Samstag, 29. Dezember 2018

Auszeit im Ökodorf

Das Ökodorf Sieben Linden liegt im Nordwesten Sachsen-Anhalts, in der Nähe von Salzwedel, nicht weit entfernt von Wolfsburg und Stendal. So richtig nah ist aber keine dieser Städte, der nächste Ort, Poppau, hat vielleicht 100 oder 200 Einwohner. Wenn man mit Bus und Bahn nach Sieben Linden anreist, landet man nach einer dreiviertelstündigen Fahrt durch viel ländliche Idylle in Poppau und läuft von da noch einmal etwa einen Kilometer nach Sieben Linden raus. Am Besten bewaffnet mit Stirnlampe oder Taschenlampe, denn beleuchtet ist die schmale Straße natürlich nicht. 

Ich war zuvor schon zwei Mal in Sieben Linden, einmal für einen Kurs "Community Building nach Scott Peck" und einmal fürs Pfingst-Tanzfestival. Beide Male fühlte ich mich sehr wohl, wusste aber auch, dass es kein Ort zum Leben für mich ist. Da ich gerade auf dem Weg bin, herauszufinden, ob Leben in Gemeinschaft und im Ökodorf das Richtige für mich ist, habe ich mich noch einmal nach Sieben Linden aufgemacht - um an den Projekt-Informations-Tagen und an der Woche "Sieben Linden intensiv" teilzunehmen.

Nachdem das Info-Wochenende tatsächlich sehr voll war mit Informationen und das Programm extrem dicht, war die Intensiv-Woche schon fast entspannt. Ich fühlte mich sehr wohl in der Gruppe, die buntgemischt war und eine Altersspanne von 25 bis 80 hatte, ich mochte die Atmosphäre, ich konnte viel mitnehmen aus den Übungen und Angeboten. Auch das Rahmenprogramm sagte mir erstaunlicherweise zu, und auf einmal fand ich mich in einem Singkreis wieder (wo ich doch davon überzeugt bin, nicht singen zu können). 

Dass ich eine Woche wenig am Handy war, weil es nämlich in Sieben Linden nicht nur nicht erwünscht ist, sondern schlicht auch keinen Empfang gibt, trug sicher dazu bei, dass ich mich besonders gut auf das Erlebnis Ökodorf einlassen konnte. Das ist jedoch auch definitiv ein Punkt, warum ich mich nicht dort leben sehe. Was mir wiederum viel eher zusagt, ist das mega leckere Essen, dass die Köch*innen zweimal täglich kredenzen, der leckere Lupinen-Kaffee zum Frühstück (koffeinfrei, yeah!) und die Art des Zusammenseins. 

Ich werde es nächstes Jahr mit einem weniger abgelegenen Ökodorf versuchen, ein bisschen weniger "außer der Welt" und ein bisschen weniger Öko-Elite, aber trotzdem ein Beitrag zu einem nachhaltigen Zusammenleben. Ich bin sehr gespannt, ob ich es schaffe, dort heimisch zu werden.