... und das werde ich! Ich kannte ihn ja schon, weil er mir im Dezember immer mal von einem Plakat entgegenlächelte. Aber auch in persona wirkte der Schuhverkäufer kompetent und war super freundlich, obwohl ich bloß Wachs für meine neuen gebrauchten Lederstiefeletten kaufen wollte. Dass er mir von Postern bekannt war, hat nichts damit zu tun, dass er einen riesigen Schuhladen in prominenter Lage führt. Nein, der Laden ist ziemlich klein, nicht besonders auffällig und nicht an der Haupteinkaufsmeile - wenn auch immer noch in sehr guter Innenstadtlage. Der Schuhladen, oder vermutlich eher der Inhaber des Ladens, nimmt an einer Kampagne Teil, die kleinere lokale Geschäfte in Halle stärken soll. Und dafür ist er eben auf dem Plakat gewesen. Zumindest bei mir hatte die Aktion also Erfolg. Obwohl ich auch nicht speziell wegen der Kampagne hingegangen bin, sondern einfach, weil mir der winzige Laden aufgefallen war. Zuerst entdeckt hat ihn zugegebenermaßen meine Begleitung bei einem Spaziergang durch die Stadt - für mich wurde der Laden erst wieder interessant, als ich mich mit dem Thema ökologisch produzierte Schuhe auseinandergesetzt habe. Die Stiefeletten habe ich dann doch nicht neu gekauft, sondern gebraucht gefunden, aber wer gute Schuhe führt, sollte sich ja auch mit Schuhpflege auskennen. Lange Rede kurzer Sinn - vor ein paar Tagen betrat ich den Laden. Ich kaufte eine Dose Lederwachs und warf einen verliebten Blick in Richtung eines Paares Schnürstiefelchen. Auf Nachfrage nach selbigen bekam ich den Hinweis, diese seien eher für die Übergangzeit und da ich wirklich gerade keine Schuhe kaufen wollte noch die Aufforderung, in dieser dann einfach mal wieder zu kommen.
Eine ganz schön lange Geschichte um eigentlich nur zu sagen, dass es schöner ist bei kleinen Läden zu kaufen, als die Schuhpflege bei Deichmann oder gleich bei dm zu holen. Das wäre beides näher an meiner Wohnung gewesen, so habe ich noch ein paar nette Worte mit dem Verkäufer gewechselt und einen potenziellen Lieblingsladen gefunden. (Ein bisschen Werbung kann man dafür ruhig auch machen, finde ich. Der Laden heißt trittfest, liegt in der Kleinen Ulrichstraße in Halle und hat erfrischenderweise keine Webpräsenz, man muss also im real life mal vorbeischauen.) So versuche ich, näher dran zu sein an der Stadt - neben dem durchgestylten Biomarkt in Bestlage, schaue ich auch ab und zu in die Biohalle, wo ein sympathisch kauziger Verkäufer hinter der Theke steht. Und statt zum Cleanmaster habe ich meine Sachen zur Reinigung "Adrett" gegeben, weil die mit ihrem ostigen Namen mir mehr wie ein kleiner Familienbetrieb vorkam, als Cleanmaster mit vier Filialen in vier Stadtteilen. Da habe ich mir dann gleich noch erklären lassen, wie die Reinigung von Federbetten eigentlich funktioniert - das Ganze wird auch bloß klassisch gewaschen, nur braucht man da riesige Maschinen und es muss in ebenfalls großen Trocknern ewig getrocknet werden.
Ich mache mir gerade mal wieder bewusst, dass ich mit meiner Kaufentscheidung bestimmte Läden oder Marken fördern kann. Das ist in einem Oxfam- oder Weltladen vielleicht noch offensichtlicher, aber ich kann auch entscheiden, ob ich die Gewinnspanne für das Lederwachs beim kleinen Schuhladeninhaber oder bei der großen Schuhkette lassen will. Ganz nebenbei lerne ich so meine Stadt kennen. Denn Halle bietet, obwohl oder gerade?, weil es keine Metropole ist, kleine Läden und alternative Einkaufsmöglichkeiten, die entdeckt werden wollen.




