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Freitag, 17. Februar 2017

Las Terazas - wo Kuba ganz ruhig ist

Was ich mir von meinem Urlaub in Kuba gewünscht habe, war auch viel Ruhe. Da scheint im ersten Moment Kuba nicht das perfekte Ziel. Mit Kuba verbinden die Meisten wohl eher Salsa-Partys und Musik überall. Aber es gibt auch Orte auf Kuba, da ist es ganz leise, da sind keine Touristenmassen, keine heißen Rhythmen und keine Menschen, die ständig "Taxi" rufen - und zwar weil sie einem eins anbieten wollen. 


Las Terazas war die zweite Station meiner Reise. Nachdem ich mich in Viñales nicht so wohl gefühlt hatte, weil ich das Gefühl hatte, der Ort existiert eigentlich nur vom und für den Tourismus, freute ich mich, als ich in Las Terazas ankam vor allem über die wenigen Touristen. Eigentlich wollte ich mir zwei Nächte im Öko-Hotel Moka gönnen, aber es war nicht nur sauteuer, sondern auch ausgebucht und so wurde daraus nichts. Die vom Taxifahrer vorgeschlagenen Pensionen fand ich scheußlich und so fuhr ich einfach mit zwei Polinnen, die mit im Taxi saßen zu den Baños San Juan, wo sie hofften in "cabanas rusticas" unterzukommen. Als wir ankamen, war der Regen noch ein bisschen stärker geworden und zum Glück waren zwei der Hütten frei. In den Hütten konnte man immer zu zweit übernachten. Sie waren sehr einfach, es lagen zwei Matratzen und Decken darin. WC und Dusche gab es auf dem Gelände und Frühstück gab es am Morgen auch und wenn man wollte auch etwas zu essen am Abend. Die ganze Anlage war sehr einfach und die Küche miserabel, aber ich blieb schließlich drei Nächte, weil ich mich so wohl fühlte. Denn das beste an dem Ort waren die kleinen Wasserfälle und Becken, über die der kleine Fluss plätscherte und in denen es sich ganz ausgezeichnet baden ließ. Obwohl es regnete, machte ich mich gleich nach Ankunft auf, um mich zu erfrischen. Und jeden Morgen startete ich mit einem erfrischenden Bad im Wasserfall. 


In Las Terazas kann man nicht besonders viel unternehmen. Es gibt die Möglichkeit, sich einen Guide anzuheuern und durch den Dschungel zu wandern. Wobei das vielleicht auch mit GPS-Gerät möglich wäre, aber die Gefahr sich zu verlaufen ist ganz allein schon enorm groß, weil es keinerlei Schilder gibt. Der Guide kann zudem - auf Spanisch - etwas über Flora und Fauna erzählen und auf interessante Dinge hinweisen. Ich bin mit den zwei Polinnen aus dem Taxi auf so eine Tour gegangen und habe die Ruinen der Zuckermühlen erkundet. Der Dschungel ist nur einige Jahrzehnte alt, da die Gegend für den Zuckeranbau gerodet wurde, das würde man aber kaum denken, wenn man durch den Wald läuft. Ich war total beeindruckt von der Artenvielfalt. 







Ansonsten gibt es in Las Terazas ein vegetarisches Restaurant mit sehr leckerem Essen, wo ich zwei mal war, noch ein anderes Restaurant, welches ich nicht ausprobiert habe, weil gerade eine amerikanische Reisegruppe das ganze Lokal besetzte, als ich reinwollte, und noch zwei, drei Cafés. Das vegetarische Restaurant ist sehr zu empfehlen. Vor allem, wenn man einen Platz auf dem Balkon erwischt, ist es herrlich (da gibt es aber nur zwei Tische, also muss man Glück haben). Das Museum im Ort hat geschlossen, einen Geldwechsel oder eine Bank habe ich nicht gefunden. Wenn man dennoch zu viel Geld dabei hat, kann man sich noch für schlappe 30 Euro einmal mit einer - zugegeben recht langen - Seilbahn über den Ort schwingen. Das habe ich nicht ausprobiert, weil es mir zu teuer für die paar Minuten Spaß und Nervenkitzel war. Außerdem gibt es einen kleinen Kunsthandwerksmarkt, auf dem unter anderem kleine Kolibris aus Holz verkauft werden, die jetzt sehr schön eine Ecke über meiner Couch schmücken. Der Markt ist klein, aber definitv schöner als beispielsweise die Markthalle in Havanna. Daneben gibt es noch Ateliers und Kunsthandwerksläden in manchen Häusern. 

