Posts mit dem Label Cluj werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Cluj werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 26. April 2015

Osterreise nach Maramuresch

Maramuresch gehört für mich zu den schönsten Landstrichen Rumäniens. Gerade zur Osterzeit wird ein Besuch dort empfohlen. Wir hatten uns vorgenommen, nun eben zum orthodoxen Osterfest hinzufahren. Das Programm vollgepackt mit Ereignissen, verbrachten wir drei herrliche Tage im hohen Norden. Wir reisten mit dem Zug nach Baia Mare und nahmen von dort am nächsten Morgen einen Mietwagen. Zurück ging es dann von Cluj, wo wir den Mietwagen wieder stehen ließen. Und so sah die Reise aus...


Ostersamstag - auf geht's!


Wir brachen kurz nach zehn Uhr in Baia Mare auf und verließen die Stadt in Richtung Sighetu Marmatiei. Auf dem Weg dahin ging es durch die Wälder, enge Serpentinen immer den Berg hoch. Es war eine wunderschöne Strecke und wir machten ein paar Mal kurz halt, der Aussicht wegen. In Sighet fuhren wir zum Museum und der Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus. Die Ausstellung ist relativ groß, man sollte also Zeit mitbringen. Wir waren nicht allzu aufnahmefähig und verschafften uns eher einen Überblick, aber bereuten es trotzdem nicht, das Museum besucht zu haben.
Nach dem Museum fuhren wir weiter nach Sapanta, zum Fröhlichen Friedhof. Vorher fuhren wir aber erstmal noch ein Stück weiter und aßen in einer Gaststätte mit Forellenzucht zu Mittag. Für mich gab es leckere Mamaliga mit Käse und Schmand. Danach besuchten wir den Friedhof. Er heißt fröhlicher Friedhof, weil ein Kunsthandwerker aus dem Ort einst anfing, den verstorbenen Sprüche in die Holzkreuze zu schnitzen, die von ihrem Leben erzählten. Da war auch schon mal ein Schwank und eine lustige Geschichte dabei, um der Tragik des Todes etwas entgegenzusetzen. Auch heute noch wird die Tradition fortgesetzt und man kann auf den Kreuzen über Lebemänner und böse Schwiegermütter lesen. Ein Besuch lohnt sich vor allem, wenn man des Rumänischen mächtig ist.
Nach Sapanta wurde es auch schon langsam Abend und wir wollten eine Unterkunft für die Nacht auf einem der Dörfer suchen. Da uns an der Hauptstraße nichts so richtig zusagte, schauten wir dann doch im Internet und fuhren gezielt zu einer Unterkunft, die uns angezeigt worden war. In der Osternacht wollten wir zur Auferstehungsmesse gehen, deswegen war uns wichtig, dass wir in einem kleinen Ort mit Kirche waren. Nach einem kurzen Spaziergang machten wir ein Nickerchen, ehe es kurz vor zwölf Uhr nachts hieß, aufzubrechen.
Die Ostermesse ist immer interessant. In Maramuresch ist es oft so, dass ein Großteil des Dorfes in traditioneller Tracht kommt. Wir waren etwas außen vor, außerdem hatten wir keine Kerze dabei. Nach der Predigt geht man mit Kerze dreimal um die Kirche. Ein Mann wies uns darauf hin, dass es in der Kirche vielleicht noch Kerzen gäbe und wir durch den Seiteneingang hinein sollten. Wir hätten auch wieder durch den Seiteneingang hinaus sollen, als wir keine Kerze fanden, aber warum auch immer nahmen wir den Haupteingang. Damit standen wir direkt vorm Priester, praktisch auf dem Altar. Die alten Weiber in der ersten Reihe warfen uns bitterböse Blicke zu und es gab scheinbar keinen Weg zu entkommen. Entschuldigungen murmelnd kämpften wir uns schließlich durch die Gläubigen, um wieder in den hinteren Reihen zu stehen. Nun ging auch bald die Prozession los. Zuvorderst gingen die Frauen, dahinter die Männer. Was sollte ich nun machen? Ich wollte mich ungern von meinem Begleiter trennen. Inzwischen auch in Besitz einer brennenden Kerze schlossen wir uns in den letzten Reihen der Männer an - ich hoffe, Gott ist nicht so kleinlich, meine vollkommene Überforderung mit der Situation als Sünde zu werten. Mir gefiel die Atmosphäre, beispielsweise, dass auch fast jedem Grab Kerzen brannten. Nach so viel Aufregung mussten wir dennoch nicht bis zum Ende der Messe bleiben und wir entfernten uns unauffällig, nach dem wir dreimal um die Kirche gegangen waren.



Ostersonntag






Wir hatten in unserer Pension um Frühstück gebeten und dieses wurde uns auch vorbereitet - als wir aufstanden, stand alles schon bereit. Gekochter Schweineschinken, Würste, Drob (eine Art Pastete aus Schaf, Innereien und Ei), Ei, Tomaten, Meerrettich, Rote-Beete-Salat, süßes Osterbrot und Kuchen. Ich vergaß mal wieder mein Vegetarierdasein, denn es war Ostern, auch wenn mir später mein Bauch etwas böse dafür war - ich war eben einfach kein Fleisch mehr gewöhnt. Danach gingen wir zur zweiten Messe, wo wir auch zahlreiche Fotos von den Menschen in Tracht schießen konnten. Die Dorfbewohner hatten traditionelle Beutel mit Speisen gefüllt, die nun gesegnet werden sollten. Wieder trugen alle Tracht. Auch wir bekamen ein paar Spritzer Weihwasser ab. Unser Herbergsvater freute sich kindisch, dass er Kaffee in den Beutel zur Segnung geschmuggelt hatte und bot uns später vor dem Abschied noch davon an. So gestärkt waren wir für einen weiteren abenteuerlichen Tag vorbereitet. Außerdem nahmen wir selbst noch gewebte traditionelle Taschen, sogenannte Traiste, mit und ein Tuch für mich. Meine Tasche war gerade kaputt gegangen, da bot sich das an.
Nur wenige Kilometer weiter besuchten wir das Kloster Barsana. Es handelt sich um eine riesige Klosteranlage, die im traditionellen Stil mit sehr viel Holz erbaut ist und unzähliche Touristen anzieht. Es scheinen auch noch ständig weitere Gebäude hinzuzukommen, jedenfalls sah es so aus, als würde ständig erweitert. Wir aßen noch ein Eis und setzten uns an den vorbeifließenden Fluss, dann ging es weiter.

