Samstag, 15. März 2014

Rumänische Autofahrer

Soviel kann man sich denken - Autofahren in Rumänien ist nicht immer ein Spaß. Zweispurige Kreisverkehre verstehe ich so langsam, auch wenn sie mir immer noch Angst einflößen. Mit erhöhter Alarmbereitschaft fahren, und zwar immer, weil man nie weiß, was passieren könnte, ist sowieso das oberste Gebot. Doch nun ist nichts im eigentlichen Straßenverkehr passiert, sondern meine schlimmste Befürchtung eingetroffen - auf dem Parkplatz des Wohnblocks wurde mein treuer Clio Opfer einer brutalen Attacke. Als wir von einem Sonntagsausflug zurückkamen, fanden wir ihn demoliert und mit einem Zettel mit Telefonnummer an der Windschutzscheibe. Übel sah Karl aus...


Zudem war der gute um gute drei, vier Meter nach hinten geschoben - bei angezogener Handbremse eine beachtliche Leistung. Auch die umstehenden Autos waren ordentlich in Mitleidenschaft gezogen. Wie sich herausstellte, hatte eine Nachbarin mit ihrem neuen Gebrauchtwagen gleich vier Autos beim Einparken so richtig angefahren - vermutlich alles nur Blechschäden, dafür aber ordentliche. Da sich der Vorfall an einem Sonntag zutrug und die Nachbarin die Polizei nicht rufen wollte ("Was soll das bringen, da verschwenden wir nur unsere Zeit."), wurde vereinbart, am nächsten Tag bei der Versicherung vorstellig zu werden. Doch noch bevor ich bei der Versicherung eintraf (da es natürlich keine Kundenparkplätze gab, suchte ich zehn Minuten nach einer Parkmöglichkeit), wurde mir mitgeteilt umzudrehen und zur Polizei zu fahren, wo der Unfall aufgenommen werden musste, weil so viele Autos "beteiligt" waren. Mit zwei anderen Nachbarn, dem Ehemann einer Nachbarin, der Unfallverursacherin, ihrem Lebensgefährten und einem Freund der beiden stand ich schließlich in einem engen Raum mit zwei kleinen Fensterchen, an denen die zuständigen Beamten des Bereich "Tamponari" saßen. Das heißt tatsächlich so und bedeutet wohl soviel wie Auffahrunfall.


Alle trugen brav ihre Daten auf den Formblättern ein und zeichneten Skizzen des vermutlichen Unfallhergangs, nach einer Ewigkeit ging der Beamte mit uns raus, um sich die Autos anzuschauen. Da es natürlich auch bei den Tamponari keine Parkmöglichkeiten gab, mussten wir 200m die Straße hoch und runter laufen, um alle Autos aufzusuchen. Schließlich erhielten wir irgendwann das nötige Formblatt für die Versicherung. Zur selbigen fuhren wir geschwind, das heißt nach über zwei Stunden Polizei. Doch natürlich konnten die Herren von der Versicherung auch nichts machen, als uns einen Termin zu geben. Am Mittwoch also sollte ich wieder antanzen, wieder keinen Parkplatz finden, aber wieder mit dem Auto kommen müssen, da ja der Schaden aufgenommen werden musste. Inzwischen war mir irgendwie alles egal, ich nahm den erstbesten Termin und fuhr zur Arbeit.

Mittwoch also der nächste Versuch - neben mir war noch ein Nachbar mit einem ordentlichen Schaden an der Tür da, der am Montag gefehlt hatte. Ich parkte irgendwo, wo ich ziemlich im Weg sein musste und das Auto wurde fotografiert, außerdem wurden ungefähr all meine Daten aufgenommen - vom Ausweis bis zur grünen Versicherungskarte des Autos. Irgendwann durfte ich wieder weg - nur etwa über eine halbe Stunde hatte es gedauert. Beim Ausparken aus dem engen Parkplatz nahm ich noch einen Poller mit, dann konnte ich wiederum auf Arbeit fahren. Es würde eine Weile dauern, die Autos zur Reparatur freizugeben, weil so viele betroffen werden, sagte uns noch der Versicherungsmensch. Na toll. Ich solle trotzdem schon mal mit meinem zur Werkstatt, um den Schaden konkret feststellen zu können, schließlich könnte ja unter der eingedrückten Schnauze durchaus noch was kaputt sein. Dass ich bereits ständig zwischen zuhause, Polizei und Versicherungsbüro hin- und hergefahren war, interessierte scheinbar nicht.


Ich ging wiederum auf Arbeit und so auch am nächsten Tag - das Auto wollte ich in die Werkstatt bringen, wenn mein persönlicher Dolmetscher Zeit hatte, mitzukommen. Auto Schwab hatte ich mir ausgeguckt als Werkstatt meines Vertrauens. Die Schwaben, wie auch die deutsche Minderheit hier heißt, gelten als ordentlich und zuverlässig. Der Name ließ mich etwas Vertrauen fassen. Als nun der Versicherungsmensch etwa 24 Stunden nach unserem Versicherungstermin fragte, ob denn das Auto nun schon in der Werkstatt sei, entschied ich mich schließlich, es schnell zum Auto Schwab zu bringen. Wie sich herausstellte, eine Hinterhofbaracke mit zahlreichen zerstückelten Autoleichen auf dem Parkplatz. Der Mensch von der Versicherung könne erst in einer Stunde kommen. Da ich ohnehin nichts ausrichten konnte, ließ ich Karl schweren Herzens da. Mal sehen, wann ich ihn wieder heil und hergerichtet sehe und meine Hände um sein Lenkrad schmiegen darf.

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