Donnerstag, 14. Mai 2015

3-Freunde-Tour durch Ungarn und Serbien


Ich habe in den letzten Wochen eine starke Unruhe gespürt. Mich juckte es in den Füßen - ich wollte mal wieder meiner Leidenschaft, dem Reisen, fröhnen. Einfach mal dem Alltagstrott entfliehen und sich treiben lassen. Da bot es sich an, dass eine Freundin sich gern auf einer Zwischenstation ihrer Reise mit mir treffen wollte. Eine andere Freundin gerade eine Graphic-Novel-Lesung organisierte. Und ein anderer Freund dann einfach auf dem Weg lag. So kam es zu dieser Budapest-Sombor-Belgrad-Tour in nur vier Tagen.

Ich startete Mittwochmorgen und zwar gleich richtig früh - 2:50 Uhr ging mein Zug. Das Ticket kaufte ich etwas 16:30 am Vortag - zu dieser Uhrzeit war natürlich kein Schlafwagenplatz mehr zu kriegen. Wenn man kurzfristig den Schlaf- oder Liegewagen nehmen will, muss man sich immer beim Schaffner melden. Ich war gegen 2:20 Uhr am Bahnhof und wartete auf den Zug. Ein Bahnbeamter gesellte sich zu mir und es entsponn sich ein kurzes Gespräch - woher ich käme, wohin ich führe. Er war sehr nett und meinte, er würde mit dem Zugbegleiter reden, wegen dem Platz im Liegewagen. Nur leider zeigte sich bei der Einfahrt kein Zugbegleiter und so machte ich mich selber auf die Suche nach ihm, nachdem ich eingestiegen war. Der Zug kommt von Sofia und fährt durch halb Rumänien nach Budapest weiter. In Timisoara führte er nur drei Waggons - einer mit Liegewagen, einer mit Schlafwagen und einer mit Sitzplätzen. Der richtige war also schnell gefunden und auch ein müder Schaffner zeigte sich, der wirkte, als hätte man ihn grad geweckt. Die Kommunikation auf Rumänisch scheiterte - er war wohl Bulgare - aber auf Englisch ging es dann ganz gut. Ich hätte keine Reservierung, meinte er schlaftrunken. Soviel wusste ich selbst. Schließlich kamen wir überein, dass ich für zehn Euro bar auf die Hand eine solche bekommen konnte, oder zumindest einen Schlafplatz, eine Quittung habe ich nämlich nicht gesehen. Das Sechser-Abteil war leer und ich döste ganz gut vor mich hin - doch schon bald, gegen vier Uhr kamen die Grenzbeamten, die sich aber nicht weiter für mich interessierten. Trotzdem dauerte es irgendwie ewig, bis sie bei mir waren und ich das Licht wieder löschen konnte. Die rumänische und die ungarische Kontrolle sind jeweils bei der letzten bzw. ersten Haltestelle im Land und deswegen liegt auch noch ein wenig Fahrzeit zwischen dem Auftauchen der Grenzbeamten. Irgendwie konnte ich dann doch noch ein bisschen schlafen und wachte erst kurz vor Budapest wieder auf. Fahrplanmäßig kam ich an. Die ersten 300km meiner Reise waren geschafft.

Denkmal für Opfer des Holocaust, handschriftlich ergänzt
Am Bahnhof traf ich ganz unproblematisch die Freundin, mit der ich mich verabredet hatte. Wir machten uns auf den Weg um ein grandioses Frühstück im Mozaik in der Kiraly utca zu uns zu nehmen. Für mich gab es Croissant mit Marmelade und eine Art traditionellen ungarischen Zupfkuchen - beides sehr lecker. Dann gingen wir zur Unterkunft meiner Budapestgefährtin, die sich gleich in der Nähe ein Appartemtent gemietet hatte für ein paar Tage. Für 10 Euro bekam ich die Couch bezogen und konnte auch mit da nächtigen. Viel besser als Hostel auf jeden Fall und sehr gemütlich. Nach dem ich aus den Reiseklamotten raus war, begaben wir uns zum großen städtischen Friedhof und zum jüdischen Friedhof. Wir spazierten erst ein wenig auf dem jüdischen umher, dann begaben wir uns zum städtischen. Dort suchten wir die Gräber der 1956 im Ungarnaufstand Gefallenen. Die Parzellen waren gut ausgeschildert und wir liefen und liefen und liefen ziemlich lange. Irgendwann kamen wir dann doch noch an und ließen uns im Schatten eines Baumes nieder. Wir waren weit und breit die einzigen Touristen an diesem Donnerstagvormittag. Wir holten den Reiseführer raus und lasen über die Grabstätten, einst namenlose Massengräber, wo die Aufständischen von 1956 ihre letzte Ruhe gefunden hatten. 2,5 km sei dieser Teil des Friedhofs vom Haupteingang entfernt. "Na, hätten wir das mal eher gelesen." Man könne aber auch auch mit dem Auto auf den Friedhof fahren. "Ja, aber woher hätten wir jetzt ein Auto nehmen sollen?"


