Dienstag, 29. März 2016

Happy Easter to me!

Ostern bedeutet mir höchstens aus einer ethnologisch-interessierten Perspektive etwas. Wenn ich in die Kirche gehe, dann, weil ich es spannend finde, und ich gehe an sich nicht gern in die Kirche. Außer zu Ostern in Rumänien, weil das eben interessant ist. Ansonsten verstehe ich nicht, warum man sich etwas schenkt und was das mit dem Osterhasen soll. Irgendwie finde ich, ich als agnostische Atheistin habe keinen Anspruch darauf, Weihnachten oder Ostern zu feiern, denn weder die Geburt noch die Wiederauferstehung Jesu haben für mich persönlich eine Bedeutung. Über die freien Tage freue ich mich dennoch, was vielleicht auch nicht ganz korrekt ist, aber ein paar Tage ausschlafen sind prinzipiell immer willkommen. 

Ich wollte die Tage im Häuschen in der sächsischen Provinz zubringen und ein bisschen werkeln und hobbygärtnern - genau genommen, mir ein Paravent bauen und meine Pflanzen umtopfen. Beides ist mehr oder minder gelungen. So habe ich nun einen klapprigen, schiefen und schlecht verarbeiteten Raumteiler, der mich aber dennoch mit einem gewissen Stolz erfüllt. Ich habe nämlich das Material selbst eingekauft und ihn ganz allein zusammengebastelt. Die Anleitung steht unten im "kleinen Exkurs". Und ich habe statt einem Blumentopf nun fünf, von denen ich nicht weiß, wie ich sie eigentlich in meiner Einzimmerwohnung verteilen soll. Da ich viel Zeit hatte und immer noch meine Wohnung in Halle ein wenig optimieren möchte, habe ich mir außerdem noch einen alten Stuhl vom Dachboden meines Bruders geschnappt und ihn weiß lackiert - aus Landhausstil wird Shabby Chic. So sollte er ganz gut neben mein weißes Bett passen.

Unerwarteterweise bekam ich noch ein kleines schokoladiges Osternest von ebendiesem Bruder und dann machte ich mir selbst noch ein Ostergeschenk, indem ich mir ein Ticket für das Mine-Konzert im Mai in Leipzig kaufte, zu dem ich mit einer alten Studienkollegin gehen will. Schließlich kamen heute verspätet auch noch ein Buch und eine Radfahrkarte an, die ich mir in der Woche vor Ostern bestellt hatte - und so war die Ausbeute für jemanden, der weder an Jesus noch an den Osterhasen glaubt, echt nicht schlecht am Ende. 




Kleiner Exkurs: Ein Paravent selbst bauen


Eigentlich hatte ich mir es ziemlich simpel gedacht und es war auch tatsächlich in wenigen Stunden geschafft, aber vielleicht können handwerklich geschicktere eine hüberschere Variante hinbekommen...

Material: 7 vorbearbeitete Holzleisten aus dem Baumarkt a 2m, einen alten Bettbezug und nach Wahl Textilfarbe, vier Scharniere, Schrauben, Akkubohrschrauber, Tacker 

Ich habe leider während des Prozesses keine Bilder gemacht, deswegen die kleinen Skizzen anbei. Vielleicht helfen die ja. 
 Ich habe als erstes den alten Bettbezug mit zwei Packungen simplicol-Textilfarbe in dunkelrot eingefärbt. Dann habe ich mir die Leisten genommen und je zwei davon auf 1,60m, 1,70m und 1,80m gekürzt. Den 40cm langen Rest von den kürzesten habe ich wiederum für die kurze Seite weiterverwendet, außerdem habe ich mir aus der letzten Latte zwei Stücke zu 45cm und zwei zu 50cm abgesägt. Man kann natürlich auch beliebige Größen wählen, ich fand halt so eine Abstufung schön. Ich habe in die langen Leisten immer oben im Abstand von 1,5 und 3cm zwei Löcher gebohrt und von unten 20cm abgemessen, also bei 21,5 und 23cm von unten ebenfalls Löcher gebohrt. Bei den kurzen Leisten habe ich an der Schnittkante ebenfalls zwei Löcher in 1,5cm Abstand zueinander angebracht. Ich habe das ganze dazu in einen Schraubstock gespannt, aber ich hatte keine, wie sagt man da, Aufhängung? Führung?, für die Bohrmaschine, das heißt, ich habe das mit der Hand gehalten. Und hier liegt das Problem, die Löcher kamen natürlich nicht exakt da raus, wo ich sie reinbohrte, wurden also schief, weswegen die kurzen Leisten nicht ganz zu den langen passen. Auf jeden Fall sollte man einen dünneren Bohrer nehmen, als man Schrauben hat, denn diese gehen ohnehin relativ leicht in das Weichholz (im Baumarkt bekommt man am ehesten Leisten aus Fichte oder so und das ist recht leicht zu bearbeiten). Nun verschraubt man also die langen Seiten mit den kurzen Kanten, senkrecht aufeinander, damit man den Rahmen erhält. Jetzt schneidet man aus dem gefärbten, inzwischen schon wieder trockenen Bettbezug die passenden Stücke raus. Am Besten  funktioniert das, wenn man den Rahmen auf den Stoff legt. Da meine Nähmaschine nicht mehr so richtig funktioniert, habe ich mich damit begnügt, die Kanten des Stoffes, abzustecken umzubügeln und anschließend sauber abzuschneiden - allerdings habe ich einen ca. 1cm breiten umgebügelten Rand gelassen, damit es nicht ausfranst. Der umgebügelte Rand wird im nächsten Schritt eh mit festgetackert, deswegen habe ich mir das Festnähen gespart, man kann aber natürlich auch einen 1cm breiten Rand umnähen. Wenn man den Rand links und oben hat, kann man den Stoff noch mal auflegen, um zu sehen, wie groß der Rand rechts und unten werden muss, damit das Stoffstück weder zu knapp noch zu kurz ist. Hat man dann alle vier Kanten umgebügelt und gekürzt, wird das Stück Stoff einfach nur noch auf den Rahmen getackert. Sieht nicht so supertoll aus und wenn man es wirklich gut machen möchte, könnte man nun noch einen zweiten Zierrahmen oder so was davorschrauben, aber ich habe dafür momentan keine Muse. Zum Schluss verbindet man die drei Elemente noch mit den Scharnieren und kann den Paravent aufstellen, wo man ihn gerade braucht. Das ist die absolute Basic-Low-Budget-Variante, die auch an einigen Punkten verbesserungswürdig ist, aber wenn man sauber und mit Plan arbeitet (und nicht wie ich einfach drauf los), kann auch sicher ein richtig schöner Paravent entstehen. Außerdem hängt es natürlich auch viel vom verwendeten Stoff ab, wenn man nicht Upcyclen möchte, kann man sich auch was Schickes im Stoffgeschäft kaufen. Für meinen Paravent lag der Kostenpunkt bei ca. 25 Euro für das Holz, die Scharniere und die Textilfarbe, alles andere hatte ich da.

