Ich kannte von Jena zwei Sachen. Zum Einen die Plattenbauten von Jena-Lobeda, die ich ein paar Mal von der Autobahn gesehen hatte, als ich an Jena vorbeigerauscht bin, meist als Insassin mit viel Zeit zum Umschauen. Recht lange dachte ich, dass Jena nur aus diesen Plattenbauten bestünde. Zum Anderen, den Bahnhof Jena-Paradies, dessen Namen ich immer leicht amüsiert wahrnahm, wenn ich mit dem Zug durch Jena fuhr, meist in irgendeinem ICE oder IC und meist von oder nach Bayern. Das war, als ich bereits älter war und viel Zug reiste. Und beim Umblicken aus dem Zugfenster stellte ich fest - Jena hat nicht nur Plattenbauten, ja ist vielleicht sogar ganz hübsch.
Ich verließ weder Auto noch Zug je, soweit ich mich erinnere. Es gab keinen Anlass für mich, nach Jena zu fahren, obwohl es ja gar nicht weit weg war. Doch dann ergab sich für mich ein guter Grund - ein Konzert drei der großartigen Musiker des Einar Stray Orchestra. Zwar würden sie auch nach Halle kommen und so quasi zu mir nach Hause. Gerade an dem Tag war aber auch das Weihnachtsessen mit Freunden angesetzt. Es zerriss mich fast - wie sollte ich da richtig entscheiden? Schließlich die rettende Idee - auf nach Jena, dort würden Einar und zwei seiner Bandmitglieder einige Tage vorher konzertieren.
Nachdem ich meinen Rucksack im Hostel abgestellt hatte, strolchte ich über den Weihnachtsmarkt und durch die Stadt. Dabei stellte ich fest - hier ist nicht nur der namensgebende Park neben dem Bahnhof ein Paradies. Ganz Jena ist, vielleicht nicht Garten Eden, aber doch ein äußerst wandelnswertes Pflaster. Hübsche Cafés, ein zauberhafter Buchladen, kleine Designerlädchen, entzückende Gassen, ein kleiner Mittelalter-Weihnachtsmarkt an den Überresten der Stadtmauer.
Ich schlug die Richtung zum Paradies-Park ein und suchte das Glashaus, in dem das Einar Stray Trio konzertieren sollte. Vielleicht 60 Leute mögen auf den Stühlen Platz gefunden haben, die aufgestellt waren. Ich wählte die erste Reihe, denn ich liebe es, Einar und seiner Band zuzuschauen, wie sie die Lieder mit so viel Enthusiasmus vortragen. Es war dann wahrlich ein fantastisches, mitreißendes Erlebnis. Ich hing an ihren Lippen, ertappte mich selbst beim ekstatischen Mitwippen und hatte auch mal einen Moment lang Tränen in den Augen. Sie spielten einen ganz neuen Song, ansonsten eine Mischung von ihren drei bereits veröffentlichten Alben und - season's greetings - ein Weihnachtslied.
Nach dem Konzert sprach ich mit meiner Sitznachbarin, die sich als Russin herausstellte, die in Estland lebte, gerade im Urlaub in Berlin war und gern Bands hinterherreiste. Sie fuhr später mit dem Bus wieder zurück nach Berlin und wollte deswegen noch ein bisschen mit der Band rumhängen. Diese hatte ohnehin angekündigt, dass sie sich über Gespräche am Merchandise-Stand freue. Wir redeten also mit Einar, Steinar und Ophelia. Ich empfahl ihnen, in Halle Waffeln essen zu gehen. Wie mir meine russische Bekanntschaft später schrieb, taten sie das sogar. Ich hoffe, es hat gemundet. Ich begleitete die Konzertbekanntschaft noch zu ihrem Bus und schwebte durch die schönen Gassen Jenas zurück zum Hostel. Ich nahm mir Zeit dafür und beschloss mir am nächsten Tag noch einiges anzusehen.
Ich hatte einen paradiesischen Abend mit dem Klängen des Einar Stray Trios verbracht, war duch die schmucke Stadt geschlendert und stellte vor allem fest - einen Ausflug nach Jena kann ich schon mal wieder machen.


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