Mittwoch, 20. Januar 2016

"Dann kannst du mich ja mal wieder besuchen..."

... und das werde ich! Ich kannte ihn ja schon, weil er mir im Dezember immer mal von einem Plakat entgegenlächelte. Aber auch in persona wirkte der Schuhverkäufer kompetent und war super freundlich, obwohl ich bloß Wachs für meine neuen gebrauchten Lederstiefeletten kaufen wollte. Dass er mir von Postern bekannt war, hat nichts damit zu tun, dass er einen riesigen Schuhladen in prominenter Lage führt. Nein, der Laden ist ziemlich klein, nicht besonders auffällig und nicht an der Haupteinkaufsmeile - wenn auch immer noch in sehr guter Innenstadtlage. Der Schuhladen, oder vermutlich eher der Inhaber des Ladens, nimmt an einer Kampagne Teil, die kleinere lokale Geschäfte in Halle stärken soll. Und dafür ist er eben auf dem Plakat gewesen. Zumindest bei mir hatte die Aktion also Erfolg. Obwohl ich auch nicht speziell wegen der Kampagne hingegangen bin, sondern einfach, weil mir der winzige Laden aufgefallen war. Zuerst entdeckt hat ihn zugegebenermaßen meine Begleitung bei einem Spaziergang durch die Stadt - für mich wurde der Laden erst wieder interessant, als ich mich mit dem Thema ökologisch produzierte Schuhe auseinandergesetzt habe. Die Stiefeletten habe ich dann doch nicht neu gekauft, sondern gebraucht gefunden, aber wer gute Schuhe führt, sollte sich ja auch mit Schuhpflege auskennen. Lange Rede kurzer Sinn - vor ein paar Tagen betrat ich den Laden. Ich kaufte eine Dose Lederwachs und warf einen verliebten Blick in Richtung eines Paares Schnürstiefelchen. Auf Nachfrage nach selbigen bekam ich den Hinweis, diese seien eher für die Übergangzeit und da ich wirklich gerade keine Schuhe kaufen wollte noch die Aufforderung, in dieser dann einfach mal wieder zu kommen. 
Eine ganz schön lange Geschichte um eigentlich nur zu sagen, dass es schöner ist bei kleinen Läden zu kaufen, als die Schuhpflege bei Deichmann oder gleich bei dm zu holen. Das wäre beides näher an meiner Wohnung gewesen, so habe ich noch ein paar nette Worte mit dem Verkäufer gewechselt und einen potenziellen Lieblingsladen gefunden. (Ein bisschen Werbung kann man dafür ruhig auch machen, finde ich. Der Laden heißt trittfest, liegt in der Kleinen Ulrichstraße in Halle und hat erfrischenderweise keine Webpräsenz, man muss also im real life mal vorbeischauen.) So versuche ich, näher dran zu sein an der Stadt - neben dem durchgestylten Biomarkt in Bestlage, schaue ich auch ab und zu in die Biohalle, wo ein sympathisch kauziger Verkäufer hinter der Theke steht. Und statt zum Cleanmaster habe ich meine Sachen zur Reinigung "Adrett" gegeben, weil die mit ihrem ostigen Namen mir mehr wie ein kleiner Familienbetrieb vorkam, als Cleanmaster mit vier Filialen in vier Stadtteilen. Da habe ich mir dann gleich noch erklären lassen, wie die Reinigung von Federbetten eigentlich funktioniert - das Ganze wird auch bloß klassisch gewaschen, nur braucht man da riesige Maschinen und es muss in ebenfalls großen Trocknern ewig getrocknet werden. 
Ich mache mir gerade mal wieder bewusst, dass ich mit meiner Kaufentscheidung bestimmte Läden oder Marken fördern kann. Das ist in einem Oxfam- oder Weltladen vielleicht noch offensichtlicher, aber ich kann auch entscheiden, ob ich die Gewinnspanne für das Lederwachs beim kleinen Schuhladeninhaber oder bei der großen Schuhkette lassen will. Ganz nebenbei lerne ich so meine Stadt kennen. Denn Halle bietet, obwohl oder gerade?, weil es keine Metropole ist, kleine Läden und alternative Einkaufsmöglichkeiten, die entdeckt werden wollen.