In Ieud machten wir noch Halt, um die Holzkirche zu besichtigen, die aber leider verschlossen war. Dann ging es weiter nach Borsa, wo wir dem Skigebiet einen Besuch abstatteten. Obwohl in den Bergen gelegen, lag auch hier kein Schnee mehr. Dennoch funktionierte der Sessellift. Nachdem wir uns in einem einfachen Gasthaus gestärkt hatten, fuhren wir die 2km lange Strecke mit dem Sessellift den Berg hoch. Oben lag noch Schnee und der Ausblick war beeindruckend. Auch ein paar Skiläufer und Wanderer waren hier oben noch unterwegs gewesen. Wir konnten nichts weiter unternehmen, da schon gleich die letzte Abfahrt ins Tal war. Wir kamen noch ein Wenig mit dem Mann, der den Lift oben betreute ins Gespräch. Witzigerweise hatte er einmal im Banat gearbeitet, und zwar in einer Firma, die damals der Großvater eines Freundes meines Begleiters leitete. Ja, Rumänien ist doch klein.
Wieder unten wurde es Zeit für uns, nach Viseu de Sus / Oberwischau zu fahren. Dort wollten wir im Hotelzug übernachten und am nächsten Tag einen Ausflug mit der Wassertalbahn machen. Der Hotelzug ist ein auf dem Bahnhof feststehender Zug, in dem in zwei Waggons aus den Abteilen Hotelzimmer gemacht wurden, außerdem wird das Essen im Speisewagen serviert. Ab 19 Uhr würde uns das Abendessen serviert, was im Paket enthalten war, also mussten wir uns sputen. Als wir ankamen, hatten wir dann aber doch noch Zeit, in aller Ruhe unser Abteil zu beziehen. Es war ein altes Schlafwagenabteil, mit zwei Liegen übereinander, einem kleinen Waschbecken neben dem Fenster und einer Garderobe. WCs waren am Ende des Zugs und Duschen in Containern neben dem Zug. Die WCs waren aber moderne Toiletten, die offensichtlich nachträglich eingebaut worden waren, ansonsten hatte das Zugabteil aber viel von seinem ursprünglichen Charme. Es war alles sehr gut gepflegt. Ein paar Nachteile gibt es aber schon - da der Zug ja nicht fährt und die Abteile sehr hellhörig sind, kann man praktisch alles von den Nachbarn mithören. Für große Menschen sind die kleinen Kojen sicher auch nicht so komfortabel. Es war ein nettes Abenteuer für eine Nacht und die Verpflegung zum Abendessen und zum Frühstück war ebenfalls sehr gut. Für einen längeren Aufenthalt sollte man aber vielleicht lieber die weiteren Nächte in einer Pension buchen, von denen es in Viseu reichlich gibt.


 

Ostermontag


Wir krochen zeitig aus den Betten und waren die ersten, die morgens um acht am Frühstücksbuffet standen. Es war übersichtlich, aber ausreichend, mit kalter Platte mit Wurst- und Käseaufschnitt, Müsli und Cornflakes, Joghurt, Marmelade, Saft und Milch sowie Brötchen und Brot. Dazu konnte man Kaffee oder Tee bestellen.


Wir checkten aus unserem Abteil aus und deponierten unsere Sachen im Auto, welches am Bahnhof bleiben konnte, dann gingen wir die Zugfahrtickets kaufen. Uns wurde empfohlen, uns gleich einen Platz im Zug zu sichern, was wir auch taten. Ich hatte ein bisschen Angst, auf der Fahrt zu verhungern, denn der Ausflug dauert etwa 6 Stunden und unterwegs gibt es nur Fleisch. Ein Steak musste ich jetzt nicht noch haben, also deckte ich mich am Bahnhof noch mit Krapfen ein. Leider gab es nichts anderes, nirgends gab es Kekse oder Schokolade zu kaufen. Ich würde empfehlen, besonders als Vegetarier, ein kleines Lunchpaket mitzunehmen. Außerdem kam schnell Angst vor schreienden Kindern auf. Gerade in dem Abteil, wo wir uns niedergelassen hatten, tauchten auf einmal eine Menge schreiener verzogener Bälger auf, nebst Eltern, die so gar nicht gingen. Wir beschlossen, umzuziehen, riskierten dann dadurch aber fast komplett irgendeinen Platz. Schließlich gelang es uns zwei wunderbare Plätze in einem Abteil mit drei etwa sechs- bis achtjährigen Jungs zu erwischen, die aber im Vergleich zum zweijährigen Schreikind aus dem anderen Abteil eine wahre Wohltat waren. Hier schoss auch keine Mutter unablässig Handybilder von ihrer ach-so-süßen Tochter, eine halbe Stunde bevor der Zug überhaupt losgefahren war.  
Die Fahrt an sich war wirklich schön, noch dazu, weil die Sonne praktisch die ganze Zeit über schien. Die Lokomotive dampfte kräftig und fuhr durch enge Täler und spektakuläre Landschaften. Als wir am Endbahnhof ankamen, hatte die Volkstanzgruppe schon losgelegt und Volksmusik schmetterte durchs Tal. Zu für Rumänien unerhörten Preisen wurden Grillteller verkauft und man konnte ein kleines Museum über das Wassertal besuchen. Alles in allem ganz schön, wenn auch nicht spektakulär. Nach über eineinhalb Stunden ging es dann zurück und wir landeten wieder am Ausgangspunkt.



Mit dem Auto fuhren wir noch bis Bistrita / Bistritz und gingen dort eine Pizza und ein Eis essen, bevor wir uns in einem Hotelzimmer zur Ruhe legten. Die letzte Etappe der Reise stand an.

Rückreise


Da wir das Auto in Cluj / Klausenburg wieder abgeben wollten, mussten wir noch bis dorthin fahren. Wir starteten frühmorgens, um noch Zwischenstopps machen zu können. Das taten wir dann auch am Banffy-Schloss in Bontida, wo seit ein paar Jahren im Sommer das Electric Castle Festival stattfindet. Das alte Schloss ist zum Teil noch eine Ruine, zum Teil bereits restauriert. Gegen ein geringes Eintrittsgeld kann man es besuchen. Wenn Bauarbeiter da sind, kann man sich leider nicht in dem Teil herumtreiben, der noch baufällig ist, sondern nur von außen schauen. Auf zahlreichen Tafeln wir die Geschichte der einzelnen Gebäude erklärt. Meines Erachtens lohnt es sich nicht unbedingt, das Schloss unbedingt zu besuchen, wenn man nicht ohnehin einmal von Cluj einen kleinen Ausflug machen will oder es auf dem Weg liegt, aber so ist es schon interessant.
In Cluj gingen wir noch beim Inder Mittagessen, danach ging es mit dem Zug nach Hause. 

