Montag, 4. April 2016

Ich mach mir einen sonnigen Sonntag

Veganes Sonntags-Frühstück mit Prädikat "yummy" 

 

Das erste Frühlingswochenende des Jahres hatte mit einer kleinen Radtour und einer leicht geröteten Nase am Samstagabend begonnen. Nun wollte es entsprechend fortgeführt werden - ein weiterer Tag Seelefüttern stand an. Weil Seelefüttern bei mir auch immer mit Magenfüttern verbunden ist, machte ich mir erstmal ein wunderbares Frühstück ganz für mich selbst. Da soll mal noch eine*r sagen: "Was, du lebst vegan? Was kannst du denn da noch essen?" Abgesehen davon, dass ich alles essen kann, weil Veganismus keine totalitäre Ideologie, Sekte oder Krankheit ist und ich einfach kein Ei und keine Milch essen möchte, bewies dieses Frühstück mal wieder, dass ich mich wirklich nicht über mangelnde Auswahl beschweren kann. 

Schlüppertauschmarkt der Sachspendenzentrale in Leipzig  


Der nächste Tagesordnungspunkt war (nach einem langen Telefonat, dass ebenfalls die Seele ausgiebig streichelte) der Schlüppertauschmarkt in Leipzig. Was, Schlüppertausch? Getragene, ungetragene, warum und wieso? Entwarnung für alle, die sich schon ekeln und leider auch für alle, die schon ganz scharf auf widerliche Details sind - es geht um neue, ungetragene Unterwäsche. Die Sachspendenzentrale Leipzig bekommt neben sachdienlichen Sachspenden auch eine ganze Menge Kram, den sich nicht gebrauchen kann. Spiele, Plüschtiere, Partyfummel, Miniröcke, Sakkos, Morgenmäntel... all die Dinge, die man eben als Geflüchteter oder sonstwie Bedürftiger vielleicht nicht grad am Dringendsten braucht. Ich habe selbst mal ganz kurz in einer improvisierten Kleiderkammer einer Kleinstadt mitgearbeitet und ebenfalls zerrissene Hosen und getragene BHs erlebt. Manchmal habe ich gedacht, die Menschen haben wirklich einfach ihren Kleiderschrank ausgemistet und zwar die Sachen, die wirklich nicht mehr zu tragen waren Damen-Hosenanzüge und Kostüme hatten wir auch eine Menge. 


Die Sachspendenzentrale Leipzig jedenfalls hat auf die ungewöhnlichen Spenden reagiert und veranstaltete nun schon zum zweiten Mal den Schlüppertausch. Man kann vor Ort Schlüppis erwerben oder mitbringen und diese gegen Kleidung, Bücher, Spiele, Handtaschen, Flohmarksachen... eintauschen. Bei mir eingezogen sind ein Ubongo-Spiel, ein Fake-Seiden-Morgenmantel in weiß mit Schmetterlingen, zwei gepunktete Oberteile / Kleidchen und ein kurzer Rock. Der Morgenmantel ist natürlich superschick und ich bedaure, dass mich in den meisten Fällen wohl niemand sehen wird, wenn ich mit ihm bekleidet am Frühstückstisch sitze und mal wieder ein opulentes Veggie-Sonntags-Frühstück zu mir nehme. Insgesamt war ich 12 Euro oder sechs Männerunterhosen ärmer, als ich mit meinen Errungenschaften rausging und fühle mich jetzt schon fast etwas schlecht dabei, weil ich das Gefühl habe, sehr profitiert zu haben. 

Sardinen-Sitzen im Lene-Voigt-Park

 

"Komm lass uns in den Park gehen!", sagte am Sonntag halb Reudnitz, aber vermutlich auch die Bewohner aller anderen Stadtteile und meinten nicht irgendeinen Park. Nein, der Lene-Voigt-Park musste es sein. Da wurde dann gegrillt, Kinder liefen umher, man sportelte an den Tischtennisplatten oder am Beach-Volley-Netz und ich suchte zunächst eine alte Studienkollegin und dann meine Leipziger Freunde. Das ist ganz einfach, wenn die Wiese in etwas aussieht, wie ein Pinguin-Reservat zur Brutzeit. Schließlich bekam ich aber ein Stück Decke ab, ein lieber Mensch organisierte mir ein Bier und einen Teller und ich war trotz der vielen Menschen ziemlich zufrieden mit dem Leben. Es war spannend, die alte Studienkollegin wiederzutreffen, die seit ein paar Monaten in Leipzig wohnte und es ist immer schön, die Freunde aus Leipzig zu treffen. Das Leipziger Hipstertum, das mich manchmal einfach nur unendlich nervt, störte mich gar nicht an diesem Sonntag, ich genoss einfach nur die Sonne - inzwischen mit einer Portion Sonnencreme auf dem Gesicht. So gegen sechs sprang ich dennoch auf und machte mich auf den Heimweg nach Halle. Ich mag es, am Sonntagabend noch ein bisschen Zeit für mich zu haben, bevor die nächste Arbeitswoche beginnt und da nicht so "reinzustolpern". 
Das Wochenende hat sehr gut getan und richtig viel Lust auf Frühling gemacht. Auf Radtouren, auf Treffen im Park, auf draußen sein und Sonne schnuppern, aber auch auf etwas unternehmen, sei es Klamottentausch, Flohmarkt oder Poetry Slam. Ich fühle mich richtig zum Leben erweckt von den wärmenden Sonnenstrahlen. 

