Dienstag, 9. April 2019

Marokko – eine Art Gebrauchsanleitung

Marokko ist nicht gleich Marokko – das Land ist unglaublich vielfältig. Ich bin insgesamt über drei Wochen umher gereist, davon einige Tage allein. Ich habe ein paar sehr touristische Ziele gesehen und ich habe versucht, etwas weiter abseits unterwegs zu sein. Das ist – so viel vorweg – ohne Mietwagen recht schwierig, aber möglich. Ich versuche hier, einen kleinen Überblick zu geben und Dinge zu erklären, die mich vielleicht interessiert hätten, ohne speziell auf einzelne Orte einzugehen.

Marokko ist landschaftlich vielfältig, das Klima ist an der Mittelmeerküste anders als am Atlantik und noch mal ganz anders „hinterm“ Hohen Atlas und natürlich in den Bergen selbst. Insgesamt kann man aber im Februar mit frühlingshaften Temperaturen rechnen im Vergleich zu einem meist winterlichen Deutschland. Die Nächte sind dennoch sehr kalt und nicht alle Unterkünfte haben eine gute Heizung – meist können aber zusätzliche Decken organisiert werden. Am Morgen können es schon mal nur fünf Grad sein, wenn man sich früh zu Erkundungstouren aufmacht.

Ich bin mit der Fähre von Tarifa aus übergesetzt, was ein sehr einfacher Weg ist, da man direkt in der Innenstadt von Tanger landet. Von Algeciras aus fahren kostenlose Zubringer-Busse nach Tarifa und in Tanger dann dauert der Weg in die Medina höchstens eine halbe Stunde zu Fuß. Meine Fähre fiel aufgrund stürmischer See aus und ich habe das Ticket nicht zurück erstattet bekommen, weil ich es bei einer Agentur gekauft habe. Hätte ich es direkt beim Büro der Reederei im Hafen gekauft, hätte ich eine Rückerstattung bekommen. Es fuhr dann eine Stunde später eine Fähre einer anderen Reederei und ich kam nicht viel später an als geplant. Ich habe aber auch von Menschen gehört, die einen Tag in Spanien festsaßen, weil der Fährverkehr eingestellt war. Die Überfahrt an sich dauert etwa eine Stunde. Die raue See habe ich dann durchaus gemerkt, die Fähre hat ganz schön geschaukelt. Die spanische Passkontrolle findet im Hafen statt, die marokkanische war bei mir auf der Fähre selbst. Kommt man vom Schiff, zeigt man nur noch mal kurz den Pass und kann sehr schnell durchlaufen.

Ist man dann in Tanger angekommen ist es wenig sinnvoll ein Taxi vom Fährhafen zu nehmen, denn in den engen Medinagassen können keine Autos fahren – das ist in vielen marokkanischen Städten so. Sollte man doch einmal ein Taxi nehmen, lohnt es sich, den Preis vorher auszuhandeln und das Geld passend zu haben, wenn man an sehr touristischen Orten unterwegs ist. In weniger touristischen Orten fahren die Fahrer oft selbstverständlich mit Taxameter oder es gibt feste Preise, die niedrig sind. Beispielsweise kostet eine Innenstadtfahrt in Meknes etwa 7-10 Dirham. Neben den Taxis gibt es auch Grand Taxis, die zwischen den Städten fahren. Sie warten, bis das Auto voll oder überfüllt ist, bevor sie losfahren und die Preise sind meist festgelegt. Oft sind auch Marokkaner mit diesen Sammeltaxis unterwegs. An den Sammeltaxistationen gibt es oft eine Art „Operator“, der einen zum richtigen Taxi weist. Diese „Manager“ der Taxistände sind oft schwer von Schleppern zu unterscheiden und wurden von uns deswegen oft mit Argwohn betrachtet, helfen aber tatsächlich weiter und da das Grand Taxi (meist) einen festen Preis hat, ist es auch nicht so schlimm, sich an den Operator zu wenden. Gerät man aber an Schlepper, versuchen die oft für ihre Dienst (das richtige Taxi finden zum Beispiel) etwas Geld zu bekommen. Oft haben wir das abgewimmelt, aber immer ist das auch nicht möglich und es ist immer gut, einfach ein paar Dirham in der Tasche zu haben für solche Gelegenheiten.

