Erhoffte dabei, dennoch immer wieder spannend. Geschichte ist schon irgendwie das richtige für mich. Ich war ein bisschen genervt von den handgeschriebenen Notizen auf schlecht lesbaren Mikroaufnahmen und einem verdreckten Anzeigegerät. Ich hatte gerade eine Akte vor mir, die ein Informant der Staatssicherheit über das rumänische Exil geschrieben hat. An den Rand war handschriftlich folgendes gekritzelt:

Adrese și nume găsim și în materiale publice 
– Așteptam informații secrete!

Adresse und Name finden wir auch in öffentlichen Materialen
 – Wir erwarten Geheiminformationen!

Witzig, dass man das einem Geheimdienstinformanten erst erklären muss...

Freitag, 7. September 2012

Plans, replanned.

Vier Ziele in vier Wochen, mein Leben bleibt rasant. Aber die Zeit, bevor ich am Schreibtisch sitze und jeden Tag höchstwertvolle Gedanken in die Tastatur hacke, will genutzt sein. Deswegen geht es nochmal los, bevor es ernst wird.

 1. Bukarest und zurück 

In drei Tagen sitze ich wieder im Flieger nach Bukarest, diesmal ist er klein und pink und Abflug ist am Allgäu-Airport. Das ist schon abenteurlich genug (ich war noch nie im Allgäu *zwinker* ), aber es kommt noch besser. Wenn alles klappt, treffe ich einen Erasmus-Kollegen und zurück geht es per Autostop. Das war lange geplant, hat erst nicht geklappt und ist nun spruchreif. Ich freue mich wahnsinnig darauf!

 2. Brno und eine kleine Tour de Tchèquie

 Eine liebe Freundin und Mitstudentin aus Regensburg muss ihr Auslandssemester in Brno antreten. Das ist eine wunderbare Gelegenheit, dieses Land einmal komplett zu durchqueren und sie hinzubringen, wo sie hinmuss. Vielleicht klappt es ja, auf dem Rückweg noch eine andere Freundin vom Seminar in Prag abbzuholen und ins Auto zu packen. Wäre doch großartig, nicht?

Das musste leider ausfallen, aber Tschechien bleibt ja in der Nähe... vielleicht später mal. 

 3. Rumänien in Freiburg

Eine Rumänische Bibliothek gibt es in Deutschland und die befindet sich ausgerechnet am Südwestzipfel. Und wird von älteren Rumänen geführt und hat drei Stunden pro Tag auf. Einen guten Grund hinzufahren gibt es dennoch - ich brauche Quellen für meine Masterarbeit. Also, auf nach Freiburg, soll ja sehr schön sein.

 4. Belgrad und Sarajevo

Abgesehen davon, dass ich mich wie irre auf meinen vierten Aufenthalt in Belgrad freue, sehr hoffe, meinen Couchsurfer wiederzutreffen, und einen Blick von Kalemegdan auf Donau und Sava werfen zu können, habe ich das erste Mal die Gelegenheit nach Sarajevo zu fahren. Ich bin sehr neugierig...


Eine ganz schön enge Planung, vielleicht wird das ein oder andere am Ende nicht klappen, aber im Großen und Ganzen sollte es doch funktionieren. Ein ereignisreicher Herbst liegt vor mir, denn im Oktober muss ich ja auch noch die Masterarbeit anmelden.

Sonntag, 29. Juli 2012

Es ist weiterhin heiß in Bukarest

  Politik in Europas Südosten





Piata Unirii, Bucuresti, 23.15 Ortszeit


Im Stadtbild von Bukarest fallen überall Läden und Werbungen für Sportwetten auf. Scheinbar lassen viele Rumänen realtiv viel Geld in Wettbüros. Ob man auch auf das Referendum um die Absetzung Traian Basescus als Präsidenten Rumäniens wetten konnte, ist mir unbekannt. Aber es wird knapp und somit hätte sich das wohl für die Wettbüros gelohnt, denn für die Rumänen, mit denen ich so sprach, war das Ergebnis nicht vorhersehbar. Beziehungsweise wussten sie nicht so genau, welche Seite mit Manipulationen und Betrügereien mehr erreichen würde.

