Letzten Donnerstag wäre ich aus Kuba
wiedergekommen. Aus den 14 Tagen in der Sonne wurde ja nichts, weil
ich einen neuen Job angefangen hatte. Was als Urlaubszeit eingeplant
war, gestaltete sich somit ziemlich arbeitsintensiv. Ich lernte die
neuen Kollegen kennen, übernahm die Leitung für ein Projekt, hatte
auch noch abends Meetings und ganz nebenbei zog ich nach Halle und
kaufte mir ein neues Auto. Einiges klappte nicht wie geplant, zum
Beispiel als ich mit dem alten Auto zur Zulassungsstelle wollte, um
das neue Auto anzumelden und auf der Autobahn mit einem Platten
stehen blieb. Ich wartete fast eineinhalb Stunden auf den
Pannenservice, und das in der Böschung gleich bei einem
Autobahnkreuz. Es gab Momente der Erschöpfung, wenn ich
beispielsweise nachts um halb elf nach einem Arbeitstreffen und
anschließendem kurzen Plausch mit Freunden nach Hause lief, aber
noch einen Umweg nahm, um ein Zugticket für den nächsten Tag zu
kaufen. Aber alles in allem schätzte ich mich glücklich und war
euphorisch. Ich war zwar müde und erschöpft, aber die neue Aufgabe
war spannend und der Einsatz schien lohnenswert. Zudem müsste ich
eben zu Projektbeginn mal etwas mehr Einsatz bringen, später wenn
alles funktionieren würde, so dachte ich, würde sich das schon wieder
reduzieren. Irgendwie ergaben sich auch so viele glückliche Zufälle,
dass ich ein wenig übermütig wurde und dachte, es würde schon
alles so weiterlaufen.
Mittwochabend fuhr ich für ein
Arbeitstreffen nach Magdeburg. Die Besprechung lief mäßig, aber
trotzdem war es gut, die Leute kennengelernt zu haben. Ich setzte
mich nach dem Treffen wieder in mein Auto, das ich nur einige Tage
zuvor vom Händler geholt hatte. Am Vortag war ich extra nochmal nach
Hause gefahren, um es bei meiner Versicherung anzumelden. Jemand vor
mir blinkte, hielt an, und ich fuhr ihm hintendrauf. Zum Glück wurde
niemand verletzt, aber die Autos wurden ziemlich zugerichtet, weil
ich mein neues Gefährt – Lucille heißt sie übrigens –
zielsicher auf der Anhängerkupplung des Vorausfahrenden verkeilte.
18.45 Uhr passierte das Ganze, 22.00 verließ ich den Unfallort. Es
dauerte eine Stunde, bis die Polizei kam, eine ganze Weile bis später
der Abschleppdienst eintraf und schließlich nochmal ewig, bis der
zweite Abschleppwagen da war und sie es endlich schafften, die Autos
aus ihrer innigen Verbindung zu lösen. Ein lieber Mensch
organisierte mir eine Übernachtungsmöglichkeit bei einem Freund, am
nächsten Morgen nahm ich den Zug zurück nach Halle. Das Auto blieb
in der Werkstatt und ist hoffentlich diese Woche wieder hergerichtet.
Neulich diskutierte ich noch über aus
der Kurve fliegen und ähnliche kleinere Katastrophen des Lebens und
wie sie einem zeigen, dass man vielleicht etwas verändern sollte.
Nun traf es mich selbst, weil ich mir zu viel vorgenommen hatte. Ich
hatte zu viel gearbeitet, war privat ebenso eingespannt und hatte
einfach durchgepowert, bis es ein drastisches Signal brauchte. Ich
reagierte sofort, baute Überstunden ab und nahm mich zwei Tage
zurück, was erst einmal gut tat. Das Problem löst es jedoch nicht.
Ich muss eine gesunde Balance für mich finden, sonst ist der nächste
Autounfall nicht weit und wer weiß, ob es das nächste Mal auch
wieder so glimpflich abgeht.
Als ich am Morgen nach dem Unfall so im
Zug von Magdeburg nach Halle saß, musste ich daran denken, dass ich
exakt am gleichen Tag eigentlich die Zugstrecke von Frankfurt nach Leipzig
hatte fahren wollen, nachdem der Flieger aus Kuba mich zurück nach
Deutschland gebracht hätte. Wenn ich in mich hineinhorche und
nachforsche, ob das weh tut, bleibe ich immer noch dabei, dass ich es
allgemein nicht all zu sehr bedaure. Es hätte mir zwar einige
unangenehme Erfahrungen erspart – dass mein altes Auto kaputt
gegangen ist, dass ich mit dem neuen einen Unfall hatte –, aber
mich auch anderer, erfreulicherer Entwicklungen beraubt. Mir ist vor
Kurzem ein Zitat aus einem Film eingefallen, dessen Titel ich nicht
mehr weiß. „Wer blutet, der lebt.“ Das ist etwas drastisch für:
Wenn ich wirklich leben will, lassen sich Verletzungen, egal ob
physisch oder psychisch, nicht vermeiden. Und wenn mir seit dem
Sommer mal wieder eins richtig klar vor Augen steht ist es, dass ich
leben will.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Mit der Nutzung der Kommentarfunktion stimmst du / stimmen Sie den Datenschutzrichtlinien dieser Seite zu.