
Es gibt ja Sachen, da bekommt man erst
beim Wiedersehen mit, wie sehr sie einem gefehlt haben. Ich bin fast
ausgeflippt, als ich letztes Wochenende zur Kirchenburg gefahren bin,
denn in Siebenbürgen gibt es etwas, was wir im Banat kaum haben –
hügelige Landschaft, ja sogar ein paar Berge am Horizont. Das bietet
gleich ganz andere Horizonte – beziehungsweise mal was anderes am
Horizont.

Ich hatte zum wiederholten Male das
Glück, bei einem Fotografieworkshop meines Kollegen dabei zu sein.
Es geht dabei um Schwarz-Weiß-Fotografie und Porträts der Deutschen
Minderheit. Ich wurde wieder für den Interviewteil eingeladen, mein
Kollege macht die Einführung in analoge Fotografie. Mit Lochkamera
bauen, Film selbst entwickeln und schließlich Bilder vergrößern.
Für mich ja immer wieder Magie, wie im Entwicklerbad auf weißem
Fotopapier auf einmal die Bilder auftauchen. Da der Kollege in
Fogarasch tätig ist und den letzten Workshop mit einer Kollegin aus
Hermannstadt angeboten hat, sprangen dabei auch zwei Reisen nach
Siebenbürgen für mich raus – einmal nach Bekokten, einmal nach
Holzmengen. An beiden Orten finden sich imposante Kirchenburgen, die
das Dorf dominieren. Und an beiden Orten ist eine Art Jugendherberge
in den ehemaligen Pfarrhäusern eingerichtet.

Auch wenn die Unterbringung etwas
ungewohnt ist – Gruppendusche und Schlafsaal, fühle ich mich da
immer sehr wohl – es ist draußen in der Natur, es macht Spaß, mit
meinen großartigen Kollegen ein wenig Zeit zu verbringen und die
Momente in der Dunkelkammer sind wie gesagt immer besonders magisch.
Leider bin ich auch wegen des Zuges die erste die weg muss, weil ich
die weiteste Anreise habe und bekomme deswegen die Ergebnisse nicht
mit.

Ich empfehle jedenfalls jedem, der
Rumänien bereist, die Dörfer mit und ohne Kirchenburg nicht
auszulassen. Es ist noch einmal ein vollkommen anderes Erlebnis, als
die Städte zu besuchen. Auf manchen Dörfern wirkt es tatsächlich
ein wenig, als sei die Zeit stehen geblieben, obwohl man in fast
jedem einen Laden hat, wo man Chips und Cola kaufen kann. Vielleicht
ist es das, was mir an Rumänien am meisten fehlen wird – nicht so
sehr die Städte, sondern das Land.
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