Wir fuhren dann wieder mit der Straßenbahn zurück ins Stadtzentrum und wollten eigentlich ins Lotz Café in einer Buchhandlung auf dem Andrassy Boulevard. Doch irgendwie kam uns da ein Langosch dazwischen, der spontan noch gegessen werden musste und so hielten wir noch ein wenig an einem Straßenstand mit Langosch und mampften fettigen Teig mit Käse und Schmand. Dann gab es für mich noch ein Beerentörtchen zum Nachtisch im Café, dass mit güldenem Prunk und Klavierspieler zum Träumen von anderen Zeiten einlädt. So gestärkt, konnte der weitere Tagesverlauf geplant werden - wir wollten und auch das Thermalwasser nicht entgehen lassen. Da meine Begleitung durch ihre Budapest Card freien Eintritt hatte, entschieden wir uns für das Lukacs. Wir lagen fast zwei Stunden im unterschiedlich heißen Wasser rum und besuchten auch kurz das Dampfbad. Nur leider sahen wir erst beim Herausgehen, dass es auch einen Außenbereich gegeben hätte. Das ärgerte uns zwar, aber wir waren gut erholt und so wärte der Ärger nicht lang. Wir machten uns auf dem Weg zur Unterkunft und gingen anschließend noch ein Radler und einen Schnaps im Szimpla trinken. Der Schnaps war reichlich und stark und wir waren beide wohl auch aufgrund des brühheißen Wassers, in dem wir zu lange gesessen hatten, ein wenig fertig. Wir stellten nicht mehr viel an an dem Abend und gingen bald ins Bett - am nächsten Tag wollten wir früh mit dem Zug nach München beziehungsweise Subotica starten. 

Weinreben entlang der Strecke
Ich nahm den Zug nach Belgrad umd kurz nach zehn. Ich hatte noch ein Ticket am internationalen Schalter des Budapester Bahnhofs gekauft. Der Schalter befand sich wieder an der altbekannten Stelle in der Haupthalle links. Dann ging es los. Irgendwann kam die Grenzkontrolle der Ungarn und weiter ging es nach Subotica. Wir fuhren in den Bahnhof ein - ich wunderte mich, wo die serbische Kontrolle war, wollte aber dennoch einfach rausspringen. Davon wurde ich von Bahnangestellten abgehalten. Schließlich wurde mein Personalausweis nochmal kontrolliert. Wir sollten eigentlich sitzen bleiben, bis der Zug noch drei Meter weiter in den Bahnhof gefahren war, aber nachdem eine Dame vor mir ihren Koffer aus dem Zug bugsierte, verschwand auch ich. Ich kaufte mir ein Ticket für den Zug nach Sombor, der in einer halben Stunde fahren würde. Dieser Zug war sehr voll, ich war vermutlich die einzige Touristin, aber alles lief problemlos. 

Sombor
Am Bahnhof wartete eine Freundin und Kollegin schon auf mich. Der Praktikant des Vereins, bei dem sie arbeitete, fuhr uns dorthin und ich schaute mir das schöne Haus und Gelände des Vereins St. Gerhard an. Das einzige, was etwas seltsam ist beim ersten Betreten, ist, dass der Sitz des Vereins auf einem Friedhof liegt, dem katholischen. Auch eine Kirche ist nebenan und später sang auch der Gebetskreis gleich neben der Hintertür. Dafür ist viel Platz und es herrscht eine sehr gemütliche Athmosphäre. Ich ging noch ein wenig in der Stadt spazieren, bevor die Veranstaltung begann, zu der ich gekommen war - eine Vorstellung einer Graphic Novel der deutschen Künstlerin Annemarie Otten. Danach gab es noch ein Gläschen Schnaps und wir gingen auch noch ein Bier trinken. Ich schlief bei meiner Kollegin, die am nächsten Morgen wieder früh raus musste. Annemarie würde noch einen Comic Workshop für Kinder geben, das musste sie mit organisieren. Ich gammelte noch ein wenig rum, so dass es für den Bus, den ich nach Belgrad nehmen wollte, schon etwas eng wurde. Zu allem Überfluss reichte mein Geld nicht, etwa 50 Dinar fehlten mir (ca. 50 Cent). Doch bevor ich dem Schalterbeamten, der die Bustickets am Busbahnhof verkaufte, mein Kleingeld in die Hand zählen konnte, sprang der Serbe hinter mir mit einem 200 Dinar-Schein zu Hilfe. Er bekam noch 50 vom Fahrkartenvekäufer zurück und ich hätte ihm auch noch meine letzten 100 gegeben, aber er nahm es nicht an. Der Bus fuhr bis Belgrad durch, womit ich gerechnet hatte und mich deshalb in Sachen Flüssigkeitsaufnahme sehr zurückgehalten hatte. Der Bus hielt natürlich ständig, aber nicht lange genug, um irgendwo eine Toilette aufzusuchen. 

