Auch der schönste Urlaub endet einmal und für mich tat er das nach zehn Tagen. Ich hatte noch einen Tag länger frei, wollte den aber nutzen, um noch ein wenig zuhause in Temeswar zu entspannen, ehe ich wieder auf Arbeit musste. Die Rückfahrt war auch ziemlich lang, ich musste von Saliste bei Sibiu bis zurück nach Temeswar.


Unterwegs machte ich noch einen Stop bei der Burg in Deva, die auf meiner To-Do-Liste "Rumänien entdecken" stand. Das Witzige an der Burg ist, dass man mit einer Art Lift oder Mini-Schwebebahn hinauf fährt. Oben angekommen gibt es dann einen Weg über Holzplanken durch die Burg, die offensichtlich gerade totsaniert wird. Ich weiß, dass ich mir damit gerade bei den Banater Schwaben keine Freunde mache, weil sie Maria Radna für einen Glücksfall halten, aber ich stimme einem Artikel vom Telegraph in weiten Teilen zu. Er behauptet, dass mit europäischen Fördergeldern die Originalität der Bauwerke zerstört werde und die Restaurierung oft unsachgemäß und billig ausgeführt würde: Ancient Transylvanian buildings brutally revamped at cost to EU taxpayers. Ich habe nun einige Burgen gesehen, die zubetoniert worden sind, einige wunderschöne alte Häuser, die mit Termopan (Kunststoffenstern) verunschönt wurden, und einfach sehr viele grässlich ausgeführte Restaurierungsarbeiten. Sicher gibt es auch Gegenbeispiele, sicher gibt es auch gute Restauratoren (wobei mir ein Rumäne versichert, unter Ceausescu sei das Handwerk in Rumänien gründlich und nachhaltig zerstört wurden), aber viel wird schnell und billig gemacht. Die Rumänen sollten die Schätze, die ihr Land bietet, umhegen, bewahren und stolz darauf sein, denn was einmal "kaputtrestauriert" ist, lässt sich nicht so einfach wieder herstellen. Der Ausblick von oben von der Burg in Deva war schön, nur war ich eben leider eher enttäuscht, dass man statt der Ruine eine weitere "echte Mittelalterburg" für Touristen aufbauen will, offenbar.
Ich verpasste dann die Abfahrt nach Timisoara und nahm den längeren Weg über Radna und Lipova. Bei der päpstlichen Basilika Maria Radna hielt ich nicht, obwohl ich Teile des Artikels von oben prüfen hätte können, aber ich wollte eigentlich einfach nur gern ankommen. Leider war das nicht so einfach, denn das komplette Stadtzentrum von Lipova ist aufgerissen und man wird über irgendwelche Dreckwege einen guten Kilometer durch die Stadt geschickt, bis man auf eine Nebenstraße in erbärmlichen Zustand gelangt, die Richtung Temeswar führt. Ich ruckelte so vor mich hin, aber irgendwann war ich dann da - was sich nach dieser über tausend Kilometer langen Tour seltsam anfühlte.
Ich habe bei dieser Reise noch einmal wunderschöne Ecken dieses bezaubernden Landes gesehen. Ich habe mich mal wieder neu verliebt, vor allem in Siebenbürgen. Ich habe entlang des Weges sehr viele nette Menschen getroffen. War ich vorher ein bisschen ängstlich gewesen, allein zu fahren, hat sich wieder mal bewiesen, dass man nie allein ist auf Reisen - denn gerade wenn man allein reist, trifft man besonders viele Menschen am Wegesrand. Wer weiß, wer weiß, vielleicht findet man mich ja bald als Burghüterin auf der siebenbürgischen Kirchenburg...
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