Donnerstag, 27. November 2014

Ausflug nach Norden

Ich hatte mir einen Tag frei genommen - Mehrstundenausgleich, wie sich das im Behördendeutsch schimpft - um mit einem lieben Menschen ein verlängertes Wochenende zu genießen. Ich hatte die Idee, nach Baile Felix zu fahren und danach nach Cluj. Es sollte eine kleine Rundreise werden, der Rückweg sollte dann über die Strecke östlich des Gebirges erfolgen. Ich buchte eine einfache Unterkunft in Baile Felix und ein dafür extravagantes Hotel in Cluj - eines, in dem ich immer schon mal wohnen wollte. Freitagnachmittag ging es also los...

Shhh... wo geht es hin?


Zunächst fluchte ich kräftig, den für die ersten fünf Kilometer der Reise brauchten wir bestimmt über eine halbe Stunde. Der Stadtverkehr war zum frühen Freitagnachmittag superzäh und ich atmete auf, als wir endlich auf der Autobahn waren. Autobahn gibt es hier nur leider nicht so viel, so dass es schließlich auf Bundesstraßen weitergehen musste. Irgendwann kamen wir trotzdem in Baile Felix an. Ich hatte die Koordinaten der kleinen Pension, wo ich ein Zimmer reserviert hatte, glücklicherweise herausgesucht, so dass wir es schnell fanden. Wir zogen uns die Badesachen an und nichts wie zum Aquapark. In der Pension, die etwas unter 15 Euro für das Doppelzimmer verlangte, hatten wir ermäßigte Tickets bekommen, die etwa 10 Euro für uns beide kosteten. Eine sehr kostengünstige Variante also. Wir planschten gut - zwei der drei Rutschen und einige der Außenpools waren trotz des kühlen Wetters geöffnet, außerdem gab es mehrere Innenpools, ein Dampfbad und eine Sauna. Der Aquapark kann es nicht mit einem großen Spaßbad aufnehmen und auch nicht mit einer Wellness-Therme, sondern liegt irgendwo dazwischen. Ein Kompromiss - kein schlechter und auch kein besonders herausragender. Es hat jedenfalls sehr viel Spaß gemacht, ein bisschen im heißen Thermalwasser rumzuliegen und ein paar Mal rutschen zu gehen. Bei mir machte sich danach extreme Erschöpfung breit und ich schlief sehr gut.

Am Samstagmorgen fuhren wir recht früh nach Cluj weiter. Da wir ohne Frühstück gestartet waren, war unser erster Anlaufpunkt ein schönes Café am Museumsplatz. So gestärkt mit Bundáskenyér (Arme Ritter) bzw. Apfelkuchen, konnte es weiter gehen. Wir fuhren zum Hotel und da musste der arme Karl mal wieder ganz schön ran. Ich schaltete runter und mit viel Schwung nahmen wir den Festungshügel. Am Hotel Belvedere parkten wir und bezogen unser Zimmer im dritten Stock mit Balkon und Ausblick über die Stadt.


Wir trafen uns dann mit meinem ehemaligen Sprachtandempartner und tranken ein Bier im "Klausen", dann aßen wir noch einmal richtig beim Inder im Studentenviertel. Ich musste meinem Begleiter unbedingt noch das "Insomnia. Dort tranken wir noch eine pudding-dicke heiße Schokolade, dann reichte es aber auch - wir überlegten noch in den Hotelswimmingpool zu gehen. Als wir am wunderschönen Hotel Continental vorbeikamen, hatte das glücklicherweise gerade mal wieder für irgendeine Veranstaltung geöffnet - wir schlichen uns zum Bilder machen rein. 
Das Hotelschwimmbad hingegen war abends um acht leider bereits nicht mehr geöffnet, also mussten wir das auf den nächsten Morgen verschieben. Nach einem frühen Weckerklingeln machte ich mich lustig angezogen auf dem Weg zum Fitnsse- und Wellnesscenter. Da dieses laut Aussage des Personals nur zu erreichen war, wenn man kurz das Hotel verließ, hatte ich mir den Mantel übergeworfen und trug zur dreiviertelkurzen Sporthose meine Schnürstiefel. Ulkig sah ich aus. Ich habe dann aber im Fitnesscenter schnell die Laufschuhe angezogen und ab ging es für ein paar Minuten aufs Laufband. Nachdem ich ins Schwitzen gekommen war, belohnte ich mich noch mit ein paar Bahnen Schwimmen im Hotelpool und der Start in den Tag war perfekt. Zurück ging es direkt durch die Verbindungstür zur Hotelhalle, von der der Rezeptionist scheinbar noch nie was gehört hatte. Jetzt konnte das Frühstück kommen. Das Frühstück war solide, vielleicht ein wenig unter dem sonstigen Standard des Hotels, aber ausreichend. Wir drehten noch eine kurze Runde am Belvedere-Hügel und blickten auf die Stadt, dann brachte Karl uns wieder Richtung Temeswar. 

Beim Blick auf die Karte wurde klar, dass wir fast an Rosia Montana vorbeikamen. Da wir noch nie in der Bergbaustadt waren, in der ein heftiger Kampf um das für und wieder eines riesigen Goldbergbauprojektes inklusive Giftsee tobt, dass Rumänienweit und sogar Europaweit Wellen geschlagen hat, beschlossen wir hinzufahren. Und es war tatsächlich sehr seltsam - eine ganz normale rumänische Gemeinde mit ein paar wenigen super aufgehübschten Häusern - von der kanadischen Bergbaufirma gesponsort, die hier schürfen will, wie ich wusste. Dann ein Museum in der Ortsmitte. Über das Gold. Ebenfalls gesponsort von eben dieser Gold Mine Corporation. Als wäre das alles noch nicht seltsam genugt, bietet das Museum freien Eintritt und ein angestellter eben der Corporation - allerdings weise gewählt, ein Ureinwohner von Rosia Montana - leiert den Werbetext der Firma runter, während er die Ausstellungsstücke erklärt. Sehr sehr suspekt. Wir hatten noch einiges an Weg vor uns, haben daher nur kurz den römisch-katholischen ungarischen Friedhof besucht und rollten daraufhin den Berg wieder runter, weiter in Richtung Temeswar. 


Die weitere Strecke war zum Verzweifeln, überall Bauarbeiten und Ampeln und einspurig, dazu LKWs und lebensmüde Rumänen. Irgendwann gegen sechs, sieben am Abend landeten wir wieder in Temeswar - um einige Eindrücke und ein schönes Wochenende reicher.




Samstag, 15. November 2014

Veränderungen, wohin das Auge blickt...

Ein Jahr bin ich nun in Timisoara- und es hat sich doch etwas getan seitdem. Die Baustellen, darauf werde ich noch kommen, bringen mich noch genau so zum verzweifeln wie vor Monaten, aber es gibt ein paar neue Sachen in der Begastadt.

Erstmal auf Arbeit, da ist mir folgendes auf der Hinweisetafel für Notfälle aufgefallen. Links neu, rechts alt.



"Do not express the fear" fand ich zugegebenermaßen besser. Aber die Infografik daneben ist immer noch super.


Dann ist Timisoara jetzt auch offiziell hipp, denn hier gibt es jetzt eine Suppenbar. Für nur 7 Lei erhält man einen Becher Suppe mit Brot zum Mitnehmen oder vor Ort essen. Die negativen Punkte vorweg - nur eine kleine Bank bietet außen Sitzgegelegenheiten und auch bei Verzehr vor Ort erhält man einen Wegwerfbecher und Plastiklöffel. Da ist noch Raum für Verbesserung, auch wenn das mit dem Freisitz wohl aufgrund der Lage Wunschtraum bleiben muss. Auf jeden Fall sehr lecker und Veggie-Optionen gibt es auch immer.

Zusätzlich dazu gibt es eine Menge neue superschicke Cafés. Am Domplatz hat inzwischen so ziemlich alles dicht gemacht - nach einem Jahr Baustelle kommt da wohl wirklich zu selten jemand vorbei.


Die Radwege - sie sind jetzt tatächlich an vielen Stellen fertig. Und auf diesem Schmuckstück hier kann man zum Beispiel an der Bega lang Richtung Serbien fahren. Ein europäisches Projekt, dass nicht nur ich gut finde - an sonnigen Sonntagen ist die Hölle los auf dem schmalen Asphaltstreifen.

Donnerstag, 6. November 2014

Fotoausflug zur Kirchenburg

Letztes Wochenende durfte ich mit einem genialen Fotografieworkshop in Bekokten bei Fogarasch weilen und ein bisschen Jugendherbergsathmosphäre schnuppern. Ich hatte für wenige Tage einen riesigen Trekkingrucksack mit Klamotten dabei und stellte mich seelisch auf erfrieren ein. Kalt war es tatsächlich, aber ich habe überlebt. Es sollte um analoge Fotografie gehen und für die Zeit des Workshops bekam ich eine schöne Kamera, Marke "Voigtländer" geliehen. Ich hatte sie eigentlich nur wegen ihres schicken braunen Lederetuis genommen, aber bin dann doch ganz gut mit ihr klargekommen.
Bei meiner Ankunft in Fogarasch inspizierte ich zunächst einmal das Büro der Evangelischen Kirche Fagaraş und die Kletterwand in einer Turnhalle, dann ging es auch schon los mit dem Minibus in die Berge. Mit drei Jugendlichen aus Brasov und meinem Kollegen brausten wir nach Bekokten (rum. Barcuţ) und kamen da gegen Abend an. Wir bekamen das Haus gezeigt und probierten ein wenig mit Lichtmalerei und Photographie herum. Die Teilnehmer aus Suceava würden noch eine Weile brauchen und so vertrieben wir uns die Zeit. 

Das Haus der evangelischen Kirche ist direkt neben der Kirchenburg. Es sind mehrere Schlafsäle vorhanden, die alle mit Holz geheizt werden. Außerdem gibt es einen Aufenthaltsraum, den wir auch zum Essen genutzt haben. In einem anderen Gebäude gibt es noch Seminarräume. An Räumlichkeiten fehlt es jedenfalls nicht, nur sollte man besser im Sommer kommen. Als wir da waren, waren die Zimmer doch ziemlich ausgekühlt. 

Am ersten Workshoptag beschäftigten wir uns dann mit Bau und Funktion von Lochkameras. Ich schoss ein Bild mit einer Lochkamera, auf das ich mächtig stolz bin. Tag zwei war dann der Interviewvorbereitung gewidmet, außerdem gab es eine kleine Fotosafari über die Felder. Und dann am dritten Tag wurde es ernst - wir trafen uns in Zweiergruppen jeweils mit einer Person aus der deutschen Minderheit und führten ein Interview mit ihr. Außerdem, und das war vielleicht das Wichtigste, sollten wir viele Fotos von ihr und ihrer Umgebung machen. Ich erwischte mit meiner Partnerin eine sehr junge und sehr nette Frau, die für die evangelische Kirche arbeitet und mir mal wieder eine neue Perspektive auf die Siebenbürger Sachsen gab. 

Für den Rest der Zeit verschwand immer ein Teil von uns in der Dunkelkammer, so dass wir wirklich den ganzen Prozess von Einstellen der Tiefenschärfe und Blende übers eigentlich Fotografieren bis hin zum Entwickeln und auf Fotopapier vergrößern mitmachen konnten. Das war super spannend und echt lehrreich. Und jedesmal, wenn man das Fotopapier in den Entwickler warf, auch irgendwie magisch.