Sonntag, 27. Juli 2014

Montenegros Küste entdecken - Tag 2


Am Morgen des zweiten Tages unseres Urlaubs in Montenegro befanden wir uns in Petrovac na Moru. Wir wachten nur weniger Meter entfernt vom Strand in einem kleinen Zimmer mit Bad auf. Zunächst steuerten wir ein Frühstück von einem der Bäcker an der Promenade an. Dann liehen wir gestärkt ein Tretboot, um zu der Insel direkt vor der Bucht zu gelangen, auf der eine kleine Kirche steht. Das war ein Stück zu treten, lohnte sich aber vollkommen. Es gibt eine Anlegestelle mit Seil, wo man das Tretboot festbinden kann. Auf der Insel erklimmt man einige Stufen, dann steht man vor der verschlossenen Kapelle.

Man kann an einem Strick ziehen, um zur Freude der ganzen Bucht die Glocke erschallen zu lassen, was mein Reisebegleiter auch eifrig tat. Ich schaute mich um und genoss es einfach, den zweiten Tag am montenegrinischen Mittelmeer zu sein. Von der kleinen Felsinsel hat man einen fantastischen Blick über die ganze Bucht. Das azurblaue Wasser schillert rund um die Insel und auch Richtung Küste. Auf dem Weg zurück sprangen wir vom Tretboot aus hinein und badeten ein wenig. Von der Insel direkt ins Wasser zu waten, empfiehlt sich nicht, denn schwarze kastanienartige Gebilde unter Wasser an den Felsen deuten auch hier an, dass man nur allzu leicht in einen Seeigel treten könnte. 

Wieder am Strand gaben wir unser Tretboot ab und machten uns schnell auf zur Bootsanlegestelle. Dort brachten wir in Erfahrung, ob wir irgendwie mit dem Boot nach Budva gelangen konnten. Wir wollten lieber Wasser-Taxi fahren als Linienbus. Ein Ausflug an der Küstenlinie erschien uns reizvoll und wir wollten zumindest mal den Preis erfragen. Wenn es zu teuer wäre, könnte man immer noch Bus fahren. Sechs Euro pro Person sollte es schließlich kosten, wir würden auf eine Tour zur Insel St. Nicholas mitgenommen werden und in Budva herausgelassen. Ein bisschen Zeit hatten wir noch, ehe es losging und so versorgten wir uns noch mit einem schnellen Mittagessen bestehend aus Gebäckstück respektive Pizza. 

Das Boot, das wir nahmen war glücklicherweise mit einem Dach versehen, zudem mit einem Boden, der zum Teil aus Glas war, so dass man die Unterwasserwelt beobachten konnte, jedoch nur, wenn das Boot entsprechend langsam fuhr. Es war auch voll besetzt und wir hatten Glück, noch zwei gute Plätze zu erwischen. Wir fotografierten viel und genossen den Fahrtwind und den Ausblick. Die Ansagen in schlechtem Englisch verstanden wir nicht wirklich. Auf dem Weg nach St. Nicholas ging es auch an St. Stefan vorbei. Dies ist die berühmte Hotelinsel, in deren Hotels Stars und Sternchen absteigen und die man nur besuchen darf, wenn man Gast der Nobelherbergen ist. Sie fehlt praktisch auf keinem Prospekt und in keinem Werbefilm von Montenegro. Vermutlich ist die Sicht darauf von der Küste sogar besser, aber auch hier machten wir ein paar Bilder. Dann ging es weiter nach St. Nicholas. 
Die Insel verfügt über viel Strand und ist ein beliebtes Ausflugsziel von Budva. Irgendwie sieht sie ein bisschen wie ein gekenterter Tanker aus. Also wie irgendetwas riesiges, was kurz vor der Küste umgekippt ist und nun halb herauragt aus dem Wasser. Als wir die Insel ansteuerten verließen fast alle das Boot. Ich bekam es schon mit der Angst zu tun, denn wie sollten wir denn von der Insel an Land gelangen, wenn wir auch rausmüssten? Wir konnten aber an Bord bleiben und erhielten eine leider nur wenige Minuten dauernde exlusive Überfahrt nach Budva. Die Stadt schien wirklich schön. Vom Landungssteg schlugen wir einfach eine beliebige Richtung ein. Als wir die Strandpromenade aber schon komplett durchquert hatten, beschlossen wir, doch mal in Erfahrung zu bringen, wo die Unterkunft sei, in der wir reserviert hatten. Bei einer Post gab es kostenloses W-Lan und so hatten wir uns flugs orientiert. Nachdem wir dann ewig einen Berg in ein Wohngebiet hochgekraxelt waren, beschlossen wir, uns einfach durchzufragen. Das führte dann auch zu mehr Erfolg und wir fanden das etwas versteckt gelegene Hostel. 

