Mittwoch, 25. Februar 2015

Ein Wochenende in Budapest



Ich war ja nun schon oft in Budapest. Meistens auf der Durchreise, aber auch schon mal ein paar Tage um auszuspannen oder auch im Archiv zu wühlen, als ich noch Geschichtsstudentin war. Nun sollte es mal wieder nach Budapest gehen und zwar für ein schönes Wochenende zu zweit. Ich ließ mich überraschen und wurde auch sehr positiv überrascht. Wieder mal entdeckte ich ganz andere Seiten an Budapest als die mir bereits bekannten.


Wir starteten kurz vor Sonnenaufgang. Von Timisoara nach Budapest kommt man sehr bequem und ohne Umsteigen mit dem Zug. Vom Gara de Nord in Timisoara geht es zum Keleti Palaudvar in Budapest. Von dort kann man bequem mit der Metro fast überall hin gelangen. Wir hatten ein schönes Hotel mit angeschlossenem Schwimmbad und Sauna in Pest, in der Nähe des Nyugati Bahnhofs. Das Zimmer war ziemlich schick, der Wellnessbereich recht schön und es gab für einen kleinen Aufpreis Frühstück aufs Zimmer und zwar reichlich. Soweit also schon mal eine solide Basis geschaffen für zwei Tage Budapest Erkundung. Am ersten Tag machten wir uns auf, um etwas im Parisi 6 zu essen, ein sehr gut bewertetes vegetarisches Restaurant. Zu unserer Überraschung handelte es sich gar nicht um ein rein vegetarisches Restaurant, was aber kein Problem war. Die Preise und das Essen waren ok, wenn auch nichts außergewöhnliches. Mein Begleiter hatte ein bisschen Pech mit seinen Nudeln mit Tomatenpesto, denn es waren einfach Nudeln mit Cocktailtomaten und Basilikum sowie vermutlich etwas Olivenöl. Der Nachtisch, ein Schokoladensouffle war aber sehr lecker. Etwas unverschämt kam es mir vor, per Hand "+ 10% tip = xxx" zu notieren. Ich gebe zwar meist Trinkgeld, werde aber ungern dazu gezwungen, denn ich möchte schon noch gern entscheiden können, wie viel mir der Service wert war.

Als weiterer Punkt stand die Margareteninsel auf dem Plan. Aufgrund des schönen Wetters, war sie voller Jogger, die ihre sportlichen Körper vorführten. Es ist auch wirklich eine gute Möglichkeit, in der Stadt zu laufen. Wir entschieden uns aber für ein kleines Automobil, das per Tretkraft betrieben wurde. So umfuhren wir die Insel in einer Stunde einmal komplett und legten auch noch eine kurze Pause bei einer angeblichen Klosterruine ein. Sportlich betätigt hatten wir uns also auch noch. Die Kombination aus herrlichem Wetter, kleinem grünen Gefährt und schöner Insel bescherte uns eine aufregende Stunde am Nachmittag. 


Nachdem wir noch das Hotelschwimmbad getestet hatten, machten wir uns auf zum Room Escape Game. Ich hatte ja schon einmal vom Exit Game in Timisoara berichtet und das Prinzip in Budapest war ähnlich - nur, dass es hier keine Geschichte und keine so lange Vorrede gab. Betritt man die Wohnung, ist man bereits mitten im Spiel und es geht gleich los. Insgesamt hat man dann neben dem Flur noch drei Räume, in die man mit Hilfe von verschiedenen Schlüsseln gelangt, die man finden muss. Und obwohl wir nur zu zweit waren, haben wir es tatsächlich geschafft, das Rätsel zu lösen.

Tag zwei brach an und wir begaben uns nach einem ausgedehnten Frühstück per Zimmerservice - ich wollte das schon immer mal machen - auf einen kleinen Stadtspaziergang. Wir waren nicht lange unterwegs und drehten bald um, denn wir wollten ja noch baden gehen. Budapest bietet ja eine ganze Reihe an Bädern österreichischer oder türkischer Architektur. Im Szecheny Bad war ich schon einige Male gewesen, nun wollte ich mal in ein türkisches. Wir hatten uns das Rudas vorgenommen, aber als wir dort ankamen, mussten wir feststellen, dass sie keine Leute mehr reinließen. Überfüllt. Wir überlegten noch, nachts zu gehen, denn das Bad hatte auch von 22 Uhr bis 4 Uhr morgens noch mal geöffnet, aber dann entschieden wir uns dagegen. Sicher würde es auch dann voll sein. Mit dem Bus fuhren wir in Richtung unserer Unterkunft, stiegen aber unterwegs beim Kiraly Bad aus. Das Bad ist ebenfalls ein türkisches, allerdings ein wenig heruntergekommener und wohl seit Jahren nicht renoviert. Die Preise sind entsprechende billiger und es gibt weniger Becken. Wir waren ziemlich müde und fertig und nur zufrieden damit, irgendwo im heißen Wasser liegen zu können. Ich fand das Bad sehr schön, besonders das runde Becken mit der Kuppel. Außerdem besuchten wir Sauna und Dampfbad und lungerten zum Schluss auch ein wenig im Jacuzzi rum.


Nach dem Baden waren wir hungrig. Bloß gut, dass wir eine Idee hatten, wie wir das ändern konnten. Wir besuchten das Napfenyes Etterem, ein vegetarisches Restaurant. Diesmal lagen wir absolut richtig, nur leider nicht damit, an einem Samstagabend keine Reservierung zu haben. Wir warteten ein wenig und bekamen dann einen Platz, an dem wir eine Stunde Zeit hatten, unser Essen zu bestellen und zu uns zu nehmen - die Zeit reichte uns zum Glück, sogar mit Dessert. Ich hatte die Linsensuppe aus dem Tagesmenü und gegrillte Seitanstückchen mit gegrilltem Gemüse und Sojajoghurt-Dip - es war traumhaft. Zum Nachttisch gab es noch Somloer Nockerln, so heißt das wohl auf Deutsch, natürlich auch vegan. Ich platzte fast, aber ebenso vor Zufriedenheit wie vom vollen Bauch.

