Nachdem ich mit der Bahn in atemberaubend langsamer Geschwindigkeit durchs Banater Bergland gekrochen war und in Baile Herculane gewandert war und geplanscht hatte, dachte ich, noch mehr Entschleunigung könnte mir nur gut tun. Ich buchte, weil billig und angeblich idyllisch gelegen, ein Zimmer im Tismana-Hotel, zugehörig zu dem gleichnamigen Kloster und gelegen zwischen Baile Herculane und Târgu Jiu. Sagen wir es mal so: Die Fahrt war spektaktulär. Für einen Roadtrip also nicht schlecht. Deswegen erhoffte ich mir wohl auch einfach ein bisschen viel. Idyllisch gelegen hieß dann aber einfach: im Wald. Auch da dachte ich zunächst noch an Entspannung, angenehme Kühle, Schlaf... Naja, es sollte anders kommen.
Ich brach gleich morgens auf, denn ich habe immer gern die Gelegenheit am Wegesrand soviele Pausen zu machen, wie ich möchte. Ich machte auch einige kurze Pausen im Flusstall der Cerna. Alles in allem war ich aber gespannt auf das Kloster und das Hotel. Ich war vorgewarnt, es sollte an sich nicht besonders schön sein - tja, war es auch nicht. Dafür gab es an jedem Zimmer einen Balkon und Frühstück inklusive und das bei unter 14 Euro fürs Einzelzimmer. Das ist selbst für Rumänien echt ok. Insgesamt war ich dennoch enttäuscht von der Lage. Immerhin, das Flussrauschen würde nachts sicher beruhigend sein und einen in den Schlaf wiegen.
Ich wusste nicht so richtig, was ich noch mit dem Tag anfangen sollte, und fuhr gleich weiter zu den Cheile Sohodolului. Das sind Klippen, zwischen denen ein wirklich vergleichsweise kleiner Fluss dahinplätschert. Sie sind aufgrund der Felsformationen sehr sehenswert und ich muss sagen, ich war wirklich beeindruckt. Ich stellte das Auto am Anfang ab und begab mich zu Fuß durch die etwas 3km lange Schlucht. Natürlich in Ermangelung eines Wanderwegs immer auf der Straße entlang. Unterwegs warnte mich ein Schild vor Hornnattern und teilte mir mit, was ich bei einem Biss tun sollte (Blutzufuhr abbinden), was mich nicht gerade beruhigte, aber ich sah auch nirgends eine Schlange. Selbst denen war es wohl zu warm. Am Ende der Schlucht fließt der Fluss noch unter ein paar Felsen hindurch, dann öffnet sich die Landschaft wieder weiter. Ich ging zurück. Es ist ein interessanter Ausflug, nicht allzu touristenüberlaufen und wenn man ohnehin auf dem Weg fast vorbei kommt, lohnt sich ein Abstecher allemal.
Nach der Wandertour kehrte ich zurück und deckte mich noch im Supermarkt mit Knabbereien ein. So verbrachte ich den Abend telefonierend und vor dem Fernseher, ein Weilchen auch auf dem Balkon lesend - eben ganz wie im Urlaub. Einmal wurde ich noch gestört, als es an der Tür klopfte, das war so gegen sechs Uhr abends. Mein erster Impuls war, dass das wohl eine Nonne wäre, die mich zum Gebet holen will - aber zum Glück war es nichts dergleichen. Eine Touristin, vermutlich Pilgerin, hatte den Zimmerschlüssel wohl falsch herum gehalten und wollte nun in Zimmer 6 statt 9. Sie war erstaunt, dass schon belegt war, verzog sich dann aber auch schnell. Richtig unangenehm wurde es erst, als ich mich zur Nachtruhe bettete. Da merkte ich den größten Mangel der Unterkunft. Streunerhunde waren schon den ganzen Tag um den Parkplatz gestrolcht und kläfften sich nun nachts ständig an, als wöllten sie sich zerfleischen - was sie vielleicht auch taten, keine Ahnung. Immer wieder wachte ich von dem lauten Gebell auf. Eine enspannte Nacht beim Kloster hatte ich mir wirklich anders vorgestellt...
Am Morgen gab es dann noch kantinenähnliches Frühstück neben anderen Pilgern und Touristen. Ich war vermutlich die einzige Alleinreisende im ganzen Hotel. Dafür musste ich dann auch den Brotkorb auf meinem Tisch mit niemandem teilen. Ich schaute mir noch schnell das Kloster an (ebenfalls weniger spektakulär als erwartet) und brach auf. Im Radio lief witzigerweise gerade experimentelle elektronische Musik auf Radio Romania Cultural. Na, wenn das mal kein guter Start war und bedeutete, es würde besser werden...


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