Freitag, 2. Oktober 2015

Zloti-Time: Kleine Tour durch drei polnische Städte

Ein wunderbarer Grund, wieder da zu sein, wo auch viele meiner Freunde sind, ist, dass ich wieder mehr mit ihnen unternehmen kann. In den letzten Jahren habe ich es nie geschafft, mit ihnen gemeinsam Urlaub zu machen und so war ich fest entschlossen, es diesmal durchzuziehen. Die Wahl fiel auf Polen, weil da alle günstig hinkommen konnten - mit dem Auto oder Flieger. Ich war an der Planung überhaupt nicht beteiligt, hätte es aber kaum besser machen können. 

Fangen wir klein an - Breslau


Wir fuhren mit dem Auto einer Freundin gen Osten und unser erstes Ziel war Breslau. Hier hatten wir eine Wohnung am Hauptmarkt - Rynek - mit Blick über selbigen. Wir spazierten gleich ein wenig durch die Stadt und entdeckten das schöne jüdische Viertel. Bei der einzigen erhaltenen Synagoge der Stadt ließen wir uns im Hof bei einem Lokal nieder und tranken etwas. Später steuerten wir eine Piroggerei an, ein Lokal in dem man eine polnische Spezialität, nämlich gefüllte Teigtaschen - Pierogi - vespeisen konnte. Wir bestellten natürlich viel zu viel und erschraken kurz, als die Piroggen kamen, aber schließlich schafften wir alle bis auf zwei, drei Stück. Danach war nicht mehr viel los, wir waren von der Reise müde und genehmigten uns einen Wein in der Unterkunft. 
Am zweiten Tag unserer Reise erkundeten wir die Stadt. Wir besuchten die Universität, wo wir den Fehler begingen, einen Audioguide für den Musiksaal zu nehmen, beziehungsweise gleich vier, für jeden von uns einen, so lauschten wir jeder für sich den durchaus interessanten Ausführungen, die nur leider nicht enden wollten. Zwischendurch gab es auch noch längere Musikstücke, und danach sprach wieder jemand in einem witzigen Deutsch einen Text über den ehrwürdigen Saal, einst eine Kapelle. Etwa 15 Minuten mussten wir es aushalten, den wir wollten dann schon auch alles hören. Bei den nächsten Räumen nahmen wir aber keinen Audioguide mehr - uns wurde aber auch keiner mehr angeboten. Zur Universität gehören auch ein kleines Museum, die Aula und eine Aussichtsterasse. Wir schauten uns alles an und blieben ein wenig auf der Terasse, um uns schöne Häuser auszusuchen, in denen wir gern wohnen wöllten und einfach ein wenig den Ausblick zu genießen. 
Nach der Universität besuchten wir noch die Markthalle, die mich aber nicht so sehr beeindruckte, es war eben eine Markthalle, sowie die Dominsel. Die anderen gingen noch in eine der Ponton-Bars auf der Oder, ich zurück in die Unterkunft. Am Abend brachen wir noch einmal ins jüdische Viertel auf und gingen schließlich noch ein mal in das gleiche Lokal vom Vorabend - die Mleczarnia - und aßen und tranken. Damit der Polen-Urlaub so richtig beginnen konnte, orderte ich eine Runde Zubrovka-Bisongras-Wodka. Man musste an der Theke bestellen und auf die Getränke auch gleich warten und so schaute ich amüsiert der Kellnerin zu, wie sie den Wodka eingoss und das Bisongras, das auch immer mit aus der Flasche schwappte mit dem Finger nach jedem Schluck wieder zurückschob. 

