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Samstag, 24. August 2019

Irgendwo in Rumänien - Fahrkarten-Nicht-Kauf

Wir sitzen an einem Bahnhof einer mittelgroßen rumänischen Stadt, die allerdings viel touristische Bedeutung hat. Gerade sind wir mit dem Bus angekommen, nun haben wir viel Zeit zu überbrücken, bis unser Zug fährt. Daher die Idee, doch einfach schon mal die Fahrkarte für die nächste Etappe  Cluj - Budapest zu kaufen. Eine internationale Fahrkarte zwar, aber an einem von zwei geöffneten Schaltern in der gähnend leeren Bahnhofshalle steht "International Tickets". Also warum nicht gleich holen und später keinen Stress haben damit?

Versuchsperson 1 macht sich auf, Person 2 bleibt mit den Rucksäcken auf der Bank sitzen. Keine zwei Minuten später ist sie wieder da. Auf die Frage "Do you speak English?" hatte die Fahrkartenverkäuferin nur den Kopf geschüttelt und demonstrativ in eine andere Richtung gestarrt - den potenziellen Käufer komplett ignorierend.

Versuchsperson 2 spricht Rumänisch und rechnet daher damit, bedient zu werden. Auch sie ist nach weniger als zwei Minuten wieder da. Nachdem sie ihr Anliegen vorgetragen hatte, wies die Schalterbeamtin darauf hin, dass das bei ihr mit dem Fahrkartenausstellen manchmal nicht so richtig funktioniere und sie die Fahrkarte doch lieber in Cluj kaufen solle.

Das Ganze spielte sich nicht etwa in einer langen Schlange ab, wo Sonderwünsche, die extra lange dauern, schwer zu bedienen sind, sondern außer den beiden Fahrkartenkaufwilligen war fast niemand im Bahnhof und niemand kaufte an besagtem Schalter außer ihnen Fahrkarten. Nun gut, sie taten es ja dann auch nicht.

In Cluj dann war der Schalter für internationale Fahrkarten geschlossen und die Person dahinter scheuchte sie weg - wohl gerade nicht im Dienst. Gut, dann eben einfach am Schalter rechts daneben anstellen - Falsch! Als sie da dann gewartet hatten, bis sie dran waren, wurden sie zum geschlossenen internationalen Schalter zurück geschickt, wo die zuständige Verkäuferin offensichtlich ihre Pause so langsam beendete. Nach ein paar Minuten Warten machte sie den Schalter auf und sie bekamen schließlich ihre Fahrkarten. 

Montag, 22. Oktober 2018

Ankunft in Rumänien

Nach bestimmt einer Stunde Wartezeit hatten wir es geschafft - die Pässe waren kontrolliert, wir waren raus aus dem Schengen-Raum und drin in Rumänien. Hier gleich der nächste Stau oder eher ein Verkehrschaos. Wild parkten überall rumänische Autos. Manchmal denke ich, nur Rumän*innen können dermaßen ohne Rücksicht auf jede Verkehrsordnung parken, liege damit aber bestimmt falsch. An der Tankstelle gleich hinter der Grenze hielten auch wir. Wir brauchten eine Vignette für Rumänien, denn die braucht jedes Auto dort nicht nur auf Autobahnen sondern auch auf ganz gewöhnlichen Landstraßen. Ich kann mich erinnern, diese Vignette vor Jahren mit dem guten Karl, meinem alten Renault, mal an der Tankstelle gekauft zu haben. Deswegen steuerte ich auch siegesgewiss auf die Tankstelle zu. Nein, Vignetten hätten sie keine (obwohl draußen noch die Preisauskunft stand), ich solle rüber zum offiziellen Verkaufsbüro.

Das Vignetten-Verkaufsbüro war leicht an der langen Schlange davor zu erkennen. Hier standen sich nun alle die Beine in den Bauch, während zwei Rumäninnen mit künstlichen Fingernägeln im Zwei-Finger-System die Kennzeichen in den Computer tippten, derweil lief im Hintergrund in ihrem Büro ein Fernseher, dessen Programm vom Wartebereich leider nicht zu erkennen war. Ich fragte gleich mal in die Menge, ob denn Kreditkarte akzeptiert würde - denn dem großen "Visa"-Symbol an der Tür des Büros war nicht zu trauen. Die Frage wurde durch die Reihen vor mir weitergegeben und ein "nein" nach der gleichen Methode zurückgegeben. Hier verließene einige wenige Menschen die Schlange und ich freute mich über den Rest rumänischer Banknoten, die ich noch zuhause gefunden hatte.