Neben Grand Taxis und kleinen Taxis haben wir uns auch oft mit Bussen durchs Land bewegt und gelegentlich mit dem Zug. Ich kam in den Genuss einer Fahrt im schicken TGV von Tanger nach Rabat, der sehr schnell durch die Landschaft schwebt. Gerade wurde viel an der Infrastruktur gearbeitet und die Bahnhöfe modernisiert, in vielen gab es kostenloses W-LAN. Die TGVs sind super modern, die anderen Züge zum Teil schon deutlich in die Jahre gekommen. Ich habe mir meist erste Klasse Fahrten gegönnt, weil der Preis so und so sehr erschwinglich war – zwischen 15 und 20 Euro für Tanger-Rabat und Rabat-Marrakesch. Die Züge waren bei mir immer pünktlich. Die Tickets kauft man online (habe ich nicht probiert) oder im Bahnhof, wobei es zwar Automaten zum Fahrkartenkauf gibt, diese aber auch von einer*einem Bahnangestellten, die*der daneben steht, bedient werden, was das ganze ein wenig absurd macht. Es geht dennoch ein wenig schneller als am Schalter, würde ich sagen.

Ein Bahnnetz ist vor allem im Süden und Osten des Landes schlicht nicht vorhanden, deswegen muss man auf Busse ausweichen, wenn man ohne Mietwagen irgendwo hin möchte, oder eben Grand Taxis. Es gibt meist mehrere Busbahnhöfe in einer Stadt – den von den Unternehmen CTM und Supratours mit ihrer eigenen Flotte, eigenem Schalter und eigener Gepäckabwicklung, sowie einen für alle anderen Unternehmen, meist lokal operierende. Wir haben bei mehreren Gelegenheiten Busse genutzt, dabei sind wir mit Supratours und CTM gefahren – den beiden größten Busgesellschaften. Die Busse sind relativ neu und auf einem guten Reisebusstandard. Toiletten gibt es keine, aber es werden gelegentlich Toilettenpausen gemacht. Außerdem sind wir einmal mit einem lokalen Busunternehmen gefahren und das gleich eine längere Strecke – von Rissani nach Meknes. Der Bus war schon recht voll mit locals, hielt dann aber alle paar Meter noch an, um noch Leute mitzunehmen, bis auch der letzte Platz besetzt war. Vom Studenten, der seinen Bruder besuchte bis zur alten Berberin mit traditioneller Gesichtstätowierung war ein buntes Gemisch an Leuten anwesend, und außer uns offenbar keine Touristen. Wir gehörten auch zu den wenigen, die die Strecke durchfuhren. Das Spiel mit Leute am Wegesrand aufsammeln wurde noch einige Male betrieben. Entsprechend langsam kamen wir auch voran.

Geschlafen haben wir vor allem in Riads und Dars, das sind traditionelle Innenstadthäuser mit kleinem Innenhof, die meist etwa zehn bis zwanzig Zimmer haben, die von diesem Hof und in den oberen Stockwerken dann von einer Galerie abgehen. Im Innenhof oder auf der Terasse gibt es dann das Frühstück, oft bestehend aus marokkanischen Pfannkuchen, Brot, Honig, Oliven, Butter und manchmal noch mehr, wie gekochte Eier, Konfitüre oder Olivenöl. Ich empfand die Hostels, in denen ich geschlafen habe, als nicht besonders gut, aber kann auch sein, dass ich da gerade Pech hatte. Scheinbar sind Hostels jedenfalls noch nicht so verbreitet und nicht so aufwendig durchdacht, wie in vielen europäischen Städten inzwischen.

Das marokkanische Essen empfand ich als unglaublich lecker. Tajine gibt es fast überall – sogar bei halbstündigen Busreisepausen kann man eine Tajine am Straßenrand in einem Lokal essen. Zum Teil können auch die Gastgeber*innen Tajine kochen, das sollte man dann nur vorher absprechen, da oft extra eingekauft werden muss und die Zubereitung gut eine Stunde dauert. Die meisten Speisekarten der Touristenlokale sind sehr ähnlich – Tajine in unterschiedlichen Varianten, Harira-Suppe, Salat, manchmal noch mit Fleisch gefüllte Pastete. Vegetarische Tajine ist verbreitet, allerdings nicht immer überall zu haben, am Häufigsten gibt es Hühnchen-Tajine. Und der marokkanische Minztee hat es mir auch wirklich angetan! Es ist meist schwarzer oder grüner Tee, in dem auch noch frische Minze aufgebrüht wird und der normalerweise stark gezuckert serviert wird.