Es wird touristisch - Krakau


Nach Breslau ging es weiter nach Osten - auch in Krakau wohnten wir wieder in bester Lage, wenn auch nicht direkt "auf dem Marktplatz". In dem Haus war früher ein jüdisches Internat gewesen, wie man außen noch lesen konnte. Auch hier erkundeten wir natürlich gleich die Innenstadt - und stellten fest, dass es sehr viel touristischer war. Der Marktplatz war noch viel größer als in Breslau und drumherum standen Pferdekutschen und eine Art Golfcarts, die allesamt auf Touristen warteten, die durch die Gegend gefahren werden wollten. Wir waren verzückt von der Idee, zu viert mit einem solchen Ding durch Krakau kutschiert zu werden. Die kleinen Gefährte hatten hinter dem Fahrer zwei oder drei Bänke, also vier oder sechs Sitze und boten Stadttouren an. Eigentlich war es uns zu teuer, aber am Ende machten wir die Tour dennoch - natürlich mit Komplettprogramm: Jüdisches Viertel Kazimierz, Oskar Schindlers Emaille-Fabrik und ehemaliges Ghetto, Wawel-Schloss und Altstadt. Es war etwas unangenehm, neben einer Touristengruppe zu stehen und aus den Lautsprechern des Wägelchens dröhnte eine Ansage über die jeweilige Sehenswürdigkeit, aber es machte dennoch irgendwie Spaß, mit dem kleinen Elektrogefährt halsbrecherisch umher kutschiert zu werden. 
In der Nacht gab es dann noch eine kleine Störung. Zwei der Gäste schlummerten seelenruhig im Schlafzimmer, während ich mit einer Reisegefährtin das geräumige Wohnzimmer in Beschlag genommen hatte. Mitten in der Nacht wurden wir von einem Türenknallen wach. Wir hatten das Fenster aufgelassen und die Flügeltür zum Zimmer ließ sich nicht richtig schließen, weil es keine Türklinke gab. Sie war wohl durch einen Luftzug auf und zu gegangen. Wir lagen noch eine Weile wach, während ich mit Gespenstern (es war schließlich irgendwann mal ein jüdisches Internat gewesen und mitten in der Nacht drehten meine Gedanken in unangenehme Richtungen) und die Zimmergenossin jederzeit mit Einbrechern rechnete. Jedes Geräusch kam uns verdächtig vor und schließlich schlossen wir das Fenster und legten meine Rucksack vor die Tür, um zu verhindern, dass diese noch mal auf und zu schlug.
Am nächsten Tag nahmen wir uns nach einem späten und ausgiebigen Frühstück das Krakau Underground Museum vor. Es ist eine Art multimedial aufgezogenes Stadtmuseum mit vielen interaktiven Tafeln. Es gibt pro Stunde nur eine begrenzte Zahl an Eintrittskarten, was auch sinnvoll ist, denn so muss man sich an den interaktiven Tafeln nicht prügeln, um auch mal lesen zu dürfen. Kartenverkauf und Eingang sind jeweils an zwei verschiedenen Orten im Gebäude der Tuchhallen, man muss also einmal um das Gebäude rum oder quer durch um rein zu kommen. In den Tuchhallen erwarb ich übrigens meinen zweiten Schal aus Krakau, genau wie der erste mit Blumenmuster, aber diesmal auf weißem Grund. Den ersten hatte ich mir bei einer Reise 2010 gekauft. Natürlich wird in den Tuchhallen auch viel Touristennippes verkauft, aber ich fand es trotzdem schön, ein so praktisches Andenken zu haben - und ich trage den ersten Schal bereits wirklich gern. Für das Museum braucht man etwa zwei Stunden, wenn man sich einiges Durchlesen will und Zeit nimmt, es geht natürlich auch schneller, aber ich fand es tatsächlich interessant. Viel drehte sich um die Stadtgeschichte im Mittelalter und in der frühen Neuzeit - Sachen wie Wasserversorgung und traditionelle Berufe wurden erklärt. 
Danach ging es noch auf den Wawel - auch wenn wir nicht mehr hereinkonnten, weil es zum einen zu spät war, zum anderen keine Karten mehr für den Tag gab. Die Polen schienen zwei Sachen zu lieben - Selbstbedienung in Kneipen und Begrenzung von Eintrittskarten. Danach spazierten wir ins jüdische Viertel und hangelten uns ein wenig durch die Lokale.  Die angeblich "typisch jüdischen" Restaurants in der Szerokastraße enttäuschten uns - es gab nichts für Vegetarier und die Karten enthielten alle das gleiche auf Touristen abgestimmte Menü. Wir gingen schließlich in eine kleine Kneipe, wo es eine recht internationale Speisekarte gab und das Essen war solide, wenn auch die Kellnerin nicht besonders freundlich war, wenn sie uns denn mal bediente. Bei einem geschwinden Dreh auf dem Stuhl zog ich mir einen Splitter in den Po - eigentlich ja Oberschenkel, aber Po klingt dramatischer - ein, der mich den Abend noch ein wenig quälte. Auf eine Notoperation auf der Pub-Toilette hatte ich irgendwie keine Lust und selbst kam ich nicht ran. Nach dem Essen gingen wir noch ins angeblich legendäre Singer. Im Raucherraum gab es noch Tische für vier, aber leider einen super lauten Abzug, der den Raum ebenso rauchfrei machte, wie den Rest des Lokals. Musik gab es dafür keine und wir entschieden uns für den großen Tisch im Hauptraum - wir waren auch bereit, diesen mit anderen Gästen zu teilen. 
Die Splitter-raus-Notoperation - als Desinfektionsmittel hielt dopelt gebrannter rumänischer Pflaumenschnaps aus dem Flachmann her - fand dann erst am Morgen statt. Noch ein letztes Frühstück stand an in einem zuckersüßen französichen Café, dann ging es für uns schon dem letzten Ziel entgegen - Warschau. Der Weg war beschwerlich, denn es gab zwischen Krakau und Warschau fast keine Autobahn, und so musste man sich gemeinsam mit vielen LKWs über die Landstraßen quälen. Aber schließlich kamen wir auch da an. 

