Was gibt es schöneres, als einen kalten Dezember-Sonntag mit Freunden zu verbringen? Dazu eine Märchenlesung mit Begleitung auf der Leier, dazu ein Theaterstück über Weltfrieden aufgeführt von Jugendlichten und das alles in einem wunderbaren Fachwerkhaus, dem alten Gasthaus "Weißes Ross", um genau zu sein, im Ostharz?
So etwas hatte ich mir gedacht, als ich trotz des wirklich reichhaltigen und ausdauernden Weihnachtsessen am Vortag (ein Traum in drei Gängen mit den wunderbarsten Menschen, die Leipzig so zu bieten hat) beschloss, nach Harzgerode zu fahren. Voller Vorfreude auf Schnee, voller Vorfreude auf lange Umarmungen, voller Vorfreude auf die Projektfortschritte, die es zu bestaunen geben würde, machte ich mich Mitte Dezember auf den Weg.
Das Projekt "O16 - ein Ort für Chancen", dass zwei Freunde von mir auf die Beine gestellt haben, war Teil der Adventswege in Harzgerode und die Türen der sogenannten Zukunftsbaustelle in der Oberstraße 16 standen an diesem Tag vielleicht noch ein Stück weiter offen, als ohnehin schon. Das schmucke Fachwerkhaus war früher ein Gasthof und somit einer der wichtigsten Orte des Städtchens, wo alle bedeutetenden Lebensereignisse gefeiert wurden. Schon lange waren die Gästezimmer nicht mehr genutzt und die ehemalige Diskothek im Anbau zeugte allenfalls von dem verzweifelten Versuch, in den Neunzigern noch mal etwas aus dem Haus zu machen. Inzwischen gibt es wieder Leben im Haus - sechs Jugendliche sind nicht nur im Seminarraum und der Projektküche anzutreffen sondern auch bei der Arbeit auf dem Bau - wie sie Lehmputz von der Wand hacken, Balken freilegen und überhaupt eine Menge werkeln. Und auch seinen Ruf als Kulturinstitution gewinnt das Haus langsam, mit vorsichtigen Schritten wieder, wenn es hier wie an eben diesem Wochenende Lesungen und Theateraufführungen gibt.
Die Freundin, die mit Herz und Kopf mit im Projekt steckt, hatte mir bereits angekündigt, dass sie kaum Zeit für mich haben würde, um sich persönlich zu unterhalten. Zu wuselig war es, zu viele Leute mussten begrüßt werden, Tüten mit Keksen verteilt werden, alkoholfreier Punsch und Kaffee eingeschenkt werden, das Projekt erklärt werden, die Theateraufführung bestaunt werden, die Märchenlesung begleitet werden. Dennoch kam eine besinnliche Stimmung auf - spätestens als beim Märchen alle mit einer Kerze in der Hand andächtig lauschten. Dazu schneite es draußen dicke Flocken, als ich mich kurz auf den Weihnachtsmarkt herauswagte, der fast direkt vor der Tür des alten Gasthauses begann.
Für die Rückfahrt musste ich 15cm Neuschnee vom Autodach kehren und mit ungeräumten Straßen kämpfen, aber wieder einmal beschloss ich, dass ich wirklich öfter kommen müsste. Als ich abends müde und verspannt von der Autofahrt in Halle ankam, bereute ich es keine Sekunde, diesen Sonntagsausflug gemacht zu haben.