Montag, 11. Januar 2016

Registriert als Hallunkin

Seite heute ist auf meinem Personalausweis vermerkt, dass ich jetzt hier lebe - in Halle an der Saale. Ein neues Jahr, ein neuer Ort, neues Glück? Ich fühle mich wohl hier und war sehr zufrieden, als ich aus dem Rathaus hinaustrat auf den weiten Marktplatz. Halle ist ein echt hübsches Städtchen, wie ich auf Spaziergängen durch die Gassen feststelle, aber auch beim Blick aus meinem Panoramafenster zugeben muss. Und die Aussicht geht immerhin auf den Anlieferbereich eines Super- und eines Elektromarkts, nichts, was besonders reizvoll wäre. 



Ich kann mir vorstellen, es hier ein Weilchen auszuhalten. Zumindest so lange, bis mich die Wanderlust wieder packt. Ich bin noch etwas vorsichtig, mich hier niederzulassen, aber das ist wohl meine Angst, mich an einen Ort zu binden. Zur Begrüßung gab es übrigens in der Stadtverwaltung heute zwei Freikarten fürs Theater und eine für den Zoo, sowie Stadtpläne und Werbung vom örtlichen Energieversorger. Den werde ich leider enttäuschen müssen, denn bei mir soll nur Ökostrom aus der Dose kommen und zwar wirklicher Ökostrom und keiner von einem Anbieter, der nebenbei auch in Atom- und Kohlestrom investiert. Der Ökostrom des "lokalen" Energieanbieters wird übrigens in Norwegen produziert. Ich werde im Flyer trotzdem darauf hingewiesen: "Zugleich fördern Sie damit die Entwicklung von Anlagen zur umweltschonenden Stromerzeugung in Halle." Mit dem Strom aus Norwegen? Da schau ich lieber mal bei utopia vorbei und finde eine Liste der besten Ökostromanbieter. Aber im Willkommenspaket sind auch noch andere, nützliche Dinge - ein Liniennetzplan von Halle, ein Flyer vom Landesmuseum für Vorgeschichte und für den Willkommens-Treff für Neu-Hallenser. Ich verstehe mich lieber als Neu-Hallunkin, aber vielleicht geh ich trotzdem mal hin.

Freitag, 1. Januar 2016

Not the same procedure as every year - Silvester mal anders



Ich habe auf meinem Computer einen Ordner, der den Namen "Silvester 1-99" trägt. Als ich ihn angelegt habe, bin ich davon ausgegangen, dass ich mit diesen Freuden jedes Jahr, bis ans Ende meiner Tage, Silvester feiern werde. Darin sind Bilder von Silvesterfesten, die ältesten von 2006. Wir waren so 18, 19 Jahre alt und haben in meiner damaligen Wohnung gefeiert - mit Postern von Jim Morrison und Placebo an der Wand, mit Konfetti, das sich jahrelang in so manchen Ritzen versteckte, herausgeputzt nach dem von mir ausgerufenen Motto "Punk Cabaret". Ein Jahr später fand die Feier abermals bei mir statt. Das Motto war "Dein wahres Ich" und ich trug khakigrün mit roten Sternen aufgepappt - damit wollte ich wohl als Revolutionärin durchgehen. Auch die "Vor-Silvester-Feier" 2008 (weil eine Freundin am 31.12. nicht da war, feierten wir zweimal) war wieder bei mir und ich war als Zigeunerin verkleidet. Im Folgenden wechselten die Locations und Placebo und Jim Morrison dienten nicht mehr als Kulisse für die absurdesten Mottos und Verkleidungen. Was gleich blieb über all die Jahre, war, dass wir stets bei jemandem zu Hause feierten und viel zu viel aßen.

