Ich hatte einen richtig schönen Abend gehabt. Dass ich das Landleben genieße, das passiert ja eher selten in letzter Zeit. Meistens hetze ich hin und her und sehe nur, was alles noch zu erledigen ist, den Kopf voller Sorgen. Aber dieser Abend war anders: Ich habe mich mit diesen Menschen, die ich kaum kannte, sofort wohl gefühlt. Ich habe eher aus Vernunft kurz vor zwölf gesagt, dass ich mich besser hinlege. Und ich hätte mich am Liebsten auf Arbeit krank gemeldet und wäre mit ihnen weitergereist. Aber am Ende bin ich doch ein pflichtbewusster Mensch und nach ein wenig Bier und Schnaps, nach spannenden Gesprächen, mit übervollem Magen voller Grillgut knüllte ich schließlich auf der Couch und checkte nochmal, ob der Wecker auch auf 6:30 gestellt war.
Als es hell wurde, wachte ich jedoch schon auf und um sechs beschloss ich dann, nicht weiter zu versuchen, zu schlafen. Ich schmierte mir noch ein Brötchen, putzte mir die Zähne, zog mir das nach Mückenspray und Schweiß riechende Shirt vom Abend wieder über und beschloss, bevor ich auf Arbeit fuhr, noch beim Steinbruch zu halten und die Dusche durch ein Bad im kühlen Wasser zu ersetzen. Ich packte alles ins Auto, was ich mitnehmen musste, legte mir mein Handtuch bereit und lenkte nach wenigen Kilometern auf den Feldweg ein, der zum See im Steinbruch führte. Ich parkte am Feldweg, nahm das Handtuch und lief die letzten Meter zum See. Mir fiel das Schild des Anglervereins ("Vereinsgewässer! Angeln nur für Mitglieder") und "Betreten verboten!" auf, beim letzten Besuch hatte ich das nicht gesehen.
Es war kurz nach sieben, höchstens 7:15 Uhr. Der Anblick des Steinbruchs war bezaubernd - das Wasser kräuselte sich nur ganz leicht und der See lag sehr ruhig. Ich war ganz allein. Ich hängte mein Handtuch an einen Baum, ließ die Klamotten zurück und stieg nackt in das kalte Wasser. Es war kalt, aber angenehm und ich fühlte mich nach der kurzen Nacht und trotz des kleinen Katers, den ich hatte, erfrischt. Ich schwamm nicht lange, nur eine winzige Runde, nur um einen klaren Kopf und einen guten Start in den Morgen zu haben. Als ich wieder draußen war, rubbelte ich mich ab und stellte noch fest, dass ich ausreichend nüchtern war, um Auto zu fahren - das Balancieren auf einem Fuß, um die Socken und Schuhe anzuziehen, gelang mir recht gut. Ich warf auch das Shirt wieder über und schlüpfte in die Jeans, ich würde doch noch kurz zuhause vorbeischauen, um zu duschen, bevor ich auf Arbeit ging.
So schlenderte ich mit dem Handtuch auf dem Arm zurück zum Auto. Und mir entgegen kam ein Polizeiauto. Die Polizisten schienen Streife zu fahren. Kurz nach sieben Uhr morgens, auf einem Feldweg an einem Steinbruch zwischen kleinen Dörfern irgendwo in der sächsischen Provinz. Sie hielten an und stiegen aus. Ich verlangsamte meine Schritte und überlegte, ob ich auf sie zugehen sollte. Ich konnte nicht leugnen, dass ich gerade gebadet hatte, oder was sollte ich sagen? Schließlich waren meine Haare nicht nass, also vielleicht konnte ich es auch abstreiten. Und mein Auto, durfte das da am Feldweg stehen? Der ältere der Polizist unterbrach meine Bedenken. "Alles in Ordnung.", meinte er und schickte ein "Frisch!" hinterher. Ja, frisch fühlte ich mich.