Ich habe also in Las Terazas vor allem viel Zeit in meiner Hütte verbracht und gelesen, nichts getan, im Fluss gebadet und bin ein wenig umherspaziert. Das kann auch mal ganz schön anstrengend sein, denn die Gegend ist hügelig und der Platz mit den Hütten ein ganzes Stück außerhalb. Glück hat man, wenn man das kleine gelbe Gefährt erwischt, dass aussieht wie ein Fiat-Mini-Lieferwagen, hinten aber zwei Sitzbänke aufgebaut hat. Für wenige Euro bringt es einen hin und her.

Nach Las Terazas kommt man mit dem Viazul-Bus aus Richtung Viñales oder Havanna oder mit dem Taxi (colectivo). Es ist ratsam, sich eine Weiterfahrt vorher zu organisiseren, weil es in Las Terazas keine Möglichkeit gibt, irgendwas zu organisieren. Ich hatte Glück und konnte mich an ein deutsches Ehepaar dran hängen, die bereits ein Taxi colectivo nach Trinidad für sich organisiert hatten und so blieb mir der Stress erspart, zu hoffen, dass es noch Platz im Viazul gäbe und dann irgendwie von Havana weiterzukommen.  


Die Tage in der Hütte waren ein sehr schöner Teil meines Urlaubs. Total entschleunigend, weil ich mich damit abfinden musste, dass ich nun mal nicht viel unternehmen konnte dort. Ruhig und gut zum Runterfahren und wirklich Ankommen im Urlaub. Von dort aus konnte es wieder in ein bisschen lebendigeres Getümmel gehen - ich fuhr noch nach Trinidad und Havanna. 


Dienstag, 13. Dezember 2016

Auf kubanischen Straßen – Moskwitsch trifft Chevrolet




 Ich war zwei Wochen auf Kuba unterwegs und mit was ich da so unterwegs war, darum geht es in diesem Post. Vorab: Ja, ich bin in Chevrolets mitgefahren und ja, es gibt tatsächlich viele Ami-Schlitten auf den Straßen Kubas. Zum Teil ganz schön runtergeranzt, zum Teil für Touri-Touren aufpoliert sind die amerikanischen Oldtimer omnipräsent. Es gibt aber auch viele Ladas und Moskwitschs und schwere russische Lastwagen. Inzwischen gibt es eine Menge chinesischer Autos und Busse und importierte europäische Wagen. Der Präsidententross kurvt im schwarzen Mercedes durch Havana und dafür werden auch mal kurz die Straßen gesperrt. Ansonsten sind die neueren Autos meist Taxis oder Leihwagen. Die erkennt man an dem Kennzeichen „T“ wie Tourismus. Ein B scheinen alle Autos zu bekommen, die bei uns wohl Firmenwagen wären, da sieht man oft auch neuere Modelle, und ein P steht vermutlich für privado, also privat. P haben aber auch die meisten Taxen, aber ich habe vermutet, dass es zwei Arten von Taxiunternehmen gibt – staatlich gesteuerte wie Cubataxi und kleine selbstständige, vermutlich Ein-Mann-Betriebe. 


Vom Flughafen habe ich eins der neuen schicken klimatisierten Taxis genommen, aber meine erste längere Fahrt war in einem himmelblauen Chevy. Der blieb auch prompt auf der Hälfte der Strecke mit überhitztem Motor stehen. Wir sind auf der Autobahn in gefühlter Schrittgeschwindigkeit dahingetuckelt, aber so hatte ich Zeit, den anderen Verkehr zu beobachten. Auf kubanischen Autobahnen gibt es Kreuzungen, es sind Radfahrer, Pferdekutschen und „Lastwagentaxis“ unterwegs, in denen die Leute dicht gedrängt stehen. An regelmäßigen Kontrollpunkten zieht die Polizei Fahrzeuge raus, mir ist nur nicht ganz klar, was ein Vergehen wäre. Bei den alten Ami-Schlitten funktioniert meist sowieso nur die Hälfte, die manuellen Fensterheber haben entweder keinen Griff mehr oder funktionieren nicht richtig, die Türöffner sind zum Teil auch optional und bei unserem himmelblauen Chevy schloss eine der hinteren Türen nicht richtig. Zwei Schweizer erzählten allerdings, wie sie von der Polizei angehalten wurden und der Wagen, in dem sie saßen hatte statt einem Tank einfach zwei Kanister im Kofferraum, welche mit Schläuchen mit dem Motor verbunden waren. Dieses Gefährt durfte dann tatsächlich nicht weiter fahren. 