Das war die Route: 



Und nun noch ein paar Infos:


Museum in Sighet: Memorial Sighet
Öffnungszeiten: täglich 9:30 - 18:30 (Sommer), dienstags bis sonntags 9:30 - 16:30 (Winter)
Eintritt: 6 Lei, 3 Lei ermäßigt
Weitere Infos (z.B. Öffnungszeiten an Feiertagen): http://www.memorialsighet.ro/ (4. Überschrift auf der linken Seitenleiste: Museum)

Wassertalbahn
Tägliche Fahrten 9:00 oder 10:00, Dauer ca. 6 Stunden incl. längerer Pause
Infos, auch zur Übernachtung im Hotelzug: http://www.cffviseu.ro/content/de

Übernachtung in einer privaten Pension:
www.agrotur.ro
Unsere Pension war folgende: www.agrotur.ro/bud - die Herbergsleute waren sehr nett und die Zimmer in Ordnung

Die Bilder sind nicht nur von mir, sondern auch von meinem Begleiter, trotzdem bitte nicht ohne anzufragen verwenden. 


Freitag, 17. April 2015

Lieblingsort: Ausblick vom Belvedere-Hügel in Cluj

Fast jedes Mal, wenn ich in Cluj bin, schaue ich mir die Stadt von oben an. Ich habe Fotos von 2008, als ich, gerade angekommen, mit anderen Erasmus-Studenten hochgeklettert bin. Damals war das Stadion noch alt und hässlich, ich dafür jung und kämpferisch.


Und die Stadt? Natürlich wunderschön!


2011 habe ich mich nicht bis ganz nach oben begeben und meine Kamera hat gestreikt - eine interessante Perspektive gibt es trotzdem oder gerade deswegen.




2012 dann wieder mit funktionierender Kamera - siehe da, das Stadion ist fertig! Und der letzte Schnee liegt auch noch.



Als der Schnee weg ist, wurde die Aussicht des Öfteren bei einem Eis oder einer Limo genossen, wie hier im Bild...


Im Herbst 2012 entstand dann noch eine Nachtansicht. 
 
 
Ein beliebtes Fotomotiv auch 2014...
 

 
Zu finden ist dieser Lieblingsplatz ganz einfach, denn das Belvedere Hotel ist weithin zu sehen.
 

 

Donnerstag, 27. November 2014

Ausflug nach Norden

Ich hatte mir einen Tag frei genommen - Mehrstundenausgleich, wie sich das im Behördendeutsch schimpft - um mit einem lieben Menschen ein verlängertes Wochenende zu genießen. Ich hatte die Idee, nach Baile Felix zu fahren und danach nach Cluj. Es sollte eine kleine Rundreise werden, der Rückweg sollte dann über die Strecke östlich des Gebirges erfolgen. Ich buchte eine einfache Unterkunft in Baile Felix und ein dafür extravagantes Hotel in Cluj - eines, in dem ich immer schon mal wohnen wollte. Freitagnachmittag ging es also los...

Shhh... wo geht es hin?


Zunächst fluchte ich kräftig, den für die ersten fünf Kilometer der Reise brauchten wir bestimmt über eine halbe Stunde. Der Stadtverkehr war zum frühen Freitagnachmittag superzäh und ich atmete auf, als wir endlich auf der Autobahn waren. Autobahn gibt es hier nur leider nicht so viel, so dass es schließlich auf Bundesstraßen weitergehen musste. Irgendwann kamen wir trotzdem in Baile Felix an. Ich hatte die Koordinaten der kleinen Pension, wo ich ein Zimmer reserviert hatte, glücklicherweise herausgesucht, so dass wir es schnell fanden. Wir zogen uns die Badesachen an und nichts wie zum Aquapark. In der Pension, die etwas unter 15 Euro für das Doppelzimmer verlangte, hatten wir ermäßigte Tickets bekommen, die etwa 10 Euro für uns beide kosteten. Eine sehr kostengünstige Variante also. Wir planschten gut - zwei der drei Rutschen und einige der Außenpools waren trotz des kühlen Wetters geöffnet, außerdem gab es mehrere Innenpools, ein Dampfbad und eine Sauna. Der Aquapark kann es nicht mit einem großen Spaßbad aufnehmen und auch nicht mit einer Wellness-Therme, sondern liegt irgendwo dazwischen. Ein Kompromiss - kein schlechter und auch kein besonders herausragender. Es hat jedenfalls sehr viel Spaß gemacht, ein bisschen im heißen Thermalwasser rumzuliegen und ein paar Mal rutschen zu gehen. Bei mir machte sich danach extreme Erschöpfung breit und ich schlief sehr gut.

Am Samstagmorgen fuhren wir recht früh nach Cluj weiter. Da wir ohne Frühstück gestartet waren, war unser erster Anlaufpunkt ein schönes Café am Museumsplatz. So gestärkt mit Bundáskenyér (Arme Ritter) bzw. Apfelkuchen, konnte es weiter gehen. Wir fuhren zum Hotel und da musste der arme Karl mal wieder ganz schön ran. Ich schaltete runter und mit viel Schwung nahmen wir den Festungshügel. Am Hotel Belvedere parkten wir und bezogen unser Zimmer im dritten Stock mit Balkon und Ausblick über die Stadt.


Wir trafen uns dann mit meinem ehemaligen Sprachtandempartner und tranken ein Bier im "Klausen", dann aßen wir noch einmal richtig beim Inder im Studentenviertel. Ich musste meinem Begleiter unbedingt noch das "Insomnia. Dort tranken wir noch eine pudding-dicke heiße Schokolade, dann reichte es aber auch - wir überlegten noch in den Hotelswimmingpool zu gehen. Als wir am wunderschönen Hotel Continental vorbeikamen, hatte das glücklicherweise gerade mal wieder für irgendeine Veranstaltung geöffnet - wir schlichen uns zum Bilder machen rein. 
Das Hotelschwimmbad hingegen war abends um acht leider bereits nicht mehr geöffnet, also mussten wir das auf den nächsten Morgen verschieben. Nach einem frühen Weckerklingeln machte ich mich lustig angezogen auf dem Weg zum Fitnsse- und Wellnesscenter. Da dieses laut Aussage des Personals nur zu erreichen war, wenn man kurz das Hotel verließ, hatte ich mir den Mantel übergeworfen und trug zur dreiviertelkurzen Sporthose meine Schnürstiefel. Ulkig sah ich aus. Ich habe dann aber im Fitnesscenter schnell die Laufschuhe angezogen und ab ging es für ein paar Minuten aufs Laufband. Nachdem ich ins Schwitzen gekommen war, belohnte ich mich noch mit ein paar Bahnen Schwimmen im Hotelpool und der Start in den Tag war perfekt. Zurück ging es direkt durch die Verbindungstür zur Hotelhalle, von der der Rezeptionist scheinbar noch nie was gehört hatte. Jetzt konnte das Frühstück kommen. Das Frühstück war solide, vielleicht ein wenig unter dem sonstigen Standard des Hotels, aber ausreichend. Wir drehten noch eine kurze Runde am Belvedere-Hügel und blickten auf die Stadt, dann brachte Karl uns wieder Richtung Temeswar. 