Pe scurt [in Kürze]: In Rumänien gab es einen politischen Wandel, nachdem eine Koaltionspartei die Seiten gewechselt hatte und sich mit der Opposition zusammenschloss. Die Regierung wurde ausgetauscht und Ponta wurde Premierminister. Dieser versuchte in relativ kurzer Zeit relativ viel Macht für seine Partei zu gewinnen, und tauschte auf allen wichtigen Posten die Beamten gegen Leute seiner Parteilinie aus. Der letzte Schritt war die Absetzung des Präsidenten. Die Absetzung ging durch das Parlament, damit sie rechtskräftig ist, müssen sich aber auch die Mehrheit der Rumänen in einem Referendum dafür aussprechen, dessen Mindestbeteiligung bei 50% der Wähler liegt. {Sueddeutsche.de: Link}
Im Straßenbild von Bukarest dominieren seit Beginn meines Aufenthaltes Plakate mit "Români, hai la referendum! Basescu, hai, la revedere!" [Rumänen, auf zum Referendum! Basescu, geh, auf Wiedersehen!] und ähnlichem, nur hier und da ist ein "NU stinge flacara democratiei!" [NICHT die Flamme der Demokratie auslöschen!] zu sehen. Die Absetzung ist nämlich, aufgrund Pontas Marsch durch die Institutionen, sehr umstritten und würde Rumänien, aus weltpolitischer Sicht, im Moment wohl eher schaden, da es somit an Glaubwürdigkeit und Kontinuität verliert.

Wie die Wähler nun entschieden haben, ist unklar. Höchst wahrscheinlich wird das Quorum nicht erreicht, weil bis 21 Uhr (die Wahllokale hatten aufgrund der Sommerferien von 7 bis 23 Uhr geöffnet) nur ca. 44% der Wähler zur Wahl gingen {Agerpress.ro: Link 2 - engl.}. Allerdings ist es auch gut möglich, dass noch Stimmen "gefunden" werden und das Quorum noch geschafft wird. Auf dem Universitätsplatz (der auch einer der Hauptschauplätze der Revolution im Dezember 1989 ist), skandierte eine kleine Menschenmenge "Jos Basescu!" [Nieder mit Basescu] und schwenkte rumänische Fahnen. Einige davon mit Loch in der Mitte. Ob die Demonstranten nur kommunistische Fahnen mit dem entsprechenden Emblem zu Hause hatten und dieses lieber ausschnitten, bevor sie das Haus verließen, ist fraglich, wahrscheinlicher ist, dass dies eine Anspielung auf die Revolution '89 sein sollte, als eben solche Fahnen geschwenkt wurden, damals wurde eben symbolhaft das kommunistisch Emblem aus der Mitte entfernt. Wenn das Quorum erreicht wurde, was viele zu glauben scheinen, wird Basescu ganz klar gehen müssen, soviel steht fest, denn die, die zur Wahl gingen, stimmten für seinen Rücktritt. Auf der Straße hörte ich Wortfetzen wie "e fraudat" [es ist gefälscht] und "eu personal am vazut cu ochii mei" [ich selbst habe es mit eigenen Augen gesehen]. Die Menschen in der Unterführung am Universitätsplatz versammelten sich in einem Café, um im Fernsehen die aktuellen Meldungen zu sehen, als ob Rumänien in der Europameisterschaft Fußball spielte. Die Jandarmerie ist um den Platz so präsent, als ob serbische Hooligans zu eben diesem Spiel unterwegs wären und es in der Uniturnhalle stattfände. Bis morgen früh wird man jedoch kaum etwas genaues wissen. {Hotnews.ro: Link 3 - rum.}Nach allem, was ich gehört habe, hoffe ich, dass Basescu vorerst bleiben kann, denn diese Kampagne, die hier gegen ihn gestartet wurde, scheint nicht mit rechten Dingen zuzugehen.

Ich bin nicht die einzige, die neugierig auf das Ergebnis ist.