Als Tourist*in hat man für längere Strecken die Wahl zwischen Taxi colectivo und Viazul-Bussen, wobei letztere wohl häufig schon ausgebucht sind und ein frühzeitiges Reservieren Sinn macht. Taxi colectivo ist eine Art Sammeltaxi, welches zwischen den größeren Städten unterwegs ist. Es ist manchmal schneller und man hat den Luxus, dass man von Tür zu Tür gebracht wird, allerdings habe ich auch ein paar Fälle gehört, wo das organisierte Taxi am Morgen dann doch nicht aufgetaucht ist oder einmal auch ein anderes Taxi, welches dann die Fahrt zu einem höheren Preis machen wollte. Ich habe das Kollektiv-Taxi einmal genutzt zwischen Las Terazas und Trinidad (hier gibt es sowieso keine Busverbindung). Das Gute war, dass es wirklich witzig war mit den Mitreisenden und die Zeit relativ schnell verging – da hatte ich aber auch vielleicht Glück. Ich empfand den rasanten Fahrstil und das eingequetschte Sitzen, jedoch ohne jegliche Sicherheitsvorkehrungen wie Gurte in dem Wagen jedoch als sehr unangenehm und bin für die nächste Strecke wieder Bus gefahren. Beim Taxi Colectivo kann es zudem passieren, dass man zwischendurch „umgeladen“ wird und ein anderes Taxi einen bis zum Zielort bringt – ich fühlte mich ein bisschen wie in einer Karawanserei an dieser „Touristen-Verladestation“, welche eigentlich eine Autobahnraststätte war. 

In Havana kann man eigentlich einen Großteil der Sehenswürdigkeiten erlaufen, nur bis zum Plaza de la Revolucion sollte man nicht unbedingt marschieren und auch der Busbahnhof ist recht weit draußen. Taxis sind relativ teuer, man sollte versuchen einen von den gelben ranzigen Ladas zu bekommen, die sind billiger. Von Vedado in die Stadt können es ansonsten schon mal 10 CUC (= 10 Euro) sein. Das dreisteste waren Taxifahrer, die für den geschätzten Kilometer zwischen Festung und Innenstadt 10 CUC wollten. Wir konnten die Strecke aber nicht laufen, weil es durch einen Autotunnel geht. Wir winkten ab und wollten uns woanders ein Taxi ranwinken, als uns auch schon eins aufgabelte und für immer noch unverschämte 5 CUC rüberbrachte. Das akzeptierten wir dann aber ohne groß zu murren, war ja auch nur die Hälfte vom Ursprungspreis. Ansonsten sieht man in Havana viele herausgeputze Oldtimer-Cabrios für die Stadtrundfahrten – ich habe keine Ahnung, was das kostet, ich habe es nicht gemacht. Dann gibt es noch die witzigen runden Coco-Taxis sowie Bici-Taxis – eine Art kubanische Ritschka. Außerdem gibt es einen Touristen-Bus, der eine Rundtour macht, das kostet inzwischen auch stolze 10 CUC, auch das habe ich nicht gemacht, wobei man wohl den Ausführungen des Reiseleiters eher schlecht folgen kann, wie das halt so ist in offenen Doppelstockbussen.

Ein Ereignis, was mir noch im Gedächtnis haften bleibt, war die Fahrt von Vinales zu einem Reitausflug etwas außerhalb in einem Taxi, dessen Innenausstattung schon sehr in die Jahre gekommen war und zum Teil improvisiert war. Als ich aussteigen wollte, bohrte sich eine Sprungfeder aus der Polsterung der Rücksitzbank durch meine Hose und in meinen Po. Geblutet hat es zum Glück nicht – ich musste ja auch gleich noch im Sattel sitzen – aber die Hose hat nun ein kleines Loch am Hintern. Tja, sowas kann passieren auf Kuba... 





Samstag, 3. Dezember 2016

Zwei Wochen Karibik - Entdeckungstour auf Kuba

So sehen die Kubaner wohl die Touristen
Ich habe mir dieses Jahr zwei Wochen meines Jahresurlaubs aufgespart, um nach Kuba zu fliegen. Meine erste Fernreise, meine erste Reise außerhalb Europas und der Region Mittelmeer. Eine Menge Leute reisen gerade nach Kuba, um schnell noch revolutionäre Luft zu schnuppern, bevor die Amerikaner das erste McDonalds in Havanna bauen. Ich erhoffte mir, auch ein bisschen von der Stimmung, von der Revolution, aber auch von der Schönheit der Natur und der Städte mitzubekommen. 