Hauptsache wir haben Spaß zusammen - Warschau


Die Zeit in Warschau war bestimmt von einem dauerhaftem Nieselregen. Der Ausblick von unserem vermutlich luxuriösem Appartment - hätte man nicht versucht, Schlafplatz für sechs Menschen zu schaffen, wäre es vielleicht sogar wohnlich gewesen - zeigte es uns schon - Warschau war anders. Hochhäuser dominierten die Skyline, es war eben sehr viel größer und vermutlich Polens Wirtschafts- und Finanzzentrum. Die Wohnung lag in einem Appartmentblock, wo der Wohnraum sicher nicht billig war. Es gab über dreißig Stockwerke, wir waren im 16. und zur Ausstattung gehörten Tiefgarage, Portier sowie Sauna und Schwimmbecken. Wir nutzen letzteres aus Zeitgründen nicht. Unsere Gruppe vergrößerte sich erstmal noch um eine Person und wir begrüßten auch die Freundin die mit uns die Stadt unsicher machen würde. Gemeinsam schlugen wir den Weg Richtung Innenstadt ein und nachdem wir in die falsche Gegend gelaufen waren und absolut nichts fanden, ließen wir uns in einer Pizzeria nieder. Die Pizza war gut, der Hauswein trinkbar, die Bedienung nett und die Vorspeisenplatte hatte nicht nur Fleisch zu bieten, sondern auch Käse. Zufrieden fielen wir alle auf eines der Sofa oder ins Doppelbett, die alle in diese kleine Wohnung gequetscht waren. Die Wohnung hatte sicher nicht mehr als 30qm, aber den Platz hatte man gut ausgenutzt. Auf AirBnB stand wohl, dass sogar sieben Personen hier schlafen könnten - vermutlich war der Sessel noch ausklappbar und als Schlafgelegenheit gemeint. Ich hatte mir jedenfalls die Ausziehcouch im Wohnbereich allein gesichert, die nicht besonders weich war, aber sehr viel Platz für mich allein bot. 
Den zweiten Tag begannen wir mit amerikanischen Waffeln in der Waffle Bar, dann stand uns aufgrund des Nieselregens der Sinn nach Museum. Das vermutlich einzige Jüdische Museum auf der Welt, dass am Shabbat (Samstag) geöffnet ist, befindet sich in Warschau. Eine der Reisegefährtinnen erzählte, dass es im Vorfeld lange Diskussionen um das Museum gegeben hatten - als wir drin waren, war uns auch klar warum - man hatte sich einfach nicht einigen können, was man aus der über tausendjährigen Geschichte der Juden in Polen weglässt. Das Museum war riesig und vollgestopft mit Informationen, die man unmöglich alle aufnehmen, geschweige denn behalten konnte. Vom Jahre 800 an wurde gefühlt das Leben jedes einzelnen Juden, der jemals polnischen Boden betreten hatte in allen Details nacherzählt. Was man weggelassen hatte, war allenfalls die Rolle der polnischen Bevölkerung beim Holocaust. Die Frage, ob diese das mitbekommen hatten, als das Ghetto brannte, wurde damit beantwortet, dass sie durch den Krieg ohnehin viel Leid erlebten und ihre eigenen Probleme hatten. Und damit ist in Polen wohl jede Diskussion beendet. Immerhin wurde auch berichtet, dass es Juden gab, die von ihren nicht-jüdischen Nachbarn erpresst wurden, dass sie sie an die Gestapo verraten würden, im allgemeinen schien die Judenverfolgung in Polen aber eine Sache zwischen den Nazis und den Juden zu sein. Schade, aber vermutlich momentan noch nicht aufzuarbeiten, welche Rolle die polnische Bevölkerung da wirklich gespielt hatte. Nach fast vier Stunden war ich mit der Ausstellung fertig und hatte, weil ich nicht mehr aufnahmefähig war, sogar die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg übersprungen. Was soll ich sagen, es ist irgendwie schon sehenswert, aber man sollte viel Zeit mitbringen oder sich klar werden, dass man nicht alles sehen kann und selektiver rangehen. An sich ist das Museum aber sehr schön gemacht, mit Schautafeln, Objekten aus der jeweiligen Zeit und interaktiven Touchscreens. 
Nach diesem Museummarathon mussten wir dringend mit Piroggen unsere Kraft zurück gewinnen. Danach gingen wir noch in ein italienisches Restaurant mit schickem Klientel, allerdings nur um eine Flasche des billigsten Weins auf der Karte und zwei Hugo zu bestellen, der allerdings in Polen scheinbar ohne Minze gemacht wird. Damit war unsere Reise auch schon vorbei. Geprägt war sie von viel Essen und Trinken, ein bisschen Kultur, vielen Päuschen und dem Akzeptieren der Tatsache, dass man in zwei Tagen pro Stadt nicht alles sehen kann.

Hier noch mal die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Lokale:

Breslau
Universität, Eintritt für alles 12 Zloti, Audioguide kostenlos
Mleczarnia - Lokal im jüdischen Viertel, Selbstbedienung, Essen ok, Atmosphäre sehr schön, breite Getränkekarte
Central Café - super leckere Bagels, Oatmeal zum selbst zusammenstellen, Kuchen, Kaffee... , eignet sich gut zum Frühstück oder für einen Snack zwischendurch, Selbstbedienung, sehr klein und morgens recht voll

Krakau 
Krakau Underground, Eintritt 19 Zloti
Mleczarnia - Lokal mit Biergarten in Kazimierz, sehr schöner Biergarten, heiße Schokolade mit Wodka :)  
Petit France - Bistro mit französischen Gebäck und leckerer Frühstücksauswahl sowie Quiches und Tartes, ebenfalls gut für ein Frühstück oder einen Snack zwischendurch

Warschau 
Jüdisches Museum, Eintritt 25 Zloti
Waffle Bar - große amerikanische Waffeln mit kreativen Belägen, sowohl süß als auch herzhaft


In Polen sollte man unbedingt Pierogi probieren, das sind kleine Teigtaschen, die gebraten oder gekocht serviert werden und süß oder herzhaft sowie vegetarisch oder mit Fleisch gefüllt sein können, dazu gibt es verschiedene Soßen. Außerdem bin ich ja ein Riesenfan von Zubrovka Wodka, der mit dem Bisongrass, der natürlich auch ein echt polnisches Erzeugnis ist. Typisch für Polen sind außerdem die Sahnetoffees, manchmal bei uns in Deutschland Muhmuh genannt, ich find die ja megalecker.