Beim Blick auf die Karte wurde klar, dass wir fast an Rosia Montana vorbeikamen. Da wir noch nie in der Bergbaustadt waren, in der ein heftiger Kampf um das für und wieder eines riesigen Goldbergbauprojektes inklusive Giftsee tobt, dass Rumänienweit und sogar Europaweit Wellen geschlagen hat, beschlossen wir hinzufahren. Und es war tatsächlich sehr seltsam - eine ganz normale rumänische Gemeinde mit ein paar wenigen super aufgehübschten Häusern - von der kanadischen Bergbaufirma gesponsort, die hier schürfen will, wie ich wusste. Dann ein Museum in der Ortsmitte. Über das Gold. Ebenfalls gesponsort von eben dieser Gold Mine Corporation. Als wäre das alles noch nicht seltsam genugt, bietet das Museum freien Eintritt und ein angestellter eben der Corporation - allerdings weise gewählt, ein Ureinwohner von Rosia Montana - leiert den Werbetext der Firma runter, während er die Ausstellungsstücke erklärt. Sehr sehr suspekt. Wir hatten noch einiges an Weg vor uns, haben daher nur kurz den römisch-katholischen ungarischen Friedhof besucht und rollten daraufhin den Berg wieder runter, weiter in Richtung Temeswar. 


Die weitere Strecke war zum Verzweifeln, überall Bauarbeiten und Ampeln und einspurig, dazu LKWs und lebensmüde Rumänen. Irgendwann gegen sechs, sieben am Abend landeten wir wieder in Temeswar - um einige Eindrücke und ein schönes Wochenende reicher.




Dienstag, 13. August 2013

Cluj, ein Super-Kurz-Urlaub

28 Stunden in Cluj, dafür 12 Stunden Zugfahrt in Kauf genommen und trotzdem: Es war richtig gut. Cluj wird immer schöner, an allen Ecken entsteht etwas Neues. Alles wird schicker, beim Biergarten in der Nähe vom Hasdeu-Studentenkomplex wird man jetzt von einer Bedienung platziert.



Mein Sprachtandem-Rumäne und ich, wir sind übereingekommen, das Cluj keine touristisch interessante Stadt ist, denn was gibt es schon zu sehen? Den Piata Unirii mit dem ungarischen König und der Kirche, die Gässchen um das Geburtshaus des ungarischen Königs, das Boulevard Richtung orthodoxe Kirche und die Zwillingshäuser am Piata Unirii. Cluj ist nicht herausragend schön.
Aber, und das war die unvermeidliche Schlussfolgerung, es wächst einem ans Herz, wenn man da wohnt.

Zwei Tage Biergarten, entspannen, Schlaf nachholen, Eis essen - Danke, Cluj!

Dienstag, 1. Januar 2013

Ein gutes altes Jahr, ein gutes neues Jahr

Das letzte Jahr war durchwachsen, es gab einige harte Momente, aber insgesamt war es ein großartiges Jahr. Ich bin viel herumgekommen, dass ich die Möglichkeit dazu hatte war eine glückliche Fügung. Ich habe ganz viel gelernt dieses Jahr und bin soweit vorangekommen. Ich weiß immer noch nicht genau, was ich will, aber das ist nicht mehr so schlimm. Das Wichtigste war wohl die Erkenntnis, dass es alles irgendwie klappt. Ich habe viele neue Ideen und Impulse bekommen und neue Sachen ausprobiert, die ich unter anderem Umständen vielleicht nicht gemacht hätte. Ich habe Freundschaften geschlossen und intensiviert, eine Menge Menschen kennen und schätzen gelernt, die wohl zu den Besten auf dieser Welt gehören. Meine Leidenschaft für Musik ist wieder aufgekeimt und obwohl ich immer noch ganz schön beschränkt bin in meinem Geschmack, habe ich mich doch auch auf neue Sachen eingelassen. Ich war wieder viel bei Konzerten, ich habe wild und selbstvergessen getanzt. Ich bin meine Abschlussarbeit angegangen und wie auch immer es am Ende wird, ich weiß, dass ich es schaffen kann, wenn ich es einfach anpacke.


Hier eine schnelle Jahreszusammenfassung in Bildern...