Dienstag, 8. März 2016

Internationaler Blumenschenktag II

Gestern war ich im Kino. Emma Watson und Daniel Brühl in Colonia Dignidad. Die Liebesgeschichte zwischen den Hauptfiguren fand ich ganz schön haaresträubend, aber gut, nehmen wir einfach mal an, es gibt diese bedingungslose Liebe, die eine Frau dazu bringt, sich freiwillig der Möglichkeit auszusetzen, fast zu Tode geprügelt zu werden, nur um ihn zu sehen. Denn natürlich war die weibliche Hauptfigur diejenige, die ihrem Freund überall hinfolgte. Kaum anders denkbar in Kinofilmen, oder? Wieviele starke weibliche Hauptrollen fallen mir ein, die nicht auch noch als wahnsinnig sexy und verführerisch rüberkommen mussten? Aber Moment, in unserer Gesellschaft gibt es ja heutzutage kaum noch Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

In einer Welt, die immer noch maßgeblich von weißen Männern dominiert wird, finde ich einen Tag, an dem Frauen gefeiert werden wichtig und richtig. Besonders in Osteuropa wird der Tag noch begangen. Eigentlich erfreulich und ich würde mir wünschen, auch in Deutschland wäre der Internationale Frauentag so bekannt. Aber wenn ich mich so in den sozialen Medien bei meinen rumänischen Freunden umschaue, erschrecke ich geradezu. Das Web (zumindest das rumänische) scheint am 8. März zu strotzen vor Blumensträußen. Die eigentlich von mir als relativ qualitativ betrachtete Zeitung Adevarul berichtet von einem Fall, an dem eine Frau ihrem Mann versucht hat den Penis abzuschneiden, weil dieser ihr keine Blumen gekauft hat. Ob das so stimmt, wage ich zwar zu bezweifeln, aber die Erwartung bei rumänischen Frauen ist meiner Meinung nach schon hoch: Kauf mir Blumen! Und zwar einfach, weil es der Tag eben vorsieht. In Rumänien ist ja die Zeit zwischen 14. Februar und 8. März besonders hart. Erst der Valentinstag, dann Dragobete (so etwas wie der rumänische Valentinstag), dann 1. März (hier werden Märzchen, kleine Schmuckanhänger, verschenkt), dann 8. März. Das Weihnachtsgeld sollte Mann wirklich lieber zurücklegen, denn an all diesen Tagen wird ein recht einseitiges Schenken erwartet. Über die Bedeutung und Geschichte des Tages wird, wenn überhaupt, nur am Rande nachgedacht. Dabei ist der Tag aus dem politischem Kampf der Frauen für mehr Partizipation entstanden. Und heute lassen wir uns mit Blumen abspeisen? 

Der wurde aber nicht erfunden, um Bilder leichtbekleideter Frauen im Internet zu teilen.  