Hallo Belgrad!
In Belgrad sagte ich "Bye" zu meinem Retter in der Not und machte mich mit der Straßenbahn auf den Weg zur Wohnung eines Freundes. Er war selbst nicht zu Hause, hatte er mir in einer SMS mitgeteilt, aber seine Schwester. Die hatte keine Ahnung, dass ich komme, freute sich aber umso mehr. Wir quatschten eine ganze Weile und warteten auf ihren Bruder, der Probleme im Job hatte und später nur kurz nach Hause kam. Ich ging mit ihr und ihren Freunden aus und später kam er dazu, war aber von durchgearbeiteten Nächten todmüde. Ich verließ die Party recht früh mit ihm und wir quatschten noch lange bei ihm zu Hause, ehe ich ins Bett ging. Ich wachte trotzdem ziemlich früh auf und überlegte, ob ich nicht allein in die Stadt gehen sollte. Da aber langsam alle wach wurden, wollte ich nicht unhöflich sein und so wartete ich, bis jemand Zeit für mich hatte. Im Endeffekt wurde dann nur noch ein kurzer Spaziergang und eine Limonade in der Stadt draus, das war aber nicht so schlimm, da ich mich ausruhen wollte. 

Zurück ging es am Sonntag mit Gea-Tours für zwanzig Euro im Minibus. Normalerweise dauert der Transfer ca. 3 Stunden, da wir noch viele Leute unter anderem am Flugplatz abholten, waren es aber 4,5. Irgendwann war ich dann wieder zuhause - und von diesem Fakt nach der ganzen Fahrerei irgendwie verwirrt. 




Eine kleine Statistik:

Donnerstagmorgen:
Zug: 2:50 Timisoara - ca. 8:15 Budapest
Kostenpunkt: 120 Lei (weniger als 30 Euro) Zugticket + 10 Euro Nachtzugaufschlag im Zug
Kilometer: ca. 300

Freitag:
Zug: 10:05 Budapest - ca. 14:00 Subotica
Kostenpunkt: 4635 Forint (ca. 15 Euro)
Kilometer: ca. 200
Zug: 14:36 Subotica - ca. 15:45 Sombor
Kostenpunkt: 224 Dinar (ca. 2 Euro)
Kilometer: ca. 60

Samstag:
Bus: 10:45 Sombor - ca. 14 Uhr Belgrad
Kostenpunkt: 1450 Dinar (ca. 12 Euro)
Kilometer: ca. 200

Sonntag:
Minibus: ca. 17 Uhr Novi Beograd - ca. 22:30 Timisoara (Haustür zu Haustür)
Kostenpunkt: 20 Euro
Kilometer: ca. 165

Insgesamt:
Fahrtzeit: ca. 18 Stunden
Kosten: 80 Euro
Kilometer: ca. 920

War es das wert? Auf jeden Fall! An jeder Station gab es wunderbare Menschen, die die Stunden Fahrt sofort vergessen ließen.


Da ich nicht viele Fotos gemacht habe, habe ich Bilder früherer Reisen genommen, um noch ein wenig zu illustrieren.

Sonntag, 3. Mai 2015

Radfahren im Banater Bergland

Ich hatte dieses coole Kartenpaket erworben - Mountainbiking im Banater Bergland. Außerdem habe ich schon seit längerer Zeit ein Mountainbike, was ich auch sehr gern für Touren rund um Temeswar benutze. Nun wollte ich auch die Bergtauglichkeit des Fahrrads testen und meine Bergtauglichkeit natürlich auch. Vorab - es war eine mäßig gute Idee.



Da der erste Mai dieses Jahr auf einen Freitag fiel und dies auch in Rumänien ein arbeitsfreier Tag war, wollten wir ein verlängertes Wochenende mit Mountainbiking im Banater Bergland verbringen. Ich hatte die Karten rausgesucht, die GPS-Tracks auf mein Handy geladen und meine Radhosen angezogen. Im Rucksack nur leichtes Gepäck für zwei Tage - ich wollte damit ja noch radeln können.

