Dienstag, 6. Februar 2018

"Eine Kollektion für Gott" - Modenschau der Burg Halle

Sicher ist fast jedem und jeder, der oder die in Halle wohnt, die "Burg" ein Begriff. Die Burg meint nicht die Moritzburg, die recht zentral im Zentrum liegt und in der das Kunstmuseum untergebracht ist, sondern die Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle - kurz Burg. Die Student*innen der Burg prägen das kulturelle Leben der Stadt mit - was sicher auch mit der ja eher überschaubaren Größe von Halle und der Anzahl von etwa 1100 Kunst- und Design-Studierenden zusammenhängt. Zweimal im Jahr ziehen Veranstaltungen hunderte Halloren, Hallenser, Hallunken und sicher auch überregionale Gäste an - die Jahresausstellung im Sommer und die Modenschau im Winter. Im Sommer gibt es auch eine Modenschau und zwar am Abend bevor die Jahresausstellung dann beginnt. Bei der Modenschau werden Werke der Student*innen aus dem Fachbereich Modedesign gezeigt, bei der Jahresausstellung alles, was Studierende so im letzten Jahr geschaffen haben.

Ich hatte schon gehört, dass es schwer ist, für die Modenschau Karten zu bekommen und da ich nun nicht übermäßig an Mode interessiert bin, hatte ich nie auch nur genug Energie aufgebracht um nachzuforschen, wo ich denn eine Karte bekäme. Umso schöner war die Überraschung, dass diese mir einfach so zuflog - eine alte Rumänienbekannte, heute Volontärin bei der Pressestelle der Burg, bot mir an, mit ihrem Vorkaufsrecht eine Karte für mich zu besorgen, ob ich nicht Lust hätte, zu kommen? Das nahm ich natürlich gern an, denn wie gesagt, habe ich als Hallunkin schon viel über die Burg gehört und habe auch schon Freundinnen sagen hören, wie froh sie seien, eine Karte dafür ergattert zu haben. Ich war sehr gespannt, weil ich nicht genau wusste, was mich erwartete.  Meine erste Modenschau!

Ich bekam nicht nur die Eintrittskarte von der Freundin, sie hatte mir auch einen Platz bei den Presseleuten reserviert mit ausgezeichnetem Blick auf den Laufsteg. Das war sehr vorausschauend - es fanden bei Weitem nicht alle Menschen Platz, die keine Reservierung hatten. Zuschauer*innen standen dicht gedrängt hinter den Stuhlreihen und saßen auf freien Flecken - zum Beispiel zwischen den Stuhlreihen und dem Laufsteg - auf dem Boden. Mehrere hundert Personen waren wohl im Saal. Durch die Mitte zog sich ein weißer Laufsteg, der auf eine dreigeteilte Videoleinwand zulief - hinter der die Models herauskamen und wieder verschwanden. Rechts und links waren Instrumente aufgebaut - die Show wurde von Live-Musik begleitet, die sehr abwechslungsreich war. Licht, Musik, die Clips auf der Leinwand und natürlich die Kreationen der Student*innen waren gekonnt abgestimmt. 

Insgesamt dauerte es etwa eineinhalb Stunden, bis alle Entwürfe gezeigt waren. Es kamen Werke von Student*innen des zweiten, dritten und vierten Jahrgangs auf den Laufsteg, außerdem Bachelor- und Master-Abschlussarbeiten. Die Zeit verging wie im Flug beim Ansehen all interessanten Ideen. Dabei war das Thema "Eine Kollektion für Gott" für mich als Laiin nicht bei allen Arbeiten zu erkennen. Aber unterhaltsam war es ohne Frage - manches auch durchaus sehr beeindruckend. 

Der einzige kleine Wermutstropfen war, als ich, mehr durch Zufall wegen einer missverstandenen Kommunikation vorher, feststellte, dass die Models doch alle eher dünn waren. Das wäre mir vielleicht gar nicht so krass aufgefallen, sind wir doch darauf programmiert, beim Betrachten von Mode auch überwiegend dünne Personen zu sehen - das was ich sah, war so gesehen "normal". Die Models, wohl überwiegend aus dem Kommiliton*innen- und Bekanntenkreis der Studierenden selbst, waren jetzt auch keine Hungerhaken, wie das vielleicht bei Modenschauen auf den Fashion Days dieser Welt der Fall ist, aber ich nahm nicht eine einzige dicke Person war. Schade, hatte ich doch gerade von einer Hochschule, die so viel künstlerisches Flair umgibt, den Mut erwartet, auch weniger "normative" Personen auf den Laufsteg zu schicken.


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