Samstag, 28. Juli 2012

Bukarest bei 38°C




In Bukarest ist es verdammt heiß und auch wenn es dunkel wird - recht früh so gegen halb neun, glaube ich - bleibt es drückend heiß. So eine Stadt kühlt eben über Nacht nicht ab, das merkt man. Das hat aber auch etwas Gutes - kein lästiges Jäckchen-Mitschleppen zum Weggehen. Gestern wollte ich mit den anderen vom Sprachkurs tanzen gehen. Wir trafen uns um zehn an der Uni, warteten noch eine halbe Stunde auf Nachzügler und setzten uns im Centrul Vechi (Altes Stadtzentrum) in eine Bar, bzw. deren Freisitz zur Fußgängerzone. Es wurde mal wieder abenteuerliches Rumänisch gesprochen, was uns im Allgemeinen hier als Lingua Franca dient und es war echt witzig. Nach einem Ciuc Nefiltrat [ungefiltert], ging es weiter, das heißt, dazwischen warteten wir natürlich wieder ewig auf irgendjemanden, aber dann gingen wir noch in einen Club, wo Indie-Rock gespielt wurde. Ich war ewig nicht mehr zu solcher Musik tanzen, aber es war richtig richtig gut, wenn auch für meinen Geschmack ein bisschen zu viele Oldschool-Klassiker drunter gemischt wurden. Nach einem weiteren Bier und einem Wodka-Apfel machte ich mich gegen halb drei allein auf den Heimweg. Ich hatte keine Ahnung, wie die Nachtbusse fahren würden und wollte ohnehin laufen. Schon auf der Tanzfläche hatte ich die ganze Zeit ein breites Grinsen auf dem Gesicht gehabt. Ich hatte auch auf dem Nachhauseweg noch richt gute Laune. Ich dachte gerade darüber nach, was ich so in nächster Zeit in meinem Leben anstellen würde, da sah ich die alte, offensichtlich geistig verwirrte Frau, die ich am Tag schon zweimal gesehen hatte, auf dem Mauerabsatz vor einem Schaufenster liegen und schlafen. Es wird ihr nicht schaden, ich denke selbst gegen Morgen sinkt die Temperatur nicht unter 25°C, aber dieses Bild katapultierte mich zurück in die Realität. Müde lief ich weiter nach Hause, nicht völlig deprimiert, aber etwas nüchterner. Als ich fast stolperte, hörte ich einen Mann fragen, ob er mir helfen kann, aber ich trottete stumm weiter. Die Menschen, die mir entgegenkamen, kamen mir jetzt seltsamer vor.

Arme Menschen, Obdachlose und Roma gehören zum Straßenbild in Bukarest dazu, eigentlich auch in der ganzen Innenstadt. Irgendwie ist das auch gut, denn es erinnert einen, wo man ist und wie die Verhältnisse hier sind. Ich habe bereits zwei sehr junge nackte Romamädchen auf irgendwelchen dreckigen Treppenstufen gesehen, heute Mittag eine alte Frau, die auf dem Gehweg lag und aussah, als würde sie sehr bald sterben. Ich fühle mich ohnmächtig, wenn ich das sehe. Aber das ist eben hier die Realität und so traurig es ist: Es ist unmöglich, all diesen Menschen zu helfen.



Heute morgen war ich relativ früh wach, denn ich wollte zum Flohmarkt. Ich habe schließlich fast zwei Stunden gebraucht, bis ich da war. Zunächst mit der Metro, dann den Bus nicht gefunden, deswegen doch noch ein Stück Metro, dann die Anschlussmetro kaputt und auf die nächste warten, dann noch ein gutes Stück hinlaufen. Es hat sich trotzdem gelohnt.
Ich habe tatsächlich ein Ladekabel für mein uraltes Samsunghandy gefunden (das alte ist in Istanbul geblieben, vermutlich), eine Handtasche und ein paar Schuhe. Der Flohmarkt war bei Weitem nicht so schön, wie der in Cluj. Er war sehr ramschig, aber ich war auch sehr spät dran. Ich wurde beim Kauf des Ladekabels (für das ich zuviel bezahlt habe mit 12 Lei, aber dass ich immerhin von 20 runtergehandelt habe), für eine Moldauerin gehalten, das fand ich amüsant. 





