Mittwoch, 3. Juni 2015

Ein Ausflug zur Kirchenburg

Es gibt ja Sachen, da bekommt man erst beim Wiedersehen mit, wie sehr sie einem gefehlt haben. Ich bin fast ausgeflippt, als ich letztes Wochenende zur Kirchenburg gefahren bin, denn in Siebenbürgen gibt es etwas, was wir im Banat kaum haben – hügelige Landschaft, ja sogar ein paar Berge am Horizont. Das bietet gleich ganz andere Horizonte – beziehungsweise mal was anderes am Horizont. 

Ich hatte zum wiederholten Male das Glück, bei einem Fotografieworkshop meines Kollegen dabei zu sein. Es geht dabei um Schwarz-Weiß-Fotografie und Porträts der Deutschen Minderheit. Ich wurde wieder für den Interviewteil eingeladen, mein Kollege macht die Einführung in analoge Fotografie. Mit Lochkamera bauen, Film selbst entwickeln und schließlich Bilder vergrößern. Für mich ja immer wieder Magie, wie im Entwicklerbad auf weißem Fotopapier auf einmal die Bilder auftauchen. Da der Kollege in Fogarasch tätig ist und den letzten Workshop mit einer Kollegin aus Hermannstadt angeboten hat, sprangen dabei auch zwei Reisen nach Siebenbürgen für mich raus – einmal nach Bekokten, einmal nach Holzmengen. An beiden Orten finden sich imposante Kirchenburgen, die das Dorf dominieren. Und an beiden Orten ist eine Art Jugendherberge in den ehemaligen Pfarrhäusern eingerichtet. 

Auch wenn die Unterbringung etwas ungewohnt ist – Gruppendusche und Schlafsaal, fühle ich mich da immer sehr wohl – es ist draußen in der Natur, es macht Spaß, mit meinen großartigen Kollegen ein wenig Zeit zu verbringen und die Momente in der Dunkelkammer sind wie gesagt immer besonders magisch. Leider bin ich auch wegen des Zuges die erste die weg muss, weil ich die weiteste Anreise habe und bekomme deswegen die Ergebnisse nicht mit.

Ich empfehle jedenfalls jedem, der Rumänien bereist, die Dörfer mit und ohne Kirchenburg nicht auszulassen. Es ist noch einmal ein vollkommen anderes Erlebnis, als die Städte zu besuchen. Auf manchen Dörfern wirkt es tatsächlich ein wenig, als sei die Zeit stehen geblieben, obwohl man in fast jedem einen Laden hat, wo man Chips und Cola kaufen kann. Vielleicht ist es das, was mir an Rumänien am meisten fehlen wird – nicht so sehr die Städte, sondern das Land.



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