Dieses Jahr wollten wir es nun erstmals anders machen. Weggehen, feiern, Party in einem Club. Wir kauften Karten für die Gatsby-Party in Leipzig im Felsenkeller und trafen uns vorher bei einer Freundin, um noch gemeinsam zu essen und zu beginnen, zu trinken. Gemeinsam schnippelten wir viel zu viel Salat und stellten Antipasti, Dips und Brot bereit, ehe wir über das Buffet herfielen. Gegen halb zehn wurde dann langsam ans Aufbrechen gedacht, das schien uns eine gute Zeit, denn der Einlass bei der Gatsby-Party begann um neun. Bereits in der Straßenbahn konnte man sehen, dass scheinbar halb Leipzig das gleiche Ziel hatte - wohin man auch blickte, Männer im Anzug und Frauen mit viel Strass, Federboas, Haarbändern und Federn im Haar. Die Leute waren herausgeputzt, wie es sich für eine 20er-Jahre-Party gehört, da konnte man nicht meckern. Als wir mit der Straßenbahn ankamen, sahen wir, dass die ganze geschniegelte und gefederte Meute eine bestimmt fast hundert Meter lange Schlange zum Einlass bildete. Wir standen in der Kälte und froren, bis wir endlich drinnen waren. Da gab es dann eine zweite Schlange, denn die Leute, die gerade hereingekommen waren, wollten nun natürlich ihre Jacken und Mäntel an der Garderobe lassen (welche noch einmal extra kostete). Auch das meisterten wir, um uns dann in die Schlange an der Bar einzureihen, um ein Getränk zu bekommen. Wieder musste man viel Geduld mitbringen. Mir fiel der Grund wieder ein, warum ich gegen Weggehen zu Silvester war - ich habe keine Lust, die halbe Nacht in irgendwelchen Schlangen zu verbringen und in der Silvesternacht ist man bekanntlich nicht der oder die Einzige mit dem Einfall, feiern zu gehen. Irgendwann hielten wir schließlich auch jeder ein Getränk in der Hand und beschlossen, die Tanzfläche aufzusuchen. Gerade spielte eine Art italienische Swing-Band - nichts außergewöhnliches, aber gute Musik. Irgendwann kam uns die Idee, doch nach dem zweiten Floor zu suchen - den es nicht gab. Ebenso wenig, wie es irgendwo eine ruhige Ecke gab oder Sitzmöglichkeiten - es war eben ein großer Saal, in dem dementsprechend eine Lautstärke wie in einer Disco üblich vorherrschte. Irgendwann musste ich mal auf Toilette und freute mich schon fast, für ein paar Minuten den hämmernden Bässen zu entkommen (denn die Musik war zwischenzeitlich auch nicht besonders gut, von wegen Electro Swing). Jedoch entkam ich so schnell gar nicht, denn ich verbrachte erstmal mindestens eine halbe Stunde in der Schlange vor der Damentoilette. Die Performance-Einlagen später waren auch nicht gerade atemberaubend und vom Welcome Drink oder "Flying Buffet" habe ich gar nichts mitbekommen. Alles in allem war für den Preis ziemlich wenig geboten, aber eine gute Silvester-Feier kostet wohl ordentlich. Blöd fand ich vor allem, dass man von seiner Fete so wenig hatte, weil man gefühlt die Hälfte der Zeit mit Warten verbrachte - sei es am Einlass, der Garderobe, der Bar oder der Toilette. Die meisten waren wohl (wie auch wir ein Stück weit) durch den Namen "Party like Gatsby" angezogen worden und hatten dann entsprechende Erwartungen mitgebracht - die so nicht erfüllt worden. Das einzige was man wirklich hervorheben muss, ist, dass fast alle Anwesenden sich sehr viel Mühe mit ihren Outfits gegeben hatten - wir als Gruppe waren naturgemäß die Schönsten weit und breit.

Ich ärgere mich jetzt gar nicht übermäßig, stelle nur fest, dass eine gute Party mit Freunden mir viel lieber ist, als irgendwo Feiern zu gehen. Ich geh auch mal gern tanzen, aber zu Silvester erscheint mir das keine besonders gute Idee. Zumal alles voll ist von Besoffenen, die bereits weit vor zwölf kaum noch stehen können und Leuten, die auf der Tanzfläche miteinander rummachen. Der Weg durch die Stadt ist auch nicht gerade der angenehmste, wenn einem in unregelmäßigen Abständen aus dem Nichts auftauchende Böller fast das Trommelfell wegfetzen. Um Mitternacht den Club zu verlassen, um sich das Feuerwerk anzusehen, ist unmöglich, wenn man mit Abholung der Jacke an der Garderobe und raus- und wieder reinkommen nicht sehr perfekt plant, aber selbst dann ist es wohl aufgrund der Menschenmassen sehr schwierig. Die Idee für nächstes Jahr ist eine eigene 20er-Jahre-Party bei einem von uns, was ich sehr gutheißen würde. Was dennoch sehr schön war, ist, dass ich Zeit mit meinen Freunden verbracht habe. Nicht allein ins Bett zu gehen, am Morgen noch gemeinsam zu frühstücken, das hat den Start ins neue Jahr für mich auch schön gemacht. Und am Morgen davon aufzuwachen, dass eine Katze über mich spaziert, ist auch nicht das schlimmste. Wobei, schwarze Katze von links nach rechts...?