Marokko ist nicht gleich Marokko – das Land ist unglaublich
vielfältig. Ich bin insgesamt über drei Wochen umher gereist, davon
einige Tage allein. Ich habe ein paar sehr touristische Ziele gesehen
und ich habe versucht, etwas weiter abseits unterwegs zu sein. Das
ist – so viel vorweg – ohne Mietwagen recht schwierig, aber
möglich. Ich versuche hier, einen kleinen Überblick zu geben und
Dinge zu erklären, die mich vielleicht interessiert hätten, ohne
speziell auf einzelne Orte einzugehen.
Marokko ist
landschaftlich vielfältig, das Klima ist an der Mittelmeerküste
anders als am Atlantik und noch mal ganz anders „hinterm“ Hohen
Atlas und natürlich in den Bergen selbst. Insgesamt kann man aber im
Februar mit frühlingshaften Temperaturen rechnen im Vergleich zu
einem meist winterlichen Deutschland. Die Nächte sind dennoch sehr
kalt und nicht alle Unterkünfte haben eine gute Heizung – meist
können aber zusätzliche Decken organisiert werden. Am Morgen können
es schon mal nur fünf Grad sein, wenn man sich früh zu
Erkundungstouren aufmacht.
Ich bin mit der
Fähre von Tarifa aus übergesetzt, was ein sehr einfacher Weg ist,
da man direkt in der Innenstadt von Tanger landet. Von Algeciras aus
fahren kostenlose Zubringer-Busse nach Tarifa und in Tanger dann
dauert der Weg in die Medina höchstens eine halbe Stunde zu Fuß.
Meine Fähre fiel aufgrund stürmischer See aus und ich habe das
Ticket nicht zurück erstattet bekommen, weil ich es bei einer
Agentur gekauft habe. Hätte ich es direkt beim Büro der Reederei im
Hafen gekauft, hätte ich eine Rückerstattung bekommen. Es fuhr dann
eine Stunde später eine Fähre einer anderen Reederei und ich kam
nicht viel später an als geplant. Ich habe aber auch von Menschen
gehört, die einen Tag in Spanien festsaßen, weil der Fährverkehr
eingestellt war. Die Überfahrt an sich dauert etwa eine Stunde. Die
raue See habe ich dann durchaus gemerkt, die Fähre hat ganz schön
geschaukelt. Die spanische Passkontrolle findet im Hafen statt, die
marokkanische war bei mir auf der Fähre selbst. Kommt man vom
Schiff, zeigt man nur noch mal kurz den Pass und kann sehr schnell
durchlaufen.
Ist man dann in
Tanger angekommen ist es wenig sinnvoll ein Taxi vom Fährhafen zu
nehmen, denn in den engen Medinagassen können keine Autos fahren –
das ist in vielen marokkanischen Städten so. Sollte man doch einmal
ein Taxi nehmen, lohnt es sich, den Preis vorher auszuhandeln und das
Geld passend zu haben, wenn man an sehr touristischen Orten unterwegs
ist. In weniger touristischen Orten fahren die Fahrer oft
selbstverständlich mit Taxameter oder es gibt feste Preise, die
niedrig sind. Beispielsweise kostet eine Innenstadtfahrt in Meknes
etwa 7-10 Dirham. Neben den Taxis gibt es auch Grand Taxis, die
zwischen den Städten fahren. Sie warten, bis das Auto voll oder
überfüllt ist, bevor sie losfahren und die Preise sind meist
festgelegt. Oft sind auch Marokkaner mit diesen Sammeltaxis
unterwegs. An den Sammeltaxistationen gibt es oft eine Art
„Operator“, der einen zum richtigen Taxi weist. Diese „Manager“
der Taxistände sind oft schwer von Schleppern zu unterscheiden und
wurden von uns deswegen oft mit Argwohn betrachtet, helfen aber
tatsächlich weiter und da das Grand Taxi (meist) einen festen Preis
hat, ist es auch nicht so schlimm, sich an den Operator zu wenden.
Gerät man aber an Schlepper, versuchen die oft für ihre Dienst (das
richtige Taxi finden zum Beispiel) etwas Geld zu bekommen. Oft haben
wir das abgewimmelt, aber immer ist das auch nicht möglich und es
ist immer gut, einfach ein paar Dirham in der Tasche zu haben für
solche Gelegenheiten.
