Ich habe ungefähr drei der letzten neun Jahre in Rumänien verbracht. Da sollte ich wirklich so langsam alles kennen. Andererseits habe ich auch über 25 Jahre in Deutschland verbracht und war zum Beispiel noch nie in den Alpen oder an der Nordseeküste. Aber in Rumänien war ich, denke ich, weit häufiger touristisch unterwegs als in Deutschland: kurze und längere Ausflüge während ich dort studierte oder arbeitete, Studienexkursionen, Projekte, Urlaube. Maramuresch, Banat, Siebenbürgen, Schwarzmeerküste, Moldau, Bukarest, alles mal besucht. Nur das Donaudelta fehlte mir nun noch und das wollte ich ändern. Ich hatte einer Freundin versprochen, im Sommer nach Rumänien zu kommen und sie bei einem Festival zu treffen. Aufgrund der Entfernung bot es sich allerdings an länger als nur dafür in Rumänien zu bleiben. Ich überlegte also, was ich mit meinen restlichen Urlaubstagen anstellen konnte. Da ich schon so oft im traumhaften Siebenbürgen unterwegs gewesen war, entschied ich mich, für ein paar Tage ins Donaudelta zu fahren.
Leider konnte die Freundin nach dem Festival nicht weg und so brauchte ich andere Gesellschaft. Ich hatte auch überlegt, allein zu fahren, aber irgendwie ist es zu zweit doch besser - alleine wäre ich wohl kaum im Kanu losgepaddelt. Außerdem ist es angenehm, seine Eindrücke teilen zu können. "Schau mal da, ein Pelikan!", klingt halt einfach als Selbstgespräch nicht so gut. Ich hatte also über eine Internetreiseplattform jemanden gefunden, kurz mit ihm telefoniert und mir gedacht, dass es schon passen würde mit uns. Ein bisschen Grundvertrauen in die Menschheit gehört natürlich dazu, wenn ich einen fremden Mann fern der Heimat treffe, um in mit ihm in eine mir unbekannte Gegend zu fahren. Mein Reisegfährte und potenzieller Axtmörder stellte sich aber als sehr sympathischer Mensch heraus, der mir in keiner Weise zu nahe trat oder versuchte, mich auszurauben oder umzubringen. Und leider muss ich auch alle enttäuschen, die sich eine Romanze erwarten, es war einfach nur eine sehr angenehme Reisebegleitung.
Ich traf den Reisegefährten in Sibiu. Ich hatte bereits Tickets nach Tulcea mit Umstief in Medgidia gekauft. Der erste Zug war ein Nachtzug Richtung Schwarzmeerküste - allerdings, wie ich schon beim Kauf des Tickets mit Erschrecken festgestellt hatte, ohne Liegewagenabteile. Anfangs saßen wir noch recht bequem in dem Zug, der total überhitzt war, weil die Klimaanlage erst angemacht wurde, als er los fuhr und die Waggons davor wer weiß wie lange in der Sonne gestanden hatten. In dem Maße, in dem sich der Zug abkühlte, wurde er aber auch voller. Familien und junge Leute waren es vor allem, die wohl billig ans Meer wollten. Und sie hatten Koffer dabei, als wollten sie dahin umziehen. Wir waren eingequetscht zwischen jungen Rumänen, die noch dazu kleine Boxen für ihre Handys dabei hatten und Musik abspielten. Ich habe gefühlt keine Minute geschlafen in dieser Nacht, die scheinbar nie enden wollte. In Medgidia standen wir uns dann am Bahnhof die Beine in den Bauch. Die Sonne ging irgendwann auf, unser Zug kam irgendwann und wir zuckelten im Schneckentempo weiter durch die Dobrudscha. So nennt man den Landstrich an der Schwarzmeerküste.
