Freitag, 16. November 2018

Paris, encore une fois

Im Oktober hatte ich mal wieder Gelegenheit, festzustellen, was für eine schöne Stadt Paris doch ist. Eine Freundin gab eine Party anlässlich ihrer Hochzeit, wobei es keine eigentliche Hochzeitsfeier war, was das ganze für mich noch mal sympathischer machte. Und sechs alte Freunde aus der Schulzeit, manche nebst Partner*in, taten sich zusammen und fuhren nach Frankreich. Une bonne idée! 

Die Anreise im ICE und TGV fühlte sich in dieser Gruppe von dann insgesamt neun Leuten stark nach Klassenfahrt an. Ich nutzte die Zeit im Zug, um mit einigen mal wieder ein bisschen länger zu quatschen. Im TGV wurden wir dann leider getrennt, weil es nicht möglich ist, bei der Reservierung einen bestimmten Sitzplatz auszuwählen und wir so zu neunt auf fünf verschiedene Wagen aufgeteilt waren. Bei einem vollständig reserviertem Zug (im TGV ist die Reservierung obligatorisch) war es auch nicht möglich, spontan den Platz zu wechseln und beeinander zu sitzen. In Paris fanden wir uns am Bahnsteig wieder zusammen und liefen und rolkofferten zu unserem Hotel. Es war nicht so weit vom Bahnhof, weniger als eine halbe Stunde zu Fuß und wir sogen schon die erste Pariser Luft ein, genossen den spätsommerlich wirkenden Nachmittag und die Schönheit der Stadt. Im Hotel hatten wir - aber das war nicht anders zu erwarten - ziemlich winzige Zimmer, aber sie waren sehr sauber und somit war ich sehr zufrieden. Der erste Abend führte uns auf Idee eines Reieseteilnehmers zu einem äthiopischen Restaurant. Das Essen war super lecker! Die Freundin, die die Party schmiss, hing ironischerweise beruflich selbst noch in Deutschland fest, und so kamen wir einfach erstmal an. Zudem sollte der Abend ja nicht so wild werden, weil wir am nächsten Tag ja feiern wollten. Zufrieden und satt steuerten wir recht früh das Hotel an. 

Am nächsten Morgen fanden wir ein hübsches Café zum Frühstück und plünderten deren gesamte Vorräte an Pain au chocolat und Croissants. Die große Gruppe war erwartungsgemäß träge zu navigieren und es dauerte, eh wir irgendwo loskamen. Trotzdem wollten alle einen Spaziergang Richtung Seine machen, wo sich dann die Wege trennten. Die einen Richtung Notre Dame und Louvre, die anderen am Quai entlang, ich mit einer Freundin in Quartier Latin, wo wir uns erstmal niederließen, was aßen und umschauten. Als dann eine andere Freundin des Weges kam, ließ ich die beiden allein und ging mich noch ein wenig verlaufen. Ich streunte durchs Viertel, entdeckte, schaute in kleine Geschäfte - Boutiquen, pardon! - und lief dahin, wo es mich hinzog. 


Die Party am Abend war großartig. Wir plünderten das leckere italienisch angehauchte Buffet, tranken Prosecco, tanzten viel, nutzten ausgiebig die Photo Box, tanzten noch mehr und blieben bis zum letzten Lied. Das war, eine Ode an die alten Zeiten, Kettcar. Der französische DJ war gezwungen wurden, wenigsten ein, zwei Lieder vom Soundtrack unserer Jugend zu organisieren und musste für uns Tanzwütige dies dann extra noch mal auflegen. Und wir sprangen und tanzten und sangen mit, als wären wir wieder 17 und würden bei jemandem Zuhause die Musik aufdrehen. 

Der nächste und somit letzte Paris-Tag begann wieder mit einem großartigen Frühstück, diesmal in einem anderen Kaffee, dafür mit mehr Auswahl an Frühstücksgerichten. Mit einer Freundin und ihrem Partner beschloss ich nach dem ausgedehnten Mahl, noch zum Eiffelturm zu fahren. Die beiden waren noch nie in Paris und tja, wenn wir schon mal da waren... Es war dann auch total schön und übermütig beschlossen wir, noch zum Arc de Triomphe zu laufen. Und irgendwo hier verschätzten wir uns total. Wir fanden am Triumphbogen nicht sofort die Metro, verpassten dann noch eine und die nächste blieb aus unbekannter Ursache einfach fünf Minuten stehen, statt loszufahren - wir merkten, dass wir es nicht mehr zum Bahnhof schaffen würden, da ja unsere Sachen noch im Hotel abgestellt waren und wir diese erst noch holen mussten. Die rettende Idee hatte die Freundin - lassen wir es einfach da. Denn Freunde von uns würden noch eine Nacht länger bleiben und könnten uns die Dinge mitbringen. So schafften wir es schließlich rechtzeitig zum Bahnhof, es war sogar noch Zeit, sich mit Getränken und Keksen einzudecken - nur war die Zeit für den Umweg zum Hotel zu knapp gewesen. Ich hatte infolgedessen nur eine Handtasche mit meiner Kamera, meinem Handy und meinem Portemonnaie bei mir. Selbst meine Wohnungsschlüssel waren im Rucksack, der noch im Hotel war. Das Ticket für den Zug hatte ich immerhin auf dem Handy. Aber ich würde am späten Abend, wenn ich zuhause ankam, nicht rein kommen. Eine liebe Freundin in Halle rettete mich dann aus der Situation, in dem sie, sofort nach dem ich ihr geschrieben hatte, anbot, ich könne bei ihr übernachten. 

