Donnerstag, 8. Februar 2018

Winterliches Harzgerode

Was gibt es schöneres, als einen kalten Dezember-Sonntag mit Freunden zu verbringen? Dazu eine Märchenlesung mit Begleitung auf der Leier, dazu ein Theaterstück über Weltfrieden aufgeführt von Jugendlichten und das alles in einem wunderbaren Fachwerkhaus, dem alten Gasthaus "Weißes Ross", um genau zu sein, im Ostharz? 


So etwas hatte ich mir gedacht, als ich trotz des wirklich reichhaltigen und ausdauernden Weihnachtsessen am Vortag (ein Traum in drei Gängen mit den wunderbarsten Menschen, die Leipzig so zu bieten hat) beschloss, nach Harzgerode zu fahren. Voller Vorfreude auf Schnee, voller Vorfreude auf lange Umarmungen, voller Vorfreude auf die Projektfortschritte, die es zu bestaunen geben würde, machte ich mich Mitte Dezember auf den Weg. 

Das Projekt "O16 - ein Ort für Chancen", dass zwei Freunde von mir auf die Beine gestellt haben, war Teil der Adventswege in Harzgerode und die Türen der sogenannten Zukunftsbaustelle in der Oberstraße 16 standen an diesem Tag vielleicht noch ein Stück weiter offen, als ohnehin schon. Das schmucke Fachwerkhaus war früher ein Gasthof und somit einer der wichtigsten Orte des Städtchens, wo alle bedeutetenden Lebensereignisse gefeiert wurden. Schon lange waren die Gästezimmer nicht mehr genutzt und die ehemalige Diskothek im Anbau zeugte allenfalls von dem verzweifelten Versuch, in den Neunzigern noch mal etwas aus dem Haus zu machen. Inzwischen gibt es wieder Leben im Haus - sechs Jugendliche sind nicht nur im Seminarraum und der Projektküche anzutreffen sondern auch bei der Arbeit auf dem Bau - wie sie Lehmputz von der Wand hacken, Balken freilegen und überhaupt eine Menge werkeln. Und auch seinen Ruf als Kulturinstitution gewinnt das Haus langsam, mit vorsichtigen Schritten wieder, wenn es hier wie an eben diesem Wochenende Lesungen und Theateraufführungen gibt. 

Die Freundin, die mit Herz und Kopf mit im Projekt steckt, hatte mir bereits angekündigt, dass sie kaum Zeit für mich haben würde, um sich persönlich zu unterhalten. Zu wuselig war es, zu viele Leute mussten begrüßt werden, Tüten mit Keksen verteilt werden, alkoholfreier Punsch und Kaffee eingeschenkt werden, das Projekt erklärt werden, die Theateraufführung bestaunt werden, die Märchenlesung begleitet werden. Dennoch kam eine besinnliche Stimmung auf - spätestens als beim Märchen alle mit einer Kerze in der Hand andächtig lauschten. Dazu schneite es draußen dicke Flocken, als ich mich kurz auf den Weihnachtsmarkt herauswagte, der fast direkt vor der Tür des alten Gasthauses begann. 


Für die Rückfahrt musste ich 15cm Neuschnee vom Autodach kehren und mit ungeräumten Straßen kämpfen, aber wieder einmal beschloss ich, dass ich wirklich öfter kommen müsste. Als ich abends müde und verspannt von der Autofahrt in Halle ankam, bereute ich es keine Sekunde, diesen Sonntagsausflug gemacht zu haben.

Dienstag, 6. Februar 2018

"Eine Kollektion für Gott" - Modenschau der Burg Halle

Sicher ist fast jedem und jeder, der oder die in Halle wohnt, die "Burg" ein Begriff. Die Burg meint nicht die Moritzburg, die recht zentral im Zentrum liegt und in der das Kunstmuseum untergebracht ist, sondern die Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle - kurz Burg. Die Student*innen der Burg prägen das kulturelle Leben der Stadt mit - was sicher auch mit der ja eher überschaubaren Größe von Halle und der Anzahl von etwa 1100 Kunst- und Design-Studierenden zusammenhängt. Zweimal im Jahr ziehen Veranstaltungen hunderte Halloren, Hallenser, Hallunken und sicher auch überregionale Gäste an - die Jahresausstellung im Sommer und die Modenschau im Winter. Im Sommer gibt es auch eine Modenschau und zwar am Abend bevor die Jahresausstellung dann beginnt. Bei der Modenschau werden Werke der Student*innen aus dem Fachbereich Modedesign gezeigt, bei der Jahresausstellung alles, was Studierende so im letzten Jahr geschaffen haben.

Ich hatte schon gehört, dass es schwer ist, für die Modenschau Karten zu bekommen und da ich nun nicht übermäßig an Mode interessiert bin, hatte ich nie auch nur genug Energie aufgebracht um nachzuforschen, wo ich denn eine Karte bekäme. Umso schöner war die Überraschung, dass diese mir einfach so zuflog - eine alte Rumänienbekannte, heute Volontärin bei der Pressestelle der Burg, bot mir an, mit ihrem Vorkaufsrecht eine Karte für mich zu besorgen, ob ich nicht Lust hätte, zu kommen? Das nahm ich natürlich gern an, denn wie gesagt, habe ich als Hallunkin schon viel über die Burg gehört und habe auch schon Freundinnen sagen hören, wie froh sie seien, eine Karte dafür ergattert zu haben. Ich war sehr gespannt, weil ich nicht genau wusste, was mich erwartete.  Meine erste Modenschau!