Neben Grand Taxis
und kleinen Taxis haben wir uns auch oft mit Bussen durchs Land
bewegt und gelegentlich mit dem Zug. Ich kam in den Genuss einer
Fahrt im schicken TGV von Tanger nach Rabat, der sehr schnell durch
die Landschaft schwebt. Gerade wurde viel an der Infrastruktur
gearbeitet und die Bahnhöfe modernisiert, in vielen gab es
kostenloses W-LAN. Die TGVs sind super modern, die anderen Züge zum
Teil schon deutlich in die Jahre gekommen. Ich habe mir meist erste
Klasse Fahrten gegönnt, weil der Preis so und so sehr erschwinglich
war – zwischen 15 und 20 Euro für Tanger-Rabat und
Rabat-Marrakesch. Die Züge waren bei mir immer pünktlich. Die
Tickets kauft man online (habe ich nicht probiert) oder im Bahnhof,
wobei es zwar Automaten zum Fahrkartenkauf gibt, diese aber auch von
einer*einem Bahnangestellten, die*der daneben steht, bedient werden,
was das ganze ein wenig absurd macht. Es geht dennoch ein wenig
schneller als am Schalter, würde ich sagen.
Ein Bahnnetz ist vor
allem im Süden und Osten des Landes schlicht nicht vorhanden,
deswegen muss man auf Busse ausweichen, wenn man ohne Mietwagen
irgendwo hin möchte, oder eben Grand Taxis. Es gibt meist mehrere
Busbahnhöfe in einer Stadt – den von den Unternehmen CTM und
Supratours mit ihrer eigenen Flotte, eigenem Schalter und eigener
Gepäckabwicklung, sowie einen für alle anderen Unternehmen, meist
lokal operierende. Wir haben bei mehreren Gelegenheiten Busse
genutzt, dabei sind wir mit Supratours und CTM gefahren – den
beiden größten Busgesellschaften. Die Busse sind relativ neu und
auf einem guten Reisebusstandard. Toiletten gibt es keine, aber es
werden gelegentlich Toilettenpausen gemacht. Außerdem sind wir
einmal mit einem lokalen Busunternehmen gefahren und das gleich eine
längere Strecke – von Rissani nach Meknes. Der Bus war schon recht
voll mit locals, hielt dann aber alle paar Meter noch an, um noch
Leute mitzunehmen, bis auch der letzte Platz besetzt war. Vom
Studenten, der seinen Bruder besuchte bis zur alten Berberin mit
traditioneller Gesichtstätowierung war ein buntes Gemisch an Leuten
anwesend, und außer uns offenbar keine Touristen. Wir gehörten auch
zu den wenigen, die die Strecke durchfuhren. Das Spiel mit Leute am
Wegesrand aufsammeln wurde noch einige Male betrieben. Entsprechend
langsam kamen wir auch voran.
Geschlafen haben wir
vor allem in Riads und Dars, das sind traditionelle Innenstadthäuser
mit kleinem Innenhof, die meist etwa zehn bis zwanzig Zimmer haben,
die von diesem Hof und in den oberen Stockwerken dann von einer
Galerie abgehen. Im Innenhof oder auf der Terasse gibt es dann das
Frühstück, oft bestehend aus marokkanischen Pfannkuchen, Brot,
Honig, Oliven, Butter und manchmal noch mehr, wie gekochte Eier,
Konfitüre oder Olivenöl. Ich empfand die Hostels, in denen ich
geschlafen habe, als nicht besonders gut, aber kann auch sein, dass
ich da gerade Pech hatte. Scheinbar sind Hostels jedenfalls noch
nicht so verbreitet und nicht so aufwendig durchdacht, wie in vielen
europäischen Städten inzwischen.
Das marokkanische
Essen empfand ich als unglaublich lecker. Tajine gibt es fast überall
– sogar bei halbstündigen Busreisepausen kann man eine Tajine am
Straßenrand in einem Lokal essen. Zum Teil können auch die
Gastgeber*innen Tajine kochen, das sollte man dann nur vorher
absprechen, da oft extra eingekauft werden muss und die Zubereitung
gut eine Stunde dauert. Die meisten Speisekarten der Touristenlokale
sind sehr ähnlich – Tajine in unterschiedlichen Varianten,
Harira-Suppe, Salat, manchmal noch mit Fleisch gefüllte Pastete.
Vegetarische Tajine ist verbreitet, allerdings nicht immer überall
zu haben, am Häufigsten gibt es Hühnchen-Tajine. Und der
marokkanische Minztee hat es mir auch wirklich angetan! Es ist meist
schwarzer oder grüner Tee, in dem auch noch frische Minze aufgebrüht
wird und der normalerweise stark gezuckert serviert wird.