In der brütenden Hite machte ich mich schließlich zurück auf den Weg ins Appartment, um meine Schätze wegzubringen und um ins Nationale Historische Museum zu starten. Das wird - wie in Cluj auch - natürlich gerade renoviert und die Sonderausstellungen mochte ich mir nicht anschauen. Kurzerhand beschloss ich dann, stattdessen das Nationale Bauernmuseum zu besuchen, von dem meine Rumänischdozentin immer so geschwärmt hat. Es hat sich tatsächlich gelohnt, das Museum ist sehr schön aufgearbeitet, aber ich war sehr schnell gelangweilt und finde diese ganze Betonung der nationalen bäuerlichen Kultur in Rumänien sowieso übertrieben. Ich bin sehr schnell durchgelaufen, habe es aber nicht bereut. Fotos durfte man im Übrigen keine machen. Es waren genausoviele Museumswärterinnen wie Besucher anwesend, die diese dann mit Argusaugen beobachtet und Fotos verhindert haben.

Die Treppe im Foyer des Bauernmuseums

Montag, 23. Juli 2012

In Bukarest geht gerade die Sonne auf...


... und ich bin dabei. Ich werde die nächsten zwei Wochen hier weilen und an einem Rumänisch-Sprachkurs der Uni Bukarest teilnehmen. Gestern am Flughafen habe ich schon eine andere Teilnehmerin aus Regensburg getroffen, die völlig überrascht war, dass man das Hotel hätte reservieren müssen. Sie ist davon ausgegangen, dass unsere zuckersüße, aber leider etwas zerstreute Rumänisch-Dozentin das mit erledigt. Jetzt hat sie mit in meinem Appartment gepennt und wird wohl auch hier bleiben, wenn sich das mit der Unterkunft nicht klärt.
Ansonsten, alles wie immer - ein bisschen verloren fühlen auf dem Flughafen, ein bisschen Nervosität beim Reinfahren in die Stadt, ein bisschen Neugier, was jetzt kommt. Ich melde mich wieder und versuche auch weiterhin den Balkantrip aufzuschreiben.