Schließlich fuhren wir in Tulcea ein. Ich hatte das Gefühl, ordentlich zu stinken nach einem sonnigen Tag und einer Nacht in einem überfüllten Zug und hätte alles gegeben, um kurz ins Meer oder anderweitig ins Wasser zu hüpfen. Der See, der im Reiseführer als eine Art Naherholungsgebiet angepriesen war, erwies sich aber als dreckiger Tümpel und so fiel das aus. Wir warteten auf die Fähre nach Sulina. An der Ablegestelle hatte sich ein Pulk Menschen gebildet, die alle einen Platz auf der Fähre ergattern wollten. Überraschenderweise ist ja am Ende doch immer Platz für jeden. Wir erwischten schöne Plätze an der Reling, so dass wir die ganze Fahrt über Donau, Ufer und vorbeiziehende Boote beobachten konnten. Irgendwann kam dann ein älterer Herr namens Pavel und quatschte meinen Reisegefährten voll. Der sprach kein Rumänisch, aber Pavel war glücklich, als er feststellte, dass ich dolmetschen konnte. Wir unterhielten uns eine Weile mit ihm, wobei Pavel natürlich feststellte, dass wir ein wunderbares Paar waren. Ich war zu müde und zu fertig, um ihm zu erklären, dass wir das mitnichten seien. Manchmal ist es einfacher, Erwartungen zu erfüllen.
In Sulina angekommen, waren da eine Menge Menschen, die das Boot in Empfang nahmen, um Zimmer zu vermitteln. Wir brauchten natürlich was und holten Angebote ein. Wir hatten die Wahl zwischen einer zentrumsnahen Variante im Wohnblock und einer Pension näher am Strand. Uns zog es erstmal zum vermeintlichen Luxus, der Pension in Strandnähe. Die geschäftstüchtige Betreiberin pries uns das Zimmer an, wir dachten aber vermutlich beide nur an den Strand und daran, bald ins Wasser springen zu können. Wenn wir wiederkommen würden, hätte unsere Gastgeberin schon den Fisch fertig und wir konnten nach dem Abendessen einfach nur noch ins Bett fallen. Der Strand war weit weniger idyllisch, als wir uns das vorgestellt hatten, aber immerhin, es gab Meer und somit kühlendes Nass. Und wir entfernten uns einfach ein wenig vom beschirmten Bereich des Strandes, da war es auch schon viel menschenleerer. Die anschließende Dusche war nicht gerade erhebend, das Badezimmer war ziemlich grottig, aber immerhin war das Abendessen lecker. Wir aßen natürlich Fisch. Ich lebe ja flexitarisch, aber überwiegend vegetarisch und zuhause-vegan. Aber bei einem Ausflug ins Donaudelta war mir schon klar gewesen, dass ich eine Menge Fisch essen würde. Ich hoffe, dass der Fisch regional geangelt und nicht aus überfischten Gewässern importiert war. Jedenfalls war er ziemlich lecker. Als wir jedoch das Licht auf der Terasse anschalteten, kamen die Mücken und ließen uns nicht zu Ende essen. Sie stachen uns, unsere Hände, den Fisch auf dem Teller und sogar in den Maisbrei. Nur war es ja auch nicht möglich, Fisch ohne Licht zu essen. Ich habe immer ein wenig Panik, Gräten zu verschlucken und bin auch nicht besonders geübt darin, sie vom Rest des Tieres zu trennen.
Wir suchten für die zweite Nacht dann erstmal eine neue Unterkunft, denn das Preis-Leistungs-Verhältnis war nicht besonders gut. Wie sich herausstellte, reichte es, sich an eine Ecke der Hauptstraße zu stellen und fragend zu gucken. Im Nu hatten wir ein Privatzimmer bei einer Frau und ihrem erwachsenen Sohn in deren Wohnung im Block. Aber das Bad war sauber, das Zimmer war sauber, und wir hatten für ein Drittel weniger Geld alles, was wir brauchen. Klar wir reden hier von 120 Lei (ca. 27 Euro) gegen 80 Lei (ca. 18 Euro) fürs Doppelzimmer. Aber auch wenn wir keine fünf Euro pro Person sparten, kam uns die neue Bleibe viel schöner vor. Wir erkundeten noch den Friedhof, der berühmt war, weil hier Menschen und Seefahrer aus aller Herren Länder begraben lagen und gingen auch an diesem Tag wieder an den Strand.