Drei Tage Abenteuer, zwei Tage Paris bei schönstem Oktoberwetter, eine der besten Hochzeitspartys, auf der ich je war - es hatte sich gelohnt, nach Frankreich zu fahren. Das letzte Mal war ich zwar erst vor einem Jahr da, allerdings hetzte ich nur durch die Stadt, um einen großartigen Menschen vorm Eiffelturm stehend anzurufen und zum Geburtstag zu gratulieren. Ich hatte einige Stunden Umsteigezeit, als ich aus Südfrankreich kam und nach Hause zurück wollte. Davor war ich mit 15 das letzte Mal da, vor über 15 Jahren. Witzigerweise mit einigen der gleichen Leute wie dieses Mal, das kam mir ein paar Mal in den Sinn und ließ mich schmunzeln. 

Mittwoch, 14. November 2018

Auszeit am Meer

"Das ist Hiddensee, Ed, verstehst du, hidden - versteckt? Die Insel ist das Versteck, die Insel ist der Ort, [...] wo man zurückkehrt in sich selbst, daß heißt zur Natur, zur Stimme des Herzens [...]." (Lutz Seiler, Kruso)


Der September war anstrengend und mein eigentlicher Plan, Anfang Oktober nach Athen zu fahren, fühlte sich nach keiner guten Idee an. Eigentlich wollte ich einfach nur ein paar Tage Ruhe. Ein paar Tage zu mir kommen, ein paar Tage genau das tun, worauf ich Lust hatte, vielleicht am Meer sitzen, vielleicht lange Strandspaziergänge, vielleicht aber auch einfach Nichtstun. Den Hinweis auf die Insel bekam ich von einem lieben Menschen und kurz darauf fing ich an, statt Busse und Züge quer über den Balkan meine Reise mit Zug und Fähre Richtung Norden zu planen.


Irgendwie dachte ich, Hiddensee wäre so etwas wie das Ende der Welt. So ruhig und unberührt, wie ich annahm, war es keinesfalls, überall waren in dieser Woche rund um den Tag der Deutschen Einheit Touristen. Auch, dass ich mich in Stralsund im Biomarkt noch panisch mit ein paar Lebensmitteln eingedeckt hatte, war nicht nötig gewesen - es gab in Vitte, wo ich eine Unterkunft gefunden hatte, ausreichend Geschäfte, neben einem Supermarkt auch einen Laden mit Backwaren und Bio- sowie regionalen Produkten. Und ganz so verkehrsarm, wie ich es mir vorgestellt hatte, war es dann auch nicht - über die Insel fährt der Inselbus, aber auch sonst habe ich einige, wenn auch wenige Autos gesehen (viele davon mit Elektroantrieb). Ich bewegte mich mit einem Faltrad vorwärts, dass ich mit auf die Insel gebracht hatte - wenn ich mich denn bewegte. Ich entschied mich auch viel fürs Tee trinken und Buch lesen, aber freute mich schon auch, schnell zum Zeltkino und Inseltheater zu kommen.


Trotz eher mittelprächtigen Wetters schaute ich mir beide Leuchttürme der Insel an, machte Strandspaziergänge, lief Richtung Steilküste und unternahm eine Wanderung durch den Dornbusch. Das war auch einer der schönsten Hiddensee-Momente: Gerade stand ich noch an der Steilküste und nach einem Aufstieg stehe ich auf einmal zwischen Bäumen und es riecht nach Wald. Ich ging bis zum Klausner, wo ich das Lokal aus Kruso nicht so recht wiedererkennen konnte, ging noch die wenigen Schritte zum Leuchtturm, bei dem aber die Aussichtsplattform geschlossen hatte, weil der Wind zu stark war. Ich ließ mich selbst fast wegpusten, genoss es für einen Augenblick, im Sturm zu stehen - Meer, Leuchtturm, Naturschutzgebiet und bevor ich die Kapuze gut festgezurrt hatte meine umherfliegenden Haare, die mir die Sicht auf all das nahmen. 


Umherwirbelnde Haare, umherwirbelnde Gedanken, umherwirbelndes Ich. Stürmische Zeiten vor und hinter mir und dazwischen eine kleine Pause am Meer. Hiddensee, vielleicht nicht so versteckt und die Stimme des Herzens wachrufend, wie ich erhoffte, aber dennoch immer noch sehr gut, um der Hektik der Stadt und des Berufs für ein paar Tage zu entkommen.