Die Schlange rückte stetig weiter, irgendwann passierte auch ich die unfertig eingebaute Kunststoff-Tür (Termopan und Bauschaum) und konnte in den Wartebreich, in dem alte Heizgeräte und zerschlissene Bürostühle wohl darauf warteten, dass sie sich von selbst entsorgten. Eine obligatorische Rumänienkarte an der Wand war leider zu weit weg von der Warteschlange, als dass ich schon mal über die weitere Route hätte sinnieren können. Irgendwann war ich dran. Ich schob meine Fahrzeugpapiere rüber und bat um eine Vignette für 30 Tage. 

Der laufende Fernseher im Hintergrund, der Fakt, dass Zahlung mit Kreditkarte nicht funktionierte, die zwei Grazien, die behäbig tippten und der mit Sperrmüll zugestellte Vorraum - all das schrie mich förmlich an: 

Willkommen in Rumänien! Wir wissen, dass du genau nach dem suchst, was du gerade wieder hier bestätigt bekommen hast - ein wildes Absurdistan. Viel Spaß!

Mittwoch, 29. August 2018

Betreten verboten

Wir hatten von diesem verlassenen Industriegelände gehört, welches mit riesigen Wandbildern bemalt war. Da wir in der Nähe vorbeikamen, wollten wir es uns anschauen. Mit dem Auto fuhren wir, sobald wir es in der Kleinstadt lokalisiert hatten, direkt auf das Areal. Eine Pförtnerin mit schwarzer 80er-Jahre-Mähne schaute uns hinterher. Ich stieg daher aus, nachdem wir das Auto abgestellt hatten und ging auf sie zu.

Na, eigentlich dürften wir nicht aufs Gelände, aber ok. Ja nirgends reingehen. Und auf keinen Fall vom Direktor erwischen lassen, da bekäme sie Ärger. Und auf keinen Fall irgendwo reingehen.
Nein, nein, wir wollten doch nirgends reingehen, bloß ein paar Fotos von außen.

Wir fotografierten die großflächigen Gemälde, die Sprüche an den Mauern, die herumlungernden ängstlichen Straßenhunde davor, das weitläufige Gelände. Wir liefen umher und entdeckten immer noch weitere Motive. Dann standen wir vor einem Gebäude, welches ein Wachmann bewachte und was ein Kulturzentrum oder eine Galerie zu beherbergen schien.

Ob wir reindürfen?
Nein, das ginge nicht. Aber er könne uns zu dem Eingang bringen, den früher die Arbeiter benutzt hätten. 

Natürlich nahmen wir an und trotteten hinterher, während der Sicherheitsmann immer weitere Schlüssel hervorkramte und uns Türen öffnete. Die Werkstatt, der Machinenraum, eine große Halle, schließlich erklommen wir die Eisentreppen eines Turmes - wir waren im Herzen der Anlage, im Schaltzentrum und hatten einen Überblick über das gesamte Gelände.

Ja nirgendwo hereingehen, wiederholte belustigt eine Stimme in meinem Kopf, als wir schließlich wieder im Auto saßen und davon fuhren. Den Direktor hatten wir nicht gesehen. Ob er tatsächlich manchmal kam?

Freitag, 20. März 2015

Irgendwo in Rumänien - Das Paket

Ich hatte nichts böses im Sinne, ich wollte einfach nur ein kleines, leichtes Paket verschicken. In einen Briefumschlag passte der Inhalt leider nicht, also habe ich mir eine alte Verpackung von Kopfhörern geschnappt, das zu verschickende Objekt rein, die ausgedruckte Adresse drauf geklebt und ab damit auf die Post. Bei der Hauptpost standen überall Schlangen vor den Schaltern, außerdem weiß ich bei großen Postämtern immer nicht, an welchen Schalter ich mich jetzt wenden muss. Also habe ich das Paket mit nach Hause genommen und bin bei mir um die Ecke in die kleinere Postfiliale. Das mit den rumänischen Postämtern ist ja ohnehin so eine Sache. Es kann sein, dass man Ewigkeiten wartet, weil davor drei alte Menschen sind, die sich ihre Rente auszahlen lassen oder jemand will seine Nebenkosten bezahlen... ein Einschreiben oder Paket abholen oder Post aufgeben scheint mir hier fast schon zum Nebengeschäft zu hören. Arbeiten im Übrigen auch. Als ich hereinkam war einer der zwei Schalter der kleinen Post besetzt, der zweite theoretisch auch, aber die Dame telefonierte in aller Seelenruhe, offensichtlich privat. Also wartete ich geduldig, bis sie aufgelegt hatte. Ich versuchte ihr das Paket rüberzuschieben, aber da kam gleich ein entschiedenes "Nu!" [Nein]. Ich setzte zum Sprechen an, nochmal "nu!". Ich formulierte schließlich, dass ich das gern nach Sibiu schicken wollte und nun hörte ich die ganze Auskunft "Nu merge asa" [So geht das nicht]. Ich müsste das Päckchen nochmal einpacken. In meinem Hinterkopf hatte ich diese Information sogar noch gespeichert gehabt - war ich vielleicht schon mal in der gleichen Situation gewesen? Jedenfalls verzog ich bloß das Gesicht, versuchte aber gar nicht erst zu diskutieren - Diskussionen mit Schalterbeamten sind in Rumänien sowas von sinnlos. Also zog ich wieder ab und schlug das Paket am nächsten Tag ein. Der nächste Versuch, eine andere Postbeamte. Sie telefonierte nicht, sondern war sofort bereit mir zu helfen. Sie schob mir einen Zettel rüber, auf dem ich Empfänger und Absender in winzige Felder einzutragen hatte - obwohl alles bereit gut leserlich, weil mit Computer geschrieben und ausgedruckt auf dem Paket stand. Witzigerweise mühte sie sich dann auch noch ab, den Zettel zu entziffern und schaute nicht etwa aufs Paket. Sie tippte alles mit zwei-Finger-Technik in den PC vor ihr - was ungefähr fünf Minuten dauerte, gab mir dann einen Ausdruck, kassierte etwa 50 Cent von mir und schob das Paket irgendwo neben ihren Schreibtisch. Mir kommt der Preis immer noch viel zu gering vor, obwohl das Päckchen nur innerhalb Rumäniens gesendet werden soll, aber größere Sorgen bereitet mir eigentlich, wie sie es beiläufig neben ihrem Schreibtisch abgestellt hat.