Am nächsten Morgen nahmen wir dann in aller Frühe die Fähre nach Crisan. Beim Ablegen in Sulina bot sich der Blick auf einen atemberaubenden Sonnenaufgang. Das frühe Aufstehen hatte sich schon allein deswegen gelohnt. In Crisan wollten wir uns ein Kanu mieten und eine zweitägige Tour durchs Donaudelta machen. Aufgrund des Reiseführers hatte ich Mila 23 als Ziel auserkoren. Das ist im Übrigen kein Frauenname mit Altersangabe, sondern bedeutet Meile 23, also die 23. Meile gezählt ab der Mündung der Donau ins Schwarze Meer. Nach einigem Rumfragen fanden wir auch den Zeltplatz mit Kanuverleih, den der Reiseführer empfohlen hatte und wo ich uns schon angekündigt hatte. Die Kanus standen bereit, wir packten alles Nötige in einen Packsack und ließen die Rucksäcke zurück. Dann ging es nach einem kurzen Abstecher in den Lebensmittelladen auch gleich los.
Auf dem Sulina-Arm der Donau zu manövrieren, erst recht flussaufwärts, war gar nicht einfach. Wir gerieten immer wieder in eine Strömung, die uns quer stellte, mühten uns ab, auch nur ein paar Meter vorwärts zu kommen und die paar Kilometer, die es angeblich bis zur Einmündung des Kanals Richtung Mila 23 waren, kamen uns endlos vor. Irgendwann hatten wir es aber geschafft und in den ruhigeren Nebenkanälen war es viel entspannter, wenn nicht gerade ein Motorboot der Fischer oder vollgepackt mit Touristen vorbeipreschte. Unser Kanu kam ganz schön ins Schaukeln jedesmal, aber wir kenterten nicht. Bloß gut, die Eskimorolle hatten wir nicht geübt. Die Touristen machten manchmal auch Bilder von uns und wir überlegten, dass der Reiseführer wohl grad sagte: "Und hier sehen sie deutsche Touristen bei ihrem typischen Zeitvertreib.", und mir ging es etwas auf die Nerven, wie ein Zootier angestarrt zu werden. Wir waren wirklich die einzigen Paddler weit und breit - wir begegneten keinem anderen Boot, was mit Muskelkraft betrieben war. Dabei war es viel schöner, ohne Motorenlärm die Stille zu genießen, den Fröschen beim Weghüpfen zuzuschauen, Komorane und Reiher zu begutachten, und anzulegen, wo wir wollten.
Mila 23 ist so gar nicht das romantische Fischerdorf, welches die Reiseführer anpreisen. Es gibt viele neugebaute große Pensionen mit etlichen Zimmern und doch fanden wir keine, die ein Zimmer für uns hatte. Dabei sah man nirgends Touristen. Wir hatten da zwei Theorien: Entweder waren es Touristen, die den ganzen Tag in den Angel-Gewässern unterwegs waren oder anderweitig Touren machten oder die Pensionen hatten keine Gäste und wollten sich nicht die Mühe machen, wegen einem Zimmer den gesamten Betrieb "hochzufahren". Schließlich fanden wir doch noch eine schöne Pension, deren Namen mir leider nicht mehr einfallen will und wo wir eines der zwei kleinen Gartenhäuschen beziehen konnten. Unser Kanu zerrten wir auf den zur Pension gehörigen Steg und gönnten uns eine riesige Fischplatte zu zweit. Dazu wurden lokaler Kaviar, Knoblauchpaste, Fischbällchen und Maisbrei gereicht und als wir satt und zufrieden waren, wies uns die Kellnerin darauf hin, dass sie gleich das Dessert bringe. Aber was heißt eigentlich gönnen - das Essen kostete uns etwa acht Euro pro Person, die unterkunft noch mal elf.
