Altfel ist rumänisch für anders.
Weihnachten in Rumänien ist anders. Auf den ersten Blick würde ich
sagen mehr blinkende Lichter, mehr Kitsch und mehr Konsum. Aber das
stimmt nicht ganz. In Deutschland habe ich nie Leute erlebt, die ein
Spektakel auf der Straße aufgeführt haben oder nachts Lieder
singend um die Häuser gezogen sind. Irgendwie scheint es also doch
auch Herz zu haben.
Ich habe den Entschluss, den ich seit
Jahren hege, Weihnachten ja nicht zu Hause zu verbringen, erstmals
umgesetzt. Habe bei einer rumänischen Familie Weihnachten gefeiert.
Und hier gibt es schon das erste Problem – was ist im Banat
eigentlich rumänisch? Die Familie jedenfalls eine typische Banater
Mischung, mit ungarischen, deutschen und rumänischen Anteilen. Ein
typisch rumänisches Weihnachtsfest durfte ich zudem nicht erwarten,
weil die Hausfrau aus gesundheitlichen Gründen Diät halten muss und
somit Krautwickel und Sahnetorten für alle unter den Tisch fielen –
darüber war ich aber gar nicht böse. Also war es in jeder Hinsicht
anders als gedacht. Es gab kein Protokoll, keine Zwänge, keine
Essenszeiten, keine Kirche, keine Gäste. Nur vier Personen, die
einen Tag lang auf der faulen Haut lagen, so gut es eben ging. Es
wurde natürlich viel gegessen und viel genascht zwischendurch,
Geschenke gab es auch, aber irgendwie fand ich es alles sehr
enstpannt. Kein „Oh, ist der Baum aber schön, so gleichmäßig
gewachsen“ - zu meiner Freude gab es keinen echten Baum.
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| Behinderte Weihnachtsbäume |
Das alles ist natürlich ein sehr
persönlicher Eindruck, aber es war ein sehr schönes Weihnachten.
Heiligabend gibt es keinen Kartoffelsalat sondern Nudeln mit Mohn und
Zucker. Den lärmenden Zigeunern, die verkleidet vorbeiziehen muss
man etwas geben, wenn man das Fenster öffnet und herausschaut. Am
zweiten Weihnachtsfeiertag haben die Geschäfte wieder offen, damit
der Rumäne seiner Lieblingsbeschäftigung – Konsum – nachgehen
kann. Viel mehr Erkenntnisse habe ich auch nicht aus meinem ersten
halbwegs rumänischen Weihnachtsfest gezogen.



