Das Jahresende fordert mich immer heraus, zu resümieren. War es ein gutes Jahr, habe ich spannende Sachen erlebt, was hat sich verändert? Für mich steht dieses Jahr jedoch mehr die Frage im Vordergrund: Wie habe ich mich weiterentwickelt?
Der Rückblick zeigt: Es war wieder ein ereignisreiches Jahr. Vor etwa zwölf Monaten fasste ich den Entschluss, meinen Vertrag in Rumänien im August auslaufen zu lassen. Ich bin im Sommer noch mal über den Balkan gereist und auch viel innerhalb von Rumänien. Zwei Höhepunkte waren neben den Reisen auch das Holzstock-Festival in Holzmengen / Hosman und das plai-Festival in Temeswar / Timisoara. Schließlich ging ich die Jobsuche doch sofort an und nahm mir keine Auszeit, wie geplant. Der November brachte dann noch eine folgenschwere Entscheidung - die schon bestätigte Arbeitsstelle in Brandenburg lehnte ich doch ab, dafür trat ich "ab sofort" eine Stelle in Halle an. Das heißt wieder näher an Zuhause und näher an meinen Freunden in Leipzig. Auch näher am Harz, wo ich in letzter Zeit auch häufiger bin.
Wie starte ich also ins neue Jahr? Ich könnte jetzt schreiben, mit einer fordernden Projektstelle und einer halbbezogenen 1-Zimmer-Wohnung in der Hallenser Innenstadt. Aber das wichtigere ist eigentlich, dass das Jahresende sehr viel Veränderung mit sich gebracht hat und ich motiviert bin, selbst auch noch zusätzlich zu diesem Umbruch, der von außen kommt, ein wenig Wandel von mir aus hineinzubringen. Da geht es viel um ökologische und soziale Themen, aber auch um mein Leben. Das Reisen werde ich wohl erstmal für eine Weile einschränken müssen, dafür freue ich mich, ein wenig in der Umgebung unterwegs zu sein. Ich habe zudem einige neue Menschen kennen gelernt und alte Kontakte reaktiviert - und das ist ja auch immer unglaublich spannend. Gerade bin ich gar nicht so sehr daran interessiert, neue Gegenden zu erkunden, weil ich ohne mich viel zu bewegen sehr viel neues entdecke. Sein Leben umzukrempeln, oder wenigstens einige Ecken davon, kann auch eine spannende Reise sein. Wer weiß, vielleicht bleibt Ende 2016 ja ein bisschen Resturlaub für zwei-drei Wochen Kuba übrig.
Ich könnte gerade eine Menge schlauer Kalendersprüche aufschreiben zum Thema "Weg". Dass dieser eben nicht nur geradeaus verläuft, sondern kurvig und auch mal uneben sein kann. Dass auch das aus-der-Kurve-fliegen dazu gehört zum Leben und das es einem die Gelegenheit gibt, wieder in die richtige Spur zurückzufinden. Das Verirren zum Geradeaus dazu gehört. Dass es sich auf ausgetretenen Pfaden zwar gut läuft, man aber manchmal neue Wege beschreiten muss. Dass man allein schneller geht, aber gemeinsam weiter kommt. Dass man auch mal einsam ist oder hängen bleibt, während andere weiter ziehen. Grundsätzlich leuchtet aber gerade ganz viel Optimismus durch: Dass auch 2016 wieder interessante Entwicklungen mit sich bringt. Vor allem habe ich ganz stark das Gefühl, dass ich mich gerade nicht nur bewege, sondern unterwegs dahin bin, wo ich gern sein würde. Um noch den verbreitetsten Spruch zum Thema fallen zu lassen: Der Weg ist das Ziel - ob ich jemals im Utopia ankomme, ist deshalb auch egal, mir ist wichtig, mich jetzt aufzumachen. Dafür braucht es auch eigentlich keinen Jahreswechsel, auch wenn der ein willkommener Anlass ist, die Entwicklung, die das Leben grad einschlägt, mal zu überdenken.
2015 war auch das Jahr, in dem ich wieder mit der alten Practika meines Vaters fotografierte und zwar ausschließlich mit Schwarz-Weiß-Filmen. Ein paar der Bilder, die diese Jahr so entstanden, sollen die Gedanken zum Thema Wege illustrieren. 2015 war zudem das Jahr, in dem ich schweren Herzens von meinem treuen Gefährten Karl Abschied nehmen musste. Daher hier noch mal eine kleine Erinnerung an ihn. Mensch, war das schön. Ich und die Weite Rumäniens. Jetzt geht es auf in die Weiten Sachsen-Anhalts und zwar mit meiner neuen Gefährtin Lucille.