Freitag, 18. September 2015

Kulturgeschockt, mal wieder

Ich bin wieder in Deutschland, in meinem kleinen Provinznest. Ich versuche mich hier wieder einzuleben und es gibt dabei sogar einige positive Überraschungen. Zum Beispiel hatte ich mir die Besuche bei der Agentur für Arbeit (ja, da mein Entsendevertrag nach Rumänien vor zweieinhalb Wochen endete, habe ich Arbeitlosengeld beantragt) ganz anders vorgestellt. Zunächst einmal ist eine wirklich nette Vermittlerin für mich zuständig, die wohl davon ausgeht, dass ich das mit der Jobsuche ganz gut alleine hinkriege und sie mich deshalb in Ruhe lässt. Vermutlich würde sie mich trotzdem gern öfter einbestellen, um mir von ihren Urlauben in Rumänien oder am Baikalsee zu erzählen. An einem anderen Tag - ich stehe zufällig gerade am Empfang eben dieser Arbeitsagentur - ruft mich ihr Kollege an. Er hätte gehört, dass ich rumänisch könne. Ich biete ihm an, da ich ja schon mal da bin, gleich in seinem Büro vorbeizukommen. Er verwickelt mich in ein langes Gespräch und da ich noch andere Dinge erledigen will, muss ich am Ende regelrecht nachfragen, um was es denn nun ginge. Ein Fensterbauer aus dem Einzugsgebiet des Arbeitsamts hat rumänische Mitarbeiter und er sucht jemanden zum Dolmetschen. Im Gesrpäch kommen wir auch auf die regionale Arbeitslosenquote zu sprechen - diese liegt, obwohl es sich um eine Kleinstadt in der sächsischen Provinz handelt, auf Bundesdurchschnitt. Zahlreiche Lehrstellen bleiben jedes Jahr unbesetzt. Ich muss an das Flüchtlingsproblem denken und kombiniere in meinem Kopf gleich unbesetzte Lehrstellen mit jungen Flüchtlingen. Doch - und vielleicht ist das auch sehr gut so - bisher gibt es in dem Ort keine Flüchtlingsunterkunft.  

Denn sosehr ich die Stadt auch wieder "gar nicht so schlimm finde", es gibt die angeblich besorgten Bürger ja auch hier. In einem Ort nicht weit von hier wurde in einer Bürgerversammlung, die der Einrichtung einer Flüchtlingsunterkunft vorausging, mit einem Ei auf den Bürgermeister geworfen - siehe der Ausschnitt aus einer Lokalzeitung rechts. Gesprächskultur vom Feinsten. Die Leute sehen die Bilder im Fernsehen und haben tatsächlich Angst, dass diese Flüchtlinge, die sich grad durch halb Europa kämpfen, um in Deutschland, Schweden oder Österreich anzukommen, morgen vor ihrer Haustür stehen.

Und dennoch, es gibt auch schöne Momente. Es gibt auch in diesem Kaff ein paar Menschen, die anders denken und kein aber an ihre Sätze hängen. Die zum Beispiel Streetart anbringen, wie auf diesem Stromkasten. Ich war auf meiner Rückfahrt, die ich allein mit dem Auto bewältigte, an zwei Tankstellen angehalten und belegte Brötchen gekauft. Einmal zur Halbzeit, zumindest kilometermäßig, in der Slowakei. Äußerst unfreundlich erhielt ich von der Bedienung, die sich nicht besonders bemühte Englisch zu sprechen, das für mich einzig erkenntlich vegetarische Sandwich aus dem Angebot. Einige Kilometer von zu Hause entfernt, kaum von der Autobahn heruntergefahren hielt ich wieder an. Da ich mir um Essen wirklich keine Gedanken machen wollte, wenn ich nach Hause kam, kaufte ich wieder ein belegtes Brot an der Tankstelle. Die supernette Bedienung, erklärte mir auf die Nachfrage hin, ob das vorderste ohne Fleisch sei, die komplette Liste der Zutaten von zwei verschiedenen Sandwiches und ich war viel zu fertig, um es angemessen zu honorieren. Klar, es gab da auch keine Sprachbariere, aber alles was sie tat, war von einem Lächeln begleitet und natürlich wünschte sie mir noch einen schönen Abend. Das Benzin war sogar billiger als in der Slowakei.

Sosehr ich Rumänien liebe, es gibt also auch Sachen, über die ich mich freue und Freundlichkeit von Verkäuferinnen gehört definitiv dazu. Klar ist auch nicht jede Supermarktverkäuferin immer nett, aber im Einzelhandel und in der Gastronomie fühle ich mich im Allgemeinen in Deutschland als Kunde meist wohler. Andererseits - und ich tue mich schwer damit, dass zuzugeben - ist es ungewohnt, dass die Läden sonntags geschlossen sind. Ich finde das vollkommen in Ordnung, nur gerade stört es mich eben noch, weil es in Rumänien schön bequem war, auch sonntags einkaufen gehen zu können.

Montag, 24. August 2015

Tag 10 - Rückfahrt und Fazit

Auch der schönste Urlaub endet einmal und für mich tat er das nach zehn Tagen. Ich hatte noch einen Tag länger frei, wollte den aber nutzen, um noch ein wenig zuhause in Temeswar zu entspannen, ehe ich wieder auf Arbeit musste. Die Rückfahrt war auch ziemlich lang, ich musste von Saliste bei Sibiu bis zurück nach Temeswar. 

