Wann genau die Idee entstand, nach Stanciova zu radeln, kann ich gar nicht genau sagen. Irgendwann im Winter bestimmt, an Tagen, an denen man sich sehnt, dass der Frühling bald kommt und lange Radtouren möglich macht. Ende März dann, nach den ersten Testfahrten mit dem Mountainbike war es dann soweit - wir radelten nach Ecotopia.
Stanciova ist ein relativ großes Dorf im Nordwesten von Temeswar. Mit dem Auto sind es 35km bis nach Stanciova. Mit dem Fahrrad über die Dörfer fährt man ca. 40km, es gibt aber auch eine längere Route von 50km.
Stanciova ist auch eine offene Gemeinschaft,bestehend aus einigen Familien und Einzelmenschen, die bewusst aufs Dorf gezogen sind, um das einfache Leben zu leben, ökologisch und sozial verträglich. Und genau das wollte ich mir gern mal anschauen. Deswegen suchte ich nach Radwegen, um in das Dorf zu gelangen. Über eine Freundin erhielten wir die Nummer von einer der Bewohnerinnen und sicherten uns einen Schlafplatz, dann konnte es auch schon losgehen.
Wir kommen einen Weg entlang, ungefähr drei Kilometer sind wir seit dem letzten Dorf gefahren. Ein mittelgroßer Hund kläfft uns schon von fern an. Umdrehen ist keine Option, einen anderen Weg gibt es nicht, wenn wir keinen riesigen Umweg fahren wollen. Also drauf los. Der Hund kläfft, der Hund rennt, wir treten in die Pedale. Ich denke, wir haben es geschafft und lasse ein bisschen locker, weil der Hund doch zurückgeblieben ist. Da höre ich meinen Mitradler rufen: "Fugi, e si unu mare!" [Schnell, da ist noch ein Großer!] In dem Moment höre ich ein zweites Kläffen und trete, so schnell ich kann.
Die Leute in Stanciova nahmen uns freundlich auf. Wir bekamen erstmal ein Glas Wasser und einen Platz auf der Terasse, während noch ein wenig am Permakulturgarten gewerkelt wurde. Dann ging es zum Gästehaus, wo wir unser Doppelstockbett gezeigt bekamen und mit den Hunden Bekanntschaft schlossen. Wir drehten noch eine Runde ums Dorf, dann blieb kurz Zeit zu duschen, bevor es Abendessen gab. An einem großen Tisch versammelten sich einige Nachbarn, es gab Käse, Brot, Aufstriche, Pflaumenschnapps und verdünnten Most. Da Earth Hour war, fand dieses Festmahl auch noch bei Kerzenschein statt. Wir unterhielten uns nett mit den Stanciovanern, auf Englisch und Rumänisch, krochen aber recht früh in die Betten - der Tag war ja doch anstrengend gewesen.
Am Morgen machten wir noch eine kleine Tour durchs Dorf und deckten uns bei einem kleinen Laden mit Keksen ein. Als wir wiederkamen, waren auch die anderen Hausbewohner wach und luden uns noch zu Haferflocken ein. Wir konnten schlecht ablehnen und so war es schon 12 Uhr, als wir das Dorf verließen. Es war sehr schade, dass der Aufenthalt nur so kurz war - die Menschen waren wirklich großartig und ich fühlte mich sehr wohl.
Unsere Rückweg sollte auf einer anderen Route erfolgen. Abermals mussten wir über den Weinberg, was mich heftig fluchen ließ, dann über die Dörfer zur Timis, dem Fluss nach dem ja auch Timisoara benannt ist, obwohl es gar nicht dran liegt. Mein Hintern schmerzte schon ganz schön und bei der Aussicht auf 50km Heimweg wurde mir sehr unwohl zumute. Ich fuhr mich dennoch ein, auch wenn der Hintern immer noch weh tat und so radelten wir ein ganzes Stückchen. Als wir an der Timis ankamen, war erstmal Picknick angesagt, dann fuhren wir ein ganzes Stückchen am Fluss lang, was nach einer Weile aber doch auch ein wenig langweilig wurde. Die Langeweile wurde je aufgebrochen von einem Dorn, der sich in mein Vorderrad gebohrt hatte und der langsam aber sicher die Luft entweichen ließ. Nach 32km mussten wir uns geschlagen geben. Noch wenige Kilometer von der Hauptstraße entfernt versuchten wir bei den Ausflüglern am Fluss, die, wie in Rumänien üblich, mit dem Auto bis an ihren Picknickplatz gefahren waren, nach Flickzeug zu fragen. Einige waren sehr hilfreich, Flickzeug oder Pumpe hatte aber keiner so richtig. Was uns blieb, war telefonisch Hilfe zu rufen und so endete unsere Reise mit zwei im Kofferraum transportierten Fahrrädern und einem heftigen Sonnenbrand.
Trotz allem, ein wunderbarer Ausflug. Es ist schön zu sehen, wie Leute den Mut finden, alles hinter sich zu lassen und sich mit weniger zufrieden zu geben. Was diese Menschen dann auch aus dem Wenigen machen. Und vor allem: Das Gastfreundschaft auch mit geringen Mitteln möglich ist. Der Fahrradteil der Reise mag ein wenig verkorkst gewesen sein - zumindest das Ende - aber es hat dennoch eine Menge Spaß gemacht, über die Dörfer zu radeln und die Schönheit der Natur zu genießen. Definitiv zu wiederholen - sowohl Stanciova als auch eine längere Radtour.
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