Vielleicht sehe ich das zu krass, aber es ist, als wäre aus Feminismus Sexismus geworden. Klar, es ist schön, Blumen zu bekommen. Aus ökologischer Sicht sind Rosen natürlich ein Albtraum - hier nachzulesen: Zeit-Artikel (Besonders schön finde ich, wie Zeit mit Hinweis auf Mindestlöhne und Ökobilanz den Leser schön in der Gewissheit wiegt, dass er weiter Rosen kaufen kann). Der Punkt ist vielmehr, dass es für mich wieder ein kleinmachen ist: Hier Frau, freu dich über die Blumen, ich sag dir auch noch wie hübsch du bist und dann bist du bitte ruhig. Es ist ein bisschen wie Almosen, einmal im Jahr einen Strauß Blumen zu bekommen und nette Worte oder Pralinen. Ich würde mich viel mehr freuen, wenn all diese Menschen, die heute Blumen gekauft haben, auf die Straße gingen und für Frauenrechte eintreten. Aber das tun sie nicht. Die meisten zeigen ihre Zuneigung, weil Frau Brüste hat und eine Vagina und weil Frau Mutter ist oder sein kann. Das hat nichts mit Respekt zu tun. Natürlich ist das zu allgemein gefasst und natürlich gibt es auch Männer, die für Geschlechtergleichheit eintreten. Aber die Welt braucht weniger Blumenschenker und mehr Menschen, die sich mit Feminismus beschäftigen. Die nachfragen, warum es immer noch ein topaktuelles Thema ist und sich das gern auch von Frauen erklären lassen. Die sich für Gleichheit einsetzen, nicht nur zwischen Geschlechtern, sondern zwischen allen Ausformungen des menschlichen Lebens. 

Donnerstag, 3. März 2016

Der Versicherungsvertreter

Irgendwo in einer Kleinstadt in Sachsen nahm heute ein Versicherungsvertreter den Telefonhörer in die Hand und dachte sich: "Ich werde diese Kundin schon davon überzeugen, bei meiner Versicherungsgesellschaft zu bleiben." Die Kundin wurde angerufen und das Telefonat überzeugte sie vor allem von einem - es auf keinen Fall zu tun. 
Diese Kundin bin ich, die Versicherung, ich kann es hier ruhig sagen, ist die Allianz. Ich habe ziemlich heftig ein Auto angestupst letztes Jahr im Dezember und nun wollte mir die Allianz kündigen oder meine Prämie kräftig erhöhen. Ich stimmte einem Beratungsgespräch mit dem Versicherungsvertreter erstmal zu, am Abend zu Hause wurde mir dann aber klar - ich will gar nicht bei der Versicherung bleiben. Ich werde einiges draufzahlen, wenn ich wechsele, es wird vielleicht kompliziert, teuer und aufwendig - aber ich habe überhaupt keine Lust, bei einer Gesellschaft zu bleiben, die mit meinem Geld weltweit spekuliert, unter anderem mit Nahrungsmitteln (Oxfam zu Spekulationsgeschäften der Allianz). 

Ich versuche gerade, meine Kaufentscheidungen bewusster zu treffen. Meine Lebensmittel und Kosmetika fast ausschließlich im Biomarkt zu kaufen fühlt sich gut an. Ich bemühe mich auch, wieder mehr lokal zu kaufen und weniger übers Internet. Mit dem Einzug legte ich mir Ökostrom zu, und nun überlege ich eben, ob ich nicht einen Teil meiner Versicherungen auf "grün" umstellen soll. Zögerlich und Schritt für Schritt gehe ich weiter. Dadurch, dass die Versicherung mich nun loswerden wollte, war ein Anlass gegeben, die Kfz-Versicherung als erstes zu überdenken. Klar, auch ganz schön komisch, denn Auto fahren ist per se ja nicht besonders ökologisch. Der Versicherer aber kann es trotzdem sein, in dem er nachhaltig, sozial und ökologisch wirtschaftet.

Mein Versicherungsvertreter in der sächsischen Provinz hat unterdessen kein Verständnis für solche Überlegungen. Er lachte am Telefon, als ich meinte, ich möchte aufgrund meines Lebensstils nach einer ökologischen Alternative suchen und dass ich nicht bei einem Konzern bleiben wolle, der mein Geld unter anderem für Spekulationen verwendet. Es gehe um eine Versicherung, versuchte er anzumerken, aber genau darum geht es eben nicht nur - es geht mir darum, ob ich als Kundin einen Konzern unterstütze, der beispielsweise an den Agrarbörsen dieser Welt spekuliert. Ich will, dass mein Geld in nachhaltige Projekte fließt und nicht an den Börsen dieser Welt zirkuliert. Und wenn er mir ernsthaft weismachen will, dass ich die Police zahle und im Versicherungsfall "mein" Geld quais wieder rausbekomme, das - so soll ich mir das wohl vorstellen - in der Zwischenzeit bei ihm im Safe liegt, versteht er selbst nicht viel von seinem Fach. Durch seine selbstgefällige Art am Telefon hat der Versicherungsmensch dafür gesorgt, dass ich mir auch meine restlichen Versicherungen mal ansehen werde. Es ist eine Leistung, am Telefon durchblicken zu lassen, was man vom Gesprächspartner hält. Ich konnte ihn praktisch denken hören: "Ökospinnerin!" Genau. Und stolz drauf.