Sonntag, 21. September 2014

Jahr II - Auf geht's!

Über ein Jahr bin ich jetzt schon hier in Timisoara. Die Zeit verflog natürlich rückblickend, aber ich habe das eine Jahr auch mit vielen interessanten Erlebnissen angefüllt. Ich fühle mich sehr wohl hier und das ist wohl auch der wichtigste Grund, warum ich nun in mein zweites Jahr starte. Ich könnte jetzt mal wieder über das Zuhause-Sein philosophieren und wo ich mich wohlfühle und wie ich mich doch noch fremd fühle und und und...

Aber das lasse ich bleiben. Ich werde nur sagen, wie schön die Zeit hier war und ist, auch aufgrund vieler toller Menschen die hier meinen Weg kreuzten. Ich will aber auch festhalten, dass ich manchmal extreme Anflüge von Heimweh habe, bedingt vor allem durch das Fehlen einiger Menschen, die in meinem Leben enorm wichtig sind. Mal wieder bewahrheitet sich, dass Orte austauschbar sind, aber wirklich großartige Menschen das Herz doch wieder an einen Punkt der Erde ziehen, der dann zu einem Lieblingspunkt wird. Über mein Lieblings-Leipzig zum Beispiel, habe ich ja erst kürzlich geschrieben.

Genug der Worte, die ich mir ja sparen wollte. Wenn der geneigte Leser drei Minuten Zeit hat, kann er ja stattdessen einer kleinen Diashow beiwohnen... Viel Spaß!


Montag, 15. September 2014

Love & Peace & Plai - Neuigkeiten von der Festival-Lichtung

Quelle: plai.ro
Das Plai-Festival hielt mich das ganze Wochenende gefangen. Plai ist ein Weltmusik-Festival in Timisoara, auf dem Gelände des Dorfmuseums im Jagdwald (Muzeul Satului in Padurea Verde). Ein sehr kleines Festival mit sehr vielen gut-gelaunten Menschen. Neben einer Hauptbühne mit drei Konzerten jeden Abend gab es zahlreiche Stände mit Infos über lokale Organisationen, Werkstätten für Kinder und Erwachsene - von Töpfern über Fotografie bis zu Upcycling alles Mögliche. Auf einer kleinen Bühne wurden ebenfalls Workshops geboten oder lokale Musiker spielten. Daneben gab es noch ein Filmzelt. Natürlich auch jeden Menge Essen und Trinken. Auch hier wurde lokal ganz groß geschrieben. Wenn man sich mit seinem Bier zurückzog und von der Wiese einen Blick zurück auf den Stand warf, stellte man fest, dass man das Bier gerade von seiner Lieblingskneipe gekauft hatte. Auch das Essen war lokal, wenn auch interkulturell gemischt. Von Schmalzbroten über indisches Essen hin zu einer Suppenbar war alles dabei. Die Preise für ein Bier waren sehr vernünftig (5 Lei, also 1,20 Euro) und fürs Essen natürlich auch weit unter deutschen Festivalstandards. Für die richtige Athmosphäre war auch gesorgt - auf der Wiese konnte man sich auf Europaletten und Fake-Strohsäcken gemütlich machen oder auf mit Stoff bespannten Autoreifen. Alles sehr gemütlich, aber leider aufgrund des Regens oft nur im riesigen Chill-Zelt zu genießen.

Der Regen war irgendwie dennoch gar nicht schlimm. Der schönste Festivalmoment war für mich, cu fetele [mit den Mädels] vom Deutschen Kulturzentrum in eben diesem Zelt zu sitzen und zu quatschen. Die Konzerte waren natürlich auch toll. Meine Lieblingsband des Festivals war, würde ich sagen, Asian Dub Foundation. Aber auch alle anderen Bands waren toll und jede in ihrem jeweiligen Musikstil einfach top. Es war eben Weltmusik, was natürlich heißt, dass es bei Flamenco oder Fado auch mal etwas ruhiger zugeht. Für die meisten Gäste waren wohl die Subcarpaţi das Highlight. Eine rumänische Band, die traditionelle rumänische Musik mit HipHop verbindet. Ich habe irgendwie das halbe Konzert gebraucht, um reinzukommen, dann war es ganz gut, aber erst hat es mir gar nicht gefallen. Ja, die Rumänen würden für diesen Kommentar auf mich einschlagen, denn die Leute sind total abgegangen. Naja, da zeigt sich mal wieder, dass Anpassung nicht vollkommen und ohne Vorbehalte möglich ist. 