Habe ich gefunden, was ich gesucht habe? Jein. Kuba befindet sich bereits in einem Öffnungsprozess und ich hätte wohl schon vor zwei drei Jahren kommen müssen, um noch den "puren sozialistischen Geist" zu spüren. Die Menschen sind zum Teil ganz schön geschäftstüchtig - es ist inzwischen offensichtlich mehr und mehr erlaubt, auch privat Bars, Cafés und Restaurants zu betreiben. Davon machen die Kubaner auch zahlreich Gebrauch, denn Touristen sind eine wichtige Einnahmequelle - sowohl für den Staat als auch für den Kubaner als Privatperson. Die Preise für die Zimmer legen die Vermieter in den Ferienunterkünften selbst fest. Und obwohl sie die Passdaten in ein Heft eintragen müssen, ist nicht ganz klar, ob sie immer alle Übernachtungen und Einnahmen gegenüber dem Staat deklarieren - es ist ja auch schwer nachprüfbar, ob nun der Tourist 20 oder 25 CUC für das Zimmer bezahlt hat. 

Der Bus für Einheimische
und der Touristen-Bus











Was ich auf jeden Fall erst sehr spät realisiert habe, ist, dass man durch das System der zwei Währungen CUP (Pesos cubanos - kubanische Pesos) und CUC (Pesos convertibles - umtauschbare Pesos) in einer touristischen Parallelwelt landet. Es ist für den einfachen Touristen ohne weitere Bemühungen nicht möglich, mit den Bussen der Einheimischen zu fahren, zum Beispiel. Taxi, Unterkunft, Essen im Restaurant, alles wird mit CUC bezahlt. Ein Restaurant, wo man in CUP zahlen würde, habe ich gar nicht gesehen. Einzig an Straßenständen kann man zum Beispiel "Pesopizza" bekommen - allerdings wird auch hier, wenn man nicht gerade CUP parat hat (meist zum Vorteil des Verkäufers) für den Touristen in CUC umgerechnet. Dennoch ist eine Pizza für 1,50 CUC schon mal ein Segen für die Brieftasche, wenn man ansonsten in den Restaurants fast ähnliche Preise wie in Deutschland bezahlt. 1 CUC ist übrigens ungefähr 1 Euro wert. Offiziell gilt zwar der Dollar als Referenzwährung, aber beim Tausch von Dollars zahlt man einen Aufschlag (und bekommt so weniger als 1 CUC für 1 Dollar) und in den Wechselstuben bekommt man (Stand Nov. 2016) ca. 1,03 CUC für 1 Euro. Und Dollar und Euro sind ja momentan auch fast das Gleiche wert. Die CUC scheinen auch eine höhrere Kaufkraft als CUP zu haben (wobei gilt 1 CUC = 25 CUP). Zwar erfolgt die Umrechnung in den meisten Läden 1 = 25 und oft sieht man auch Schilder, dass man in beiden Währungen zahlen kann, allerdings scheint es bestimmte Dinge (importierte Waren etc.) nur auf CUC zu geben. Das habe ich aber nicht ganz ergründen können. Dieser Artikel hier stellt dar, wie vielschichtig die Frage danach, was Kubaner eigentlich verdienen und was sie sich davon kaufen können: https://cubaheute.wordpress.com/tag/durchschnittslohn/. Generell scheint fast jeder Kubaner (zumindest in den Städten) über eine zusätzliche Einnahmequelle durch Schwarzhandel (zum Beispiel von Zigarren), Tätigkeit im Tourismusbereich (Taxi, Zimmervermietung, Trinkgelder in Gastronomie und Hotels) oder Auslandsüberweisungen zu haben. 

Also wer die Revolution sucht, kommt ein paar Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte zu spät, denke ich. Aber wer ein wunderschönes Land sucht mit toller Natur und interessanten Städten, mit atemberaubenden Landschaften und neugierigen Menschen, für den ist Kuba sicher trotzdem schön. Ich war vorher noch nie in einem tropischen Land und war fasziniert vom "Dschungel" und bezaubert von den Wasserfällen. Ich habe Stunden damit verbracht, mich einfach durch die Städte treiben zu lassen und kreuz und quer durchs Straßengewirr zu laufen. Und ja, es gab Momente, da staunte ich einfach nur über die schöne Landschaft. Es war zudem ein sicheres Land zum Alleinreisen mit einem großen Aber: Als alleinreisende Frau ist man zwar sicher (ich hatte keine Angst, überfallen oder Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden), aber erhält sehr viel Aufmerksamkeit von den einheimischen Männern. Ich wurde ständig angesprochen und war nach dem x-ten "Hello lady, where are you from?" einfach nur genervt. Nach meiner persönlichen Erfahrung verstehen die Kubaner auch kein mündliches Nein, frau muss schon Taten folgen lassen. Ich bin also zweimal sprichwörtlich aus einer Situation geflohen, weil die Typen einfach nicht kapieren wollten, dass sie mir zu weit gingen. Wenn frau Abenteuer sucht, wird sie also in Kuba sicher welche finden. Mir war das ein wenig zu viel der Aufmerksamkeit.