Donnerstag, 20. März 2014

Linktipps: Sich bewegen und vegetarisch essen

Lange gab es keine Linktipps mehr, aber jetzt habe ich mal wieder coole Sachen zu empfehlen...

Es wird Frühling und da sollte man sich mal wieder ein bisschen draußen bewegen. Aber wohin nur? Gerade hier in Rumänien kann ich nicht in den Laden gehen und mir den "Fahrradführer Nordbanat" holen, denn so etwas gibt es nicht. Auch keine ausgeschilderten Radwege. Um mir Inspirationen zu holen, habe ich viel im Internet geschaut. Auf den folgenden zwei Seiten bin ich fündig geworden:

http://www.mapmyride.com/

Hier sind Lauf- und Fahrradrouten verzeichnet.

http://www.bikemap.net

Hier sind Fahrradrouten verzeichnet, alle mit Höhenangaben, manche auch mit zusätzlicher Beschreibung und Tipps.

Und wenn dann der kleine Hunger kommt, sollte man natürlich gesund essen - Sport machen, gesund leben, gesund essen - wer auf Tiere verzichten mag, sollte vielleicht mal bei Happy Cow checken, ob etwas für sie oder ihn dabei ist.

http://www.happycow.net

Die glückliche Kuh verzeichnet vegetarische, vegane und Vegetarier-freundliche Restaurants und Imbisse, aber auch zum Beispiel Eisdielen.

SkirtBike? DirtBike!

Ich schaue mir die Fotos von hübschen stilvollen Mädchen auf hübschen stillvollen Rädern sehr gern an und würde auch gern wie eine Elfe über das Altstadtpflaster schweben - in einem Kleid aus dem letzten Jahrhundert und sauber zurechtgelegten Haaren. Leider fehlt mir da wohl das osteuropäische Gen - nicht nur um für die entsprechenden Bilder zu posen, sondern auch um stilbewusst in die Pedale zu treten. Ich kann auch hübsch, so ist es nicht. Und ein schönes Kleid trage ich auch sehr gern, und etwas geschminkt bin ich auch hin und wieder. Aber ich habe nicht den Anspruch, jeden Morgen auszusehen wie ein Model, wenn ich auf Arbeit gehe und wenn ich eine Fahrradtour mache, dann bin ich ganz die Deutsche und zieh mir meine bequemen Hosen und die Fleecejacke an.



Ein Fahrrad ist eigentlich für mich ein Fortbewegungsmittel, dass mich zum Einkaufen bringt, zur Uni oder zum Badesee. Diese Stadt ist ein wenig Fahrrad unfreundlich, so dass ich in der Stadt kein Fahrrad benutze. Bei fehlenden Fahrradständern oder anderen Abstellmöglichkeiten und Baustellen in jeder zweiten Gasse und rar gesäten Fahrradwegen in Kombination mit unmöglichen Autofahrern behindert es eher. Wenn ich Fahrrad fahre, dann raus aus der Stadt und rein in die Natur. Gerade deswegen auch die bequeme Kleidung und ein paar Sneaker und ja, sogar ein Fahrradhelm. Ich will mir keine Gedanken darüber machen müssen, ob ich mein Kleidchen dreckig mache.



Das Ergebnis vom letzten Wochenende kann sich sehen lassen. Ich hatte sogar Dreckspritzer im Gesicht. Etwas mehr als 20km war die Erste Tour durch den Jagdwald und Giarmata Vii. Und es hat so einen Spaß gemacht. Es ist das erste richtige Mountainbike, dass ich besitze und ich liebe es schon jetzt. Auf viele spannende Touren!

Samstag, 15. März 2014

Rumänische Autofahrer

Soviel kann man sich denken - Autofahren in Rumänien ist nicht immer ein Spaß. Zweispurige Kreisverkehre verstehe ich so langsam, auch wenn sie mir immer noch Angst einflößen. Mit erhöhter Alarmbereitschaft fahren, und zwar immer, weil man nie weiß, was passieren könnte, ist sowieso das oberste Gebot. Doch nun ist nichts im eigentlichen Straßenverkehr passiert, sondern meine schlimmste Befürchtung eingetroffen - auf dem Parkplatz des Wohnblocks wurde mein treuer Clio Opfer einer brutalen Attacke. Als wir von einem Sonntagsausflug zurückkamen, fanden wir ihn demoliert und mit einem Zettel mit Telefonnummer an der Windschutzscheibe. Übel sah Karl aus...


