Ich fürchte, ich überschlage mich gleich mit Lobhuldigungen auf Prag - es ist aber auch immer wieder schön da. Dabei stören mich Touristenhorden sehr und die in Prag auftauchende Spezies des mitteleuropäischen Sauftouristen besonders (im Vergleich zu den meisten anderen Ländern gibt es schließlich relativ billiges Bier an jeder Ecke). Aber trotz Brückentag am Montag und damit überfüllter Stadt am Samstag und keinem Plan, was ich eigentlich tun wollte, war es richtig schön.
Der Anlass meiner Reise war ein Konzert vom Einar Stray Orchestra. Ja, ihr dürft mich jetzt seltsam finden, dass ich denen schon fast hinterherreise (siehe Jena). Ich hatte aber nicht nur das Konzert im Blick, ich sah es einfach als gute Gelegenheit eine 24-Stunden-Auszeit in der tschechischen Hauptstadt zu genießen und den Konzertbesuch so mit einem Kurzurlaub zu verbinden. Nicht zuletzt freute ich mich sehr darauf, einen alten Arbeitskollegen wiederzutreffen, dem ich gleich geschrieben hatte, als mein Mini-Urlaubs-Plan konkretere Züge annahm. Es war richtig schön, Zeit mit ihm zu verbringen und gemeinsam durch die Stadt zu schlendern. Wir trafen uns gleich am Busbahnhof und verbrachten den Nachmittag zusammen, er lotste mich durch die Stadt, ohne, dass ich irgendeine Karte konsultieren musste.
Das Konzert war sehr gut und es gab Momente, wo ich einfach nur breit grinsend und mittwippend dasaß (der Saal des Palac Akropolis war für die Gelegenheit bestuhlt). Meine Lieblingslieder wurden fast alle gespielt, ein wenig enttäuschend war nur, dass Einar und seine Band ohne Zugabe verschwanden. Tja, wer weiß, vielleicht gab es eine Auflage vom Veranstaltungsort.
Nachdem ich in meinem Hostel ein paar Stunden geschlafen hatte, wurde ich recht früh wach und versuchte mich unter eher schwierigen sanitären Bedingungen etwas zu reinigen. Es gab keine Ablage oder auch nur Haken in der Dusche, die Armatur am winzigen Waschbecken war lose, die Dusche funktionierte per Drücker, den man allerdings gedrückt halten musste, damit ein scheinbar beliebig warmer Wasserstrahl aus der Brause regnete. Gegen acht verließ ich schon das Hostel, mit dem Ziel, im Café Louvre zu frühstücken, weil ich es einfach schön da finde und damit auch schöne Erinnerungen verbinde. Ich war natürlich nicht die einzige, die auf die Idee gekommen war - schon als ich nach dem Spaziergang von Žižkov in die Národní třída gegen neun ankam, stand eine Touristentraube davor. Ich fand, ich war fürh genug dran, um trotzdem einen Platz zu bekommen, aber oben wurde es nicht besser - unheimlich viele Menschen, gehetzt wirkende Kellner schon am frühen Morgen - ich beschloss recht schnell, wieder zu gehen. Ich kaufte mir ein Frühstück zum Mitnehmen bei einem dieser Kaffee-Läden und zog schließlich beladen mit frischem Orangensaft, heißer Schokolade, einer Apfeltasche und einem Schokotörtchen los in Richtung Moldau.
Das war die beste Idee überhaupt - ich ließ mich auf einer der Inseln mit perfektem Blick auf die Karlsbrücke nieder. Ich gebe hier mal ganz bewusst keine genaue Wegbeschreibung, vielleicht will ich das mal wieder machen und dann nicht bereits um 7:30 von anderen Reisenden belagert finden... Ich genoss mein mitgebrachtes Frühstück, teilte nicht mit einem herbeischwimmenden Erpel, und machte ganz viele Bilder von diesem wunderschönen Anblick. Auf der Karlsbrücke war schon jetzt gut was los, auf der Insel war ich eine von wenigen. Das war der perfekte Start in einen super sonnigen Tag.
Danach ließ ich mich durch die Altstadt treiben, immer Reisegruppen ausweichend und geriet tatsächlich in menschenleere Straßen mit hübschen Altstadtbauten. Um elf wollte ich am Bahnhof sein, wo ich mich mit meinem alten Kollegen wieder treffen wollte - er hatte angeboten, mir beim Erkunden von Prag Gesellschaft zu leisten. Es war ein herrlicher Tag. Ich konnte herzlich Lachen, als mir mein soeben erworbenes Eis in die Moldau fiel (deswegen darf man also in Belgrad nicht auf der Festungsmauer sitzen - nicht wegen der eigenen Sicherheit, sondern, dass einem nichts runterfällt). Ich war überhaupt gut gelaunt, als wir so umherschlenderten und ganz viel da saßen und die Stadt und die Hektik ausblendeten. Es war auch viel zu warm, um umherzuhetzen, ich hatte kein gesteigertes Interesse an Museen und ich kannte die Haupt-Sehenswürdigkeiten schon. Und so liefen wir einfach umher, vermieden den Altstädter Ring und
Wenzelsplatz sowie die Burg recht großräumig und flanierten
beispielsweise lieber über die Kampa-Insel. Der Freund konnte mich noch auf einige interessante Fakten zur Stadt hinweisen und weniger bekannte Fleckchen zeigen. Eine Shopping-Queen bin ich ja eh nicht und ich sehe wenig Sinn darin, Einkaufstütenbeladen durch europäische Metropolen zu hetzen. Das einzige, was ich mitnehmen musste, war gutes tschechisches Bier.
Mit einer Jutetasche meines alten Arbeitgebers, in dem einige Flaschen Bier für die Grillparty bei meinem Bruder am Montag klapperten, stieg ich am Nachmittag in den Zug nach Dresden. Ich hatte mir nur einen ganz leichten Sonnenbrand geholt, hatte - wie war das eigentlich möglich - wieder neue Facetten der Stadt kennengelernt und einen schönen Kurzurlaub gehabt. Vielleicht sollte ich langsam lieber in ein einfaches Hotel investieren, statt mich mit schlecht belüfteten Hostelzimmern rumzuärgern, aber prinzipiell tut mir so ein Kurztrip einfach verdammt gut.