Zuerst nahmen wir den Zug nach Resita (Reschitz). Der Zug wird von der privaten Bahngesellschaft Regiotrans betrieben und für Fahrräder ist direkt im Triebwagen Platz, also ganz vorn im Zug. Es gibt eine einzige kleine Bank in dem Abteil, in dem man den Motor laut dröhnen hört. Am Freitagmorgen, waren natürlich nicht nur wir auf die Idee gekommen, mit dem Fahrrad loszuziehen und so waren bis zu acht Räder in dem Abteil untergebracht. In Reschitza hoben wir die Räder aus dem Abteil und los ging es.


Wir verpassten den kleinen Weg anfangs, der zwischen Tankstellen und Autoreparaturwerkstätten versteckt, abseits von der Hauptstraße in die Felder führte. Abseits heißt auch immer: Akute Hundegefahr. Das merkten wir schnell, denn wir wurden von ein paar Wachhunden angekläfft, die auch eine Weile neben den Rädern herrannten. Kein schönes Gefühl. Wir folgten dem Weg weiter und irgendwann begann eine ziemlich starke Abfahrt, an deren Ende uns wieder zwei knurrende Hunde begrüßten. Zum Glück kam gerade jemand mit dem Auto vorbei und verscheuchte die Hund für uns. Jetzt stellte ich fest, dass wir den falschen Weg genommen hatten - den steilen Hang wieder hinauf war aber keine Option. Wir folgten deshalb einer anderen Route bis ins nächste Dorf. Am Ende standen wir aber wieder vor Dreckpisten, die wer weiß wo hinführten und zum Teil gar nicht mehr zu erkennen waren. Wir schoben die Fahrräder mehr als wir fuhren übers Feld, ehe wir wieder eine befestigte Straße erreichten.



Das war definitiv nichts für micht. Kaum losgefahren, war ich mit dem Kräften am Limit. Diese Wege mochten erfahrene Mountainbiker vielleicht schaffen, aber keine Freizeitradler wie ich. Ich kapitulierte. Wir nahmen die Straße, ignorierten jede Querfeldein-Einbiegung und radelten auf befestigten Wegen unserem Ziel entgegen. Das war eine Pension in dem Ferienort Secu, direkt an einem Stausee gelegen. Auf dem Gelände eines ehemaligen Freibads, wie es schien, hatten unzählige Familien Decken ausgebreitet und grillten. Wir aßen in der Pension etwas zu Mittag - eine andere Option schien es auch nicht zu geben. Auch bei der Erkundung der näheren Umgebung stellten wir fest - hier gab es absolut nichts. Kein anderes Restaurant, keinen Minimarkt, nichts. Und so saßen wir gewissermaßen für zwei Tage im Funkloch fest.


Denn am nächsten Tag regnete es. Mal nieselte es gleichmäßig, dann schüttete es, dann regnete es wieder weniger intensiv. Ich wollte gern trotzdem bis ins nächste Dorf radeln - aber nach drei Kilometern drehten wir um - zu nass, zu kalt, zu schlechte Wege. Wir kapitulierten und machten es uns im Hotelzimmer bequem - unterbrochen nur von den Mahlzeiten. Am Abend wagten wir noch einen Sapziergang in das nahegelegene Ferienlager. Hier war der Rasen sauber gestutzt und alles war eingezäunt, ein ordentlicher Fußballplatz mit Tribüne wartete darauf, genutzt zu werden. Uns kam das irgendwie alles seltsam vor - und prompt wurden wir bestätigt. Denn kaum hatte man uns erblickt, schickte man uns wieder weg. Nein, hier gäbe es keinen Laden und das wäre nur ein Ferienlager für Kinder. Also zurück zu unserer Herberge.



Zum Glück hörte der Regen über Nacht auf und wir konnten am nächsten Morgen sogar bei recht schönem Wetter zurück nach Resita radeln. Wir blieben auf der Hauptstraße, zum Sonntagmorgen war sowieso wenig Verkehr. Dass es fast nur bergab ging trug sicher zum schönen Fahrgefühl bei. Nach einem Stopp in einer Konditorei für ein zweites Frühstück saßen wir wieder im Gepäckabteil der Lok bei unseren Fahrrädern. Diesmal zunächst die einzigen Gäste, doch bald gesellten sich ein paar Raucher dazu, die die weit offen stehenden Schiebetüren des Abteils nutzten, um zu rauchen.


Ich habe an diesem Wochenende einiges gelernt. Dass eine mittelschwere Mountainbiketour für einen Asphalt-Biker wie mich beispielsweise definitiv nichts ist - viel zu anstrengend ohne Training. Trotzdem war es eine gute Erfahrung, denn für ein paar Kilometer, die wirklich schön waren, hat es sich schon gelohnt. Hier eine ultrakurze Zusammenfassung der schönsten Strecken... und das sind bekanntlich vor allem die Strecken bergab. 




Die Videos und einige der Fotos sind mit der GoPro-Kamera meines Radgefährten aufgenommen.