Montag, 27. August 2018

Post-Urlaubs-Blues

Da trottete ich zur Arbeit und wunderte mich, dass so viel los war auf der Straße. Ach ja, die Schule hatte ja auch schon wieder begonnen, vor zwei, drei Wochen. Am Morgen war es fast noch dunkel gewesen und das Aufstehen fiel schwer. Jetzt kratzte ich einen Sticker der "Jungen Alternative" vom Bauzaun an der Baustelle nebenan, ehe ich die Tür zum Haus aufschloss, in dem das Büro des Vereins lag. Ich war mir sicher, dass ihr sinngemäßes "Wir wollen unser Deutschland wieder" mir und meinen Kolleginnen, meinem Chef und der ganzen Organisation galt. Trotzdem stapfte ich wenig kämpferisch die Treppenstufen hoch. Ich war schon am Vorabend niedergeschlagen von den Nachrichten von rechtsextremen Ausschreitungen, von nicht anlegen dürfenden Rettungsschiffen mit Geflüchteten. All das hatte ich ignoriert zwei Wochen lang und es war mir damit gut gegangen. Nun breitete sich wieder das Unbehagen in mir aus über diese Welt, in der ich lebe.Wie können Menschen so voller Hass und ohne Mitgefühl sein? 

Über 100 Mails im Postfach warteten auf die Sortierung, bei einigen merkte ich, wie mein Stresspegel sofort stieg. Aber alles in allem in weniger als einer Woche aufzuarbeiten, meine Vertretung hatte sehr gute Arbeit geleistet. Und in die kleinen internen Querelen durfte ich mich einfach nicht mehr so reinstürzen. Dann kam noch die Nachricht von der Kündigung einer von mir sehr geschätzten Kollegin. Wer würde weiter dabei bleiben am Ende? 

Ich ging nach Wochen mal wieder joggen, danach kochte ich mir aus dem übrig geblieben Räucherkäse aus Rumänien, der Zacusca und einer Zucchini ein Abendessen. Der Käse roch stark, aber als Pfannenkäse eignete er sich gut. Ich war gerade bei den letzten Happen und genoss meine einfach Mahlzeit, als die Montagsdemo draußen losplärrte, die sich gewöhnlich gegen Merkel und Geflüchtete richtet. Ich verstand nichts, schon allein der Tonfall versetzte mich aber in Aufregung. Ich konnte mir nach den Krawallen am Sonntag vorstellen, um was es ging. Ziehen diese Menschen Erfüllung aus Hetze?

Ich hatte so viel gelacht in den letzten zwei Wochen, hatte gekichert, gegluckst, gegrinst. Ich hatte ungezählte und manchmal unendlich scheinende Kilometer auf Straßen verbracht, Landsstraßen, Feldwege, Schotterpisten und Wege, die aus mehr Löchern denn Belag bestanden, selten mal ein Stückchen Autobahn. Meist mit runtergekurbeltem Fenster, meist mit Blick auf viel Grün. Manchmal mit Musik, viel mit Gesprächen oder Schweigen. Ich war so viel draußen gewesen, hatte Sternschnuppen betrachtet, an Seen gesessen, im Sonnenuntergang gepicknickt, an Quellen Wasser aufgefüllt und mich durch Brombeergebüsch geschlagen. War da draußen nicht ein guter Platz für mich?

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