Montag, 9. September 2019

Rumänien erwandern - 4 Touren-Tipps

Wenn ich in Rumänien bin, bin ich auch meist wandernderweise irgendwo draußen in der Natur. Das habe ich bis vor Kurzem in Deutschland noch kaum gemacht und in Rumänien gehört es fast irgendwie zum Programm. Es gibt einfach so viel Schönheit an Landschaften und Natur, das will erkundet werden. Letztes Jahr war ich in den Muntii Rodnei und in der Nera-Klamm. Beides beeindruckende, wunderschöne Wandertouren - erstere mit einem Bergsee als Ziel, letztere an einem Fluss, der sich im Banat durch die Landschaft gegraben hat. Dieses Jahr war ich im Valea Lui Stan (Stans Tal) und auf dem Piatra Cetii, wiederum eine Mischung aus Flusswanderung mit Klamm und Bergwanderung.

Muntii Rodnei - Lacul Iezer (Rodna-Gebirge mit Iezer-See)


An das Rodna-Gebirge kommt man wohl von Norden und von Süden ran - wir entschieden uns, dass das einfachste wohl wäre, es von Norden zu versuchen und bezogen im unglaublich hässlichen Borsa ein gar nicht mal so hässliches Quartier. Das lag bereits am Weg in Richtung Iezer-See und Pietrosul-Berg, wir mussten also nur noch losgehen und uns immer bergauf halten, den blauen Markierungen folgend. Der Weg war aber gut ausgebaut und auch gar nicht zu verfehlen. Der stetige Anstieg machte mir aber derart zu schaffen, dass ich es vom Iezer-See dann nicht mehr bis zum Gipfel schaffte - die Tour endete am schönen Gletscher-See, der angeblich die Umrisse Rumäniens hat. Am See sind viele Leute unterwegs, wenn auch nicht ganz so viele wie beispielsweise am Bâlea-See, und es gibt wilde Blaubeeren, wenn man zur richtigen Jahreszeit kommt. Natürlich fehlt auch ein fantastischer Ausblick ins Tal nicht. Ich ärgerte mich, dass ich mich wirklich nicht in der Lage fühlte, den Aufstieg zum Gipfel noch anzugehen, war aber getröstet von dem schönen Bergsee und dem herrlichen Blick Richtung Tal.

Cheile Nerei (Nera-Klamm)

Es gibt im Nationalpark Cheile Nerei einige Wanderwege. Die meisten Menschen suchen den - zumindest in Rumänien - berühmten Wasserfall Beusnita und den See "Auge des Bei" auf. Außerdem ein Anziehungspunkt sind die "Tunnel" (tunele), vor langer Zeit, vermutlich durch die Römer geschaffene Durchgänge / Tunnel im Karstgestein.
Die Gegend ist aber überhaupt schön - es gibt dichte Buchenwälder, der Spaziergang entlang der Nera ist ein wenig anspruchsvoll, aber auch für ungeübte Wanderer*innen gut zu schaffen und es ist möglich, sich durch ein Bad im Fluss zu erfrischen - wenn man nicht ohnehin hindurchwaten muss, weil der Wanderweg auf der anderen Seite weitergeht.
Ein guter Ausgangspunkt für die Erkundung des Nationalparks ist Sasca Montana. Von dort aus gelangt man schnell zu den Tunneln. Danach gabelt sich der Weg (und es gibt noch einmal einen großen Parkplatz, für alle, die sich die Strecke zu Fuß sparen möchten) - zum einen zum "in Rumänien einmaligen" Wasserfall Beusnita (laut Wikipedia) und zum anderen durch die Klamm. Da viele zum Wasserfall und einer Forellenzucht mit Ausflugslokal, die auf dem Weg dahin liegt, wollen, ist der Weg durch die Klamm in die andere Richtung sehr viel ruhiger und angenehmer und trotz fehlendem Wasserfall mangelt es nicht an Schönheit der Natur. Wir waren am Ende 26km unterwegs und haben dafür mit Pausen fast 10 Stunden gebraucht - inklusive ausgedehntem Bad in der Nera und Rückweg durchs Dornengestrüpp ("Hier müsste eigentlich der Weg sein...").





Valea Lui Stan

Diese Klettersteigtour ist bei den Rumän*innen recht bekannt - der Weg durch ein Flusstal mit vielen Wasserfällen führt über viele im Fels verankerte Eisenstufen und ist gut mit Stahlseilen zum Festhalten ausgestattet. Auch Familien sind hier unterwegs und mit Sicherung oder Klettersteigset sieht man niemanden. Ich würde den Weg als nicht sehr schwer einstufen, aber Ausdauer und gutes Schuhwerk sollte man dennoch mitbringen. Die Dauer ist unterschiedlich mit 3,5 bis 5 Stunden angegeben - wir haben mit vielen Pausen und einer Rast am Vidraru-Stausee zum Baden viel länger gebraucht. Die spektakulären Wasserfälle waren wegen Niedrigwasser nicht allzu spektakulär, die Tour war dennoch sehr schön und abwechslungsreich durch den Flusslauf mit kleinen Wasserfällen und Becken, in denen sich das Wasser sammelte, bevor es an anderen Stellen wieder munter plätscherte.
Der Zugang erfolgt von Transfogarascher Passstraße am Staudamm des Vidraru-Sees (Barajul Vidraru). Die Straße ist als "Transfagarasan" bekannt, allerdings ist der nördliche Teil mit seinen Serpentinen berühmter als der südliche, wo der Staudamm liegt. Man kann im Bereich des Stausees oder zwischen Stausee und Festung Poenari parken. Aus Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer sollte man allerdings darauf achten, die Fahrbahn dadurch nicht zu blockieren, da der Stausee bei hohem Besucheraufkommen ohnehin zum Nadelöhr wird.

