Donnerstag, 5. März 2015

Sibiu, du schöne Stadt

Ach Sibiu, oder Hermannstadt auf Deutsch, ist schon ein echt hübsches Städtchen. Zwei wunderbare Tage verbrachte ich letztes Wochenende da, denen man die Dienstreise, die der Kern des Ausflugs war, gar nicht anmerkte.


Sibiu ist von Timisoara mit dem Zug in ca. 7 Stunden zu erreichen. 2 Direktverbindungen gibt es täglich. Da ich auf Dienstreise war, durfte ich glücklicherweise einen Tag auf Arbeit fehlen und konnte am Freitag früh um acht starten. Ansonsten ist ein Wochenendausflug wirklich ein bisschen schwierig. Man hätte dann ziemlich genau einen Tag in der Stadt, wenn man am Samstag um acht starten würde, um 15 Uhr da wäre und am nächsten Tag um 15 Uhr zurück fährt und gegen elf Uhr nachts wieder in Timisoara landen würde. Ein bisschen wenig Aufenthalt für eine recht lange Fahrtdauer - aber vielleicht etwas für Leute, die in Zügen gut schlafen können.


Ich hatte also zwei Übernachtungen, und wenn ich auch am Samstag fast den ganzen Tag beschäftigt war, lohnte es sich vollkommen. Ich bin in der riesigen Wohnung von einer Arbeitskollegin und Freundin und ihrem Freund untergekommen. Die zwei waren nicht nur extrem nette Gesellschaft, sondern kümmerten sich auch ganz wunderbar um mich. Da ich Hermannstadt schon kenne, musste ich keine Museen besuchen oder Stadtmauer erkunden oder Kirchen anschauen - ich erkundete vor allem das kulinarische Sibiu ein wenig und lernte den lokalen Flohmarkt kennen

Mehrere Tipps kann ich weitergeben von diesem Aufenthalt:

In die Schiller-Buchhandlung am Piata Mare schaue ich eigentlich bei jedem Besuch in Hermannstadt herein. Und zwar eigentlich gar nicht so sehr wegen der Bücher, sondern wegen diesem Ständer mit Karten. Rumänienkarten und Wanderkarten für die verschiedensten Regionen. Jedes Mal suche ich, ob ich etwas für das Banat finde. Und diesmal bin ich sowas von fündig geworden - eine Radwanderkarte für das Banater Bergland mit insgesamt 28 Tourenvorschlägen.


Das Café Lili's an der Piata Mica ist ein schnuffeliges Lokal mit Kuchen, Speisen- und Frühstücksangebot. Auf zum Teil riesigen Sesseln und neben riesigen Gemälden, die Lili, scheinbar den kleinen Hund der Besitzer, zeigen, kann man sich niederlassen und wenn man Glück hat und am Fenster sitzt, sogar den Piata Mica betrachten. Das Lili's ist wie alle Lokale recht verraucht, aber am Sonntagmorgen hatten wir beispielsweise Glück und saßen sogar eine Weile, bis es zu frisch wurde, am offenen Fenster. Das Frühstücksangebot ist keine Offenbarung, aber solide. Imkerhonig oder selbstgemachte Marmelade sucht man vergeblich, aber der Obstsalat mit Joghurt und Müsli war lecker. Croissants gab es aber zum Beispiel zum Sonntagmorgen keine, das französische Frühstück fiel also aus.

Das Café L'Atelier am Piata Mare bietet an einigen Plätzen eine wunderbare Sicht auf den Platz durch die großen Fenster. Leckere Limonaden gibt es auch, und wenn man allein kommt, hat man sicher genug Beschäftigung damit, die Leute auf dem Platz zu beobachten. Auch schön in den Abendstunden, wenn die Gebäude am Platz schön angeleuchtet sind.
 

 Das Restaurant La Cuptor in der Strada 9 Mai. Ein nicht zu sehr auf Touristen und die Leerung ihrer Taschen ausgerichtetes Lokal, mit für Rumänien, zumindest für mich, ungewöhnlich exquisiten Angebot. In Hermannstadt mag man noch das ein oder andere feine Lokal finden, in Temeswar fällt mir da jetzt abgesehen vom Sky Restaurant nichts ein. Ich war jedenfalls positiv überrascht - ich hatte die Vorspeise Polenta mit Ziegenkäse bestellt und bekam eine Platte, auf der ein Turm aus Käse- und Polentatalern neben verschiedenen Kleinigkeiten angerichtet war, dekoriert mit einer Spur Meersalz. Das Auge isst mit, ich fand es sehr gut. Das Auge hat leider bei der Einrichtung des Lokals ein wenig zu leiden, irgendwie passt alles nicht so recht zusammen und ein einheitlicher Stil fehlt komplett. Das Restaurant ist sehr neu und hat erst eröffnet, aber schon jetzt ist es irgendwie ein eigenwilliger Mix verschiedener Einrichtungsaccessoires. Noch ein Punkt, den ich eher negativ fand: Es gab kein rumänisches Bier auf der Karte. Ich hatte am Ende ein gezapftes Staropramen, auch sehr gut. Die Preise sind für Rumänien gehoben, aber für deutsche Standards sehr ok.

Ja, das ist ein Kofferraum...

Der Flohmarkt! In Sibiu heißt dieser Piata Obor und ist wieder ganz anders, als der in Timisoara und der in Cluj. Da scheint jede Stadt so ihre Besonderheiten zu haben. Aber auch hier, eine Mischung aus Second Hand Klamotten, Haushaltsauflösungen, Fahrrädern. Daneben gibt es, anders als auf dem Flavia in Timisoara, auch Tiere und Autos. Wahlweise auch Tiere aus Autos. Der Trödel kam mir in Sibiu nicht so ramschig vor und die Stände übersichtlicher. Nur so ein persönlicher Eindruck. Ich fand ein deutschsprachiges Scrabble-Spiel, was mich eh total von dem Flohmarkt überzeugte. Ob es tatsächlich komplett ist, habe ich noch gar nicht geschaut.







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