Unterwegs machte ich noch einen Stop bei der Burg in Deva, die auf meiner To-Do-Liste "Rumänien entdecken" stand. Das Witzige an der Burg ist, dass man mit einer Art Lift oder Mini-Schwebebahn hinauf fährt. Oben angekommen gibt es dann einen Weg über Holzplanken durch die Burg, die offensichtlich gerade totsaniert wird. Ich weiß, dass ich mir damit gerade bei den Banater Schwaben keine Freunde mache, weil sie Maria Radna für einen Glücksfall halten, aber ich stimme einem Artikel vom Telegraph in weiten Teilen zu. Er behauptet, dass mit europäischen Fördergeldern die Originalität der Bauwerke zerstört werde und die Restaurierung oft unsachgemäß und billig ausgeführt würde: Ancient Transylvanian buildings brutally revamped at cost to EU taxpayers. Ich habe nun einige Burgen gesehen, die zubetoniert worden sind, einige wunderschöne alte Häuser, die mit Termopan (Kunststoffenstern) verunschönt wurden, und einfach sehr viele grässlich ausgeführte Restaurierungsarbeiten. Sicher gibt es auch Gegenbeispiele, sicher gibt es auch gute Restauratoren (wobei mir ein Rumäne versichert, unter Ceausescu sei das Handwerk in Rumänien gründlich und nachhaltig zerstört wurden), aber viel wird schnell und billig gemacht. Die Rumänen sollten die Schätze, die ihr Land bietet, umhegen, bewahren und stolz darauf sein, denn was einmal "kaputtrestauriert" ist, lässt sich nicht so einfach wieder herstellen. Der Ausblick von oben von der Burg in Deva war schön, nur war ich eben leider eher enttäuscht, dass man statt der Ruine eine weitere "echte Mittelalterburg" für Touristen aufbauen will, offenbar. 

Ich verpasste dann die Abfahrt nach Timisoara und nahm den längeren Weg über Radna und Lipova. Bei der päpstlichen Basilika Maria Radna hielt ich nicht, obwohl ich Teile des Artikels von oben prüfen hätte können, aber ich wollte eigentlich einfach nur gern ankommen. Leider war das nicht so einfach, denn das komplette Stadtzentrum von Lipova ist aufgerissen und man wird über irgendwelche Dreckwege einen guten Kilometer durch die Stadt geschickt, bis man auf eine Nebenstraße in erbärmlichen Zustand gelangt, die Richtung Temeswar führt. Ich ruckelte so vor mich hin, aber irgendwann war ich dann da - was sich nach dieser über tausend Kilometer langen Tour seltsam anfühlte. 

Ich habe bei dieser Reise noch einmal wunderschöne Ecken dieses bezaubernden Landes gesehen. Ich habe mich mal wieder neu verliebt, vor allem in Siebenbürgen. Ich habe entlang des Weges sehr viele nette Menschen getroffen. War ich vorher ein bisschen ängstlich gewesen, allein zu fahren, hat sich wieder mal bewiesen, dass man nie allein ist auf Reisen - denn gerade wenn man allein reist, trifft man besonders viele Menschen am Wegesrand. Wer weiß, wer weiß, vielleicht findet man mich ja bald als Burghüterin auf der siebenbürgischen Kirchenburg... 

Sonntag, 23. August 2015

Tag 9 - Transfagarasean, Bâlea-See, Avrig und Michelsberg


Nach dem Festival in Holzmengen, nach einer Menge netter Momente mit lieben Leuten und nach guter Musik und Tanz, war es für mich wieder an der Zeit, mich Richtung Westen des Landes zu begeben. Nur hatte ich noch ein paar Tage Zeit und ehe ich die Rückreise antreten wollte, sollte es ersteinmal noch ein Stück nach Osten gehen - ich wollte eine der schönsten Straßen der Welt bereisen.

Die Transfagarasan oder Transfogarascher Hochstraße verläuft von Nord nach Süd durchs Făgăraș-Gebirge-Gebirge und ist etwa 90km lang. Ich bin von Richtung Cârțișoara gekommen, die Straße führt bis Curtea de Arges. Sie ist nur für drei Monate im Sommer geöffnet und weist beträchtliche Steigungen auf. Bis zum Bâlea-See kommt man aber auch im Winter, denn eine Seilbahn funktioniert das ganze Jahr und bringt Fahrgäste von der Talstation (Bâlea-Wasserfall / Bâlea-Cascada) zum See. Bis zu diese Station ist auch die Straße im Winter geöffnet. Am See ensteht jeden Winter ein Eis-Hotel mit Iglus und Doppelzimmern, gebaut aus Eisblöcken.

Mein Plan war es, das Auto an der Talstation der Seilbahn stehen zu lassen und mit der Seilbahn hoch zum See zu fahren. Ich stellte also zunächst das Auto ab und suchte den Eingang zur Seilbahn. Dabei fand ich nicht gleich den richtigen Weg und gelangte auf den, der zum Wasserfall führte. Ich fragte ein paar Leute, wo es hinginge und geriet gleich an einen deutschen Auslandslehrer, der in Iasi unterrichtete. Er war mit seiner ebenfalls deutschsprachigen Frau oder Freundin unterwegs und ich schloss mich schließlich an. Ich hatte nichts von dem Wasserfall gewusst und es war ein Glücksfall. Der lange Aufstieg, der besonders zum Ende hin auch ziemlich anspruchsvoll war, lohnte sich vollkommen. Der Wasserfall war wunderschön.

Danach wollte ich mich zur Bergbahn begeben, musste aber feststellen, dass bereits ca. 50 Menschen vor mir die gleiche Idee gehabt hatten - es gab eine lange Schlange. Da die Bahn etwa alle 15 Minuten zehn Menschen mitnahm, konnte man sich ausmalen, dass es ein wenig dauern würde. Ich unterhielt mich mit einer deutsch-rumänischen Familie hinter mir, die auch mit der Bahn hoch wollten, weil sie zurück wandern wollten. Und so kam es, dass ich schließlich zwei Kinder im Alter von etwa 11 und 13 Jahren und ihre Eltern bei mir im Auto hatte - ich bot ihnen an, sie mitzunehmen, wenn sie auch keine Lust hatten, zu warten. Ich nehme an, auch die Seilbahnfahrt wäre fantastisch gewesen, aber auch die Autofahrt war sehr reizvoll. Nur leider war ich auch hier nicht die einzige mit der Idee herzukommen, es gab Staus an den zwei völlig überfüllten Parkplätzen. Der Ausblick von oben war wunderschön und auch der See war hübsch, aber die Massen an Touristen, die Massen an Autos auf den Parkplätzen, die Reisebusse, die die zweispurige Straße blockierten, die Hütten, die Gegrilltes, Käse und kitschige Souveniers verkauften - all das machte das Bild zunichte.


