Ich werde es gleich zu Anfang sagen: Stalins Geburtsstadt ist wirklich nicht besonders sehenswert. Das Museum ist interessant, vor allem wie es aufgezogen ist, ansonsten kann man noch einmal zur Burg hochklettern und das war es dann auch - eigentlich muss man hier keine Übernachtung einplanen.
Wir hatten uns für einen Besuch in Gori entschieden, weil es strategisch günstig zwischen Kutaissi und Tiflis liegt, mit dem Zug zu erreichen ist und, eben, weil es doch irgendwie interessant ist, Stalins Geburtsort zu besuchen, umso mehr, wenn es da noch ein Museum ihm zu Ehren gibt. Wir stolperten aus dem Bahnhof heraus gleich mal instinktiv in die falsche Richtung, um dann einen relativ langen Fußweg Richtung Innenstadt anzutreten. Hinter dem Stalin-Museum gab es zwar eine Touri-Info, die aber entgegen der angezeigten Öffnungszeiten geschlossen hatte. Sie wurde von der deutschen GTZ finanziert, wie auf einem kleinen Schild zu lesen war, weswegen uns das Nicht-an-die-Öffnungszeiten-halten unverschämter vorkam, als ohnehin schon. Schließlich nahmen wir ein Taxi zu unserer Unterkunft, da wir einfach überhaupt keine Orientierung hatten.
Wir waren in einer kleinen Pension untergebracht, wo gleichzeitig fünf Tschechen nächtigten und uns wurde gleich noch ein Abendessen angeboten, was wir gleich noch "zubuchten". Allzu vielversprechend erschienen uns die kulinarischen Möglichkeiten nach unserem Fußmarsch zu urteilen nicht in Gori. Wir erklommen vorm Abendessen noch die Festung, von der man einen schönen Ausblick über die Stadt hatte und ließen uns dann mit drei der Tschechen am Tisch nieder. Die Hausherrin hatte gekocht und aufgetischt und, verkaufstüchtig wie sie war, schwatzte sie uns gleich noch ein paar Flaschen selbstgemachten Wein auf. Wir sprachen dem Wein zu, wir unterhielten uns prächtig und fielen irgendwann zufrieden in unsere Betten. Die Tschechen erfüllten das Klischee, dass ich von ihnen habe: Außerhalb ihres Wohnsitzes sind sie eigentlich nur mit voller Trekking-Ausrüstung anzutreffen und auch gerade dabei, die nächste Bergtour zu planen. Ich habe auch schon Tschechen getroffen, die nicht in dieses Muster passten, aber unsere Abendgesellschaft war defintiv gerade am Überlegen, welche Berge sie sich aufgrund der Witterung am Besten vornehmen sollten. Unsere Wege trennten sich also nach dem Frühstück am nächsten Morgen, denn wir wollten das Stalinmuseum angehen. Doch vorher kam noch die ernüchterte Feststellung - kein Kater, kein Kopfschmerz, kein flauer Magen. Ein Weingelage ohne Folgen? War es vielleicht wirklich ein ganz besonderer Wein, den die Georgier da kelterten?
Das konnten wir an dem Tag nicht weiter klären, erstmal ging es zum Stalinmuseum. Das Museum wurde 1957 dem Generalissimus gewidmet. Seither scheint sich darin nicht viel verändert zu haben. Prächtige Hallen mit hohen Decken, ein cleverer Aufbau, der die Aufmerksamkeit immer wieder auf Portraits oder Büsten lenkt - das Gebäude ist ziemlich prunkvoll. Der Inhalt ist voll an Glorifzierungen, Bildern von Stalin und allen möglichen Menschen, die ihm die Hand schütteln. In einem Schaukasten war dann mal zu sehen, welche Georgier*innen während des Stalinismus verfolgt wurden, aber ansonsten drehte sich alles um die Verherrlichung dieses Mannes. Wir haben etwa eine Stunde gebraucht, uns aber auch nicht jede Info durchgelesen (wenn es nur auf georgisch und russisch war, musste ich eh passen). Danach ging es noch zu Stalins Reisewaggon, der nichtssagender kaum hätte sein können - meines Erachtens waren alle Gegenstände mit Hussen verhüllt, was ja auch Sinn macht, bei ziemlich alten Möbeln, wofür ich aber wiederum nicht extra Eintritt zahlen möchte. Das kann man meiner Meinung nach weglassen.
Interessant war, dass es Menschen gab, die da weniger touristisch rangingen als wir. Vor dem Waggon machte eine Abordnung der chinesischen kommunistischen Partei (wie ich vermutete, ich kann aber auch komplett daneben liegen) ein Foto. Wenn man noch nicht genug von Stalin hat, kann man sowohl im Museumsshop als auch hinter dem Museum noch Touristennippes kaufen. Ich hätte ja eine Postkarte vom jungen Stalin mitgenommen, um jeden zu zeigen, dass der heute als heißer Hipster durchgehen würde, die gab es aber leider nicht.
Auch in Gori holte uns die neueste Geschichte wieder ein - 2008 gab es Kampfhandlungen in der Stadt, als die russische Armee im Land war. Gebäude wurden bombardiert, noch heute sieht man an vielen Gebäuden Einschusslöcher. Und wieder schaffen es die Georgier, ihr nationales Gefühl irgendwie zurechtzubasteln. Stalin war ein Guter, aber die Russen sind die bösen - da wird ganz schön viel Geschichte passend gemacht auf nur ein paar Quadratkilometern.
Wir hatten in Gori am Wein genippt und daher zog es uns an Tiflis vorbei nach Kachetien - die Weinregion Georgiens. Nach einem Marshrutka-Wechsel in Tiflis saßen wir in einem Kleinbus nach Signagi - wo weitere Abenteuer auf uns warteten...



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