Zudem war der gute um gute drei, vier Meter nach hinten geschoben - bei angezogener Handbremse eine beachtliche Leistung. Auch die umstehenden Autos waren ordentlich in Mitleidenschaft gezogen. Wie sich herausstellte, hatte eine Nachbarin mit ihrem neuen Gebrauchtwagen gleich vier Autos beim Einparken so richtig angefahren - vermutlich alles nur Blechschäden, dafür aber ordentliche. Da sich der Vorfall an einem Sonntag zutrug und die Nachbarin die Polizei nicht rufen wollte ("Was soll das bringen, da verschwenden wir nur unsere Zeit."), wurde vereinbart, am nächsten Tag bei der Versicherung vorstellig zu werden. Doch noch bevor ich bei der Versicherung eintraf (da es natürlich keine Kundenparkplätze gab, suchte ich zehn Minuten nach einer Parkmöglichkeit), wurde mir mitgeteilt umzudrehen und zur Polizei zu fahren, wo der Unfall aufgenommen werden musste, weil so viele Autos "beteiligt" waren. Mit zwei anderen Nachbarn, dem Ehemann einer Nachbarin, der Unfallverursacherin, ihrem Lebensgefährten und einem Freund der beiden stand ich schließlich in einem engen Raum mit zwei kleinen Fensterchen, an denen die zuständigen Beamten des Bereich "Tamponari" saßen. Das heißt tatsächlich so und bedeutet wohl soviel wie Auffahrunfall.


Alle trugen brav ihre Daten auf den Formblättern ein und zeichneten Skizzen des vermutlichen Unfallhergangs, nach einer Ewigkeit ging der Beamte mit uns raus, um sich die Autos anzuschauen. Da es natürlich auch bei den Tamponari keine Parkmöglichkeiten gab, mussten wir 200m die Straße hoch und runter laufen, um alle Autos aufzusuchen. Schließlich erhielten wir irgendwann das nötige Formblatt für die Versicherung. Zur selbigen fuhren wir geschwind, das heißt nach über zwei Stunden Polizei. Doch natürlich konnten die Herren von der Versicherung auch nichts machen, als uns einen Termin zu geben. Am Mittwoch also sollte ich wieder antanzen, wieder keinen Parkplatz finden, aber wieder mit dem Auto kommen müssen, da ja der Schaden aufgenommen werden musste. Inzwischen war mir irgendwie alles egal, ich nahm den erstbesten Termin und fuhr zur Arbeit.

Mittwoch also der nächste Versuch - neben mir war noch ein Nachbar mit einem ordentlichen Schaden an der Tür da, der am Montag gefehlt hatte. Ich parkte irgendwo, wo ich ziemlich im Weg sein musste und das Auto wurde fotografiert, außerdem wurden ungefähr all meine Daten aufgenommen - vom Ausweis bis zur grünen Versicherungskarte des Autos. Irgendwann durfte ich wieder weg - nur etwa über eine halbe Stunde hatte es gedauert. Beim Ausparken aus dem engen Parkplatz nahm ich noch einen Poller mit, dann konnte ich wiederum auf Arbeit fahren. Es würde eine Weile dauern, die Autos zur Reparatur freizugeben, weil so viele betroffen werden, sagte uns noch der Versicherungsmensch. Na toll. Ich solle trotzdem schon mal mit meinem zur Werkstatt, um den Schaden konkret feststellen zu können, schließlich könnte ja unter der eingedrückten Schnauze durchaus noch was kaputt sein. Dass ich bereits ständig zwischen zuhause, Polizei und Versicherungsbüro hin- und hergefahren war, interessierte scheinbar nicht.


