Nachdem ich also die Nacht in Tismana gefühlt kaum geschlafen hatte und mein Kantinenfrühstück eingenommen hatte, nachdem ich auch noch schnell das Kloster besucht hatte (immer etwas an meinem Rock zerrend, in der Hoffnung, er möge meine Knie bedecken), machte ich mich auf den Weg nach Târgu Jiu. Da wollte ich dann auch halt machen, zum einen um Wasser zu kaufen und Geld abzuheben, zum anderen um Brâncușis Skulpturen zu sehen, wenn ich schon mal da war. Constantin
Brâncuși ist der wohl berühmteste rumänische Bildhauer und sein Heimatort ist in der Nähe von Târgu Jiu. 1937 erhielt er den Auftrag für ein dreiteiliges Ensemble in Târgu Jiu, bestehend aus dem Tor des Kusses, dem Tisch des Schweigens und der Endlosen Säule.

Ich fand Târgu Jiu beim hereinfahren recht chaotisch, jedenfalls nachdem ich nur durch kleine Orte getuckert war unübersichtlich. Ich war ganz froh, als ich beim großen Marktplatz einen Parkplatz fand und ließ das Auto dort erstmal stehen. Wie ich dann feststellte, war das gar keine schlechte Idee gewesen, denn der Park mit zwei der Skulpturen lag gleich auf der anderen Straßenseite. Ich schaute und schaute, aber ich fand das Werk, das mich am Meisten interessierte, die Endlose Säule, nicht. Schließlich brachte ich in Erfahrung, das diese sich in einem anderen Park befand.
Praktischerweise musste ich an diesem Park ohnehin vorbei, wenn ich meinen Weg Richtung Transalpina fortsetzen wollte. Ich stellte das Auto einfach kurz am Straßenrand ab und schaute mir die Skulptur an. Beeindruckend war sie schon irgendwie. Ich hatte aber keine Muse, lange zu verweilen, es war schon wieder unerträglich heiß.
Wie entkommt man der Hitze besser als in den Bergen? Ich machte mich auf zur ersten Passstraße meiner Reise, der Transalpina. Die Straße heißt so, weil dieser Teil der Karpaten auch Transilvanische Alpen genannt wird. Und über diese führt die Straße von Nord nach Süd oder umgekehrt, je nachdem von wo man kommt. Die Straße ist etwa 150km lang, nur im Sommer geöffnet und liegt zwischen Novaci bei Târgu Jiu und Sebes. Ich wollte nach Sibiu, von daher passte es mir, auch wenn es vielleicht nicht der kürzeste Weg war. Aber wenn schon einmal in der Nähe, dachte ich mir, ich nehme die höchste Straße Rumäniens mal mit.

Hat es sich gelohnt? Ja. Die Ausblicke waren schön, der Teil, als ich das Gefühl hatte, geradezu in die Wolken zu fahren sogar spektakulär. Geschockt hat mich das Skiressort Rânca. So etwas hässliches habe ich seit langem nicht gesehen. Wahrscheinlich sehen Skiorte im Sommer nie besonders attraktiv aus, aber hier gab es scheinbar nur halb fertige Häuser und billig und schnell hochgezogene Gebäude, die wohl so etwas wie Villen imitieren wollten. Danach wurde es aber definitiv besser und ich fuhr mit Karl mal im ersten Gang, mal im dritten, immer den Berg hinauf. Irgendwo hielt ich auch mal, um Käse von den Almkühen zu kaufen. Man muss nämlich auf der Strecke nicht nur auf die Kurven achten, sondern auch auf eventuell herumstehende Kühe und natürlich eine Menge Autos, die unachtsam abgestellt werden, weil die Insassen schnell ein Bild machen wollen. Insgesamt also eine anspruchsvolle Strecke, zumal die Leitplanken noch fehlen. Offiziell ist die Transalpina deswegen wohl auch gar nicht freigegeben, wenn ich das richtig verstanden habe, aber an der Straßensperre sind alle vorbeigefahren, deswegen habe ich mich da mal eingereiht.


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