Sonntag, 27. Januar 2019

Barcelona - Flucht in den Süden

Ich war seit etwa 24 Stunden in der Stadt, als ich am Meer saß, auf großen Felsbrocken, die als Wellenbrecher dienen. Während die Gondel vom Montjüic ins Tal schwebte und die Seilbahn sich als Silhoutte in der untergehenden Sonne abzeichnete, beobachtete ich die Surfer*innen am Barceloneta. Ich brach auf und blieb an der plamengesäumten Strandpromenade noch einmal stehen und beobachtete einen der Surfer, wie er sich grad am Strand bereit machte um sich in die Fluten zu stürzen. Auch, als ich Richtung Stadt ging, kamen mir weitere Menschen mit Surfbrett entgegen. Dabei stand die Sonne schon tief und wärmte kaum noch, das Wasser ist Mitte Januar sicher auch nicht warm und bei höchstens zwölf Grad herrschte ein kalter Wind, der den Surfern wohl aber eher entgegen kam, weil er für ein paar Wellen sorgte. Trotzdem fühlte sich die ganze Szenerie sommerlich an.

Barcelona unterdessen war abgesehen vom Strand voll und hektisch. Ich suchte ständig etwas, Metro-Stationen und Bushaltestellen, etwas zu essen - ich war nicht so richtig bereit, mich einfach treiben zu lassen. Ich floh in die kleinen Gassen des El Raval, floh in die Parks Montjüic und Güell, um nicht mit den Massen auf der Ramblas mitschwimmen zu müssen. Ich schaute mir kein einziges der architektonischen Denkmäler an, die Sagrada Familia wenigstens von außen, aber der Eintritt war mir zu teuer und ich war nicht in Stimmung, mit einer Menge anderer Touristen durchgeschleust zu werden durch diese Kirchenbaustelle monströsen Ausmaßes. Dafür genoss ich den Ausblick auf die Stadt sehr, das mehr im Hintergrund und die Kirchenbaustelle in der Mitte aufragend.

Am Tag meiner Ankuft in Barcelona war ich bereits beim spätabendlichen Erkunden der Umgebung auf einen Innenhof mit Orangenbäumen gestoßen, die mit Früchten vollhingen. Beim Spaziergang auf dem Montjüic einen Tag später blickte ich mich dann lange nach den Vögeln um, die so laut zwitscherten und sah schließlich Kanarienvögel auffliegen. Im Güell-Park entdeckte ich wieder welche, die es sich in Palmen bequem gemacht hatten. Mein Handy sagte mir, dass es in Deutschland sehr kalt war und ich lief hier höchstens mit Fleecejacke rum.
Auch vor Ort in Barcelona bemerkte ich krasse Unterschiede. Mehrmals stolperte ich aus Versehen mitten in der Innenstadt in Ecken, wo offensichtlich Obdachlose lebten, einmal auf einen schveinbaren Straßenstrich. Der Stadtteil Raval faszinierte mich mit seiner Multiethnizität, aber neben kleinen arabischen Läden sprossen wie überall auf der Welt Hipster-Cafés aus dem Boden.

Ich bin - und da werde ich vielleicht eine der wenigen sein - tatsächlich froh, nur zwei Tage in Barcelona verbracht zu haben. Die Stadt ist wirklich schön, aber auch laut und hektisch und teuer. An vielen Ecken ist die katalanische Hauptstadt wirklich bezaubernd, ich wollte jedoch zu Anfang meiner Reise vor allem erstmal runterkommen. Und da gleich mit einer Großstadt zu starten, war vielleicht einfach keine gute Idee. Dennoch, auch hier gibt es Ecken, die Ruhe ausstrahlen. Als ich mich auf dem Montjüic absichtlich verlief, entdeckte ich Winkel, wo ich fast ganz allein war. Und dann stand ich wieder ganz schnell zwischen dutzenden Tourist*innen und Einheimischen am Bahnhof. Und fuhr in den Süden Spaniens, raus aus der zweitgrößten Stadt Spaniens, auf nach Andalusien.