Ich ging wiederum auf Arbeit und so auch am nächsten Tag - das Auto wollte ich in die Werkstatt bringen, wenn mein persönlicher Dolmetscher Zeit hatte, mitzukommen. Auto Schwab hatte ich mir ausgeguckt als Werkstatt meines Vertrauens. Die Schwaben, wie auch die deutsche Minderheit hier heißt, gelten als ordentlich und zuverlässig. Der Name ließ mich etwas Vertrauen fassen. Als nun der Versicherungsmensch etwa 24 Stunden nach unserem Versicherungstermin fragte, ob denn das Auto nun schon in der Werkstatt sei, entschied ich mich schließlich, es schnell zum Auto Schwab zu bringen. Wie sich herausstellte, eine Hinterhofbaracke mit zahlreichen zerstückelten Autoleichen auf dem Parkplatz. Der Mensch von der Versicherung könne erst in einer Stunde kommen. Da ich ohnehin nichts ausrichten konnte, ließ ich Karl schweren Herzens da. Mal sehen, wann ich ihn wieder heil und hergerichtet sehe und meine Hände um sein Lenkrad schmiegen darf.

Freitag, 7. März 2014

Hermannstadt ganz nebenbei

Ich habe es nach meiner Irrfahrt über Arad doch noch nach Sibiu / Hermannstadt geschafft. Ich nehme hier drei Tage an einer Werkstatt zum Schreiben von Anträgen für Erasmus+ teil. Schon wieder Erasmus? Nachdem ich das Erasmusprogramm schon mehr als eigentlich möglich ist ausgeschöpft habe, mache ich natürlich nicht noch ein Auslandssemester über den europäischen Studentenaustausch. Mein Erasmus-Semester führte mich bereits 2008 ins schöne Rumänien und damals nahm ja sozusagen alles seinen Anfang. Danach machte ich 2010 noch Leonardo, beziehungsweise Erasmus-Placements, wie es für Studenten noch heißt in Prag, also ein Auslandspraktikum. Und 2012 machte ich mein zweites inoffizielles Erasmus-Semester, bei dem sich viele Problem dadurch auftaten, dass niemand zweimal Erasmus machen darf. Ich erhielt eh kein Stipendium, aber streng genommen hätte ich den Platz (den seit Jahren niemand genutzt hatte) auch nicht bekommen dürfen. Hier eine kleine Einführung in meine Leidensgeschichte.

Letzten Sommer habe ich dann an einem Jugend in Aktion Projekt teilgenommen, dass noch immer läuft und hoffentlich bald seinen fulminanten Abschluss findet. Wir wollen den ersten Stolperstein in Rumänien setzen. Die Anfänge des Projekts gibt es fragmentarisch hier. Jugend in Aktion ist ein europäisches Förderprogramm für transnationale Jugendprojekte. Und seit diesem Jahr heißt Jugend in Aktion eben Erasmus+. Weil ich jetzt beruflich das ein oder andere Jugendprojekt umsetzen will und meine Gastinstitution wie die meisten Vereine chronisch an Geldmangel leidet, bin ich nun zu einem Trainingskurs gegangen, um zu lernen, wie man Erasmus+-Anträge schreibt. Und ganz nebenbei war ich dafür drei Tage in Sibiu. Morgen reise ich am Nachmittag wieder ab, um noch mit einem Freund aus Deutschland ein Bier trinken gehen zu können, ehe dieser sich wieder nach Deutschland aufmacht.



Sibiu ist wunderschön. Ich war sehr lange nicht hier und es ist etwas anders, als ich es in Erinnerung habe. Ich hatte es noch glattpolierter vor meinem geistigen Auge und so erscheint es mir fast ein wenig heruntergekommen, wenn es auch immer schon so war, dass die glänzende Fassade sich vor allem auf den Großen Platz beschränkte und wenn man die Treppen und Stiegen in die kleinen Gassen herabsteigt, hier und da der Putz bröckelt und die Farbe blättert. Dennoch, das schmälert die Schönheit der Stadt nicht. Sibiu ist dort ehrlicher, wo das Pflaster holpriger ist. Ich mag es so und ich mag die engen Gassen, die etwas anders aussehen, als das prächtige Bruckenthal-Palais. 