Ich blieb nicht lange und setzte mich nur kurz, um ein paar Teigtaschen zu essen, die ich an der Talstation der Bergbahn gekauft hatte. Auch einen leckeren Käse nahm ich noch mit, aber dann begab ich mich wieder in den Stau, um irgendwie dieses Nadelöhr zu verlassen. Kaum war ich ein paar Meter gefahren, gabelte ich noch drei Pfadfinder auf, die als Anhalter mitgenommen werden wollen. Die Unterhaltung mit ihnen war sehr spanennd. Ich setzte sie dann an der Kreuzung mit der Straße, die nach Sibiu oder Fogarasch führte ab, weil ich in die eine und sie in die andere Richtung mussten.

Ich fuhr dann eine Weile und hielt in Avrig an. Hier war das Barockschloss Brukenthal, in dem seit einigen Jahren ein Hotel eingerichtet war, mit angrenzendem Schlossgarten. Ich setzte mich für eine Holunderlimonade in den Gastgarten und las noch ein wenig im Reiseführer. Meine Unterkunft für die Nacht hatte ich in Saliste organisiert, ich wollte vorher noch in Michelsberg vorbei. Ich schaute mir die Route an und machte mich schließlich auf den Weg. Ich musste durch Heltau / Cisnadie nach Michelsberg / Cisnadioara.

In Michelberg war die Burg leicht zu finden. Ich stellte das Auto im Stadtzentrum ab und begab mich zum Kassenhäuschen (5 Lei Eintritt) und ging dann hoch zur Burg. Ein sehr schöner Ort für Fotos, viel gibt es ansonsten dort oben nicht zu sehen. Aber trotzdem, wenn man in der Nähe ist, empfehle ich einen Ausflug. Da es schon relativ spät war, ging es für mich aber gleich weiter zur Unterkunft in Saliste. 



Mittwoch, 19. August 2015

Tag 5 bis 8 - Holzstock-Festival in Holzmengen / Hosman


Zwischenstopp in Sibiu - Abendbrot unter Weinreben
Nachdem ich die Transalpina gemeistert und auf dem Weg noch leckeren Käse von glücklichen Kühen gekauft hatte, kam ich bei einer Freundin, die mich auch schon in Belgrad begleitet hatte an und konnte auf ihrer Couch nächtigen. Sie hatte zwar auch zwei Couchsurfer da, die wollten aber lieber im Garten das Zelt ausprobieren und so konnte ich auf der Couch schlafen. Wir hatten noch einen netten Abend mit den Gästen und am nächsten Morgen ein ausgedehntes Frühstück. Ich ging danach noch eine andere Freundin in Hermannstadt besuchen - ich hatte also streng genommen erstmal einen Tag Leerlauf in Hermannstadt. Das war sehr entspannend und schön und ich freute mich, so viele nette Menschen zu treffen. Doch es sollten noch mehr werden. Denn einen Tag nach meiner Ankunft fuhren wir los nach Holzmengen - dort fand das Holzstock-Festival statt und es musste noch allerhand vorbereitet werden. 

Der alte Saal der Schule in Holzmengen
Das Holzstock-Festival ist ein sehr kleines Festival, organisiert vom deutschen Jugendforum Hermannstadt (Sibiu). Neben einer hauptamtlichen Jugendreferentin arbeiten also vor allem Jugendliche selbst an der Planung. Das ganze fand bereits 2014 statt, somit war 2015 die zweite Auflage. Veranstaltungsort ist die Kirchenburg und das ehemalige Pfarrhaus, heute Jugendherberge, in Holzmengen, etwa 30km von Sibiu. Neben lokalen Bands wurden auch Menschen eingeladen, die einen Workshop halten würden, so war das Festival eine Kombination aus Spaß haben und etwas zu lernen. Und für die Organisatoren war es natürlich eine großartige Möglichkeit, sich einzubringen und interessante Erfahrungen zu sammeln. Ich kenne einige Leute aus Hermannstadt, die im Bereich der deutschen Minderheit arbeiten, ganz gut und freute mich darauf, sie wiederzusehen.

Die Mauer der Kirchenburg
Ich wollte eigentlich für mein Festivalticket zahlen, hatte aber angeboten, ein bisschen mit zu helfen, damit ich auch am Donnerstag schon übernachten konnte, denn eigentlich ging das Festival erst am Freitag los. Da dann aber doch noch Freiwillige gebraucht wurden, erhielt ich einen "Staff"-Ausweis und musste keinen Eintritt zahlen, dafür aber ein paar Schichten im Orga-Team leisten. Da hatte ich auch gar nichts dagegen - bedeutete es zudem noch, dass ich mit lieben Menschen zusammenarbeiten konnte, die ich lange nicht gesehen hatte. Außerdem fand ich das Festival ohnehin eine gute Sache und wollte gern mit anpacken. Leider trafen dann am Donnerstagabend die extreme Hitze und Sonne des Tages auf zu viel Alkohol und wer weiß was noch und knockten mich für einen Tag komplett aus. Ich war so fertig, dass ich am Freitag zu gar nichts zu gebrauchen war und mich Freitagabend nur zurückziehen konnte, anstatt den Konzerten zu lauschen. 