Eine ausführliche Beschreibung auf Englisch (oder wahlweise Rumänisch) der Tour mit vielen Fotos gibt es hier: https://amazingromania.net/the-stan-valley-canyon/ 
Ein GPS-Track findet sich hier: https://www.outdooractive.com/en/route/hiking-trail/muntenia/valea-lui-stan-poiana-calugarita-baraj-vidraru/116931409/
(die Webseiten und die Informationen darauf sind nicht von mir, ich übernehme keinerlei Haftung) 

Piatra Cetii (Cetea-Stein)

Im Apuseni-Gebirge gibt es zahlreiche schöne Orte und viele Gegenden, wo es sich gut wandern lässt. Es gibt unzählige Höhlen und mittelgebirgige Höhenzüge, es gibt Mischwälder, kleine Dörfer und Höfe fernab der nächsten Straße. Wir wollten uns irgendwo zwischen Alba Iulia und Cluj von Osten annähern. Vielleicht glücklicherweise klappte es nicht mit der Übernachtungssuche in Râmet, so dass wir auf Poiana Galdei auswichen. Dort fuhr von Alba Iulia sogar ein Bus hin, der uns in das Tal brachte, wo es die ein oder andere Klamm gab, Mischwald und eben den Cetea-Stein.
Irgendwie recht planlos machten wir uns erst gegen Mittag zu unserer Wanderung auf - erst ein ganzes Stück an der Straße entlang, dann einem Bachlauf den Berg hinauf folgend. Der Bachlauf verschwand kurz bevor wir eine angepeilte Lichtung erreichten und wir schlugen uns durchs Gestrüpp, bevor wir an einer noch nicht fertig gebauten Kirche herauskamen. Hier sollte es auch Häuser geben und schnell fanden wir den einzeln daliegenden Hof und sprachen die ältere Frau, die dort gerade ihrem Alltag nachging, nach Wasser an. Sie nahm sich daraufhin gleich noch Zeit, mit uns in die Karte zu schauen, wie es weitergehen könnte. Wir wollten gern weiter hoch auf den Cetea-Stein, allerdings völlig die Uhr aus dem Blick lassend. Der Weg war zunächst gut markiert, wir verloren die Markierung aber zwischendurch immer mal wieder. Es ging buchstäblich über Stock und Stein und wir schlugen uns weiter durch die Wildnis und zerschrammten uns die Beine, der Aufstieg war beschwerlich mit vielen Gesteinsbrocken und auch beim Abstieg wurde es nicht besser. Auf den einfacheren Strecken über Wiesen kreuzte mehrmals ein Weidezaun den Wanderweg und ich hoffte inständig, dass wir keinem ausgewachsenem Rindvieh begegnen mögen oder einer Rotte Hütehunde. Als wir am Gipfel angelangt waren, war es schon recht spät und wir waren sonnenverbrannt, so dass wir den Ausblick nicht lange genießen konnten, sondern einfach hofften, noch bei Tageslicht wieder aus dem Wald heraus zu finden. Ein einziges Mal verloren wir den Wanderweg derart aus den Augen, dass nur der Fakt, dass es spärlichen Handyempfang gab und meine Idee, eine OpenStreetMaps-Karte im Browser meines Smartphones zu laden, uns wieder auf Spur brachten. Die meiste Zeit gab es aber überhaupt keinen Mobilfunkempfang. Immerhin gelangten wir auf eine Art Autobahn unter den Wanderwegen auf dem Abstieg zurück zur Straße - gefühlt aller zehn Meter war die Wanderwegmarkierung auf einen Baum gepinselt, der Weg war breit und der Abstieg leicht und ohne größere Hindernisse. 




Kartenmaterial:

Gute Wanderkarten für Rumänien kann man bei der Schiller-Buchhandlung und im Erasmus-Büchercafé, beide in Sibiu / Hermannstadt kaufen. Ich habe mir oft die Karten von Dimap / Erfatur gekauft, inzwischen gibt es Karten (und eine App, die ich aber leider noch nicht verstanden habe) von Muntii Nostri. Ich habe mir auf der Rother-App den Wanderführer Rumänien-Südkarpaten gekauft, fand aber keine der Touren dieses Jahr passend für meine Interessen, das war also leider ein Fehlkauf.
Es gibt in Rumänien auch Outdoorläden, die haben auch manchmal Kartenmaterial. Vor Ort kaufen macht von daher Sinn, als dass die meisten Karten in den genannten Buchhandlungen unter 20 Lei (weniger als 5 Euro) kosten. 

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