Am nächsten Morgen brachen wir früh auf, um zu den Pelikanen zu fahren. Denn das war eines der Hauptziele dieser Paddeltour - Pelikane in freier Natur. Wir steuerten unser Kanu über einen flachen See und entdeckten auf einem Baumstumpf schon den ersten großen Vogel - das konnte doch nur ein Pelikan sein? Aber obwohl wir uns anschlichen, hatten wir keine Chance - er flog davon. Wir manövrierten das Boot weiter und hatten schließlich später auf einem kleineren See doch noch Glück - eine Gruppe von vielleicht 20, 30 Tieren war gerade beim Mittagessen und fischte mit den Schnäbeln im See rum. Als wir zu nahe kamen, flogen auch sie davon, aber wir kamen doch ganz schön nah mit unserem Kanu. Ziemlich beeindruckende Tiere.
Nach dem Paddelausflug stellten wir unsere Zelte auf dem Campingplatz in Crisan und suchten das einzige Lokal im Ort, welches dummerweise am anderen Ende des Ortes lag und damit einen guten Fußmarsch entfernt. Denn Crisan besteht praktisch nur aus einer sehr langen Straße entlang des Donauarms. Als wir vom Essen wiederkamen, tranken wir noch Bier und Pflaumenschnaps mit den zwei Österreichern, die eine Fahrradtour entlang der Donau gemacht hatten. Für sie ging es nun weiter nach Istanbul, für uns zurück nach Tulcea und dann Bukarest am nächsten Tag.
Das Donaudelta war definitiv einen Besuch wert. Vielleicht war es nicht gerade die richtige Ecke davon, denn anderswo hätten wir vielleicht noch mehr Natur und Naturbelassenheit erlebt. Aber es war eine schöne Erfahrung und ich würde vielleicht sogar noch mal hinfahren und noch andere Ecken davon entdecken.
Schließlich fuhren wir in Tulcea ein. Ich hatte das Gefühl, ordentlich zu stinken nach einem sonnigen Tag und einer Nacht in einem überfüllten Zug und hätte alles gegeben, um kurz ins Meer oder anderweitig ins Wasser zu hüpfen. Der See, der im Reiseführer als eine Art Naherholungsgebiet angepriesen war, erwies sich aber als dreckiger Tümpel und so fiel das aus. Wir warteten auf die Fähre nach Sulina. An der Ablegestelle hatte sich ein Pulk Menschen gebildet, die alle einen Platz auf der Fähre ergattern wollten. Überraschenderweise ist ja am Ende doch immer Platz für jeden. Wir erwischten schöne Plätze an der Reling, so dass wir die ganze Fahrt über Donau, Ufer und vorbeiziehende Boote beobachten konnten. Irgendwann kam dann ein älterer Herr namens Pavel und quatschte meinen Reisegefährten voll. Der sprach kein Rumänisch, aber Pavel war glücklich, als er feststellte, dass ich dolmetschen konnte. Wir unterhielten uns eine Weile mit ihm, wobei Pavel natürlich feststellte, dass wir ein wunderbares Paar waren. Ich war zu müde und zu fertig, um ihm zu erklären, dass wir das mitnichten seien. Manchmal ist es einfacher, Erwartungen zu erfüllen.
