Freitag, 12. September 2014

Wo alles begann: Ulm

Ich wäre heute wohl kaum hier, gäbe es Ulm nicht. "Häh?", werden sich jetzt einige denken, "Was hat die denn mit Ulm zu tun?" Ich habe eigentlich wirklich gar nichts mit Ulm zu tun. Aber wäre nicht vor mehr als 250 Jahren jemand auf die Idee gekommen, Siedler auf ein Holzboot, eine sogenannte Ulmer Schachtel, zu setzen und von Ulm aus die Donau runter zu schicken, wäre ich jetzt wohl kaum hier. Denn dann wäre ich wohl eine der wenigen Deutschsprachigen. Andersherum wäre ich auch kaum hier, wenn nicht viele der Angesiedelten in der x-ten Generation beschlossen hätten, wieder umzudrehen in ihre Urheimat. Denn dann bräuchten sie mich hier nicht und würden ihre Sprach- und Brauchtumspflege allein ganz gut auf die Reihe kriegen. 



Dass ich nach Ulm gefahren bin, hängt aber nur indirekt mit meiner Arbeit zusammen. Ich war ja diesen Sommer viel unterwegs und habe so bei einer der vielen Hochzeiten eine gute Studienfreundin getroffen. Da mir kurz darauf ein ereignisloses Wochenende in Stuttgart bevorstand, wo ich aufgrund eines Arbeitstreffens weilte, beschloss ich mit ihr, mich in der Mitte zwischen Stuttgart und München, wo sie wohnt, zu treffen. Ulm liegt ziemlich genau in der Mitte. Außerdem war ich noch nie da. Und außerdem kann man sowohl mit dem Bayern-Ticket als auch mit dem BW-Ticket der deutschen Bahn hinfahren. Also war das beschlossene Sache. 


Ulm ist hübsch. An jeder Ecke Fachwerkhäuser, ein riesiger Marktplatz mit einer noch riesigeren Kirche in der Mitte. Es ist der höchste Kirchturm der Welt. Dann die Donau - so ein Fluss gibt einer Stadt ja immer unglaublich viel Athmosphäre. Nette Cafés auf Terassen an der Donau vollenden das Bild. In Ulm lässt es sich schon aushalten. Etwas Puste sollte man zum besteigen der 700 und mehr Stufen des Kirchturms des Ulmer Münsters schon mitbringen. Zu Stoßzeiten auch Geduld, denn dann muss man sich auf dem ersten und letzten Stück an anderen Touristen vorsichtig auf schmalen Treppen vorbeischieben.

Der Fluss teilt noch heute die Städte Ulm und Neu-Ulm. Neu-Ulm gehört zu Bayern, Ulm zu Baden-Württemberg, aber beide zu Schwaben. Ulm ist meines Erachtens der hübschere Teil der Doppelstadt, wenn auch hier viele Bausünden begangen wurden. In eine zuckersüße historische Altstadt hat man einige Betonmonster gepackt, die ihresgleichen suchen. Gut, auch die historische Altstadt ist so historisch wohl nicht, weil viel nach dem Krieg wieder aufgebaut wurde. Aber die "Neue Mitte", wie sich unter anderem ein Sparkassen-Klotz nennt, ist meiner Meinung nach nicht mutig sondern einfach unschön. 
 

Mein persönlicher Höhepunkt in Ulm war tatsächlich der Besuch des Donauschwäbischen Zentralmuseums. Obwohl das Museum nicht so gut aufgemacht ist - die multimediale Gestaltung ist meines Erachtens zu kurz gekommen, ist es doch interessant für den Geschichtsinteressierten und für den Donauschwaben sowie ihre Freunde, Bekannten und Angestellten sowieso. 




Ich empfehle also einen Besuch von Ulm und würde als Dinge, die man unbedingt tun muss, aufführen: 1) Auf den Ulmer Münster klettern, 2) Donauschwäbisches Zentralmuseum besuchen, 3) Kaffee und Kuchen an der schönen Donau.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Mit der Nutzung der Kommentarfunktion stimmst du / stimmen Sie den Datenschutzrichtlinien dieser Seite zu.