Dennoch, bei schon fast frühlingshaftem Wetter ist der Platz gefüllt. Überall hört man deutsch und ich weiß nicht, wie viele Backpacker ich ihre Rucksäcke geschultert über das Pflaster traben sah. Seit die Stadt 2007 Europäische Kulturhauptstadt war, ist sie nicht nur bei Backpackern, sonder auch bei Kulturtouristen ein interessanter Zwischenstopp zwischen Budapest und Bukarest. Sie gehört zu einer Rumänienreise unbedingt dazu, mehr noch als Temeswar / Timisoara, Klausenburg / Cluj oder Kronstadt / Brasov. Iasi, mit seiner Lage ganz im Osten, ist zwar eine der größten Städte des Landes, wird aber von Reisenden, wohl auch wegen seiner Lage außerhalb Transilvaniens und fernab der Backpackerrouten, ignoriert.


Und so glänzt Sibiu, glänzt vor sich hin mit seinen Türmen und Treppen, Museen und Kirchen. Es ist ein Beispiel, was ein Kulturhauptstadt-Titel ausmachen kann für eine Stadt. Die Hermannstädter leben wohl kaum in Saus und Braus seit 2007, aber die Innenstadt zumindest ist belebt und kaum steht mal ein Laden leer. Irgendwie wünsche ich mir den Titel für Timisoara. Cluj hat bereits genügend Kultur, Nachtleben und kleine Läden in der Innenstadt. Ich war länger nicht da, aber ich glaube, die Biergärten werden immer noch sieben Sorten Limonade servieren im Sommer, in den ungarischen Kneipen wird immer noch Harghita-Bier verkauft und an den Kicker-Tischen stehen immer noch 16, 17-jährige Punk-Mädchen und Erasmus-Studenten. Ich sollte mal wieder hinfahren, ich vermisse es doch irgendwie.


Sibiu ist anders als Temeswar. So anders eben, wie eine siebenbürgische Kirchenburg von einem Banater Schwabendorf ist. Wie die Berge um Sibiu vom flachen Land um Temeswar sind. Wie die sächsischen Festungsmauern von der österreichischen Bastion sind. Vielleicht mag ich es gerade deshalb jetzt so sehr, weil es eine willkommene Abwechslung ist. Sicher ist es auch eine schöne Abwechslung zu den omnipräsenten Bauarbeiten in Temeswar. Dort wird gerade die Innenstadt komplett umgegraben, in Sibiu ist die innerste Innenstadt sauber und restauriert. Schade nur, dass die Fahrt ins nur 300km entfernte Sibiu so lange dauert. Ich würde sonst wohl öfters kommen, so ist es ein wenig fraglich, wann es wieder einmal so weit ist.


Donnerstag, 6. März 2014

Ein unfreiwilliger Ausflug nach Arad – Irrfahrt mit der rumänischen Bahn

Die Deutsche Bahn ist unzuverlässig? Schon mal mit der CFR, also der rumänischen Bahn gefahren? Der folgende Bericht sollte überzeugen, dass es definitiv schlimmer geht, als sich jeder deutsche Passagier das vorstellen kann.