An unserem dritten und leider auch dem letzten Tag hatten wir noch einmal Zeit, ein wenig durch die Stadt zu spazieren. Trotz reichlichem Frühstück und Abendessen am Vortag besuchten wir noch das Lotz Terem Bookcafe in der Alexandra-Buchhandlung am Andrassy-Boulevard. Es gab leckere heiße Schoki und großartige Torten. Das alles in einem Ambiente wie in einem Kaffeehaus der Habsburger-Zeit. Unbedingt einen Besuch wert!

Es war wirklich ein wunderbarer Ausflug und so ein verlängertes Wochenende lohnt sich von Temeswar mit nur wenigen Stunden Anfahrt vollkommen - aber vermutlich auch von Wien oder München. Ich habe ein paar neue Sachen an der Stadt entdeckt, die ich bisher noch nicht kannte oder nicht so kannte. 



Tipps für Aktivitäten in Budapest:
Auf der Margareteninsel ein Fahrrad leihen oder ein anderes Tretfahrzeug, oder sich Zeit nehmen, um Spazieren zu gehen.
In eines der Bäder gehen, dabei auch dem unscheinbaren Kiraly Bad eine Chance geben.
Escape Game macht überall Spaß, aber in Budapest gibt es wohl sehr viele verschiedene. Also, wenn man Lust darauf hat, es macht richtig viel Spaß.

Essen und Trinken:
Napfenyes Etterem - super leckeres vegetarisches Essen, aber besser vorher reservieren!
Lotz Terem Bookcafe in der Alexandra-Buchhandlung auf der Andrassy-Straße. Hier gibt es leckere Kuchen und Kaffee in schönem Ambiente.


Mittwoch, 4. Februar 2015

Irgendwo in Rumänien - Der alte Mann von nebenan

Mein Nachbar ist echt ein netter Typ. Er bezahlt die Nebenkosten für mich, wenn der Hausverwalter klingelt und ich nicht da bin. Denn so etwas wird in Rumänien persönlich und in bar bezahlt. Also muss man möglichst da sein, wenn der gute Hausverwalter vorbei kommt. Meine Nachbarn in meinem alten Block kannte ich kaum. Neben mir war so eine verrückte alte Katzenlady und unter mir scheinbar eine Opernsängerin. Denn man hörte sie ab und zu beim Proben. Nun wäre der stinkende Typ von nebenan auch nicht gerade jemand, den ich gern kennenlernen würde in einem normalen Leben. Aber hey, in Rumänien ist das eben irgendwie ein ziemlich normaler Nachbar. Und wie sich herausstellt eben sogar noch ein sehr netter.

Auf den ersten Blick denkt man, er ist Alkoholiker. Damit hat man auch sicher nicht ganz unrecht. Seine Klamotten immer ziemlich eklig, er stinkt und wenn er die Tür zu seiner Wohnung öffnet, riecht es nach dreißig Jahre nicht renovierter - und nicht gelüfteter - Raucherwohnung. Muffig, nach alten Leuten und einer Menge Zigarettenqualm. Er dünstet all das natürlich auch aus, wo immer er ist. Deswegen ist es eine Kür, ihn ja nicht herein zu lassen. Aber auch gar nicht so einfach. Wie er es schafft, ist mir nicht ganz klar, aber schwupps ist er über die Schwelle. Ob ich die Gasrechnung schon aus dem Briefkasten geholt habe. Das Geld für die Nebenkosten könne ich ihm bezahlen, wann immer ich es hätte. Wo ich gewesen sei. Er sei ja Ungar, aus Maramuresch. Und dann sagt er zwei Sätze auf Ungarisch. Im Rumänischen haben wir scheinbar ein ähnliches Sprachlevel, wir beiden. In der Körperhygiene rangieren wir nicht nur auf einem anderen Niveau, sondern in einem anderen Sonnensystem. Jetzt steht er also da und brabbelt unverständliches, sagt alles dreimal und kriegt nicht mit, wie man sich panisch nach einer Möglichkeit umsieht, ihn schnell wieder loszuwerden. Schon als er auf der Schwelle stand und es tatsächlich schaffte, seinen Körper in den Wohnungsflur zu manövrieren, mischte sich in das Erstaunen über dieses Überschreiten der Privatsphäre das blanke Entsetzen in den Blick. Danke, danke, ist ja nett, dass sie die Nebenkosten ausgelegt haben, aber jetzt raus aus meiner Wohnung, möchte man schreien. Und jetzt hat er tatsächlich seine Hand ausgestreckt und einen an der Schulter berührt. Angefasstwerden von fremden Menschen konnte ich ja noch nie leiden. Irgendwann begreift er es scheinbar, das er gehen sollte, oder ihm wird einfach langweilig und er dreht ab. Nochmal danke sagen, dann die Tür zu, abschließen und alle Fenster der Wohnung aufreißen. Es stinkt barbarisch.

Das Kuriose ist, dieser Mensch, den Mann auf der Straße für einen Penner halten würde, legt Monat für Monat die Nebenkosten in Höhe von zehn bis fünfzehn Euro aus. Er beschwert sich sogar noch beim Blockverwalter, wenn diese ihm zu hoch scheinen für das nette Mädchen von nebenan.