Lea Matika auf der Bühne beim Holzstockfestival
Dafür ging für mich das Festival am Samstagmorgen halb neun motiviert und gut ausgeschlafen los. Ich war für meine erste Schicht bereit und sammelte fleißig Müll auf, der Freitagnacht liegen geblieben war. Den ganzen Tag über half ich noch im Infrastruktur und Ordnungsteam und am Abend genoss ich die drei Konzerte. Lea Matika spielte selbstgeschriebene Lieder und begleitete sich am Bass und Klavier, The Wildfire lieferten solide Cover-Songs und Lipiciosii unterhielten mit eigenwilligen aber interessanten Coverversionen und eigenen Stücken. Am Abend waren bis zu 300 Leute auf dem Gelände des Pfarrhauses. Nach dem die letzte Band fertig war, legte noch ein DJ auf und es konnte getanzt werden. Das nutzten nicht mehr so viele - die meisten standen in Gruppen und quatschten, die Chill-Out-Area hingegen kam wiederum sehr gut an zu späterer Stunde. Ich schlief seit langem mal wieder in einem Zelt, das mir eine Freundin überlassen hatte und ich schlief gar nicht mal so schlecht. Vormerken für den nächsten Urlaub - vielleicht mal wieder zelten gehen?

Ich hatte den ganzen Tag so viel Spaß wie schon lange nicht mehr. Die Atmosphäre war den ganzen Tag sehr entspannt und die Leute waren so gut drauf, dass es Spaß machte, zusammenzuarbeiten. Auch bei den Konzerten am Abend war die Stimmung einfach gut. Selbst am nächsten Tag beim Aufräumen gab es keinen allzu großen Stress - alle machten mehr oder weniger mit und schnell war der gröbste Schmutz beseitigt. Von den Dorfbewohnern kam auch nur positives Feedback. Ich hatte Ärger wegen lauter Musik erwartet, aber ganz im Gegenteil, alle schienen sich zu freuen, dass Jugend im Dorf war und einmal etwas los war in ihrer kleinen Ortschaft. 

Hier noch ein paar Eindrücke vom Auftritt der Band Lipiciosii: 




Sonntag, 16. August 2015

Tag 4 - Târgu Jiu und Transalpina

Nachdem ich also die Nacht in Tismana gefühlt kaum geschlafen hatte und mein Kantinenfrühstück eingenommen hatte, nachdem ich auch noch schnell das Kloster besucht hatte (immer etwas an meinem Rock zerrend, in der Hoffnung, er möge meine Knie bedecken), machte ich mich auf den Weg nach Târgu Jiu. Da wollte ich dann auch halt machen, zum einen um Wasser zu kaufen und Geld abzuheben, zum anderen um Brâncușis Skulpturen zu sehen, wenn ich schon mal da war. Constantin
Brâncuși ist der wohl berühmteste rumänische Bildhauer und sein Heimatort ist in der Nähe von Târgu Jiu. 1937 erhielt er den Auftrag für ein dreiteiliges Ensemble in Târgu Jiu, bestehend aus dem Tor des Kusses, dem Tisch des Schweigens und der Endlosen Säule. 

Ich fand Târgu Jiu beim hereinfahren recht chaotisch, jedenfalls nachdem ich nur durch kleine Orte getuckert war unübersichtlich. Ich war ganz froh, als ich beim großen Marktplatz einen Parkplatz fand und ließ das Auto dort erstmal stehen. Wie ich dann feststellte, war das gar keine schlechte Idee gewesen, denn der Park mit zwei der Skulpturen lag gleich auf der anderen Straßenseite. Ich schaute und schaute, aber ich fand das Werk, das mich am Meisten interessierte, die Endlose Säule, nicht. Schließlich brachte ich in Erfahrung, das diese sich in einem anderen Park befand. 
Praktischerweise musste ich an diesem Park ohnehin vorbei, wenn ich meinen Weg Richtung Transalpina fortsetzen wollte. Ich stellte das Auto einfach kurz am Straßenrand ab und schaute mir die Skulptur an. Beeindruckend war sie schon irgendwie. Ich hatte aber keine Muse, lange zu verweilen, es war schon wieder unerträglich heiß. 


Wie entkommt man der Hitze besser als in den Bergen? Ich machte mich auf zur ersten Passstraße meiner Reise, der Transalpina. Die Straße heißt so, weil dieser Teil der Karpaten auch Transilvanische Alpen genannt wird. Und über diese führt die Straße von Nord nach Süd oder umgekehrt, je nachdem von wo man kommt. Die Straße ist etwa 150km lang, nur im Sommer geöffnet und liegt zwischen Novaci bei Târgu Jiu und Sebes. Ich wollte nach Sibiu, von daher passte es mir, auch wenn es vielleicht nicht der kürzeste Weg war. Aber wenn schon einmal in der Nähe, dachte ich mir, ich nehme die höchste Straße Rumäniens mal mit. 