Montag, 19. März 2012

Bukarest an einem Wochenende

Mit vier anderen Erasmus-Studenten machte ich mich Donnerstagabend mit dem Nachtzug auf dem Weg nach Bukarest. Ich war schon vorher einige Male kurz in der Stadt und konnte ihr nie viel abgewinnen. Groß, laut, dreckig - das war mein Eindruck. Aber ich wollte ohnehin ins Securitate-Archiv um für meine Masterarbeit zu recherchiern und ein paar andere wollten auf ein Konzert und so entschloss ich mich, einfach mitzufahren. Ich musste meine vorherigen Eindrücke ein wenig korrigieren. Ob es an dem wunderschönen Sonnenschein lag oder daran, dass wir uns überhaupt keinen Stress machten - die Stadt hat definitiv nette Ecken.
Wir fuhren am Donnerstagabend mit dem Nachtzug los, nachdem zwei Mitreisende noch Massen an Broten geschmiert hatten und ein anderer uns ein superleckeres Abendessen gekocht hatte. Kurz vor elf stiegen wir in den Zug, zwei ins normale 2.-Klasse-Abteil, die anderen drei, darunter ich, in den Liegewagen-Bereich. Der Zug war sehr voll und ein Bordbistro gab es nicht. So saßen wir dann noch eine ganze Weile auf dem Gang und haben uns über alles mögliche unterhalten, bevor wir in unsere Kojen krochen. Als Bezüge für die Decken, Kissen und Liegen hatten wir eine Art dünne Papierlaken bekommen, die sich so ähnlich anfühlten, wie OP-Hemden. Vielleicht lag es daran, dass ich erstmal eine ganze Weile wach lag, schließlich aber doch noch ein paar Stunden schlief. Am Morgen folgte eine Katzenwäsche, ich versuchte, mich so gut es eben ging herzurichten, denn ich wollte gleich am Freitagmorgen dem Archiv einen Besuch abstatten.
Eine der Mitfahrerinnen hatte über ihre Familie und Bekannte eine Wohnung organisieren können, die sich in einer super Lage, direkt am Bulevardul Unirii, welches zum Parlamentspalast führt, befand. Wir fuhren mit einem überteuerten Taxi hin, weil wir ironischerweise den billigeren als potenziell zwielichtig misstrauten. Am Piata Alba Iulia sollten wir jemanden treffen, der uns zur Wohnung brachte. Irgendwie wusste ich das nicht so richtig und als uns jemand ansprach, wies ich ihn deshalb sehr barsch zurück, wir bräuchten keine Unterkunft. Mein natürliches Misstrauen führt vielleicht in Stresssituationen zu Überreaktionen, vielleicht wurde mir auch schon oft genug von Rumänen eingeredet, keinem ihrer Landsleute zu trauen -  ich war wirklich sehr schroff, was mir später extrem leid tat. Jedenfalls war der junge Mann natürlich derjenige, der uns abholen sollte und ich wäre gern im Boden versunken, als das herauskam.Wir gingen also erstmal zur Wohnung und wurden vom Wohnungsbesitzer sehr nett in Empfang genommen. Nach dem Kennenlernen machte ich mich gleich auf dem Weg zum Archiv. Ich hatte natürlich recherchiert, was man alles braucht, um als Forscher zugelassen zu werden, aber eine Freundin hatte mir empfohlen, nicht den offiziellen Weg zu gehen. Über Email hatte ich zwar auch nicht viel erreicht, ich dachte aber, es wäre dennoch das Beste, wenn ich einfach mal persönlich hinginge. Leider kam ich aber nur bis zu den Pförtner, die aber sehr nett zu mir waren. Sie riefen jemanden im Haus an, ich nehme an, von der Stelle, die die Erlaubnis zum Recherchieren ausstellt und ich musste erstmal kurz der Dame auf Rumänisch erklären, was ich vorhatte. Am Telefon wohlgemerkt. Ich schlug mich ganz gut, glaube ich, aber ohne eine Empfehlung geht es halt doch nicht und so drehte ich unverrichteter Dinge wieder um. Das war nicht so schlimm, weil ja am nächsten Tag noch das Konzert anstand und ich ein verlängertes Wochenende in Bukarest auch nicht für Zeitverschwendung hielt.
Nachdem wir ein wenig gefrühstückt und uns frisch gemacht hatten, gingen wir, gemeinsam mit dem jungen Mann vom Anfang, zum Markt. Er war sehr hilfsbereit, nur übertrieb er das leider ein wenig. Wir fühlten uns schnell ein wenig bevormundet und eingeschränkt und versuchten ihn, loszuwerden. Die Markthalle war sehr beeindruckend, von lebenden Fischen über sämtliches Obst und Gemüse bis zu Plastikwannen konnte man alles kaufen. Den Trödelmarkt fanden wir nicht, das war aber nicht so schlimm. Das Wetter war den ganzen Tag wunderbar und so spazierten wir, nach einer Straßenbahnfahrt zurück ins Zentrum, noch ein wenig durch die Innenstadt.




Schließlich machten wir uns auf den Weg in den Cismigiu-Park, kauften uns ein paar Donuts (Gogosi) und tranken einen Kaffee im schicken Restaurant am See, der allerdings im Winter leer war. Auch wenn herrlicher Sonnenschein war die ganze Zeit, lässt der Frühling leider noch auf sich warten und sehr grün war es im Park somit noch nicht. Nach dem Park wollten wir noch in den Supermarkt und uns etwas zum Abendessen kochen, danach saßen wir noch bei Bier zusammen und quatschen. Es wurde ziemlich spät und nur zwei von uns hatten noch genug Energie, auszugehen, was sie dann auch in die Tat umsetzten. Wir anderen gingen ins Bett. Es gab zwei breite Betten und eine Matratze, so dass wir zu fünft genügend Platz hatten, uns auszubreiten.