Dienstag, 18. September 2012

Cluj nach Wien - sonnig bis regnerisch

Die vierte Etappe der Rumänien-Reise


In Cluj übernachtete ich bei einer Freundin, die mit mir Erasmus gemacht hatte und noch den Schlüssel zu ihrer alten Wohnung besaß. Dort schliefen wir also und der Plan war, früh aufzustehen und zeitig an der Ausfallstraße Richtung Oradea zu stehen, um loszutrampen. Wir waren zu dritt und wussten, dass das ein wenig schwierig werden würde, aber wir wollten es versuchen. Schließlich schafften wir es irgendwie um 8.15 Uhr in der Nähe einer riesigen Mall zu stehen und hielten Schild und Daumen raus. Jemand hielt an und wir wurden bis Huedin mitgenommen. Der Mann war Ungarn, ich unterhielt mich zunächst auf Rumänisch mit ihm, dann aber musste die Freundin, bei der wir übernachtet hatten, das Gespräch übernehmen. Sie war Wienerin und sprach gut Ungarisch, denn ihr Vater war Ungar. Der Mann erzählte ihr unter anderem, dass Deutsche nicht mochte. Wir fühlten uns gleich besser, als wir das erfuhren... In Huedin ließ er uns raus und wir versuchten es weiter. Ziemlich schnell hielt ein Lieferwagen an, der aber nur Platz für zwei hatte, also blieb ich zurück. Schnell hielt ein weiterer Lieferwagen an, der unterwegs ein paar Sachen ablieferte und mich schließlich bis ins Zentrum von Oradea brachte. Von dort nahm ich nach einem Telefonat mit den anderen die Straßenbahn – in Ermangelung eines Fahrkartenkiosks fuhr ich schwarz – um an der Endhaltestelle meine Kollegen zu treffen. Die Linie endete leider eine Haltestelle zu früh und ich musste noch ein paar Minuten laufen, aber dann waren wir wiedervereint. Wir standen nur kurz an der Straße Richtung ungarischer Grenze, da hielt ein altes Wohnmobil. Sie hätten eigentlich nicht viel Platz, meinte das ungarische Pärchen, aber nachdem ein paar Sachen zur Seite geräumt waren, konnten wir uns auf der Bank hinten niederlassen – ohne Anschnallgurte und ohne alles. Eigentlich sehr bequem, dennoch ein wenig eingequetscht und deshalb schliefen mir irgendwann die Füße ein und meine Beine schmerzten. Aber das war kein Problem, wir kamen immerhin bis Budapest in einem Zug. Außerdem waren es super interessante Menschen, sie hatten einen Biohof in Westungarn. Die Frau, die fließend Deutsch sprach, erzählte uns von Permakulturen und biodynamischen Anbau und von ihrem Leben im Winter in Höhlen auf La Gomera. Es machte Lust, auch mal ohne Geld und total unabhängig von allem zu leben, es war wirklich eine Quelle der Inspiration, was Leben noch so alles bedeuten kann. In der Stadtmitte wurden wir herausgelassen, suchten noch eine Weile nach der Autobahnauffahrt und fuhren mit der Straßenbahn ein Stück. Es war kein guter Platz zum Trampen. Unterwegs hatte sich sich das Wetter deutlich geändert - von zunächst noch strahlend blauem Himmel in Rumänien über Nieselregen eine Stunde vor Budapest zu beharrlichem Dauerregen in Budapest. Jetzt standen wir also im Regen und warteten. Schließlich hatte unser Freund als erstes Glück – zwei Deutsche wollten ihn bis kurz vor Wien mitnehmen, aber sie hatten eben nur Platz für eine Person. Die Österreicherin und ich blieben stehen und warteten. Unsere Schilder, auf denen Wien / Bécs (der ungarische Name für Wien) oder A und zum Schluss Györ stand, durchweichten immer mehr und auch wir waren triefend nass. Nach bestimmt eineinhalb Stunden gaben wir auf. Wir wollten den Zug nehmen. Wir überlegten noch, dass wir vielleicht mal unseren Freund kontaktieren sollten, als die Wienerin feststellte, dass sein Handy in seiner Jackentasche war – und die Jacke hatte sie sich geliehen, da er ja im trockenen Auto saß und wir noch ein Weilchen im Regen stehen mussten. Wir überlegten, wie wir ihn kontaktieren könnten und kamen darauf, dass wir ihm eine Email schreiben sollten. Wir kauften ein Ticket nach Wien, gingen kurz ins McDonalds am Keleti-Bahnhof, da es dort kostenloses W-Lan gab und stiegen in den Zug. Meiner Freundin fiel noch ein, dass wir ihm vielleicht die Handynummer schicken sollten und sie rief ihren Bruder an, damit der das über Facebook tat. Und tatsächlich, irgendwann klingelte das Telefon und er rief an. Er war ihn Wien, er würde zum Bahnhof kommen. Wir gingen dann gleich zu unserer Freundin nach Hause und schliefen zu dritt in ihrem Bett. Für mich gab es keine Stadttour in Wien, denn am nächsten Morgen wollten wir aufbrechen, um das restliche Stück nach Regensburg zu schaffen.

Mittwoch, 12. September 2012

Angekommen in Cluj

Die dritte Etappe der Rumänien-Reise

Ich bin gestern Nacht mit dem Nachtzug aus Bukarest nach Cluj gefahren. Im Archiv hatte ich schon alles durch und war wenig motiviert, noch viel mehr zu machen - nach sechs Stunden mit rumänischen Texten im kommunistischen Stil war ich einfach zu fertig, um noch irgendwas aufzunehmen. Ich hatte alle bestellten Akten durchgearbeitet und machte Feierabend. Doch was nun? Ich hatte ja einen weiteren Tag fürs Archiv eingeplant und nun war schon fertig, konnte also eigentlich auch nach Cluj fahren, einen Tag eher als gedacht. Dort noch meinen Sprach-Tandem-Partner treffen und ein wenig Rumänisch und Deutsch schwätzen, und natürlich die zwei Erasmus-Studenten, die gerade ebenfalls in der Stadt waren.
Ich hatte noch zwei Stunden, bis der Zug abfahren würde und so beschloss ich, zum Bahnhof zu laufen. Ich hielt noch einmal für ein paar Fotos an und schaute in eine Buchhandlung, dann war ich am Bahnhof und kaufte ein Ticket. Der Zug hatte bereits eine Stunde vor Ankunft eine angezeigte Verspätung von 10min, das weitete sich scheibchenweise bis 50min aus, als er schließlich einfuhr. Ich stand vor der großen Anzeigetafel und wartete, dass das Gleis angezeigt würde und las Anna Gavalda (ich berichtete...). Neben mir hätte Elvis vorbeilaufen können, ich war total gebannt von dem Buch. Und schaute immer mal erschrocken auf, ob auch niemand diesen abwesenden Zustand nutzte und mich beklaute, ich war ja immer noch in Bukarest und nach dem Vorfall in Varna auch etwas vorsichtiger.

Sonnenaufgang in Transilvanien - kurz vor Ankunft des Zuges in Cluj

Ich kam morgens um halb sieben in Cluj an und lief erstmal durch die Stadt. Ich genoss das Schlendern durch die Straßen. Ich liebe den Moment, wenn die Stadt erwacht und genau diesen Moment erlebte ich mal wieder.




Als ich bei meiner Erasmus-Mitstudentin und Freundin vor der Tür stand und sie anrief, um mich hereinzulassen, freuten wir uns beide sehr über das Wiedersehen. Sie hatte erst abends mit mir gerechnet. Schön, wieder in Cluj zu sein!

Montag, 23. Juli 2012

Cluj verlassen - Goran Bregovic spielt zum Abschied

Hier der erste Beitrag zu meiner Balkantour Ende Juni bis Anfang Juli. Ich verlasse Cluj...

Meine letzten Tage in Cluj waren natürlich etwas stressig und auch ein bisschen traurig. Die Stadt werde ich wiedersehen, da bin ich mir sehr sicher, aber einige von den Leuten wohl nicht. Das ist bei einigen sehr schade. Außerdem wurde ich pünktlich das Wochenende vor meiner geplanten Abreise ans Meer richtig krank. Husten, Schnupfen, Heiserkeit und zwar Schnupfen von der Sorte, bei der man das Gefühl hat, Nase und Ohren sind komplett verstopft und Halsweh, so stark, dass ich jedes Schlucken möglichst vermied.
Aber dann war ja am Montagabend Goran Bregovic in Cluj und ich redete seit Wochen davon, dass ich hinwollte, ja hinmusste. Ich hatte auch erfolgreich das halbe Wohnheim mobilisiert, nur ich selber war noch einen Tag so schlapp, dass ich mich fragte, ob ich schaffen würde.
Ich hatte am Montag einen amerikanischen Couchsurfer bei mir zu Gast, dem ich kurzerhand auch eine Karte gekauft hatte und der sich darauf freute, mitzukommen. Er sah leider nicht viel von Cluj, aber vielleicht kommt er ja mal wieder. Wenn man nur ein paar Wochen für ganz Europa hat, ist es immer etwas schwierig sich irgendwo länger aufzuhalten und er wollte lieber noch Maramures sehen, was ich auch verstehen kann.