Sonntag, 3. April 2016

Erkundungen an einem Samstag

Eigentlich hatte ich damit gerechnet, Besuch von einem Couchsurfer aus Leipzig zu haben, mit dem ich die Stadt entdecken wollte. Da besagter Mensch aber doch nicht kam, war meine nicht-vorhandene Samstagsplanung über den Haufen geworfen. Das klingt erst einmal seltsam, dennoch wäre ich mit ihm wohl eher durch die Stadt gestreift und Ideen hätten sich spontan ergeben - vielleicht auf die Peißnitz, vielleicht zur Burg Giebichstein? Allein durch Halle zu ziehen, darauf hatte ich aber keine Lust. Also brauchte ich einen Alternativ-Plan um allein was zu unternehmen.

Raus in die Natur - aber hier geht's erstmal nicht weiter.
Ich habe seit einer Woche mein Fahrrad in Halle, und ich brannte darauf, es auszufahren. Zudem war eine Fahrradkarte für Halle und Umgebung bei mir eingetroffen, die ich mir über einen Second-Hand-Buchversand bestellt hatte. Ich dachte mir nun, man könnte ja einfach mal beides kombinieren. Also packte ich vorm Zubettgehen die Karte in den Rucksack, ebenso wie meine Kamera, stellte die Proviantbüchse und die Trinkflasche bereit und legte meine todschicke Radlerhose mit verstärktem Polster am Po heraus. Ich wollte früh los, denn wer weiß, wie viele sich gleich am ersten Frühlingstag auf dem Saaleradweg tummeln würden. Die Angst war unbegründet, dafür fror ich ziemlich an die Waden - besagte Hose ist nämlich nur dreiviertellang - und das Wetter war auch nicht besonders toll vor zwölf. Noch dazu verirrte ich mich zuerst ein wenig in der Südstadt, dann im Naturschutzgebiet Saaleaue, und übersah dann auch noch eine Abzweigung des Radwegs, so dass ich eine Runde durch das schöne Dörfchen Kollebey drehte. Aber Umwege gehören ja bekanntlich zum Leben. Ohne meine Schusseligkeit, wäre ich gar nicht in der sumpfigen Saaleaue, wo außer einer Frau, die mit ihrem Hund spielte und mir, offenbar niemand war oder eben in Kollebey gelandet. Ich plane jetzt sicher nicht meinen nächsten Urlaub in Kollebey, aber abseits der ausgetretenen Pfade (oder in dem Fall gut asphaltierten Radwege) ist es eben auch interessant.

Durch die vielen kleineren Umwege kam ich so in Merseburg schon auf fast 30km. Ich bemerkte schon erste Ermüdungserscheinungen, radelte aber trotzdem tapfer den Berg hoch, Richtung Burg und Schloss. Und das hat sich gelohnt - Merseburg ist echt hübsch. Dann ging es über die Saale und wenig Zickzack durch die Stadt, bis ich sie Richtung Leuna verließ. Die Schornsteine der Chemiewerke hatten schon seit der Aufahrt aus Halle den Horizont bestimmt, Leuna ist aber eigentlich viel mehr als Industrie - es hat auch einen Teil mit spießigen Häuschen mit Vorgärten zum Beispiel. Ich wollte unbedingt noch bis Bad Dürrenberg und radelte also weiter auf dem recht gut ausgebauten Radweg. Meine Lunge wird es mir gedankt haben, denn ich flanierte in Bad Dürrenberg mehrmals am Gradierwerk im Kurpark entlang, wo Sole über Sanddornbündel rieselt. Das dient eigentlich der Salzgewinnung, hat aber den positiven Nebeneffekt salziger Luft wie am Meer und das soll ja gut für die Atmung und die Schleimhäute sein. Als ich mich danach wieder aufs Rad setzte, musste ich feststellen, dass mein Hintern schon schmerzte - ich war lange keine weitere Strecke mehr gefahren - und meine Beine auch müde waren, daran hatte die Salzluft wohl nichts ändern können. Ich strampelte dennoch tapfer zurück bis Merseburg, von wo ich dann den Zug nach Halle nahm. Insgesamt 46km habe ich an dem Tag mit dem Rad zurückgelegt.

Zu Fuß kann man die Stadt besser erkunden und zu Rad das Umland. Viele kleine Dinge, wären mir entgangen, wäre ich mit dem Auto die Bundesstraße entlang gefahren. Der erste Mini-Sonnenbrand des Jahres zwar auch, aber damit auch eine Menge Sonnenstrahlen auf der Haut, die die Glückshormone nur so fließen ließen. Ich werde wohl in der Zukunft öfter mal ins Umland radeln, entweder weiter die Saale entlang oder zu den vielen Seen im Umland, zu den kleinen Städtchen und verträumten Ortschaften. Um den Tag zu schließen, erkundete ich dann noch das Hallesche Kulturangebot. Ich wollte gern zum Poetry Slam "Wörterspeise" in der Goldenen Rose und obwohl ich nun ohne Couchsurfing-Besuch allein war, wagte ich mich dennoch hin. Es hat sich voll gelohnt, die Slammer waren gut, die Texte toll und ich das erste Mal in der "Goldenen Rose". Die liegt praktischerweise gleich bei mir um die Ecke und scheint auch ansonsten ein sehr gemütlicher Laden. Ich hätte gern mehr von solchen Samstagen. Und auch von den Sonntagen, die darauf folgen. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte...