Samstag, 17. Januar 2015

Budapest - Baby it may hold you and all the trains will go away...

George Ezra hat ja sein güldenes Haus auf dem Budapester Hügel und vermutlich auch einen Privatjet oder wenigsten Helikopter dazu. Wenn man nun aber zu den Unglücklichen gehört, die auf einen Zug angewiesen sind, wird es schon schwieriger. Ein Ticket für internationale Verbindungen zu bekommen war nie einfach und schnell, meines Erachtens. Ich erinnere mich an die Glaskabinen, die es noch vor einem Jahr oder so gab, in denen die Beamten hockten. Auch da musste man schon eine Nummer ziehen. Und dann hieß es warten. Mit verzweifelten Menschen, die einen Anschlusszug brauchten und zwar möglichst schnell. Zeitweise gab es dann zusätzlich noch eine Servicekraft, die half, wenn man nur eine Verbindungsauskunft oder ähnliches benötigte. 

Ich habe ja schon mal eine Nacht in Budapest zugebracht, weil der Zug eine Stunde eher als auf bahn.de, der allgemeinen Referenz für Verbindungen in ganz Europa, angegeben war. Das war vor zweieinhalb Jahren und die Geschichte ist im Nachhinein ganz lustig. Das von Budapest nach Rumänien zu kommen nicht unproblematisch ist, hat sich aber scheinbar immer noch nicht geändert. Die Schalter für die Fahrkarten wurden wieder an eine andere Stelle verlegt. Die Fahrkarten für nationale Verbindungen bekommt man im Untergeschoss des Bahnhofes. Für internationale Verbindungen erwirbt man sie inzwischen in einer alten Schalterhalle auf der linken Seite des Bahnhofs etwas weiter hinten, wenn man vom Haupteingang kommt. Dort sind dann an einem durchschnittlichen, kalten regnerischen Januarsamstag drei Schalter mehr oder weniger geöffnet. Die Damen machen natürlich auch häufiger Päuschen oder müssen mal kurz weg. Man zieht eine Nummer und stellt dann mit erschrecken fest, dass noch etwa 40 Nummern vor einem sind. Und wartet. 

Glücklicherweise verlieren einige Menschen die Geduld und warten nicht auf ihre Nummer oder sie ziehen mehrere, so dass es zeitweise schneller vorangeht. Dennoch, hätten wir nicht unsere Nummer auch noch verloren, hätten wir anderthalb Stunden warten dürfen. Samstagabend ab 21 Uhr. Wir haben dann eine neue Nummer gezogen und weiter gewartet, aber glücklicherweise war ein netter Mensch, der zwei Nummern hatte, so nett, uns eine abzugeben. Die Schalterbeamten bei den internationalen Verbindungen unterscheiden sich scheinbar von den anderen dadurch, dass sie Englisch mindestens auf dem Level A1 beherrschen. Mehr aber sicher nicht. Für einen Ort und eine Zeit sollte das ja auch reichen, auch wenn man mehrere Menschen in Diskussionen mit Schalterbeamten verstrickt sah, die scheinbar zu rein gar nichts führten. Die allgemeine Stimmung in der Schalterhalle - angespannt, gereizt, genervt und verzweifelt - je nach Wartezeit. 

Als wir dann endlich dran waren, mussten wir zusehen, wie die Verkäuferin uns das Ticket per Hand ausfüllte und in Tabellen den Preis nachschlug. Es gab keinen Computer an ihrem Arbeitsplatz. Im Hintergrund konnte man aber zwei Rechner sehen. Einer war unbesetzt, aber Facebook war geöffnet. Das erklärte auch das zeitweilige Verschwinden der Beamten für kurze "Pausen". Am anderen spielte jemand Candy Crush oder irgendsoetwas. Wäre das Schalterfensterchen nicht so klein gewesen, ich wäre der Dame auf ihren Schreibtisch gesprungen vor Wut. Oder hätte sie durchgezerrt auf meine Seite. Ich hatte die ganze Zeit versucht, Verständnis zu zeigen und gemeint, es liege halt an der Organisation der ungarischen Bahn und nicht an den Mitarbeitern, aber mein Geduldsfaden war nun endgültig gerissen. Es dauerte natürlich per Hand auch einige Minuten, bis das Ticket ausgestellt war, aber das ließ ich ich mal meinen Reisegefährten machen, der noch genug Nerven aufbrachte. Ich meine, selbst in Rumänien funktioniert bereits alles digital und ich bekomme ein ausgedrucktes Ticket, auch für internationale Verbindungen.

Die Lehre daraus ist: Online-Tickets kaufen, soweit es geht. Die gibt es auch für internationale Züge und man muss sie an einem Abholautomaten in der Haupthalle des Budapester Bahnhofs ausdrucken lassen. Ich habe das schon mal gemacht und es funktioniert gut. Ansonsten Zeit mitbringen. Für einen Anschlusszug, der in einer halben Stunde fährt, bekommt man unter Umständen kein Ticket mehr. Eine weitere Möglichkeit: Wartenummer ziehen und je nachdem, wie viele Nummern vor einem sind und wieviele Leute schon warten, erstmal in der Unterkunft einchecken oder was essen gehen. Oder aufteilen beim Warten. 

Ansonsten kann ich Budapest sehr empfehlen. Ich liebe die Stadt und ich würde jedem empfehlen, mal hinzufahren. Mit dem Zug ist es super einfach und schnell - bis auf die Fahrkarten.


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