Und wie war es nun,
als Frau allein unterwegs zu sein? Ich empfinde das tatsächlich
häufig als anstrengend. Ich wurde sehr häufig angesprochen, wie es
mir geht, woher ich sei, und die ausnahmslos jungen Männer ließen
auch meist nicht so schnell von mir ab. Einmal wurde ich beschimpft,
nachdem ich jemandem gesagt habe, er solle mich in Ruhe lassen, aber
das war ein Einzelfall und kann in Deutschland auch passieren (manche
Männer können kein Nein ertragen). Es war schlicht nervig, aber ich
würde nicht sagen, dass ich mich in Gefahr befand. Von einem Freund
erhielt ich in den Tipp, eher in die Ville Nouvelle zu gehen, also
raus aus der Medina und ab in die Neustadt, und da konnte ich als
Frau auch ganz ruhig sitzen und etwas essen oder trinken, ohne
angequatscht zu werden. Einmal habe ich einen Menschen damit in die
Flucht geschlagen, ihn zu fragen, ob marokkanische Frauen das mögen,
so angelabert zu werden, worauf er erstaunt abzog. Alles in allem
hilft es sicher, sich dezenter zu kleiden, selbstsicher unterwegs zu
sein und sich zurück zu ziehen, wenn es zu viel wird. Ich finde es
fast schade, hier so etwas zu schreiben, denn ich habe auch ein sehr
modernes Marokko gesehen, in dem Frauen anziehen, was sie wollen und
sich abends mit Freunden treffen – allerdings ist es eben auch
nicht wegzuleugnen, dass ich als weibliche Touristin eine Menge
ungewollter Aufmerksamkeit bekam.
Und zu guter Letzt:
Lohnt sich jetzt eine Tour in die Wüste? Ich würde sagen ja, denn
die endlos scheinenden Sanddünen sind schon beeindruckend. Wenn man
auf einer hohen steht, merkt man dann zwar, dass die Wüste, also
zumindest der sandige Teil davon, nicht besonders groß ist und sieht
die zahlreichen Touristencamps. Überall sind menschliche Spuren,
viele auch von Motorrädern, Jeeps und Quads, so dass man auf keinen
Fall unberührte Sanddünen erwarten sollte. Deswegen würde ich
persönlich dafür plädieren, so wenig wie möglich an diesem
Touristenzirkus teilzunehmen und die Wüste für alle Nachfolgenden
nicht noch weiter kaputt zu machen. Braucht man wirklich eine
Übernachtung in einem Wüstencamp mit wassergespülter Toilette?
(Woher kommt das Wasser, wo geht es hin?) Will man wirklich zu Lärm
und Reifenspuren beitragen, in dem man motorisiert die Wüste
betritt? Ich wollte unbedingt die Sanddünen sehen und somit waren
wir in Merzouga (einer von zwei möglichen Orten für den Dünenbesuch
in Marokko und wohl der touristischere), allerdings haben wir nach
Beratschlagung mit anderen Touristen und eigenen Überlegungen, keine
Tour mit Übernachtung gebucht, da wir eben die Wüstencamps nicht
unterstützen wollten. Wir waren einmal tagsüber einfach selbst zu
Fuß auf der Düne und haben unter anderem Käfer beobachtet, die
sich im Sand eingruben. Dann haben wir noch eine
Sonnenuntergangs-Kamel-Tour gemacht und das würde ich vermutlich
auch nicht wieder machen. So ein Dromedar ist nicht sonderlich
bequem, ich fand den Sattel eher schlecht (es fehlten zum Beispiel
Steigbügel, die Halt gegeben hätten), und zu allem Unglück endete
unsere Tour direkt neben einer großen Düne an der sich gerade ein
Dutzend Motorradfahrer mit Crossmaschinen am Steilhangbezwingen
versuchten, was einen Höllenlärm verursachte im ach so romantischen
Sonnenuntergang. Da kann man natürlich auch mehr Glück haben, aber
prinzipiell ist die Wüste voller Leute und keinesfalls einsam und
verlassen, wie man sich das vielleicht ausmalt. Würde ich nochmal
nach Marokko fahren, würde ich wohl nicht erneut in die Wüste
fahren, aber es war meine erste Begegnung mit Sandwüste und daher
fand ich es lohnenswert. Ich hätte nur mit jetzigem Wissenstand
vielleicht sogar auf die Kameltour verzichtet.




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