In Sulina angekommen, waren da eine Menge Menschen, die das Boot in Empfang nahmen, um Zimmer zu vermitteln. Wir brauchten natürlich was und holten Angebote ein. Wir hatten die Wahl zwischen einer zentrumsnahen Variante im Wohnblock und einer Pension näher am Strand. Uns zog es erstmal zum vermeintlichen Luxus, der Pension in Strandnähe. Die geschäftstüchtige Betreiberin pries uns das Zimmer an, wir dachten aber vermutlich beide nur an den Strand und daran, bald ins Wasser springen zu können. Wenn wir wiederkommen würden, hätte unsere Gastgeberin schon den Fisch fertig und wir konnten nach dem Abendessen einfach nur noch ins Bett fallen. Der Strand war weit weniger idyllisch, als wir uns das vorgestellt hatten, aber immerhin, es gab Meer und somit kühlendes Nass. Und wir entfernten uns einfach ein wenig vom beschirmten Bereich des Strandes, da war es auch schon viel menschenleerer. Die anschließende Dusche war nicht gerade erhebend, das Badezimmer war ziemlich grottig, aber immerhin war das Abendessen lecker. Wir aßen natürlich Fisch. Ich lebe ja flexitarisch, aber überwiegend vegetarisch und zuhause-vegan. Aber bei einem Ausflug ins Donaudelta war mir schon klar gewesen, dass ich eine Menge Fisch essen würde. Ich hoffe, dass der Fisch regional geangelt und nicht aus überfischten Gewässern importiert war. Jedenfalls war er ziemlich lecker. Als wir jedoch das Licht auf der Terasse anschalteten, kamen die Mücken und ließen uns nicht zu Ende essen. Sie stachen uns, unsere Hände, den Fisch auf dem Teller und sogar in den Maisbrei. Nur war es ja auch nicht möglich, Fisch ohne Licht zu essen. Ich habe immer ein wenig Panik, Gräten zu verschlucken und bin auch nicht besonders geübt darin, sie vom Rest des Tieres zu trennen.
Wir suchten für die zweite Nacht dann erstmal eine neue Unterkunft, denn das Preis-Leistungs-Verhältnis war nicht besonders gut. Wie sich herausstellte, reichte es, sich an eine Ecke der Hauptstraße zu stellen und fragend zu gucken. Im Nu hatten wir ein Privatzimmer bei einer Frau und ihrem erwachsenen Sohn in deren Wohnung im Block. Aber das Bad war sauber, das Zimmer war sauber, und wir hatten für ein Drittel weniger Geld alles, was wir brauchen. Klar wir reden hier von 120 Lei (ca. 27 Euro) gegen 80 Lei (ca. 18 Euro) fürs Doppelzimmer. Aber auch wenn wir keine fünf Euro pro Person sparten, kam uns die neue Bleibe viel schöner vor. Wir erkundeten noch den Friedhof, der berühmt war, weil hier Menschen und Seefahrer aus aller Herren Länder begraben lagen und gingen auch an diesem Tag wieder an den Strand.
Am nächsten Morgen nahmen wir dann in aller Frühe die Fähre nach Crisan. Beim Ablegen in Sulina bot sich der Blick auf einen atemberaubenden Sonnenaufgang. Das frühe Aufstehen hatte sich schon allein deswegen gelohnt. In Crisan wollten wir uns ein Kanu mieten und eine zweitägige Tour durchs Donaudelta machen. Aufgrund des Reiseführers hatte ich Mila 23 als Ziel auserkoren. Das ist im Übrigen kein Frauenname mit Altersangabe, sondern bedeutet Meile 23, also die 23. Meile gezählt ab der Mündung der Donau ins Schwarze Meer. Nach einigem Rumfragen fanden wir auch den Zeltplatz mit Kanuverleih, den der Reiseführer empfohlen hatte und wo ich uns schon angekündigt hatte. Die Kanus standen bereit, wir packten alles Nötige in einen Packsack und ließen die Rucksäcke zurück. Dann ging es nach einem kurzen Abstecher in den Lebensmittelladen auch gleich los.