Ich bekam nicht nur die Eintrittskarte von der Freundin, sie hatte mir auch einen Platz bei den Presseleuten reserviert mit ausgezeichnetem Blick auf den Laufsteg. Das war sehr vorausschauend - es fanden bei Weitem nicht alle Menschen Platz, die keine Reservierung hatten. Zuschauer*innen standen dicht gedrängt hinter den Stuhlreihen und saßen auf freien Flecken - zum Beispiel zwischen den Stuhlreihen und dem Laufsteg - auf dem Boden. Mehrere hundert Personen waren wohl im Saal. Durch die Mitte zog sich ein weißer Laufsteg, der auf eine dreigeteilte Videoleinwand zulief - hinter der die Models herauskamen und wieder verschwanden. Rechts und links waren Instrumente aufgebaut - die Show wurde von Live-Musik begleitet, die sehr abwechslungsreich war. Licht, Musik, die Clips auf der Leinwand und natürlich die Kreationen der Student*innen waren gekonnt abgestimmt. 

Insgesamt dauerte es etwa eineinhalb Stunden, bis alle Entwürfe gezeigt waren. Es kamen Werke von Student*innen des zweiten, dritten und vierten Jahrgangs auf den Laufsteg, außerdem Bachelor- und Master-Abschlussarbeiten. Die Zeit verging wie im Flug beim Ansehen all interessanten Ideen. Dabei war das Thema "Eine Kollektion für Gott" für mich als Laiin nicht bei allen Arbeiten zu erkennen. Aber unterhaltsam war es ohne Frage - manches auch durchaus sehr beeindruckend. 

Der einzige kleine Wermutstropfen war, als ich, mehr durch Zufall wegen einer missverstandenen Kommunikation vorher, feststellte, dass die Models doch alle eher dünn waren. Das wäre mir vielleicht gar nicht so krass aufgefallen, sind wir doch darauf programmiert, beim Betrachten von Mode auch überwiegend dünne Personen zu sehen - das was ich sah, war so gesehen "normal". Die Models, wohl überwiegend aus dem Kommiliton*innen- und Bekanntenkreis der Studierenden selbst, waren jetzt auch keine Hungerhaken, wie das vielleicht bei Modenschauen auf den Fashion Days dieser Welt der Fall ist, aber ich nahm nicht eine einzige dicke Person war. Schade, hatte ich doch gerade von einer Hochschule, die so viel künstlerisches Flair umgibt, den Mut erwartet, auch weniger "normative" Personen auf den Laufsteg zu schicken.


Samstag, 3. Februar 2018

Ein Tag in Avignon

Im September verschlug es mich für einen Tag nach Avignon. Die Umstände waren nicht ganz so angenehm, dafür war die Stadt umso netter zu mir. Oder die Menschen, die ich dort traf, denn eine Stadt kann vielleicht höchstens schön sein - was auch schon fantastisch ist. Bereits bei meiner Ankunft war ich total verzückt von der Innenstadt. Überall Gassen und Straßenecken hinter denen es noch mehr zu entdecken gab. Fabelhaft, hier musste ich mich unbedingt verlaufen!

Ich hatte mir ein Bett im Hostel gebucht. Es stellte sich als größeres Design-Hostel mit gemütlichem Aufenthaltsbereich heraus und ich fand es sehr einladend. Dann wurde ich auch noch kostenlos auf ein Einzelzimmer geupgraded, weil das Viererzimmer, wo ich ein Bett gebucht hatte, bereits von einer Gruppe belegt war. Ich ließ mir das natürlich gern gefallen und bekam nicht nur ein Zimmer mit Bett und eigenem Bad sondern auch noch einen traumhaften Ausblick, wenn ich das Fenster aufriss und den Kopf rausstreckte und um 90 Grad zur Seite wandte. 

Ich ließ mich tatsächlich eine ganze Weile durch die Stadt treiben - ignorierte den Papstpalast und die berühmte Brücke und verlor mich viel lieber in den Straßen der Stadt. Dafür entdeckte ich Souvenirstände, die so lavendelfarben lila waren, dass mir die Augen weh taten, einen Baum mit seltsamen gefiederten Blüten, den Beauty-Salon "Zum galanten Hund", eine ganze Menge bezaubernder Lädchen, Streetart, zugewucherte Balkone, herrliche alte Häuser und die Straße mit den Wassermühlen. Als ich vom Erkunden müde war, kehrte ich zum Hostel zurück und setzte mich in den Aufenthaltsraum, um meinen nächsten Zug zu buchen. Dort saß eine andere Alleinreisende und ich sprach sie kurzerhand an, ob sie nicht Lust hätte, abends etwas trinken zu gehen. Das machten wir dann und beeendeten den Abend damit, dass wir in der wunderschönen