Es waren jeden Fall drei ganz tolle Abende und das nicht nur wegen der Musik. Die Location im Dorfmuseum ist optimal, ich war mit netten Leute unterwegs, das Essen war gut, es war rundum zum Wohlfühlen. Außerdem ist der Riesenvorteil eines Heimspiels nicht zu unterschätzen - jeden Abend nach den Konzerten nach Hause zu radeln und in sein eigenes gemütliches Bett zu fallen ist schon ein Luxus. Der einzige Wermutstropfen war ein Bremsen- oder Wespenstich am Samstag, der am Sonntag mein Bein kräftig hat anschwellen lassen. Hässliches Souvenir, dass ich hoffentlich bald wieder los werde. Da ist mir doch mein Plai-T-Shirt lieber, dass ich auf dem Festival käuflich erwarb. 

Das Festival wird übrigens komplett von Freiwilligen organisiert. Vielleicht ist deswegen die Stimmung auch bei strömendem Regen noch gut, wer weiß. Die Leute können jedenfalls sehr stolz sein auf das, was sie da zustande bringen. Ich musste die ganze Zeit an Leute denken, denen die Musik und die Stimmung und das Drumherum auch so gut gefallen hätte. Ich denke hier an die Leute, die mit mir bei meinen ersten Festivals waren, die Leute, die gern durch meinen Garten hopsen, an das Fräulein aus Berlin und ein paar andere Erasmus-Kollegen von meinem Auslandssemester in Cluj, wie unseren Lieblingsschweden, an meinen Lieblingscouchsurfer aus Belgrad, an einige meiner jetzigen und gewesenen Kollegen auf unseren Ost-, Mittel- und Südosteuropaaußenposten und an Leute, die ich hier kennengelernt habe, die aber Temeswar leider wieder hinter sich gelassen haben. Aber naja, vor dem Plai ist nach dem Plai und vielleicht überlegt sich ja die oder der eine oder andere, bei der nächsten Edition vorbeizuschauen? 

Hier noch ein paar Bilder, die vielleicht Lust auf mehr machen...







Regenwolken? Die Sonne versteckt sich nur...


Mehr Infos zum Festival und ganz viele Bilder gibt es unter plai.ro und auf der Facebookseite (PLAIFestival).

Freitag, 12. September 2014

Wo alles begann: Ulm

Ich wäre heute wohl kaum hier, gäbe es Ulm nicht. "Häh?", werden sich jetzt einige denken, "Was hat die denn mit Ulm zu tun?" Ich habe eigentlich wirklich gar nichts mit Ulm zu tun. Aber wäre nicht vor mehr als 250 Jahren jemand auf die Idee gekommen, Siedler auf ein Holzboot, eine sogenannte Ulmer Schachtel, zu setzen und von Ulm aus die Donau runter zu schicken, wäre ich jetzt wohl kaum hier. Denn dann wäre ich wohl eine der wenigen Deutschsprachigen. Andersherum wäre ich auch kaum hier, wenn nicht viele der Angesiedelten in der x-ten Generation beschlossen hätten, wieder umzudrehen in ihre Urheimat. Denn dann bräuchten sie mich hier nicht und würden ihre Sprach- und Brauchtumspflege allein ganz gut auf die Reihe kriegen. 



Dass ich nach Ulm gefahren bin, hängt aber nur indirekt mit meiner Arbeit zusammen. Ich war ja diesen Sommer viel unterwegs und habe so bei einer der vielen Hochzeiten eine gute Studienfreundin getroffen. Da mir kurz darauf ein ereignisloses Wochenende in Stuttgart bevorstand, wo ich aufgrund eines Arbeitstreffens weilte, beschloss ich mit ihr, mich in der Mitte zwischen Stuttgart und München, wo sie wohnt, zu treffen. Ulm liegt ziemlich genau in der Mitte. Außerdem war ich noch nie da. Und außerdem kann man sowohl mit dem Bayern-Ticket als auch mit dem BW-Ticket der deutschen Bahn hinfahren. Also war das beschlossene Sache. 