Auf dem Sulina-Arm der Donau zu manövrieren, erst recht flussaufwärts, war gar nicht einfach. Wir gerieten immer wieder in eine Strömung, die uns quer stellte, mühten uns ab, auch nur ein paar Meter vorwärts zu kommen und die paar Kilometer, die es angeblich bis zur Einmündung des Kanals Richtung Mila 23 waren, kamen uns endlos vor. Irgendwann hatten wir es aber geschafft und in den ruhigeren Nebenkanälen war es viel entspannter, wenn nicht gerade ein Motorboot der Fischer oder vollgepackt mit Touristen vorbeipreschte. Unser Kanu kam ganz schön ins Schaukeln jedesmal, aber wir kenterten nicht. Bloß gut, die Eskimorolle hatten wir nicht geübt. Die Touristen machten manchmal auch Bilder von uns und wir überlegten, dass der Reiseführer wohl grad sagte: "Und hier sehen sie deutsche Touristen bei ihrem typischen Zeitvertreib.", und mir ging es etwas auf die Nerven, wie ein Zootier angestarrt zu werden. Wir waren wirklich die einzigen Paddler weit und breit - wir begegneten keinem anderen Boot, was mit Muskelkraft betrieben war. Dabei war es viel schöner, ohne Motorenlärm die Stille zu genießen, den Fröschen beim Weghüpfen zuzuschauen, Komorane und Reiher zu begutachten, und anzulegen, wo wir wollten.
Mila 23 ist so gar nicht das romantische Fischerdorf, welches die Reiseführer anpreisen. Es gibt viele neugebaute große Pensionen mit etlichen Zimmern und doch fanden wir keine, die ein Zimmer für uns hatte. Dabei sah man nirgends Touristen. Wir hatten da zwei Theorien: Entweder waren es Touristen, die den ganzen Tag in den Angel-Gewässern unterwegs waren oder anderweitig Touren machten oder die Pensionen hatten keine Gäste und wollten sich nicht die Mühe machen, wegen einem Zimmer den gesamten Betrieb "hochzufahren". Schließlich fanden wir doch noch eine schöne Pension, deren Namen mir leider nicht mehr einfallen will und wo wir eines der zwei kleinen Gartenhäuschen beziehen konnten. Unser Kanu zerrten wir auf den zur Pension gehörigen Steg und gönnten uns eine riesige Fischplatte zu zweit. Dazu wurden lokaler Kaviar, Knoblauchpaste, Fischbällchen und Maisbrei gereicht und als wir satt und zufrieden waren, wies uns die Kellnerin darauf hin, dass sie gleich das Dessert bringe. Aber was heißt eigentlich gönnen - das Essen kostete uns etwa acht Euro pro Person, die unterkunft noch mal elf.
Am nächsten Morgen brachen wir früh auf, um zu den Pelikanen zu fahren. Denn das war eines der Hauptziele dieser Paddeltour - Pelikane in freier Natur. Wir steuerten unser Kanu über einen flachen See und entdeckten auf einem Baumstumpf schon den ersten großen Vogel - das konnte doch nur ein Pelikan sein? Aber obwohl wir uns anschlichen, hatten wir keine Chance - er flog davon. Wir manövrierten das Boot weiter und hatten schließlich später auf einem kleineren See doch noch Glück - eine Gruppe von vielleicht 20, 30 Tieren war gerade beim Mittagessen und fischte mit den Schnäbeln im See rum. Als wir zu nahe kamen, flogen auch sie davon, aber wir kamen doch ganz schön nah mit unserem Kanu. Ziemlich beeindruckende Tiere.
Nach dem Paddelausflug stellten wir unsere Zelte auf dem Campingplatz in Crisan und suchten das einzige Lokal im Ort, welches dummerweise am anderen Ende des Ortes lag und damit einen guten Fußmarsch entfernt. Denn Crisan besteht praktisch nur aus einer sehr langen Straße entlang des Donauarms. Als wir vom Essen wiederkamen, tranken wir noch Bier und Pflaumenschnaps mit den zwei Österreichern, die eine Fahrradtour entlang der Donau gemacht hatten. Für sie ging es nun weiter nach Istanbul, für uns zurück nach Tulcea und dann Bukarest am nächsten Tag.
Das Donaudelta war definitiv einen Besuch wert. Vielleicht war es nicht gerade die richtige Ecke davon, denn anderswo hätten wir vielleicht noch mehr Natur und Naturbelassenheit erlebt. Aber es war eine schöne Erfahrung und ich würde vielleicht sogar noch mal hinfahren und noch andere Ecken davon entdecken.



















