Ostern bedeutet mir höchstens aus einer ethnologisch-interessierten Perspektive etwas. Wenn ich in die Kirche gehe, dann, weil ich es spannend finde, und ich gehe an sich nicht gern in die Kirche. Außer zu Ostern in Rumänien, weil das eben interessant ist. Ansonsten verstehe ich nicht, warum man sich etwas schenkt und was das mit dem Osterhasen soll. Irgendwie finde ich, ich als agnostische Atheistin habe keinen Anspruch darauf, Weihnachten oder Ostern zu feiern, denn weder die Geburt noch die Wiederauferstehung Jesu haben für mich persönlich eine Bedeutung. Über die freien Tage freue ich mich dennoch, was vielleicht auch nicht ganz korrekt ist, aber ein paar Tage ausschlafen sind prinzipiell immer willkommen.
Ich wollte die Tage im Häuschen in der sächsischen Provinz zubringen und ein bisschen werkeln und hobbygärtnern - genau genommen, mir ein Paravent bauen und meine Pflanzen umtopfen. Beides ist mehr oder minder gelungen. So habe ich nun einen klapprigen, schiefen und schlecht verarbeiteten Raumteiler, der mich aber dennoch mit einem gewissen Stolz erfüllt. Ich habe nämlich das Material selbst eingekauft und ihn ganz allein zusammengebastelt. Die Anleitung steht unten im "kleinen Exkurs". Und ich habe statt einem Blumentopf nun fünf, von denen ich nicht weiß, wie ich sie eigentlich in meiner Einzimmerwohnung verteilen soll. Da ich viel Zeit hatte und immer noch meine Wohnung in Halle ein wenig optimieren möchte, habe ich mir außerdem noch einen alten Stuhl vom Dachboden meines Bruders geschnappt und ihn weiß lackiert - aus Landhausstil wird Shabby Chic. So sollte er ganz gut neben mein weißes Bett passen.
Unerwarteterweise bekam ich noch ein kleines schokoladiges Osternest von ebendiesem Bruder und dann machte ich mir selbst noch ein Ostergeschenk, indem ich mir ein Ticket für das Mine-Konzert im Mai in Leipzig kaufte, zu dem ich mit einer alten Studienkollegin gehen will. Schließlich kamen heute verspätet auch noch ein Buch und eine Radfahrkarte an, die ich mir in der Woche vor Ostern bestellt hatte - und so war die Ausbeute für jemanden, der weder an Jesus noch an den Osterhasen glaubt, echt nicht schlecht am Ende. Kleiner Exkurs: Ein Paravent selbst bauen
Eigentlich hatte ich mir es ziemlich simpel gedacht und es war auch tatsächlich in wenigen Stunden geschafft, aber vielleicht können handwerklich geschicktere eine hüberschere Variante hinbekommen...
Material: 7 vorbearbeitete Holzleisten aus dem Baumarkt a 2m, einen alten Bettbezug und nach Wahl Textilfarbe, vier Scharniere, Schrauben, Akkubohrschrauber, Tacker

Ich habe leider während des Prozesses keine Bilder gemacht, deswegen die kleinen Skizzen anbei. Vielleicht helfen die ja. Ich habe als erstes den alten Bettbezug mit zwei Packungen simplicol-Textilfarbe in dunkelrot eingefärbt. Dann habe ich mir die Leisten genommen und je zwei davon auf 1,60m, 1,70m und 1,80m gekürzt. Den 40cm langen Rest von den kürzesten habe ich wiederum für die kurze Seite weiterverwendet, außerdem habe ich mir aus der letzten Latte zwei Stücke zu 45cm und zwei zu 50cm abgesägt. Man kann natürlich auch beliebige Größen wählen, ich fand halt so eine Abstufung schön. Ich habe in die langen Leisten immer oben im Abstand von 1,5 und 3cm zwei Löcher gebohrt und von unten 20cm abgemessen, also bei 21,5 und 23cm von unten ebenfalls Löcher gebohrt. Bei den kurzen Leisten habe ich an der Schnittkante ebenfalls zwei Löcher in 1,5cm Abstand zueinander angebracht. Ich habe das ganze dazu in einen Schraubstock gespannt, aber ich hatte keine, wie sagt man da, Aufhängung? Führung?, für die Bohrmaschine, das heißt, ich habe das mit der Hand gehalten. Und hier liegt das Problem, die Löcher kamen natürlich nicht exakt da raus, wo ich sie reinbohrte, wurden also schief, weswegen die kurzen Leisten nicht ganz zu den langen passen. Auf jeden Fall sollte man einen dünneren Bohrer nehmen, als man Schrauben hat, denn diese gehen ohnehin relativ leicht in das Weichholz (im Baumarkt bekommt man am ehesten Leisten aus Fichte oder so und das ist recht leicht zu bearbeiten). Nun verschraubt man also die langen Seiten mit den kurzen Kanten, senkrecht aufeinander, damit man den Rahmen erhält. Jetzt schneidet man aus dem gefärbten, inzwischen schon wieder trockenen Bettbezug die passenden Stücke raus. Am Besten funktioniert das, wenn man den Rahmen auf den Stoff legt. Da meine Nähmaschine nicht mehr so richtig funktioniert, habe ich mich damit begnügt, die Kanten des Stoffes, abzustecken umzubügeln und anschließend sauber abzuschneiden - allerdings habe ich einen ca. 1cm breiten umgebügelten Rand gelassen, damit es nicht ausfranst. Der umgebügelte Rand wird im nächsten Schritt eh mit festgetackert, deswegen habe ich mir das Festnähen gespart, man kann aber natürlich auch einen 1cm breiten Rand umnähen. Wenn man den Rand links und oben hat, kann man den Stoff noch mal auflegen, um zu sehen, wie groß der Rand rechts und unten werden muss, damit das Stoffstück weder zu knapp noch zu kurz ist. Hat man dann alle vier Kanten umgebügelt und gekürzt, wird das Stück Stoff einfach nur noch auf den Rahmen getackert. Sieht nicht so supertoll aus und wenn man es wirklich gut machen möchte, könnte man nun noch einen zweiten Zierrahmen oder so was davorschrauben, aber ich habe dafür momentan keine Muse. Zum Schluss verbindet man die drei Elemente noch mit den Scharnieren und kann den Paravent aufstellen, wo man ihn gerade braucht. Das ist die absolute Basic-Low-Budget-Variante, die auch an einigen Punkten verbesserungswürdig ist, aber wenn man sauber und mit Plan arbeitet (und nicht wie ich einfach drauf los), kann auch sicher ein richtig schöner Paravent entstehen. Außerdem hängt es natürlich auch viel vom verwendeten Stoff ab, wenn man nicht Upcyclen möchte, kann man sich auch was Schickes im Stoffgeschäft kaufen. Für meinen Paravent lag der Kostenpunkt bei ca. 25 Euro für das Holz, die Scharniere und die Textilfarbe, alles andere hatte ich da.