Mittwoch, 4. Februar 2015

Irgendwo in Rumänien - Der alte Mann von nebenan

Mein Nachbar ist echt ein netter Typ. Er bezahlt die Nebenkosten für mich, wenn der Hausverwalter klingelt und ich nicht da bin. Denn so etwas wird in Rumänien persönlich und in bar bezahlt. Also muss man möglichst da sein, wenn der gute Hausverwalter vorbei kommt. Meine Nachbarn in meinem alten Block kannte ich kaum. Neben mir war so eine verrückte alte Katzenlady und unter mir scheinbar eine Opernsängerin. Denn man hörte sie ab und zu beim Proben. Nun wäre der stinkende Typ von nebenan auch nicht gerade jemand, den ich gern kennenlernen würde in einem normalen Leben. Aber hey, in Rumänien ist das eben irgendwie ein ziemlich normaler Nachbar. Und wie sich herausstellt eben sogar noch ein sehr netter.

Auf den ersten Blick denkt man, er ist Alkoholiker. Damit hat man auch sicher nicht ganz unrecht. Seine Klamotten immer ziemlich eklig, er stinkt und wenn er die Tür zu seiner Wohnung öffnet, riecht es nach dreißig Jahre nicht renovierter - und nicht gelüfteter - Raucherwohnung. Muffig, nach alten Leuten und einer Menge Zigarettenqualm. Er dünstet all das natürlich auch aus, wo immer er ist. Deswegen ist es eine Kür, ihn ja nicht herein zu lassen. Aber auch gar nicht so einfach. Wie er es schafft, ist mir nicht ganz klar, aber schwupps ist er über die Schwelle. Ob ich die Gasrechnung schon aus dem Briefkasten geholt habe. Das Geld für die Nebenkosten könne ich ihm bezahlen, wann immer ich es hätte. Wo ich gewesen sei. Er sei ja Ungar, aus Maramuresch. Und dann sagt er zwei Sätze auf Ungarisch. Im Rumänischen haben wir scheinbar ein ähnliches Sprachlevel, wir beiden. In der Körperhygiene rangieren wir nicht nur auf einem anderen Niveau, sondern in einem anderen Sonnensystem. Jetzt steht er also da und brabbelt unverständliches, sagt alles dreimal und kriegt nicht mit, wie man sich panisch nach einer Möglichkeit umsieht, ihn schnell wieder loszuwerden. Schon als er auf der Schwelle stand und es tatsächlich schaffte, seinen Körper in den Wohnungsflur zu manövrieren, mischte sich in das Erstaunen über dieses Überschreiten der Privatsphäre das blanke Entsetzen in den Blick. Danke, danke, ist ja nett, dass sie die Nebenkosten ausgelegt haben, aber jetzt raus aus meiner Wohnung, möchte man schreien. Und jetzt hat er tatsächlich seine Hand ausgestreckt und einen an der Schulter berührt. Angefasstwerden von fremden Menschen konnte ich ja noch nie leiden. Irgendwann begreift er es scheinbar, das er gehen sollte, oder ihm wird einfach langweilig und er dreht ab. Nochmal danke sagen, dann die Tür zu, abschließen und alle Fenster der Wohnung aufreißen. Es stinkt barbarisch.

Das Kuriose ist, dieser Mensch, den Mann auf der Straße für einen Penner halten würde, legt Monat für Monat die Nebenkosten in Höhe von zehn bis fünfzehn Euro aus. Er beschwert sich sogar noch beim Blockverwalter, wenn diese ihm zu hoch scheinen für das nette Mädchen von nebenan.