Ich wollte nach Sibiu. Sibiu liegt 300km östlich von Timisoara. Arad liegt 60km nördlich von Timisoara. Die Zugfahrt nach Sibiu dauert sieben bis acht Stunden. Ja, für 300km braucht die rumänische Bahn so lang. Nicht nur, dass die Züge in Schrittgeschwindigkeit fahren, sie halten auch an Haltestellen, an denen zur Erntezeit vielleicht mal ein heubeladener Pferdewagen steht und ansonsten 360 Tage im Jahr nichts passiert. Und dort halten sie dann 15 Minuten. Diese Haltestellen, denn Bahnhöfe wäre übertrieben, haben dann auch noch Namen wie Margina – zu deutsch "der Rand". Um nach Sibiu zu kommen, kann man also einen Direktzug um fünf Uhr morgens nehmen. Oder spätabends losfahren und nachts um drei in Teius umsteigen mit zwanzig Minuten Aufenthalt. Wo auch immer Teius sich befindet, es klingt nach keinem Ort, an dem ich nachts um drei stranden will. Oder man nimmt um ein Uhr mittags einen Zug nach Arad, hat dort zwanzig Minuten Zeit zum Umsteigen und fährt dann weiter nach Sibiu. In der Theorie. In der Praxis schafft es der Zug von Timisoara nach Arad aber in den eineinhalb Stunden Fahrzeit eine Verspätung von einer halben Stunde zu erreichen. Dann sieht man zwar den Zug nach Sibiu noch im Bahnhof stehen. Aber ehe man sich durch das Gewirr von Menschen und Bahnsteigen gekämpft hat, ist er abgefahren. Denn an rumänischen Bahnhöfen gibt es keine Anzeigen, es gibt keine Ansagen. In Arad standen eine ganze Menge Menschen in orangen Warnwesten rum, die wohl die Leute davon abhalten sollten, aus Wut Bauarbeiter vom Gerüst zu schütteln, die gerade am Bahnhof rumwerkelten, wenn sie ihren Zug verpassten. Denn der Bahnhof war eine Baustelle und so liegt die Vermutung nahe, dass die Menschen in Neonorange verwirrten Fahrgästen helfen sollten. Taten sie aber nicht. Auf die Frage „Ist dies der Zug nach Sibiu?“, erhielt ich die Antwort: „Ja, wenn du ihn noch schaffst.“ Da ich nicht, wie einige andere quer über die Bahnsteige hüpfte und somit auch über die gerade neu gebauten Barrieren zwischen den Gleisen kletterte, schaffte ich ihn nicht. Normalerweise kann man in rumänischen Bahnhöfen an sehr vielen Stellen mehr oder weniger illegal die Gleise überqueren. Ein Sicherheitszaun ist etwas zutiefst unrumänisches, dass sich nicht mit der Verspätung der Züge verträgt. Es wird nur auf diejenigen Anschlussreisenden gewartet, die über Gleise hüpfen, nicht auf die, welche die Fußgängerüberführung nutzen. 


Ich sah den Zug also verschwinden. Und meine Hoffnung, noch an diesem Tag in Sibiu anzukommen, sank ebenso. Ich war fertig. Noch am Tag zuvor hatte ich mich dafür entschieden, den Nachmittagszug zu nehmen, um entspannt und rechzeitig in Sibiu anzukommen. Ich war extra noch morgens früh ins Büro gegangen, um wichtige Arbeit fertig zu stellen. Ich war vom Büro direkt zum Bahnhof gefahren. Und nun stand ich da und wusste – es gibt wahrscheinlich keinen weiteren Zug nach Sibiu an diesem Tag. Also auf zur Bahnhofsinformation, beziehungsweise zum Fahrkartenschalter. Bereits etwas aufgelöst erklärte ich der Verkäuferin mein Problem. Kein Problem, ich könnte den nächsten Zug nach Timisoara nehmen und sie würde mir das Geld für das Ticket wiedergeben. Das klang ja immerhin gut. Nur, ich bekam bloß das Geld für das „nicht genutzte“ Ticket wieder, also die Strecke Arad-Sibiu und damit 50 von 70 Lei (11 von 16 Euro). Das war schon eine bodenlose Frechheit. Doch dann kam die Höhe: „Arad – Timisoara, das macht dann 7,80.“ Obwohl keine große Summe, gab es mir wirklich den Rest, dass ich unfreiwillig in Arad gestrandet war und jetzt meine Rückfahrt nach Hause selbst zahlen sollte, selbst wenn es nur
2 Euro waren. Den Gipfel der Dreistigkeit erkannte ich an der Anzeigetafel im Bahnhof – in der Zwischenzeit wären zwei Züge der privaten Bahngesellschaft Regiotrans nach Timisoara gefahren, ich hätte also bei weitem nicht so lange in Arad verharren müssen. Da die Schaltertante aber diese Tickets nicht verkaufte, gab sie mir natürlich auch keinen Hinweis auf diese Möglichkeit und ich war, als ich es nach einer Weile erkannte, bereit, noch zwanzig Minuten länger zu warten, anstatt noch ein weiteres Ticket zu erstehen und wieder auf einer unnützen Ausgabe sitzen zu bleiben.

Ich habe also sechs Stunden meines Lebens und 30 Lei darauf verwendet, fast zwei Stunden in Arad rumzuhängen. Ich war so wütend auf die Bahn, dass ich ihnen am Liebsten ihren blöden Zug randaliert hätte, der mich über nimmerendende Zwischenhalte zurück nach Hause beförderte. Wo ich dann noch einmal ein paar Stunden schlief, ehe ich doch noch den Zug früh um fünf nahm. Mit einer neuen Fahrkarte und ohne jegliche Entschädigung versteht sich.