Das Konzert begann recht lahm. Am Einlass war ein Riesengedränge und als wir drin waren und uns mit Bier ausgestattet hatten, spielte dann schon so etwas wie eine Vorband in der Halle. Irgendeine rumänische Gypsy-Band, meines Erachtens nicht besonders gut. Zum Schluss spielten sie eine altbekannte Bregovic-Melodie (der diese ja auch nur aus altem balkanischen Liedgut zusammengeklaut hatte) und verscwanden glücklicherweise. Denn dann kam der Maestro höchstselbst mit seiner Wedding & Funeral Band. Und was dann begann, war der Wahnsinn. Er stieg gleich temporeich mit "Gas" ein, spielte dann aber auch viele langsame Sachen, viele tanzbare Sachen, er machte einfach Stimmung. Die Ladies neben mir tanzten wunderbar, so dass es eine Freude war, ihnen zuzuschauen. Erwähnte ich eigentlich schon, dass in der Halle etwa 35° C herrschten? Ich tanzte auch sehr viel und am Ende waren wir alle ziemlich durchgeschwitzt, hatten hochrote Köpfe und die Haare klebten uns schweißnass im Gesicht. Es war großartig. In der Zugabe kam noch der Klassiker "Bella Ciao" - wie ich dieses Lied liebe - und irgendwann strömten wir alle verschwitzt und erschöpft (bis auf unsere österreichische Kollegin, die gern noch ein paar Stunden weitergemacht hätte) aus dem Gebäude, ich für meinen Teil mit einem zufriedenen Grinsen auf dem Gesicht, wie die meisten anderen wohl auch. Ich habe so etwas in Cluj zuvor nicht erlebt und es war der perfekte Abschluss eines eindrucksvollen und erlebnisreichen Semesters. Danach konnte ich Cluj getrost verlassen, mit einem Lächeln um die Mundwinkel, mit einem wehmütigen und einem strahlenden Auge, mit ganz viel Energie und einer seltsamen Mischung aus Fern- und Heimweh. Wenn der Weg das Ziel ist und das Zuhause im Unterwegssein liegt, ist es wohl nur natürlich, dass man sich immer nach einem Ort der Geborgenheit sehnt und im gleichen Moment zurück und weiter möchte.

So in etwa fühlte ich mich, als ich zwei Tage später, nachdem ich mich noch einmal von allen verabschiedet hatte, die noch so da waren, in den Zug stieg, der mich quer durch Rumänien an die Küste bringen sollte, nach Constanta. Ich war anfangs allein im Abteil und sah aus dem offenen Fenster auf die vorbeirauschende Stadt. Bis bald, Cluj, ich werde mal wieder kommen.


Samstag, 16. Juni 2012

Zum ersten Mal auf dem Flohmarkt - als Verkäuferin

Ich bin heute mit drei anderen Deutschen kurz nach sieben zum Flohmarkt gestartet, um dort meine Sachen zu verkaufen. Ein großer Spaß, wenn auch verbunden mit immer unerträglich werdender Hitze und Sonnenbrand. Ich habe Domnul Popescu weiterverkauft, wiederum für 100 Lei, wenn ich auch die Pumpe und das Schloss kostenlos dazugegeben habe. Auch meinen Wasserkocher habe ich verkauft, leider muss ich nun die restlichen Tage ohne zurechtkommen. Noch ein paar kleine Sachen gingen weg, aber leider habe ich nicht alles losbekommen. Aber am Wichtigsten war mir sowieso das Fahrrad.

Ein paar Eindrücke...




Donnerstag, 14. Juni 2012

Cineastische Tage in Cluj – das TIFF 2012


Das Transilvanian International Film Festival (kurz TIFF) in Cluj ging dieses Jahr in die 11. Runde. Inzwischen ist es wohl eines der wichtigsten Filmfestivals Rumäniens. Mit 400 Vorführungen, nicht nur in Kinos, sondern zum Beispiel auch einer Großleinwand auf dem Piata Unirii und Vorstellungen im französischen Kulturzentrum, 67.000 Besuchern, 493 Freiwilligen wird Cluj über eine Woche zur Kino-Hauptstadt Rumäniens, wenn nicht sogar des ganzen südosteuropäischen Raums. Durch die Stadt laufen eine Menge Menschen in roten T-Shirts – die Freiwilligen – und mit Festivalausweisen um den Hals – ich nehme an, Leute von der Presse und solche mit Festivalpässen. Die Stadt ist noch quirliger als sonst und an schönen Abenden stehen viele am Piata Unirii und schauen sich den Film an, ohne Eintritt für einen Sitzplatz zu zahlen.

Ich habe insgesamt sechs Filme gesehen, was wohl kein schlechter Durchschnitt ist, bedenkt man, dass ich leider nicht bis zum Ende des Festivals in der Stadt war. 


Die extrem tragische Geschichte von Celal Tan und seiner Familie (Türkei, 2011)


Wie der Titel schon verrät, handelt die Geschichte hauptsächlich von Celal Tan, einem Juraprofessor mittleren Alters, der mit einer jungen schönen Kunststudentin verheiratet ist. Diese bereitet gemeinsam mit seinen bereits erwachsenen Kindern aus erster Ehe eine Überraschungsfeier zum Geburtstag vor. Als Celal nach Hause kommt, erschlägt er seine junge Frau aus Eifersucht und ahnt nicht, dass die Familie im Dunkeln des Wohnzimmers mit dem Festessen auf ihn wartet und alles mitbekommt. Er geht zunächst wieder und die Familie gibt sich alle Mühe, zu verheimlichen, dass sie etwas gesehen hat, er wiederum gibt den Mord auch nicht zu. Als auch noch der blinde Bruder der Toten auftaucht, beginnt eine abenteuerliche Suche nach dem Mörder, den eigentlich alle außer der Polizei kennen.
Ein ziemlich skurriler Film mit seltsamen Humor, dennoch unterhaltsam. Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch das eine oder andere Fünkchen Kritik an der modernen – vielleicht etwas scheinheiligen – türkischen Gesellschaft darin steckt, kenne mich aber leider zu wenig aus.

