Sonntag, 18. März 2018

Leipziger Buchmesse 2018 im Scheechaos

Die Leipziger Buchmesse ist ja wieder ganz nah für mich, seit ich in Halle lebe. Das letzte Mal war ich vor über zehn Jahren da, glaube ich. Und das, obwohl ich geschriebene Worte so liebe! Dieses Jahr wollte ich sie mir dann auf keinen Fall entgehen lassen, ist doch das Gastland Rumänien. 

Bevor ich allerdings die Messe genießen konnte, musste ich erstmal hinkommen. Nach einer unschönen Fahrt auf verschneiten Straßen am Tag zuvor und mit im Messeticket enthaltenen Nahverkehrsticket wollte ich wirklich gern die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Bahn und Wetter (scheinbar fast egal welcher Art) ist aber ja nun leider nicht so eine gute Kombination. Und wo war das Epizentrum des Schnee-Verkehrschaos auf der Schiene? Im Großraum Leipzig-Halle. Dort waren das Bahnnetz und beide Bahnhöfe zeitweise komplett lahmgelegt und die S-Bahnen fuhren überhaupt nicht mehr aufgrund von vereisten Weichen und verschneihten und schneeverwehten Gleisen. Informationen gab es auch nicht - wie so oft hatten auch Bahn-Mitarbeiter*innen keine Ahnung, wann der nächste SEV-Bus kommen würde oder wann wieder eine S-Bahn kommen könnte. Das Ganze lässt sich natürlich wirklich oft schlecht abschätzen, ist aber für Reisende in dem Moment extrem frustierend. Ich wollte also,  nachdem ich über einer Stunde in der Kälte ausgeharrt hatte, gerade nach Hause gehen, weil ich keine Hoffnung mehr hatte, noch irgendwie wegzukommen, da kam ein Schienenersatz-Bus und brachte mich direkt bis zur Messe. Halb drei war ich dann endlich in der Messehalle - zweieinhalb Stunden später als gedacht, die mir dann auch fehlten. 

Zuerst steuerte ich natürlich den rumänischen Stand an. Dort wurden sehr viele rumänische Autor*innen präsentiert, es gab eine kleine Ecke gewidmet den Illustrator*innen und Gespräche mit allerlei Literaturschaffenden. Für Diskussionsrunden-Lauschen hatte ich irgendwie so gar keinen Nerv, aber ich stöberte ein wenig durch die Bücher und schnappte hier und da einige Wörter Rumänisch auf. Ich hätte gern mehr Ruhe gehabt um mich in das eine oder andere Werk zu vertiefen. So ging es mir die nächsten Stunden - es war viel zu viel und ich war nicht aufnahmefähig genug. Aber dennoch, es gab viele schöne Entdeckungen - ein paar Bücher, die mir ins Auge sprangen wie "Good night stories for rebel girls" oder "Die Freiheit, frei zu sein" von Hannah Arendt, ein Plakat für eine Klimt-Ausstellung in Halle ab Oktober, Lesempfehlungen der Verlage gegen Rechts, ein herrlicher Schriftzug für mehr Poesie im Leben und viele andere Kleinhigkeiten. Mit nach Hause durften am Ende "Das Leben wie ein Tortenboden" - Neue Rumänische Prosa, einige Zeitungen, die die Medienhäuser immer verteilen und ein paar Postkarten und Lesezeichen. 
 
Leider schaffte ich es nicht, mir Zeit zu nehmen, auf der Antiquariatsmesse alte Bücher zu bestaunen, bei den Kinder- und Jugendbüchern vorbeizuschauen und mir für eine längere Lesung Zeit zu nehmen. Aber der Schnuppereindruck genügte für vielerlei intellektuelle Anstupser und hat viel Lust geweckt, zu lesen und mich mit mir unbekannten Dingen und Autoren zu beschäftigen.

Der Rückweg war wiederum abenteurlich. Die Bahn hatte das Schneeproblem noch nicht in den Griff bekommen und ich stand bei etwa -5°C eine halbe Stunde am Gleis und wartete auf die S-Bahn. In der Bahn standen wir dann so dicht, dass niemand umfallen konnte und erreichten nach einer halben Stunde schließlich auch Halle. Zu Hause taute ich erstmal wieder auf - das in der Kälte Rumstehen hatte mir schon zugesetzt.
Würde ich einen Besuch bei der Buchmesse empfehlen? Ja. Ich würde zudem dazu raten, das Ticket online zu kaufen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen, dann ist ein Teil des Ticketpreises schon wieder gerechtfertigt. Ich würde empfehlen, genügend Zeit einzuplanen, um wirklich in literarische Welten abtauchen zu können, ich würde empfehlen, einen Plan zu machen, falls Lesungen besucht werden sollen. Ach ja, bequemes Schuhwerk und eine große Tasche oder ein Rucksack sind auch von Vorteil und genügend Geld für Essen und Getränke, die auf der Messe recht teuer sind, bzw. sich einen Snack einzupacken. Dann kann es losgehen ins literarische Wunderland. 

 
In diesem Sinne: 
Poetisiert euch!