Und wie war es nun, als Frau allein unterwegs zu sein? Ich empfinde das tatsächlich häufig als anstrengend. Ich wurde sehr häufig angesprochen, wie es mir geht, woher ich sei, und die ausnahmslos jungen Männer ließen auch meist nicht so schnell von mir ab. Einmal wurde ich beschimpft, nachdem ich jemandem gesagt habe, er solle mich in Ruhe lassen, aber das war ein Einzelfall und kann in Deutschland auch passieren (manche Männer können kein Nein ertragen). Es war schlicht nervig, aber ich würde nicht sagen, dass ich mich in Gefahr befand. Von einem Freund erhielt ich in den Tipp, eher in die Ville Nouvelle zu gehen, also raus aus der Medina und ab in die Neustadt, und da konnte ich als Frau auch ganz ruhig sitzen und etwas essen oder trinken, ohne angequatscht zu werden. Einmal habe ich einen Menschen damit in die Flucht geschlagen, ihn zu fragen, ob marokkanische Frauen das mögen, so angelabert zu werden, worauf er erstaunt abzog. Alles in allem hilft es sicher, sich dezenter zu kleiden, selbstsicher unterwegs zu sein und sich zurück zu ziehen, wenn es zu viel wird. Ich finde es fast schade, hier so etwas zu schreiben, denn ich habe auch ein sehr modernes Marokko gesehen, in dem Frauen anziehen, was sie wollen und sich abends mit Freunden treffen – allerdings ist es eben auch nicht wegzuleugnen, dass ich als weibliche Touristin eine Menge ungewollter Aufmerksamkeit bekam.

Und zu guter Letzt: Lohnt sich jetzt eine Tour in die Wüste? Ich würde sagen ja, denn die endlos scheinenden Sanddünen sind schon beeindruckend. Wenn man auf einer hohen steht, merkt man dann zwar, dass die Wüste, also zumindest der sandige Teil davon, nicht besonders groß ist und sieht die zahlreichen Touristencamps. Überall sind menschliche Spuren, viele auch von Motorrädern, Jeeps und Quads, so dass man auf keinen Fall unberührte Sanddünen erwarten sollte. Deswegen würde ich persönlich dafür plädieren, so wenig wie möglich an diesem Touristenzirkus teilzunehmen und die Wüste für alle Nachfolgenden nicht noch weiter kaputt zu machen. Braucht man wirklich eine Übernachtung in einem Wüstencamp mit wassergespülter Toilette? (Woher kommt das Wasser, wo geht es hin?) Will man wirklich zu Lärm und Reifenspuren beitragen, in dem man motorisiert die Wüste betritt? Ich wollte unbedingt die Sanddünen sehen und somit waren wir in Merzouga (einer von zwei möglichen Orten für den Dünenbesuch in Marokko und wohl der touristischere), allerdings haben wir nach Beratschlagung mit anderen Touristen und eigenen Überlegungen, keine Tour mit Übernachtung gebucht, da wir eben die Wüstencamps nicht unterstützen wollten. Wir waren einmal tagsüber einfach selbst zu Fuß auf der Düne und haben unter anderem Käfer beobachtet, die sich im Sand eingruben. Dann haben wir noch eine Sonnenuntergangs-Kamel-Tour gemacht und das würde ich vermutlich auch nicht wieder machen. So ein Dromedar ist nicht sonderlich bequem, ich fand den Sattel eher schlecht (es fehlten zum Beispiel Steigbügel, die Halt gegeben hätten), und zu allem Unglück endete unsere Tour direkt neben einer großen Düne an der sich gerade ein Dutzend Motorradfahrer mit Crossmaschinen am Steilhangbezwingen versuchten, was einen Höllenlärm verursachte im ach so romantischen Sonnenuntergang. Da kann man natürlich auch mehr Glück haben, aber prinzipiell ist die Wüste voller Leute und keinesfalls einsam und verlassen, wie man sich das vielleicht ausmalt. Würde ich nochmal nach Marokko fahren, würde ich wohl nicht erneut in die Wüste fahren, aber es war meine erste Begegnung mit Sandwüste und daher fand ich es lohnenswert. Ich hätte nur mit jetzigem Wissenstand vielleicht sogar auf die Kameltour verzichtet.


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