Ich bin für zwei Familienfeiern nach Hause gefahren. Diese lagen genau zehn Tage auseinander - dazwischen war Zeit für Freunde treffen und ein kleines bisschen Urlaub. Zunächst hatte ich an Ostsee gedacht, sogar einen Last-Minute-Flug in den Süden in Betracht gezogen, aber dann fuhr ich nach Bautzen. Und es war die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können.
Aktivsein im Urlaub
 |
| Der Weg ist das Ziel! |
Ich wollte nicht einfach so rumlungern, weil ich wusste, dass es mir schwer fallen würde, abzuschalten. Ich fahre sehr gerne Rad, wie aufmersame Leser dieses Blogs vielleicht schon bemerkt haben und so stöberte ich nach Radrouten. Wie ich dann auf die Lausitz als Radel-Gebiet kam, weiß ich gar nicht mehr - die Idee war auf einmal da. Damit ich mit dem Zug anreisen konnte, wollte ich gern in Dresden starten und so suchte ich mir die Sächsische Städteroute von Dresden über Kamenz nach Bautzen, Löbau und Görlitz heraus. Am ersten Tag nahm ich mir gleich das ehrgeizige Stück von Dresden nach Bautzen mit dem Umweg über Kamenz vor, dann nach einem Tag Pause wollte ich von Bautzen nach Görlitz weiterfahren. Soviel vorab - es war mal wieder zu ambitioniert, aber ich hatte mir ohnehin gedacht, dass ich ja jederzeit zwischendurch einen Zug nehmen konnte. Jedenfalls radelte ich munter von Radebeul aus los und nach einem etwas holprigen Start über einen Waldweg hatte ich auch bald bessere Wege unter den Reifen und unerwartet sogar eine recht gute Ausschilderung.
Der Sächsische Städteradweg von Dresden (Radebeul) nach Kamenz und Bautzen
 |
| Kloster St. Marienstern |
Der erste Teil der Tour war circa 85km lang und nicht schlecht hügelig. Ich war gegen elf am Bahnhof Radebeul gestartet, weil ich ohnehin aus Richtung Leipzig kam und mir das Gewusel durch die Dresdner Innenstadt sparen wollte. Dank GPS fand ich die Route recht schnell, auch wenn ich zunächst keine Ausschilderung des Weges sah. Ein paar Dörfer später entdeckte ich aber das Schild mit dem Radwegsymbol und dem roten S für die Städteroute. Ich als Anfängerin im Tourenradeln hätte mir wohl besser erstmal eine Flusstour rausgesucht, denn diese Strecke ging ständig bergauf und bergab. Mit Taschen am Gepäckträger ist selbst das Schieben bergauf anstrengender, das Treten sowieso. Ich nutzte aber alle Gänge und war jedes Mal stolz auf mich, wenn ich es ohne absteigen schaffte. Der Weg belohnte mich aber auch - es ging auf fast unbefahrenen kleinen Straßen durch malerische Dörfer, vorbei an Gutshäusern, Klöstern und kleinen Schlössern. Ich stieg ab und zu ab, um mir etwas anzuschauen. Im Zentrum von Kamenz machte ich eine fast einstündige Erholungspause. Anschließend wich ich kurz vom Weg ab, weil ich abkürzen wollte, dann hielt ich mich wieder an die Route. Obwohl es ein leicht windiger, bewölkter Tag war, hatte ich höchstens mal geringen Nieselregen in Häslich, ansonsten blieb es bis zum Abend trocken. Ein kurzer Schauer setzte erst am Kloster Panschwitz-Kuckau ein. Hier blieb ich dann aber einfach eine Weile in einer breiten Toreinfahrt stehen und als es weniger wurde, ging es dann weiter. Ich erreichte Bautzen am Abend nach 19 Uhr. Ich kann gar nicht beschreiben, wie schön der Anblick der Stadt von Weitem war, weniger wegen der tatsächlichen Schönheit als der Gewissheit, das Ziel erreicht zu haben. Ich kam über den Spreebogen in die Stadt und beschloss aufgrund der Berglage gleich, abzusteigen und zu schieben. Ich sah mich schon einmal ein bisschen in der Innenstadt um und wartete auf meinen Couchsurfer, bei dem ich nächtigen wollte.