 
Nach dem Duschen gingen wir noch die Altstadt erkunden und besuchten die Festung. Hier gab einen wunderschönen Ausblick über die Küste und Budva.Das Abendessen nahmen wir schließlich in einem traditionellen Restaurant ganz in der Nähe unserer Unterkunft zu uns. Der Service war mal wieder vortrefflich, das Essen lecker und der Rakija gut. Nachher schlenderten wir noch am Yachthafen und in der Altstadt herum, denn bei Nacht sah alles noch einmal ganz anders aus. 


Sonntag, 20. Juli 2014

Auf geht's nach Montenegro! Tag 0 + 1

Anreise

Eigentlich wollten wir mit dem Zug von Belgrad nach Bar oder Sutomore fahren. Da aber der Zug derzeit eine Umleitung fährt und bereits um 18:05 startet und ich erst 16 Uhr von der Arbeit wegkonnte, mussten wir nach einer Alternative suchen, denn wir mussten ja auch noch von Temeswar aus bis Belgrad kommen. Also wollten wir stattdessen von Belgrad den Nachtbus nehmen. Timisoara – Belgrad ist ohne eigenes Auto hauptsächlich auf zwei Wegen möglich: mit Shuttle Bus von Gea Tours oder mit dem Zug und Umsteigen in Vrsac. Da der Zug sehr lang braucht und nur zwei mal täglich fährt, bestellten wir eine Woche vorher ein Shuttle von Gea Tours. Einen Tag vor Abreise wurde uns das bestätigt, wenn auch eine Stunde früher als wir ursprünglich fahren wollten. Eigentlich sollte es schneller gehen als mit dem Zug, weil wir aber ewig einen vierten Fahrgast ohne Mobiltelefon an Busbahnhöfen und Tankstellen suchten und uns dann noch kurz verfuhren, dauerte es auch fast vier Stunden.

Auf zum Meer!
Angekommen in Belgrad hasteten wir zum Busbahnhof, um ein Ticket für den Nachtbus zu erwerben. Reservierungen aus dem Ausland sind scheinbar nicht möglich, daher muss man sein Ticket dort kaufen. Allerdings klappt das scheinbar gut, wenn man ein paar Stunden vorher da ist. Wir hätten in zwei verschiedenen Bussen zwei Plätze bekommen können und wir waren nur etwa zwei Stunden vorher da. Beim Fahrkartenschalter im Busbahnhof kann man nur mit Serbischen Dinar zahlen, es gibt aber eigentlich direkt im Busbahnhof einen Bankomaten und Wechselstuben. Der Bankomat funktioniertenur leider nicht, wir fanden den nächsten im Bahnhof, der sehr nah am Busbahnhof liegt. Beim Einsteigen in den Bus wurden noch einmal 100 Dinar pro Gepäckstück fällig, was im Laderaum verstaut wurde.

Der Bus tuckerte Richtung Küste und war glücklicherweise nicht allzu voll, so dass wir in der zweiten Hälfte der Reise je zwei Sitze in Anspruch nehmen können und uns in der (laut meinem Reisegefährten) Stellung „toter Hund“ zum Schlafen legen konnten. Die Fahrt ist mir irgendwie als etwas unwirklich im Gedächtnis geblieben. Es war schon bei Abfahrt ziemlich dunkel, kurz darauf konnte man gar nichts mehr sehen. Wir waren die einzigen Nicht-Jugoslawen im Bus, so schien es zumindest. Bei Sonnenaufgang fuhren wir durch atemberaubende montenegrinische Gebirgslandschaften, leider fielen mir die Augen vor Müdigkeit immer wieder zu. Irgendwann hatten wir dann tatsächlich Podgorica erreicht, und dann war es am Skadar-See vorbei nicht mehr weit bis runter zur Küste. Gleich an der ersten Haltestelle an der Küste sprangen wir aus dem Reisebus und warfen die Rucksäcke nach einem kurzen Fußmarsch an den Strand von Sutomore.