Am nächsten Morgen starteten wir mit einem großartigen und reichhaltigen Frühstück in den Tag, ehe wir gegen halb eins zum Parlament aufbrachen. Wir brauchten eine Weile, um hinzulaufen und bekamen dann gesagt, die nächste Tour auf Englisch würde um zwei stattfinden. Eine von uns (und ich war es ausnahmsweise nicht) hatte keinen Pass dabei und somit musste sie noch einmal umdrehen, um diesen zu holen. Sie meinte, aber, sollte sie es nicht schaffen, sollten wir allein reingehen. Wir anderen gingen noch in den Park direkt vor dem Parlament und wollten einfach ein bisschen in der Sonne sitzen. Da sprach uns jedoch ein älterer Herr an und fragte, woher wir kämen. In fließendem Deutsch unterhielt er sich schließlich mit uns. Er war sehr gebildet und erzählte uns, welche deutschen Autoren er schon alle gelesen hatte. Auch über die rumänische Geschichte, insbesondere die Revolution, äußerte er sich. Wie viele Rumänen, vertrat auch er die Meinung, dass die Revolution von der alten kommunistischen Elite "gestohlen" worden wäre und keine wirkliche Transistion stattgefunden hätte. Er bat uns noch um ein wenig Geld, empfahl uns ein paar Museen und Orte und verabschiedete sich mit guten Wünschen. Ich finde es immer wieder schön, Rumänen zu treffen, die so bereitwillig von sich erzählen. Es gibt einen ganz anderen Einblick in das Land, wenn man sich mit den Einheimischen unterhält. Wir machten uns schließlich auf den Weg ins Parlament, wo wir fünf vor zwei feststellten, dass die Tour schon begonnen hatte. Die Dame am Infoschalter, die auch jetzt auf einmal keinen Eintritt mehr von uns verlangte, weil wir ja rumänische Studenten seien, brachte uns jedoch noch zur Tour, so dass wir nur den Anfang verpassten. Ich war letztes Jahr schon einmal im "Palast des Volkes", es ist jedoch immer wieder beeindruckend, auch wenn das erste Mal natürlich überwältigender ist. Ich war zudem erste Mal auf der Dachterasse, von wo aus man einen beeindruckenden Blick über die Stadt hat. Die riesigen Treppen, der Marmor, die Seidentapeten, die Teppiche und Säle - ich kann mir vorstellen, dass man noch im 19. Jahrhundert so größenwahnsinnig gebaut hat, aber das dieses Prunkprojekt vor 30 Jahren begonnen wurde, verblüfft total.