Die Lausitz entdecken
 |
| Bautzen von oben |
Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich noch nie in der Lausitz war. Das heißt, als Kind war ich mal irgendwann im Saurierpark Kleinwelka direkt neben Bautzen. Aber das ist nun sicher schon über zwanzig Jahre her. Obwohl ich meine, mich zu erinnern, dass ich später nochmal mit der Schule da war. Hin oder her, der Saurierpark zählt wohl kaum, ich war noch nie in Bautzen oder Kamenz. Umso schöner war es für mich, diese schönen Städte zu entdecken. In Kamenz habe ich nur eine kurze Runde ums Stadtzentrum gedreht,
 |
| Immer wieder riesige Rittergüter am Weg |
Bautzen habe ich aus ziemlich vielen Winkeln gesehen. Vom Reichenturm aus, also von oben. Von einem Felsvorsprung über der Spree aus, also von der Seite. Von Hauptmarkt aus, also von innen. Es ist eine echt hübsche Stadt mit vielen Barockgebäuden, massenweise Türmen und viel alter Bausubstanz. Man fährt aber auch nicht lange raus und ist in der Natur, beispielsweise am Stausee oder im Biosphärenreservat. Ich blieb zwei Nächte in der Stadt und übernachtete bei einem Couchsurfer, der mir einiges zeigte. Nach der zweiten Nacht wollte ich dann weiterradeln. Ich war nur ganz schön geschafft, weil wir am Abend noch etwas trinken waren und ganz schön lange gemacht hatten, und so radelte ich etwa drei Stunden in einem ziemlich langsamen Tempo und kam kaum voran. Ich weiß nicht, ob es nur subjektives Empfinden war, dass die Strecke noch anstrengender war. Auf jeden Fall war sie wieder wunderschön, dennoch kapitulierte ich im ebenfalls bildhübschen Löbau. Auch hier schob ich das Rad nur eine Runde durch die Innenstadt, dann begab ich mich zum Bahnhof, um einen Zug in Richtung Görlitz zu nehmen. Es gab aber keine Züge, denn wegen Bauarbeiten verkehrten Ersatzbusse. Ich durfte mein Rad mit in den Bus nehmen und da nirgends ein Schaffner war, zahlte ich noch nicht mal für den Transport, auch nicht für mich selbst.
Doppelte Stadt - Görlitz / Zgorzelece
 |
| Nicht so "Grand" wie gedacht |
Ich ließ mich in Görlitz zur Neiße rollen und fuhr hinüber in den polnischen Teil der Stadt. Dort hatte ich mir ein Zimmer reserviert. Ich war ziemlich müde, dennoch begab ich mich noch ein wenig auf Stadterkundung. Ich suchte natürlich das Kaufhaus, in dem Grand Budapest Hotel gedreht wurde und warf einen Blick durch die Scheiben. Später aß ich noch Piroggen im Przy Jakubie auf der polnischen Seite mit wunderbarem Blick auf die Neiße und trank ein polnisches Bier. Am nächsten Tag kaufte ich noch eine Flasche meines Lieblingswodkas ("Zubrowka") und frühstückte im schönen Café Central. Auch ein kurzer Ausflug an den Berzdorfer See, ein Badesee bei Görlitz, war noch drin. Görlitz ist auf jeden Fall eine Reise wert, auch wenn es eher von älteren Kulturtouristen frequentiert wird. Auch hier wieder ist die Innenstadt mit wunderschönen alten Gebäuden sehr schön hergerichtet. Nicht umsonst wurde "Görliwood" schon häufig als Drehort genutzt.

Noch eine Nacht blieb ich in der Oberlausitz, allerdings eher im ländlichen Gebiet, dann ging es zurück über Dresden nach Hause. Mich hat die Gegend total fasziniert und mir gezeigt, dass ich nicht immer in die Ferne schweifen muss, um etwas schönes zu erleben. Von beeindruckender Natur, über Barockschlösser bis hin zu kopfsteingepflasterten engen Altstadtgassen hat dieser Ausflug eine Menge geboten. Meine Fahrradtour war eindeutig überambitioniert, aber ich bin mir sicher, dass man vor allem als etwas trainierterer Radler viele schöne Touren machen kann. Vorschläge finden sich zu Hauf im Internet, auch die Ausschilderung vor Ort ist gut. In den regionalen Zügen kann man das Rad auch mitnehmen, so dass man gut weiterkommt, wenn man sich mal verschätzt hat.