Sonntag, 3. April 2016

Erkundungen an einem Samstag

Eigentlich hatte ich damit gerechnet, Besuch von einem Couchsurfer aus Leipzig zu haben, mit dem ich die Stadt entdecken wollte. Da besagter Mensch aber doch nicht kam, war meine nicht-vorhandene Samstagsplanung über den Haufen geworfen. Das klingt erst einmal seltsam, dennoch wäre ich mit ihm wohl eher durch die Stadt gestreift und Ideen hätten sich spontan ergeben - vielleicht auf die Peißnitz, vielleicht zur Burg Giebichstein? Allein durch Halle zu ziehen, darauf hatte ich aber keine Lust. Also brauchte ich einen Alternativ-Plan um allein was zu unternehmen.

Raus in die Natur - aber hier geht's erstmal nicht weiter.
Ich habe seit einer Woche mein Fahrrad in Halle, und ich brannte darauf, es auszufahren. Zudem war eine Fahrradkarte für Halle und Umgebung bei mir eingetroffen, die ich mir über einen Second-Hand-Buchversand bestellt hatte. Ich dachte mir nun, man könnte ja einfach mal beides kombinieren. Also packte ich vorm Zubettgehen die Karte in den Rucksack, ebenso wie meine Kamera, stellte die Proviantbüchse und die Trinkflasche bereit und legte meine todschicke Radlerhose mit verstärktem Polster am Po heraus. Ich wollte früh los, denn wer weiß, wie viele sich gleich am ersten Frühlingstag auf dem Saaleradweg tummeln würden. Die Angst war unbegründet, dafür fror ich ziemlich an die Waden - besagte Hose ist nämlich nur dreiviertellang - und das Wetter war auch nicht besonders toll vor zwölf. Noch dazu verirrte ich mich zuerst ein wenig in der Südstadt, dann im Naturschutzgebiet Saaleaue, und übersah dann auch noch eine Abzweigung des Radwegs, so dass ich eine Runde durch das schöne Dörfchen Kollebey drehte. Aber Umwege gehören ja bekanntlich zum Leben. Ohne meine Schusseligkeit, wäre ich gar nicht in der sumpfigen Saaleaue, wo außer einer Frau, die mit ihrem Hund spielte und mir, offenbar niemand war oder eben in Kollebey gelandet. Ich plane jetzt sicher nicht meinen nächsten Urlaub in Kollebey, aber abseits der ausgetretenen Pfade (oder in dem Fall gut asphaltierten Radwege) ist es eben auch interessant.

Durch die vielen kleineren Umwege kam ich so in Merseburg schon auf fast 30km. Ich bemerkte schon erste Ermüdungserscheinungen, radelte aber trotzdem tapfer den Berg hoch, Richtung Burg und Schloss. Und das hat sich gelohnt - Merseburg ist echt hübsch. Dann ging es über die Saale und wenig Zickzack durch die Stadt, bis ich sie Richtung Leuna verließ. Die Schornsteine der Chemiewerke hatten schon seit der Aufahrt aus Halle den Horizont bestimmt, Leuna ist aber eigentlich viel mehr als Industrie - es hat auch einen Teil mit spießigen Häuschen mit Vorgärten zum Beispiel. Ich wollte unbedingt noch bis Bad Dürrenberg und radelte also weiter auf dem recht gut ausgebauten Radweg. Meine Lunge wird es mir gedankt haben, denn ich flanierte in Bad Dürrenberg mehrmals am Gradierwerk im Kurpark entlang, wo Sole über Sanddornbündel rieselt. Das dient eigentlich der Salzgewinnung, hat aber den positiven Nebeneffekt salziger Luft wie am Meer und das soll ja gut für die Atmung und die Schleimhäute sein. Als ich mich danach wieder aufs Rad setzte, musste ich feststellen, dass mein Hintern schon schmerzte - ich war lange keine weitere Strecke mehr gefahren - und meine Beine auch müde waren, daran hatte die Salzluft wohl nichts ändern können. Ich strampelte dennoch tapfer zurück bis Merseburg, von wo ich dann den Zug nach Halle nahm. Insgesamt 46km habe ich an dem Tag mit dem Rad zurückgelegt.

Zu Fuß kann man die Stadt besser erkunden und zu Rad das Umland. Viele kleine Dinge, wären mir entgangen, wäre ich mit dem Auto die Bundesstraße entlang gefahren. Der erste Mini-Sonnenbrand des Jahres zwar auch, aber damit auch eine Menge Sonnenstrahlen auf der Haut, die die Glückshormone nur so fließen ließen. Ich werde wohl in der Zukunft öfter mal ins Umland radeln, entweder weiter die Saale entlang oder zu den vielen Seen im Umland, zu den kleinen Städtchen und verträumten Ortschaften. Um den Tag zu schließen, erkundete ich dann noch das Hallesche Kulturangebot. Ich wollte gern zum Poetry Slam "Wörterspeise" in der Goldenen Rose und obwohl ich nun ohne Couchsurfing-Besuch allein war, wagte ich mich dennoch hin. Es hat sich voll gelohnt, die Slammer waren gut, die Texte toll und ich das erste Mal in der "Goldenen Rose". Die liegt praktischerweise gleich bei mir um die Ecke und scheint auch ansonsten ein sehr gemütlicher Laden. Ich hätte gern mehr von solchen Samstagen. Und auch von den Sonntagen, die darauf folgen. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte... 



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