Samstag, 3. Dezember 2016

Zwei Wochen Karibik - Entdeckungstour auf Kuba

So sehen die Kubaner wohl die Touristen
Ich habe mir dieses Jahr zwei Wochen meines Jahresurlaubs aufgespart, um nach Kuba zu fliegen. Meine erste Fernreise, meine erste Reise außerhalb Europas und der Region Mittelmeer. Eine Menge Leute reisen gerade nach Kuba, um schnell noch revolutionäre Luft zu schnuppern, bevor die Amerikaner das erste McDonalds in Havanna bauen. Ich erhoffte mir, auch ein bisschen von der Stimmung, von der Revolution, aber auch von der Schönheit der Natur und der Städte mitzubekommen. 

Habe ich gefunden, was ich gesucht habe? Jein. Kuba befindet sich bereits in einem Öffnungsprozess und ich hätte wohl schon vor zwei drei Jahren kommen müssen, um noch den "puren sozialistischen Geist" zu spüren. Die Menschen sind zum Teil ganz schön geschäftstüchtig - es ist inzwischen offensichtlich mehr und mehr erlaubt, auch privat Bars, Cafés und Restaurants zu betreiben. Davon machen die Kubaner auch zahlreich Gebrauch, denn Touristen sind eine wichtige Einnahmequelle - sowohl für den Staat als auch für den Kubaner als Privatperson. Die Preise für die Zimmer legen die Vermieter in den Ferienunterkünften selbst fest. Und obwohl sie die Passdaten in ein Heft eintragen müssen, ist nicht ganz klar, ob sie immer alle Übernachtungen und Einnahmen gegenüber dem Staat deklarieren - es ist ja auch schwer nachprüfbar, ob nun der Tourist 20 oder 25 CUC für das Zimmer bezahlt hat. 

Der Bus für Einheimische
und der Touristen-Bus











Was ich auf jeden Fall erst sehr spät realisiert habe, ist, dass man durch das System der zwei Währungen CUP (Pesos cubanos - kubanische Pesos) und CUC (Pesos convertibles - umtauschbare Pesos) in einer touristischen Parallelwelt landet. Es ist für den einfachen Touristen ohne weitere Bemühungen nicht möglich, mit den Bussen der Einheimischen zu fahren, zum Beispiel. Taxi, Unterkunft, Essen im Restaurant, alles wird mit CUC bezahlt. Ein Restaurant, wo man in CUP zahlen würde, habe ich gar nicht gesehen. Einzig an Straßenständen kann man zum Beispiel "Pesopizza" bekommen - allerdings wird auch hier, wenn man nicht gerade CUP parat hat (meist zum Vorteil des Verkäufers) für den Touristen in CUC umgerechnet. Dennoch ist eine Pizza für 1,50 CUC schon mal ein Segen für die Brieftasche, wenn man ansonsten in den Restaurants fast ähnliche Preise wie in Deutschland bezahlt. 1 CUC ist übrigens ungefähr 1 Euro wert. Offiziell gilt zwar der Dollar als Referenzwährung, aber beim Tausch von Dollars zahlt man einen Aufschlag (und bekommt so weniger als 1 CUC für 1 Dollar) und in den Wechselstuben bekommt man (Stand Nov. 2016) ca. 1,03 CUC für 1 Euro. Und Dollar und Euro sind ja momentan auch fast das Gleiche wert. Die CUC scheinen auch eine höhrere Kaufkraft als CUP zu haben (wobei gilt 1 CUC = 25 CUP). Zwar erfolgt die Umrechnung in den meisten Läden 1 = 25 und oft sieht man auch Schilder, dass man in beiden Währungen zahlen kann, allerdings scheint es bestimmte Dinge (importierte Waren etc.) nur auf CUC zu geben. Das habe ich aber nicht ganz ergründen können. Dieser Artikel hier stellt dar, wie vielschichtig die Frage danach, was Kubaner eigentlich verdienen und was sie sich davon kaufen können: https://cubaheute.wordpress.com/tag/durchschnittslohn/. Generell scheint fast jeder Kubaner (zumindest in den Städten) über eine zusätzliche Einnahmequelle durch Schwarzhandel (zum Beispiel von Zigarren), Tätigkeit im Tourismusbereich (Taxi, Zimmervermietung, Trinkgelder in Gastronomie und Hotels) oder Auslandsüberweisungen zu haben. 

Also wer die Revolution sucht, kommt ein paar Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte zu spät, denke ich. Aber wer ein wunderschönes Land sucht mit toller Natur und interessanten Städten, mit atemberaubenden Landschaften und neugierigen Menschen, für den ist Kuba sicher trotzdem schön. Ich war vorher noch nie in einem tropischen Land und war fasziniert vom "Dschungel" und bezaubert von den Wasserfällen. Ich habe Stunden damit verbracht, mich einfach durch die Städte treiben zu lassen und kreuz und quer durchs Straßengewirr zu laufen. Und ja, es gab Momente, da staunte ich einfach nur über die schöne Landschaft. Es war zudem ein sicheres Land zum Alleinreisen mit einem großen Aber: Als alleinreisende Frau ist man zwar sicher (ich hatte keine Angst, überfallen oder Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden), aber erhält sehr viel Aufmerksamkeit von den einheimischen Männern. Ich wurde ständig angesprochen und war nach dem x-ten "Hello lady, where are you from?" einfach nur genervt. Nach meiner persönlichen Erfahrung verstehen die Kubaner auch kein mündliches Nein, frau muss schon Taten folgen lassen. Ich bin also zweimal sprichwörtlich aus einer Situation geflohen, weil die Typen einfach nicht kapieren wollten, dass sie mir zu weit gingen. Wenn frau Abenteuer sucht, wird sie also in Kuba sicher welche finden. Mir war das ein wenig zu viel der Aufmerksamkeit.


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