Hat es sich gelohnt? Ja. Die Ausblicke waren schön, der Teil, als ich das Gefühl hatte, geradezu in die Wolken zu fahren sogar spektakulär. Geschockt hat mich das Skiressort Rânca. So etwas hässliches habe ich seit langem nicht gesehen. Wahrscheinlich sehen Skiorte im Sommer nie besonders attraktiv aus, aber hier gab es scheinbar nur halb fertige Häuser und billig und schnell hochgezogene Gebäude, die wohl so etwas wie Villen imitieren wollten. Danach wurde es aber definitiv besser und ich fuhr mit Karl mal im ersten Gang, mal im dritten, immer den Berg hinauf. Irgendwo hielt ich auch mal, um Käse von den Almkühen zu kaufen. Man muss nämlich auf der Strecke nicht nur auf die Kurven achten, sondern auch auf eventuell herumstehende Kühe und natürlich eine Menge Autos, die unachtsam abgestellt werden, weil die Insassen schnell ein Bild machen wollen. Insgesamt also eine anspruchsvolle Strecke, zumal die Leitplanken noch fehlen. Offiziell ist die Transalpina deswegen wohl auch gar nicht freigegeben, wenn ich das richtig verstanden habe, aber an der Straßensperre sind alle vorbeigefahren, deswegen habe ich mich da mal eingereiht.

Samstag, 15. August 2015

Tag 3 - Tismana und Cheile Sohodolului

Nachdem ich mit der Bahn in atemberaubend langsamer Geschwindigkeit durchs Banater Bergland gekrochen war und in Baile Herculane gewandert war und geplanscht hatte, dachte ich, noch mehr Entschleunigung könnte mir nur gut tun. Ich buchte, weil billig und angeblich idyllisch gelegen, ein Zimmer im Tismana-Hotel, zugehörig zu dem gleichnamigen Kloster und gelegen zwischen Baile Herculane und Târgu Jiu. Sagen wir es mal so: Die Fahrt war spektaktulär. Für einen Roadtrip also nicht schlecht. Deswegen erhoffte ich mir wohl auch einfach ein bisschen viel. Idyllisch gelegen hieß dann aber einfach: im Wald. Auch da dachte ich zunächst noch an Entspannung, angenehme Kühle, Schlaf... Naja, es sollte anders kommen. 

Ich brach gleich morgens auf, denn ich habe immer gern die Gelegenheit am Wegesrand soviele Pausen zu machen, wie ich möchte. Ich machte auch einige kurze Pausen im Flusstall der Cerna. Alles in allem war ich aber gespannt auf das Kloster und das Hotel. Ich war vorgewarnt, es sollte an sich nicht besonders schön sein - tja, war es auch nicht. Dafür gab es an jedem Zimmer einen Balkon und Frühstück inklusive und das bei unter 14 Euro fürs Einzelzimmer. Das ist selbst für Rumänien echt ok. Insgesamt war ich dennoch enttäuscht von der Lage. Immerhin, das Flussrauschen würde nachts sicher beruhigend sein und einen in den Schlaf wiegen.

Ich wusste nicht so richtig, was ich noch mit dem Tag anfangen sollte, und fuhr gleich weiter zu den Cheile Sohodolului. Das sind Klippen, zwischen denen ein wirklich vergleichsweise kleiner Fluss dahinplätschert. Sie sind aufgrund der Felsformationen sehr sehenswert und ich muss sagen, ich war wirklich beeindruckt. Ich stellte das Auto am Anfang ab und begab mich zu Fuß durch die etwas 3km lange Schlucht. Natürlich in Ermangelung eines Wanderwegs immer auf der Straße entlang. Unterwegs warnte mich ein Schild vor Hornnattern und teilte mir mit, was ich bei einem Biss tun sollte (Blutzufuhr abbinden), was mich nicht gerade beruhigte, aber ich sah auch nirgends eine Schlange. Selbst denen war es wohl zu warm. Am Ende der Schlucht fließt der Fluss noch unter ein paar Felsen hindurch, dann öffnet sich die Landschaft wieder weiter. Ich ging zurück. Es ist ein interessanter Ausflug, nicht allzu touristenüberlaufen und wenn man ohnehin auf dem Weg fast vorbei kommt, lohnt sich ein Abstecher allemal. 

Nach der Wandertour kehrte ich zurück und deckte mich noch im Supermarkt mit Knabbereien ein. So verbrachte ich den Abend telefonierend und vor dem Fernseher, ein Weilchen auch auf dem Balkon lesend - eben ganz wie im Urlaub. Einmal wurde ich noch gestört, als es an der Tür klopfte, das war so gegen sechs Uhr abends. Mein erster Impuls war, dass das wohl eine Nonne wäre, die mich zum Gebet holen will - aber zum Glück war es nichts dergleichen. Eine Touristin, vermutlich Pilgerin, hatte den Zimmerschlüssel wohl falsch herum gehalten und wollte nun in Zimmer 6 statt 9. Sie war erstaunt, dass schon belegt war, verzog sich dann aber auch schnell. Richtig unangenehm wurde es erst, als ich mich zur Nachtruhe bettete. Da merkte ich den größten Mangel der Unterkunft. Streunerhunde waren schon den ganzen Tag um den Parkplatz gestrolcht und kläfften sich nun nachts ständig an, als wöllten sie sich zerfleischen - was sie vielleicht auch taten, keine Ahnung. Immer wieder wachte ich von dem lauten Gebell auf. Eine enspannte Nacht beim Kloster hatte ich mir wirklich anders vorgestellt...

Am Morgen gab es dann noch kantinenähnliches Frühstück neben anderen Pilgern und Touristen. Ich war vermutlich die einzige Alleinreisende im ganzen Hotel. Dafür musste ich dann auch den Brotkorb auf meinem Tisch mit niemandem teilen. Ich schaute mir noch schnell das Kloster an (ebenfalls weniger spektakulär als erwartet) und brach auf. Im Radio lief witzigerweise gerade experimentelle elektronische Musik auf Radio Romania Cultural. Na, wenn das mal kein guter Start war und bedeutete, es würde besser werden...