Die deutsche Bahn mag viel Mist bauen, aber immerhin hat man einen gewissen Service – vom Schaffner, der den anderen Zug informiert, dass sich Anschlussreisende verspäten bis hin zum Hotel oder Taxi, sollte man nachts irgendwo unverschuldet stranden. Abgesehen davon gibt es auch mehr als zwei Züge pro Tag zwischen großen Städten und wenn man umsteigt, kann man darauf vertrauen, dass in ein oder spätestens zwei Stunden der nächste Anschlusszug folgt. Auch wenn man im Zug sitzt und die Landschaft betrachtet, ist die Frustration kleiner. Keine LKW, die auf Landstraßen neben der Strecke mühelos in doppelter Geschwindigkeit vorbeiziehen – nein, für 300km braucht man selbst auf schlecht ausgebauten Strecken keine drei Stunden. Hier ist es eine Tagesreise. Das einzige, was ich der rumänischen Bahn zu Gute halten mag sind die Nachtzüge, wobei diese auch wieder nur auf weiten Strecken fahren. Sie sind relativ billig und statt endlose Stunden im Zug zu vergeuden, kann man sich einfach aufs Ohr hauen und ist am nächsten Morgen durchgerüttelt am Ziel.

Sonntag, 2. März 2014

Ein schönes Frühjahr!

Das wünscht man sich unter anderem, wenn man jemand anderem ein Märzchen schenkt. Die kleinen Anhänger werden traditionell vom ersten März an ein oder zwei Wochen getragen und heute vor allem von Männern an Frauen verschenkt. Dabei gilt es natürlich, ein besonderes Märzchen für die Liebste zu finden, aber auch Kolleginnen und Freundinnen sollte man beschenken. Die kleinen Anhänger sind mit einem rot-weißen Band versehen und werden entweder mit einer Nadel an die Jacke oder den Mantel geheftet oder um das Handgelenk getragen. Aber da man viel mehr Märzchen bekommt, als man eigentlich tragen kann, geht es wohl vor allem ums Sammeln der Beliebtheitspunkte - wer hat die meisten Märzchen einheimsen können?

Am Freitag war ich auf Dienstreise in einer Schule in Großsanktnikolaus, um über die deutsche Faschingsfeier zu berichten. Natürlich habe ich auch dort eine Menge Märzchen gekriegt und zwar vor allem von Mädchen, aber auch von einer Klasse und von einem Angestellten der Schule. Auch am Samstag gab es vom Teilnehmer eines Workshops noch einmal ein Märzchen, so dass ich auch wenigstens zehn sammeln konnte. Ich weiß noch nicht so genau, was ich damit machen soll.


Am Samstag dann begab ich mich selbst auch noch auf Märzchen-Suche, weil ich jemanden eines schenken wollte. Auf dem Opernplatz in Temeswar stehen vielleicht dreißig bis vierzig Stände mit Märzchen aller Formen und Farben. Von Fimo bis zu getrockneten Blumen über Swarovski-Kristalle und Murano-Glas sind alle Materialien vertreten. An jedem zweiten Stand prangt ein Schild "hand made". Das, stellt sich beim Herumschauen heraus, mag wohl stimmen, so richtig innovativ sind die handgearbeiteten aber auch meist nicht - handbemalte kleine Keramikanhänger gibt es an fünf verschiedenen Ständen und zwar sogar mit den gleichen Motiven und aus Papierstreifen gebastelte Blumen sieht man auch hier und da. Es ist schwierig, etwas wirklich Außergewöhnliches zu finden. Ich nahm schließlich einen kleinen runden Gipsanhänger, bemalt mit einem sehr klassischem Motiv, nämlich einem Schneeglöckchen.

Eines trage ich natürlich auch, ums Handgelenk gebunden und ein weiteres werde ich mir wohl an die Jacke heften. Schließlich will auch ich Glück haben und vor allem möchte ich, dass der Frühling bald kommt.