The Bengali Detective (USA, Großbritannien, Indien, 2011)


Da die Polizei in Kalkutta oftmals nicht oder nur stümperhaft ermittelt, brummt Rajeshs Geschäft mit seiner Detektei. Er übernimmt von klassischen Privatdetektivjobs wie untreue Ehemänner beschatten, bis zu Produktpiraterei alles. Im Film werden exemplarisch mehrere Fälle verfolgt, die auch einen Einblick in die Situation in Indien geben. Eine Ehefrau, die auch Opfer häuslicher Gewalt ist, versucht herauszufinden, ob ihr Mann sie betrügt. Eine Kosmetikfirma gibt den Auftrag Personen zu verfolgen, die gefälschte Shampoos verkaufen. Eine Familie ist an der Aufklärung des Mordes ihres Sohnes und seiner Freunde interessiert. Neben abenteuerlichen Fahrten durch Kalkutta, in Lagerhäuser, zu den Familien und ins Gefängnis, verfolgt der Film die Hauptperson auch in sein Privatleben – als Vater eines kleinen Sohnes und Ehemann einer schwerkranken Frau und als passionierter Tänzer, der mit seinen Arbeitskollegen nach Feierabend gern zu Bollywoodklängen die Hüfte schwingt.
Der Film ist herzerwärmend. Er ist stellenweise sehr traurig, stellenweise nachdenklich, stellenweise zum Lachen und an anderen Stellen einfach nur von einer durchdringenden Fröhlichkeit. Es werden so viele Facetten eines einzigen Lebens gezeigt, wie dies im Kino heute nur noch selten passiert. Die Dokumentation lebt davon, dass die Kamera nah dran ist an der Hauptperson, jedoch hat man nicht das Gefühl, dass versucht wird, etwas extra dramatisch oder extra spannend darzustellen. Da geht schon mal gleich zu Anfang ein Polizeieinsatz schief und am Ende wendet sich auch nicht alles zum Guten. Ein ehrlicher Film.


Parada (Serbien, Deutschland, Ungarn, Slowenien, Kroatien, 2011)


Eine Gruppe Schwulesbi-Aktivisten trifft auf einen serbischen Macho und Inhaber einer Sicherheitsfirma (oder auch eines Schlägertrupps, das ist wohl Auslegungssache) und seine blondierte Freundin Pearl. Das ganze beginnt mit dem Plan, in Belgrad eine Pride zu veranstalten, einem angeschossenen Kampfhund und rosaroten Hochzeitsplänen. Bevor allerdings die erste Pride Serbiens stattfindet, kommen berechnende Polizisten und jugendliche Schlägertrupps, ein pinker Jugo, alte Kampfgefährten von den verschiedenen Seiten der jugoslawischen Kriege und eine Menge anderer (ex-)jugoslawischer Absurditäten ins Spiel.
Ein großartiger Film! Meine absolute und uneingeschränkte Empfehlung, sich ihn anzuschauen. Ich denke, der Regisseur hat tatsächlich etwas Großes geleistet, in dem er in einem Land, wo Homosexualität immer noch stark stigmatisiert ist, einen Film dreht, der alles auf den Kopf stellt. Es mit Humor nimmt, aber trotzdem eine Message hat. Großes Kino!


Die Puppe (Deutschland, 1919)


Ein alter deutscher Stummfilm erzählt uns die Geschichte des jungen Lancelot, der Neffe eines alten Königs, der endlich heiraten soll. Lancelot ist verschreckt von den Frauen und fürchtet den Gedanken an eine bevorstehende Hochzeit. Er flieht in ein Kloster und schmiedet dort mit den Mönchen den Plan, eine lebensechte Puppe zu kaufen und diese nur zum Schein zu heiraten, um die Mitgift einzustreichen, der Verpflichtung zu entgehen und ein ruhiges Leben führen zu können. In der Puppenmanufaktur wird derweil die vom Lehrling beschädigte Puppe gegen ihr Vorbild, die Tochter des Puppenmachers getauscht. Weder der Vater noch der Prinz wissen von dem Tausch und das Puppenspiel beginnt...


Ich habe den Film mit der musikalischen Begleitung des Struggle-Orchesters gesehen. Der Film an sich war bereits sehr gut, aber die musikalische Untermalung sorgte dafür, dass die Vorstellung zu einem einmaligen Erlebnis wurde. Am Filmmaterial fand ich besonders die Spezialeffekte interessant, die für die Technik der Zeit recht ausgefeilt waren. Einmal erschien Lancelot sein Puppenmädchen im Traum, einmal flog einer der Darsteller durch die Wolken – heute kein Problem, aber damals hatte man ja keinerlei digitale Technik, um Spezialeffekte zu erreichen.


The best Exotic Marigold Hotel (Großbritannien, 2011)


Eine Gruppe britischer Rentner will, die meisten davon aus finanziellen Gründen, ihren Ruhestand im „Best Exotic Marigold Hotel“ in Indien verbringen. Die ganz unterschiedlichen Charaktere kommen mehr oder weniger gut in der ungewohnten Umgebung klar – sie passen sich an, suchen sich neue Herausforderungen oder haben zum Teil auch erhebliche Schwierigkeiten mit der unbekannten Kultur. Das Hotel an sich wird von einem jungen Inder geführt, der verzweifelt versucht, das Erbe von seinem Vater wieder in neuem Glanz auferstehen zu lassen. Er kämpft mit potenziellen Geldgebern und schließlich auch gegen seine Mutter, die das Hotel schließen und verkaufen möchte und seine moderne, aufgeschlossene Freundin nicht akzeptiert.


Ein turbulenter, bunter, Gute-Laune-Film, der sicher viele Klischees über Indien bedient und vielleicht nicht zu den reflektiertesten Darstellungen des Landes zählt. Dennoch würde ich ihn empfehlen, weil es trotzdem nicht einfach nur um eine lustige Bollywoodgeschichte geht, sondern auch viel um Vorurteile, Umgang mit alten Menschen in westlichen Gesellschaften und um Lebensträume, die man sich erfüllen sollte. Ich mag zudem Filme sehr, die nach dem Abspann ein Lächeln auf dem Gesicht des Zuschauers im Kinosessel zurücklassen.


Iron Sky (Finnland, Deutschland, Österreich, 2012)


Die dunkle Seite des Mondes ist seit dem Zweiten Weltkrieg von einer Kolonie deutscher Nazis bevölkert. Als die amerikanische Regierung einen Astronauten auf den Mond schickt, macht dieser unfreiwillig Bekanntschaft mit den Nazis und wird gefangen genommen. Der machthungrige Adler sieht seine Chance, über ihn Kontakt zur amerikanischen Regierung herzustellen, schließlich die Welt zu erobern und der neue Führer zu werden.