Nach dem Besuch im Palast wollten wir ein Café suchen und streiften durch recht nette Viertel, ehe wir eine Pizzeria mit Freisitz fanden und uns in der warmen Sonne niederließen. Danach gingen wir noch auf die Suche nach Nahrung, was sich bei fünf Leuten und unterschiedlichen Interessen als sehr schwierig herausstellte. Wir liefen eine ganze Weile und irgendwann ließen wir uns endlich in einem traditionellen rumänischen Restaurant im Freisitz nieder. Am Nebentisch wurde ein Geburtstag gefeiert und drei Musiker spielten für die Gäste. So kamen wir noch zusätzlich in den Genuss von rumänischer Volksmusik. Nach diesem kleinen Konzert war vor dem großen Konzert am Abend. Zwei Freiwillige machten sich heldenhaft noch auf den Weg zum Supermarkt, um Bier und Wein und Frühstück für den nächsten Tag zu kaufen. Wir tranken noch ein wenig und machten uns dann mit dem Taxi auf dem Weg zur Turbohalle, die an diesem Abend eröffnet werden sollte. Vorher mussten wir jedoch noch per Telefonjoker - wir riefen die daheimgebliebenen Mitbewohner an - herausfinden, wo diese eigentlich war und wann unser Zug am nächsten Morgen gehen würde.
Nachdem wir ankamen, sahen wir schon Massen an Menschen zur Halle strömen. Auf dem Zufahrtsweg, der vielleicht 300m lang war, standen etwa 2000 Menschen eng an eng gequetscht.Wir waren kurz nach elf da und um zwölf wurde die Lage sehr ungemütlich, weil immer mehr Leute von hinten quetschten. Die Leute fingen auch an zu johlen und zu pfeifen und die Stimmung wurde zum Teil ein wenig aggressiv, kippte aber zum Glück nicht komplett. Wenn es zu einer Panik oder einem Krawall gekommen wäre, hätte es sehr viele Verletzte und vermutlich sogar Tote gegeben. Schließlich ließen sie aber endlich Leute herein, durch eine Öffnung im Zaun so breit wie ein Gartentor, einer nach dem anderen. Wir freuten uns, wieder atmen zu können. Drinnen angekommen, die nächste Überraschung - der Boden im Eingangsbereich stand unter Wasser. Etwa 2-5cm war es tief und wir wateten vorsichtig, mit hochgezogenen Hosenbeinen durch. Nach dem langen Warten in der Kälte, wollte ich gern auf die Toilette, welche im oberen Stockwerk lag. Die erste Überraschung - die Spülung funktionierte nicht. Gut, vielleicht ja nur bei dieser einen Toilette, vielleicht war ja etwas defekt. Aber an den Waschbecken kam auch kein Wasser. Das Wasser war offensichtlich einfach noch nicht angestellt. Ich traf die anderen dann an der Garderobe wieder, wo sie seit einer Weile versuchten, mit ihren Jacken zu wedeln und diese gegen Garderobenkärtchen zu tauschen. Der Gardobier in unserer Nähe wollte aber keine annehmen und es wurde das Gerücht laut, es gäbe einfach keinen Platz und keine Garderobenkärtchen mehr. Wir harrten aus und wurden schließlich endlich alles los - auf zur Tanzfläche. Vorher standen wir jedoch noch an der Bar auch noch mindestens eine halbe Stunde. Das war nicht so schlimm, der DJ vor dem Hauptact - Charly Boy, hieß er - war nicht so gut, meiner Meinung nach. Die Leute feierten trotzdem und ich versuchte auch ein wenig zu tanzen, dachte mir aber, dass das eher nicht so mein Ding wäre. Glücklicherweise musste ich mich dann aber doch nicht allzu sehr ärgern, mitgekommen zu sein - Modeselektor fand ich ziemlich gut. Es ist nicht so das, was ich normalerweise höre. Ich habe mir aber fest vorgenommen, hier im Auslandssemeste viel Neues auszuprobieren und vorgefertigte Meinungen zu revidieren. Gerade musikalisch habe ich in letzter Zeit nicht viel Neues versucht und es ist höchste Zeit dafür.
Wir waren etwa um sechs im Bett an dem Abend und mussten am nächsten Morgen noch vor zehn aufstehen, weil dann unser Begleiter vom Anfang kommen würde, um mit uns zu frühstücken und uns die Schlüssel wieder abzunehmen. Das Frühstück war wieder sehr gut und reichhaltig und ausgedehnt - ich mag das ja sehr. Der junge Herr brachte uns dann noch zum Bahnhof und schließlich fuhren wir 13.15 mit dem IC gen Cluj. Die Fahrt zog sich furchtbar und der Zug war sehr voll, so dass man auch keinen Platz hatte, um sich zu bewegen oder auszustrecken. Ein paar Runden Uno und Backgammon sorgten leider auch nur kurz für Ablenkung. Wir aßen den ganzen Tag Schokolade und da jeder etwas von jedem Schokoriegel haben wollte, biss immer jeder ab und reichte ihn weiter.
Dennoch, obwohl wir eigentlich vollgestopft mit Junkfood waren, gingen wir danach noch eine Pizza essen, um den Abend abklingen zu lassen und waren gegen zwölf in der Nacht zurück im Wohnheim.

Es waren wirklich sehr schöne Tage und wir harmonierten auch als Gruppe sehr gut, das Konzert war gut, die Leute waren nett, das Wetter war schön - wiederholenswert, auf jeden Fall! Welche Stadt als nächstes?