Nach bestimmt einer Stunde Wartezeit hatten wir es geschafft - die Pässe waren kontrolliert, wir waren raus aus dem Schengen-Raum und drin in Rumänien. Hier gleich der nächste Stau oder eher ein Verkehrschaos. Wild parkten überall rumänische Autos. Manchmal denke ich, nur Rumän*innen können dermaßen ohne Rücksicht auf jede Verkehrsordnung parken, liege damit aber bestimmt falsch. An der Tankstelle gleich hinter der Grenze hielten auch wir. Wir brauchten eine Vignette für Rumänien, denn die braucht jedes Auto dort nicht nur auf Autobahnen sondern auch auf ganz gewöhnlichen Landstraßen. Ich kann mich erinnern, diese Vignette vor Jahren mit dem guten Karl, meinem alten Renault, mal an der Tankstelle gekauft zu haben. Deswegen steuerte ich auch siegesgewiss auf die Tankstelle zu. Nein, Vignetten hätten sie keine (obwohl draußen noch die Preisauskunft stand), ich solle rüber zum offiziellen Verkaufsbüro.
Das Vignetten-Verkaufsbüro war leicht an der langen Schlange davor zu erkennen. Hier standen sich nun alle die Beine in den Bauch, während zwei Rumäninnen mit künstlichen Fingernägeln im Zwei-Finger-System die Kennzeichen in den Computer tippten, derweil lief im Hintergrund in ihrem Büro ein Fernseher, dessen Programm vom Wartebereich leider nicht zu erkennen war. Ich fragte gleich mal in die Menge, ob denn Kreditkarte akzeptiert würde - denn dem großen "Visa"-Symbol an der Tür des Büros war nicht zu trauen. Die Frage wurde durch die Reihen vor mir weitergegeben und ein "nein" nach der gleichen Methode zurückgegeben. Hier verließene einige wenige Menschen die Schlange und ich freute mich über den Rest rumänischer Banknoten, die ich noch zuhause gefunden hatte.
Die Schlange rückte stetig weiter, irgendwann passierte auch ich die unfertig eingebaute Kunststoff-Tür (Termopan und Bauschaum) und konnte in den Wartebreich, in dem alte Heizgeräte und zerschlissene Bürostühle wohl darauf warteten, dass sie sich von selbst entsorgten. Eine obligatorische Rumänienkarte an der Wand war leider zu weit weg von der Warteschlange, als dass ich schon mal über die weitere Route hätte sinnieren können. Irgendwann war ich dran. Ich schob meine Fahrzeugpapiere rüber und bat um eine Vignette für 30 Tage.
Der laufende Fernseher im Hintergrund, der Fakt, dass Zahlung mit Kreditkarte nicht funktionierte, die zwei Grazien, die behäbig tippten und der mit Sperrmüll zugestellte Vorraum - all das schrie mich förmlich an:
Willkommen in Rumänien! Wir wissen, dass du genau nach dem suchst, was du gerade wieder hier bestätigt bekommen hast - ein wildes Absurdistan. Viel Spaß!