Der erste Urlaubstag startet perfekt

Der Urlaub begann wie wir es uns vorgestellt hatten – noch vor neun Uhr badeten wir im Mittelmeer. Unsere Rucksäcke lagen faul am Strand rum, wir mampften daneben ein paar Leckereien vom Bäcker und stürzten uns in die Fluten. Nachdem ich erfolglos eine öffentliche Toilette gesucht hatte und nur ein ekliges Dixieklo gefunden hatte, liehen wir uns noch ein Tretboot und schipperten ein wenig auf dem Meer herum. Zahlreiche Felsen wollten erkundet werden, wobei ich mich aufgrund der scharfen Kanten an den Steinen und der Seeigel nicht darauf traute. Die Seeigel sah man im klaren Wasser sehr gut, aber vielleicht gab es doch noch irgendwo versteckte tückische oder solche, die aus dem Hinterhalt angriffen. Meine zarten Zehen blieben an Bord. Vom Boot ins Wasser zu springen machte dafür umso mehr Spaß, weil man nicht erst durch harte Kiesel oder anschmiegsame Algen musste, ehe man schwimmen konnte. Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass wir uns ein Tretboot mieteten.

Die montenegrinische Flagge in Petrovac
Wir genossen in Sutomore noch Milkshakes und Eis, dann ging es weiter nach Petrovac. Sutomore an sich war kein besonders schöner Ort gewesen und auch der Strand war kein Hingucker. Der Ort war eben vor allem touristisch, man sah kein Gebäude, das nicht touristisch genutzt wurde, vor allem an der Küstenmeile. Von der Bushaltestelle bis zum Strand zog sich ein Tourimarkt. In Petrovac angekommen stellten wir fest – hier ist es schön. Die Häuser waren stilvoller, die Hotels eher Villen als Klötze, es gab so etwas wie historische Bausubstanz. 

Der Weg ist gefährlich...
Nachdem wir unser Zimmer direkt am Strand bezogen hatten, brachen wir noch zu einer Bucht auf, die als Geheimtipp galt. Ein absoluter Geheimtipp ist es wohl kaum mehr, das verrät auch die Baustelle eines Riesenhotels, die die Bucht verschandelt, aber immerhin hat man hier relativ seine Ruhe, verglichen zum Sardinenliegen am Hauptstrand von Petrovac. Man erreicht die Bucht nach einem Spaziergang in Richtung eines Klosters, der auch durch einige unbeleuchtete Tunnel führt. Hier ist es angebracht, Licht mitzunehmen, an einigen Stellen sieht man tatsächlich die Hand vor Augen nicht mehr. Bevor man das Kloster erreicht, gibt es einen tollen Strand, wo sich nur wenige Leute aufhalten. Mal sehen, wie lange das noch so ist. Auf dem Weg kommt man an einer noch fantastischeren Bucht vorbei, diese ist aber eigentlich nur vom Meer aus oder an der Küste entlang auf den Felsen vor der Küste zu erreichen. Mit dem Tretboot würde es sicher auch gehen, aber sicher eine Weile dauern. Nachdem wir den Rückweg angetreten hatten gingen wir am Abend an der Petrovacer Promenade noch fürstlich und mit vortrefflicher Bedienung speisen. 

Am Ende entschädigt die Aussicht aber vollkommen.
Und der Strand erst! Leider nicht mehr lange so...


Samstag, 19. Juli 2014

Berge und Meer – Montenegro im Juli 2014

Nach einigen Jahren sehnsuchtsvollen Schmachtens habe ich es endlich geschafft, das Land zu besuchen, dass ich so lange sehen wollte. Montenegro erfüllte die übertriebenen Erwartungen, die ich daran hatte, vollkommen. Klar ging auch mal was schief, aber im Großen und Ganzen war es ein fantastischer Urlaub.



Wir starteten von Temeswar über Belgrad nach Sutomore, dann immer an der Küste entlang zuerst nach Petrovac na Moru, dann Budva und Kotor. Schließlich gab es noch einen Abstecher nach Cetinje, oder besser gesagt zum Lovcen Nationalpark, um dann am letzten Tag über Podgorica nach Virpazar zum Skadar-See zu fahren. Die detaillierte Reisebeschreibung folgt in mehreren Posts...