Sonntag, 11. Mai 2014

Ultrakurzurlaub in Regen und Wald

Der erste Mai war frei, der zweite Mai wurde frei genommen und dann stand wohl nur noch die Frage im Raum - wohin entfliehen? Um das Ganze unstressig zu halten, sollte der Ausflug nur drei Tage dauern, damit man Mittwoch noch in Ruhe arbeiten konnte und am Sonntag wieder in der gewohnten Umgebung war. Für Donnerstag und Freitagabend buchten wir also recht spontan ein Zimmer im Grand Hotel Leningrad des kleinen Örtchens Moneasa. Das Hotel heißt natürlich nicht wirklich so, hätte aber diesen Namen durchaus verdient. Ein sozialistischer Prachtbau allererster Güte, mit vor sich hin verfallenden Thermalbädern und Rezeptionistinnen, die im Hinterzimmer Kaffee tranken, anstatt an der Theke die Ankömmlinge zu begrüßen.


Moneasa liegt am Fuße des Apuseni-Gebirges. Es ist noch nicht wirklich bergig, aber immerhin gibt es viel Wald drum herum. Außerdem einen Teich in der Mitte des Touristenortes, auf dem man Tretboot fahren kann und ein kleiner Fluss. Ein paar Souvenierstände und eine Menge Pensionen neben den zwei Hotelklötzen runden das Bild ab. Es braucht nicht viel Vorstellungskraft, um sich Catalin Dorian Florescus "Blinden Masseur" vorzustellen, wie er durch die Lobby schlurft. Der Zimmereinrichtung sieht man die vergangene Zeit an. Dennoch, es ist sauber, das ist wohl das wichtigste. Der kleine Balkon bietet Blick auf Bäume. Sollte es nicht einen Blick auf die Berge geben?


Der Zahn der Zeit hat aber wohl am Stärksten am Schwimmbad genagt. Eines der Bäder geschlossen, so auch die Sauna und bei dem zweiten Bad muss man ein wenig Angst haben, dass die Holzpaneelen von der Decke jeden Moment herabstürzen. Das Wasser wird wohl kaum seine versprochenen 32°C heiß sein, aber immerhin - vollkommene Ruhe. Bei zwei abendlichen Besuchen sind wir ganz allein. Das Wasser ist mir dennoch zu kühl, als dass ich länger vor mich hinweichen möchte und ich ziehe es vor, noch mit einer heißen Dusche das Chlor vom Körper zu spülen. 


Der Ort ist verschlafen und so haben wir auch wirklich einen Urlaub gemacht, der dem Ort entsprach. Wir spielten abends Billiard in der Hotellobby, beobachtet von zwei Kindern, die wohl zu gern mitgespielt hätten, wenn sie über den Billiardtisch gucken könnten. Wir mieteten ein Ruderboot und umrundeten dreimal den kleinen Teich und die hübsche Pension auf der Insel. Hier trat vielleicht der spannendste Moment der Reise ein - würden wir unter der Brücke, die zur Pension führte, durchpassen? 
Wir "wanderten" zur Fledermaushöhle. Auf einem Trampelpfad stapften wir eine halbe Stunde den Berg hoch, schlugen uns durchs Gebüsch und standen schließlich vor einer kleinen Felshöhle. Keine Fledermaus weit und breit. Die Touristen in den Jahren vor uns hatten die sicher schon erfolgreich vertrieben.

Wir aßen viel. Im "Grand Hotel" Park ließen wir uns am ersten Abend panierten Käse mit Pommes und Pfannkuchen auftafeln, dazu brachte uns der beflissene Kellner eine kleine Karaffe mit Tuica [Pflaumenschnaps]. Am zweiten Tag wollten wir aus Rücksicht auf mich als Vegetarierin eigentlich Pizza essen, die zwei Pizzerien sahen aber so ranzig aus, dass wir uns schließlich im Restaurant der Pension auf der Teichinsel den Bauch voll schlugen. Mamaliga [Maisbrei] mit Käse und Sauerrahm, dazu ein Tomatensalat mit rumänischem Weichkäse und hinterher Papanasi. Das ist ein Dessert aus frittierten Teigringen und Bällchen, garniert mit Sauerrahm und Marmelade. Mein Reisegefährte wich von der traditionellen Zubereitung ab und bestellte Honig und Nuss als Garnitur und das war zugegebenermaßen mindestens genauso gut.


Es war herrlich einfach alles. Am Ende gab es noch eine Diskussion, ob wir das Zimmer wirklich zum Spottpreis von 15 Euro pro Nacht bekommen sollten oder 30 zahlen müssten, was es auf keinen Fall wert gewesen wäre. Wir setzten uns durch, trugen unsere Taschen ins Auto und starteten zu einer wunderschönen Fahrt durch den Kreis Arad. Auf dem Hinweg hatten wir die Autobahn genommen, weil das als schnellster Weg angezeigt wurde, jetzt wollten wir noch ein wenig sehen von der Landschaft. Das lohnte sich vollkommen. Wir fuhren über sanfte Hügel, auf denen links und rechts Bienenkästen standen, an denen gerade Imker zugange waren. Honig konnte man leider keinen kaufen. Nach einer ebenfalls unaufgeregten Fahrt landeten wir wieder in Timisoara und ließen den Abend mit einer Pizza ausklingen.


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