Veganes Sonntags-Frühstück mit Prädikat "yummy"
Das erste Frühlingswochenende des Jahres hatte mit einer kleinen Radtour und einer leicht geröteten Nase am Samstagabend begonnen. Nun wollte es entsprechend fortgeführt werden - ein weiterer Tag Seelefüttern stand an. Weil Seelefüttern bei mir auch immer mit Magenfüttern verbunden ist, machte ich mir erstmal ein wunderbares Frühstück ganz für mich selbst. Da soll mal noch eine*r sagen: "Was, du lebst vegan? Was kannst du denn da noch essen?" Abgesehen davon, dass ich alles essen kann, weil Veganismus keine totalitäre Ideologie, Sekte oder Krankheit ist und ich einfach kein Ei und keine Milch essen möchte, bewies dieses Frühstück mal wieder, dass ich mich wirklich nicht über mangelnde Auswahl beschweren kann. Schlüppertauschmarkt der Sachspendenzentrale in Leipzig
Der nächste Tagesordnungspunkt war (nach einem langen Telefonat, dass ebenfalls die Seele ausgiebig streichelte) der Schlüppertauschmarkt in Leipzig. Was, Schlüppertausch? Getragene, ungetragene, warum und wieso? Entwarnung für alle, die sich schon ekeln und leider auch für alle, die schon ganz scharf auf widerliche Details sind - es geht um neue, ungetragene Unterwäsche. Die Sachspendenzentrale Leipzig bekommt neben sachdienlichen Sachspenden auch eine ganze Menge Kram, den sich nicht gebrauchen kann. Spiele, Plüschtiere, Partyfummel, Miniröcke, Sakkos, Morgenmäntel... all die Dinge, die man eben als Geflüchteter oder sonstwie Bedürftiger vielleicht nicht grad am Dringendsten braucht. Ich habe selbst mal ganz kurz in einer improvisierten Kleiderkammer einer Kleinstadt mitgearbeitet und ebenfalls zerrissene Hosen und getragene BHs erlebt. Manchmal habe ich gedacht, die Menschen haben wirklich einfach ihren Kleiderschrank ausgemistet und zwar die Sachen, die wirklich nicht mehr zu tragen waren Damen-Hosenanzüge und Kostüme hatten wir auch eine Menge.
Die Sachspendenzentrale Leipzig jedenfalls hat auf die ungewöhnlichen Spenden reagiert und veranstaltete nun schon zum zweiten Mal den Schlüppertausch. Man kann vor Ort Schlüppis erwerben oder mitbringen und diese gegen Kleidung, Bücher, Spiele, Handtaschen, Flohmarksachen... eintauschen. Bei mir eingezogen sind ein Ubongo-Spiel, ein Fake-Seiden-Morgenmantel in weiß mit Schmetterlingen, zwei gepunktete Oberteile / Kleidchen und ein kurzer Rock. Der Morgenmantel ist natürlich superschick und ich bedaure, dass mich in den meisten Fällen wohl niemand sehen wird, wenn ich mit ihm bekleidet am Frühstückstisch sitze und mal wieder ein opulentes Veggie-Sonntags-Frühstück zu mir nehme. Insgesamt war ich 12 Euro oder sechs Männerunterhosen ärmer, als ich mit meinen Errungenschaften rausging und fühle mich jetzt schon fast etwas schlecht dabei, weil ich das Gefühl habe, sehr profitiert zu haben.
Sardinen-Sitzen im Lene-Voigt-Park
"Komm lass uns in den Park gehen!", sagte am Sonntag halb Reudnitz, aber vermutlich auch die Bewohner aller anderen Stadtteile und meinten nicht irgendeinen Park. Nein, der Lene-Voigt-Park musste es sein. Da wurde dann gegrillt, Kinder liefen umher, man sportelte an den Tischtennisplatten oder am Beach-Volley-Netz und ich suchte zunächst eine alte Studienkollegin und dann meine Leipziger Freunde. Das ist ganz einfach, wenn die Wiese in etwas aussieht, wie ein Pinguin-Reservat zur Brutzeit. Schließlich bekam ich aber ein Stück Decke ab, ein lieber Mensch organisierte mir ein Bier und einen Teller und ich war trotz der vielen Menschen ziemlich zufrieden mit dem Leben. Es war spannend, die alte Studienkollegin wiederzutreffen, die seit ein paar Monaten in Leipzig wohnte und es ist immer schön, die Freunde aus Leipzig zu treffen. Das Leipziger Hipstertum, das mich manchmal einfach nur unendlich nervt, störte mich gar nicht an diesem Sonntag, ich genoss einfach nur die Sonne - inzwischen mit einer Portion Sonnencreme auf dem Gesicht. So gegen sechs sprang ich dennoch auf und machte mich auf den Heimweg nach Halle. Ich mag es, am Sonntagabend noch ein bisschen Zeit für mich zu haben, bevor die nächste Arbeitswoche beginnt und da nicht so "reinzustolpern".
Das Wochenende hat sehr gut getan und richtig viel Lust auf Frühling gemacht. Auf Radtouren, auf Treffen im Park, auf draußen sein und Sonne schnuppern, aber auch auf etwas unternehmen, sei es Klamottentausch, Flohmarkt oder Poetry Slam. Ich fühle mich richtig zum Leben erweckt von den wärmenden Sonnenstrahlen.





