Gestern war ich im Kino. Emma Watson und Daniel Brühl in Colonia Dignidad. Die Liebesgeschichte zwischen den Hauptfiguren fand ich ganz schön haaresträubend, aber gut, nehmen wir einfach mal an, es gibt diese bedingungslose Liebe, die eine Frau dazu bringt, sich freiwillig der Möglichkeit auszusetzen, fast zu Tode geprügelt zu werden, nur um ihn zu sehen. Denn natürlich war die weibliche Hauptfigur diejenige, die ihrem Freund überall hinfolgte. Kaum anders denkbar in Kinofilmen, oder? Wieviele starke weibliche Hauptrollen fallen mir ein, die nicht auch noch als wahnsinnig sexy und verführerisch rüberkommen mussten? Aber Moment, in unserer Gesellschaft gibt es ja heutzutage kaum noch Unterschiede zwischen den Geschlechtern.
In einer Welt, die immer noch maßgeblich von weißen Männern dominiert wird, finde ich einen Tag, an dem Frauen gefeiert werden wichtig und richtig. Besonders in Osteuropa wird der Tag noch begangen. Eigentlich erfreulich und ich würde mir wünschen, auch in Deutschland wäre der Internationale Frauentag so bekannt. Aber wenn ich mich so in den sozialen Medien bei meinen rumänischen Freunden umschaue, erschrecke ich geradezu. Das Web (zumindest das rumänische) scheint am 8. März zu strotzen vor Blumensträußen. Die eigentlich von mir als relativ qualitativ betrachtete Zeitung Adevarul berichtet von einem Fall, an dem eine Frau ihrem Mann versucht hat den Penis abzuschneiden, weil dieser ihr keine Blumen gekauft hat. Ob das so stimmt, wage ich zwar zu bezweifeln, aber die Erwartung bei rumänischen Frauen ist meiner Meinung nach schon hoch: Kauf mir Blumen! Und zwar einfach, weil es der Tag eben vorsieht. In Rumänien ist ja die Zeit zwischen 14. Februar und 8. März besonders hart. Erst der Valentinstag, dann Dragobete (so etwas wie der rumänische Valentinstag), dann 1. März (hier werden Märzchen, kleine Schmuckanhänger, verschenkt), dann 8. März. Das Weihnachtsgeld sollte Mann wirklich lieber zurücklegen, denn an all diesen Tagen wird ein recht einseitiges Schenken erwartet. Über die Bedeutung und Geschichte des Tages wird, wenn überhaupt, nur am Rande nachgedacht. Dabei ist der Tag aus dem politischem Kampf der Frauen für mehr Partizipation entstanden. Und heute lassen wir uns mit Blumen abspeisen?
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| Der wurde aber nicht erfunden, um Bilder leichtbekleideter Frauen im Internet zu teilen. |
Vielleicht sehe ich das zu krass, aber es ist, als wäre aus Feminismus Sexismus geworden. Klar, es ist schön, Blumen zu bekommen. Aus ökologischer Sicht sind Rosen natürlich ein Albtraum - hier nachzulesen: Zeit-Artikel (Besonders schön finde ich, wie Zeit mit Hinweis auf Mindestlöhne und Ökobilanz den Leser schön in der Gewissheit wiegt, dass er weiter Rosen kaufen kann). Der Punkt ist vielmehr, dass es für mich wieder ein kleinmachen ist: Hier Frau, freu dich über die Blumen, ich sag dir auch noch wie hübsch du bist und dann bist du bitte ruhig. Es ist ein bisschen wie Almosen, einmal im Jahr einen Strauß Blumen zu bekommen und nette Worte oder Pralinen. Ich würde mich viel mehr freuen, wenn all diese Menschen, die heute Blumen gekauft haben, auf die Straße gingen und für Frauenrechte eintreten. Aber das tun sie nicht. Die meisten zeigen ihre Zuneigung, weil Frau Brüste hat und eine Vagina und weil Frau Mutter ist oder sein kann. Das hat nichts mit Respekt zu tun. Natürlich ist das zu allgemein gefasst und natürlich gibt es auch Männer, die für Geschlechtergleichheit eintreten. Aber die Welt braucht weniger Blumenschenker und mehr Menschen, die sich mit Feminismus beschäftigen. Die nachfragen, warum es immer noch ein topaktuelles Thema ist und sich das gern auch von Frauen erklären lassen. Die sich für Gleichheit einsetzen, nicht nur zwischen Geschlechtern, sondern zwischen allen Ausformungen des menschlichen Lebens.

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