Folgende Konstellation muss man sich vorstellen: Eine junge Frau und ein junger Mann fahren mit dem Auto. Es ist Sonntag, der Himmel klar und blau, es herrschen frühlingshafte Temperaturen. In einem schönen Ort halten sie spontan an. Sie haben beide eine Vorliebe für alte, verfallene Gebäude und nur zu gerne kriechen sie in Ruinen rum und entdecken die Vergangenheit der alten Häuser. Aus irgendeinem Grund sind es besonders die Schulen, die oft verlassen daliegen, an diesem entfernten Landstrich des ehemals glorreichen Königreiches Zubrowka.
Nun packt die zwei Abenteurer mal wieder die Erkundungslust. Ein Zaun scheint im Weg, aber in der warmen Sonntagsnachmittagssonne zeigt sich nichts, was die beiden von ihrer Erkundung abhalten könnte. Der Zaun ist zwar hoch, doch gut zu erklettern und auf der anderen Seite warten Entdeckungen. So landet man schließlich auf dem Hinterhof einer alten Schule und die einzige Zeugin weit und breit ist eine schlafende Katze im Fenster des Nachbarhauses. Die Schule hat wohl das Mobiliar gewechselt, denn an der Hintertür liegen bunt durcheinander alte Bänke und Stühle. Die junge Frau ist den Möbeln sofort verfallen und beschließt - einen solchen Stuhl möchte sie haben. Gesagt getan, der Stuhl wird über den Zaun gehoben, während man zurückklettert und der Abtransport zum Auto beginnt. Doch, nein, man hat nicht mit der alten Dame gerechnet, die ein Fenster weiter an die Seite der Katze getreten ist. "Kommen Sie doch, wenn die Schule offen ist, und fragen Sie!", klagt sie die halblegale Stuhlinbesitznahme an. Wobei man nicht weiß, ob die Schule das letzte Mal offen war, als die Grauhaarige selbst noch wohlbezopft in den Reihen vor der Lehrerin saß.
Der Stuhl wird schließlich verstaut, denn Zurückbringen wäre ja auch feige. Ein kurzer Schulterblick beim Ausparken und die Alte ist schon fast vergessen. Doch nur wenig weiter kommt man. Denn eine Burg will gesucht werden, auf dem Hügel im Wald. Instinktiv schlagen die Erkunder den falschen Weg ein und landen leicht ängstlich bei einer Art Almhütte, wo ein alter Mann scheinbar Futter für sein Viehzeug rupft. Erst im Nachhinein kommt ihr in den Sinn, dass sie wohl deshalb ein wenig Angst vor der Hütte hat, weil sie sie an die Hütte in dem Film "Die Wand" erinnert. Und der Figur aus die Wand will ihr Unterbewusstsein wohl nicht begegnen. Glücklicherweise ist der Alte aber sehr nett und keinesfalls ein Barbar und gibt Tipps, wie die Burg zu erreichen sei. Die Wanderer schlagen sich durch den Wald. Erst ist es einfach, dann müssen sie durch immer dichteres Dickicht, aber schließlich stehen sie vor den vermutlich sehr alten Ruinen.
Nach einem missglücktem Abstieg, den zumindest sie halb im Rutschen und Lachen durchführt, fahren sie zurück. Doch eine weitere Ruine neueren Datums erweckt ihre Aufmerksamkeit und so kommen sie nicht weit. Eine alte Schule, wie so oft, verstellt ihnen förmlich den Rückweg, den Abenteurer wie sie sind, müssen sie das alte Gebäude unter die Lupe nehmen. Und es lohnt sich. Nehmen wir an, hier gibt es keine Zäune, dafür aber auch keine Stühle mehr. Das einzige, was zu holen ist, sind alte zerrissene Schulbücher und Poster für den Klassenraum aus dem Jahre 1987. Vielleicht nimmt sie ja dann wenigstens eines von denen mit. Nehmen wir aber weiter an, in das Gebäude kommt man rein, anders als in jenes erste Schulgebäude und kann wunderschöne Bilder schießen. Dann hätte sich der Besuch doch sogar noch mehr gelohnt.
Genau so könnte sich die Geschichte zugetragen haben. Vielleicht stammt aber der kleine Holzstuhl, auf dem ich sitze, während ich tippe, von ganz woanders. Vielleicht gibt es gar keine Schulruinen und Burgruinen und alles ist frei erfunden. Vielleicht aber gibt es das verzauberte Königreich Zubrowka und jedes Mal, wenn sie losfährt, macht sie sich auf, ein Stückchen davon kennenzulernen.