Ulm ist hübsch. An jeder Ecke Fachwerkhäuser, ein riesiger Marktplatz mit einer noch riesigeren Kirche in der Mitte. Es ist der höchste Kirchturm der Welt. Dann die Donau - so ein Fluss gibt einer Stadt ja immer unglaublich viel Athmosphäre. Nette Cafés auf Terassen an der Donau vollenden das Bild. In Ulm lässt es sich schon aushalten. Etwas Puste sollte man zum besteigen der 700 und mehr Stufen des Kirchturms des Ulmer Münsters schon mitbringen. Zu Stoßzeiten auch Geduld, denn dann muss man sich auf dem ersten und letzten Stück an anderen Touristen vorsichtig auf schmalen Treppen vorbeischieben.

Der Fluss teilt noch heute die Städte Ulm und Neu-Ulm. Neu-Ulm gehört zu Bayern, Ulm zu Baden-Württemberg, aber beide zu Schwaben. Ulm ist meines Erachtens der hübschere Teil der Doppelstadt, wenn auch hier viele Bausünden begangen wurden. In eine zuckersüße historische Altstadt hat man einige Betonmonster gepackt, die ihresgleichen suchen. Gut, auch die historische Altstadt ist so historisch wohl nicht, weil viel nach dem Krieg wieder aufgebaut wurde. Aber die "Neue Mitte", wie sich unter anderem ein Sparkassen-Klotz nennt, ist meiner Meinung nach nicht mutig sondern einfach unschön. 
 

Mein persönlicher Höhepunkt in Ulm war tatsächlich der Besuch des Donauschwäbischen Zentralmuseums. Obwohl das Museum nicht so gut aufgemacht ist - die multimediale Gestaltung ist meines Erachtens zu kurz gekommen, ist es doch interessant für den Geschichtsinteressierten und für den Donauschwaben sowie ihre Freunde, Bekannten und Angestellten sowieso. 




Ich empfehle also einen Besuch von Ulm und würde als Dinge, die man unbedingt tun muss, aufführen: 1) Auf den Ulmer Münster klettern, 2) Donauschwäbisches Zentralmuseum besuchen, 3) Kaffee und Kuchen an der schönen Donau.

Montag, 8. September 2014

Home is where your heart is

Mein Herz ist über den Kontinent verstreut wie das Fruchtfleisch einer großen Melone, die mit  Wucht auf dem Gehweg gelandet ist. Aber ein dicker Batzen, vielleicht sogar eine ganze Herzkammer, liegt in Leipzig bei meinen Freunden. Irgendwie scheinen alle gerade beschlossen zu haben, dass es die beste Stadt zum Leben ist und wenn ich ihre wunderschönen Wohnungen sehe, würde ich mich fast anschließen. Dass sie fast alle da sind, hat auch den Vorteil, dass ich viele von ihnen sehen kann, wenn ich mal da bin und dass ich es außerdem genießen kann, durch die Stadt zu schlendern und abends irgendein Bett finde, in das ich fallen kann. 

Ob vegane Burger im Deli, feine chinesische Küche im Chinabrenner, simples aber leckeres Abendbrot im Wortsinn im Pilot - ich liebe es, in Leipzig essen zu gehen. Genau diese kleinen netten Sachen, die es in den Bars rund ums Theater überall gibt, vermisse ich in Temeswar schon ein bisschen. Die rumänische Küche ist leider nicht allzu kreativ, habe ich manchmal das Gefühl, die Restaurants nicht experimentierfreudig genug, was vielleicht auch am Publikum liegt.

Einfach in Leipzig zu sein und durch die Stadt zu schlendern macht schon Freude. Wenn man dann noch so nette Menschen um sich hat, die einen Stadtbesuch in ein Heimkommen verwandeln, was will man dann mehr?