Die Story ist absurd, es sind einige logische Fehler enthalten und der Film strotzt nur so von Spezialeffekten. Ich habe vorher nur eine vierzeilige Einführung gelesen und hatte also nur eine vage Vorstellung, um was es gehen würde. Ich wäre vielleicht, hätte ich die Story gekannt, gar nicht erst in den Film gegangen. Ich hätte jedenfalls nicht erwartet, dass mir der Film tatsächlich gefällt. Aber das tat er. Es waren eine Menge Anspielungen und Referenzen enthalten – offensichtliche, wie auf „Der große Dikator“, weniger offensichtliche, wie auf „Der Untergang“ und sicher noch sehr viele, die ich gar nicht erst mitbekommen habe. Der Film sparte auch nicht mit Verweisen auf die amerikanische Politik, mit der ich leider zu wenig vertraut bin, um alles zu verstehen. Meines Erachtens ein ziemlich intelligenter Film und durchaus sehenswert.



Mein persönlicher Abschluss des Filmfestivals war das Konzert von Laibach im alten, heute leer stehenden Hotel Continental. Die Karten gab es wahlweise in Kombination mit der Filmvorführung von Iron Sky, zu dem Laibach auch den Soundtrack geliefert haben, und so habe ich das Kombipaket genommen. Ich erwartete mir auch vom Konzert nicht viel, aber die Karte war nicht teuer und ich wollte den Abend vor meinem Abflug nach Deutschland noch etwas mit den anderen Erasmus-Studenten unternehmen. Ich war dann sehr positiv überrascht. Das Konzert war gut und der Veranstaltungsort einmalig. Laibach sind eine slowenische Band, deren Stil meines Erachtens etwas schwer zu beschreiben ist. Auf Wikipedia steht, sie wären Rammstein für Erwachsene, was es ein wenig trifft. Allerdings gibt es die Gruppe schon viel länger als Rammstein und sie diente der deutschen Band auch als musikalisches Vorbild. Insgesamt ist die Musik meines Erachtens – ohne Rammstein gut zu kennen – melodischer und vielseitiger. Ich hatte mir vorher Youtube-Videos angeschaut und einen wesentlich härteren Musikstil erwartet. Tatsächlich gab es aber sogar ein paar balladenhafte Lieder der sexy Sängerin. Auch für das Auge wurde also etwas geboten. Dabei war natürlich das Ambiente des alten Hotels interessanter als die Frontfrau in Uniform. Ein rundum gelungener Abend.


Nachts um zwei war das Konzert etwa zu Ende, wir gingen dann noch etwas trinken und ich ging etwa um drei zurück ins Wohnheim, von wo aus ich um vier Richtung Flughafen aufbrechen wollte. Um sechs Uhr morgens ging mein Flieger nach Deutschland und ich hatte ohnehin nicht vorgehabt, zu schlafen.
Es ist schade, dass ich nicht mehr vom Filmfestival mitbekommen habe, aber man soll ja immer aufhören, wenn es am schönsten ist. Der letzte Abend war sicher ein einmaliges Erlebnis und bildete somit einen geeigneten Abschluss.

Sonntag, 3. Juni 2012

Hotel Continental - das schönste Gebäude in Cluj

Das Hotel Continental steht an der Kreuzung Strada Universitatii / Strada Napoca an der Ecke des Piata Unirii im Stadtzentrum von Cluj-Napoca. Es ist für mich das schönste Gebäude der Stadt. Ich würde es am liebsten kaufen und herrichten - klassisch und geschmackvoll, den Glanz alter Zeiten wiederbelebend. So lange mir das nötige Kleingeld fehlt, muss ich mich mit dem Betrachten begnügen.

Von außen gesehen ist das Gebäude eines der markantesten am Platz und beherrscht mit seiner Kuppel die ganze südwestliche Ecke. In den großen Fenstern hängen seit Jahren nur Werbeplakate für Veranstaltungen und man konnte immer nur ahnen, welch ein Glanz sich dahinter verbirgt. Die Bilder entstanden in der letzten Woche. Eine Aufnahme ist vom Stadtfest, die zweite wurde neulich nach einem Kinobesuch gemacht. 



Durch das Stadtfest und das Filmfestival ist das Hotel dieses Jahr für ein paar Tage zugänglich. Es finden Konzerte, Partys, ein Vintage-Markt und Ausstellungen in den Räumen statt. Ungefähr so, wie es aussieht, habe ich es mir auch vorgestellt. Aber seht selbst, hier einige Bilder...





Samstag, 2. Juni 2012

Aufbruchsstimmung

Eigentlich bleibt mir noch ein ganzer Monat in Cluj - und dennoch, Aufbruchsstimmung macht sich breit. Das liegt auch daran, dass ich von diesem Monat wahrscheinlich weniger Zeit in Cluj verbringen als anderswo herumreisen werde. Es gibt ja noch viel zu sehen...

Außerdem möchte ich in zehn Tagen in Regensburg an der Eröffnung der Ausstellung unseres Projektes über Radio Freies Europa teilnehmen. Und vorher fahre ich nochmal nach Hause, besuche die Großeltern, helfe bei einem Umzug nach Leipzig (die Stadt, die neben Regensburg und Cluj den ersten Platz auf meiner "Da würde ich mal gern leben"-Liste belegt) und vielleicht schaffe ich es ja auch mal, in den Steinbruch zu springen. Ich freue mich darauf, dann aber auch wieder nicht, weil ich Cluj und die Leute hier nicht verlassen möchte. Ich habe - und das hätte ich nicht erwartet - Freunde gefunden. Vorgestern Abend haben wir Käsespätzle gegessen und waren in einem Stummfilm mit live Vertonung, gestern habe ich mit den Damen aus dem letzten Zimmer Kaffee getrunken. Ich sollte Hausarbeit schreiben, aber es ist gerade so viel wichtiger, Zeit zusammen zu verbringen, weil ich sie alle doch ziemlich liebgewonnen habe.

Aber ich komme ja wieder nach Cluj Mitte des Monats, um es als Ausgangsstation für meine Reisen zu nutzen. Der Plan: Schwarzmeerküste und Istanbul und zurück durch die Schluchten des Balkan. Am liebsten ganz Ex-Jugoslawien abklappern von Montenegro bis Slowenien. Der Weg ist das Ziel, in diesem Fall noch viel mehr als sonst.


(Bildquelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/15/Karl_May_In_den_Schluchten_des_Balkan_001.jpg)