In Timisoara ist es bereits Ende
Februar schon ziemlich mild. Hier im Banat dauert der Winter meistens
nicht so lange und ist weniger streng als in anderen Regionen
Rumäniens. Wenn man sich wie ich darauf freut, endlich wieder
draußen was zu unternehmen, ist es natürlich toll, wenn an einem
lauen Februarsamstag um die zwölf Grad Celsius vorherrschen. Und so
habe ich den Samstag vor einer Woche genutzt.
Nach einem Frühstück mit Smoothie und
Haferbrei – meine Lieblings-Morgenkombination im Moment, startete
ich zum Flohmarkt. Ich wollte nach einer Jacke Ausschau halten und
auch sonst, einfach mal sehen, was mir so über den Weg läuft. In
Temeswar gibt es, soweit mir bekannt, drei Flohmärkte am Wochenende.
Einmal der Ocsko – Er befindet sich am Stadtrand hinter dem
Stadtteil Mehala vom Zentrum ausgesehen. Man erreicht ihn mit dem
Bus Nummer 13 vom Piata Marasti. Dann gibt es noch Piata Flavia und Piata Aurora. Diese zwei
Märkte sind direkt nebeneinander und am Besten mit der Straßenbahn
Nummer 9 oder 7 (Haltestelle Transilvania) zu erreichen. Auf dem Piata Flavia gibt es fast alles
– von deutscher Importschokolade und Joghurt, über pseudo-antike
Möbel, bis hin zu Wohnungsauflösungen aus Deutschland, Second Hand
Klamotten und Schuhen. Der Aurora-Markt ist nur Kleidung und Schuhen
vorbehalten. Samstags ist der Eintritt im Flavia kostenlos, am
Sonntag kostet es ein paar Lei. Bei Aurora zahlt man zwei Lei
Eintritt (50 Cent). Ich stöberte ein wenig nach Jacken, und
probierte sogar einige, aber das meiste was ich fand, war zu klein,
zu hässlich, zu abgeranzt – irgendwas war immer. Dann sprang mir
eine schwarze Softshell-Jacke in den Blick, sogar in meiner Größe –
perfekt. Unübersehbar handelte es sich um eine Werbejacke einer
deutschen Biermarke. Auf dem Kragen war eine Stickerei angebracht, an
allen Reißverschlüssen baumelten kleine stilisierte „K“s zur
Verzierung und ein großes K auch auf die Brust gedruckt. Und wenn
ich mir auch nie so eine Jacke in Deutschland zulegen würde –
wobei, zu dem Preis und fürs Radfahren in der Freizeit vielleicht
schon – hier fand ich es so witzig, dass ich jetzt in meiner
Freizeit, zum Wandern und Radfahren für das Team „Köstritzer“
unterwegs bin. Schwarzbier habe ich aber meist keins dabei.
Die Jacke war gekauft und wollte
ausgefahren werden. Mein Drahtesel stand nach einer etwas
missglückten Tour vor zwei Wochen, als sich schon mal so etwas wie
schönes Wetter ankündigte, total verdreckt in meinem Flur rum. Ich
hatte mich damals für eine Route über Feldwege entschieden, die
aber bei matschigem Wetter vor allem in sumpfartige Feuchtgebiete
führten. Irgendwann konnte ich in einer schienenbeinhohen Pfütze
mein Rad im Schlamm nicht mehr manövrieren und hatte Absteigen
müssen. Das Resultat waren schlammdurchtränkte Schuhe und nasse
Füße auf der ganzen Heimfahrt gewesen. Und eben ein ziemlich
dreckiges Fahrrad. Froh, dass der meiste Dreck nun abfallen würde,
trug ich mein Mountainbike also die Treppen aus dem vierten Stock
herunter und machte mich in Richtung Serbien auf. Kein Scherz! An der
Bega entlang, dem langsam-dahinsickernden Kanal, der durch Temeswar
und weiter Richtung Serbien führt, wurde seit Herbst letzten Jahres
eine Radpiste angelegt. Ich war schon ein paar Mal dagewesen und auch
vor der Fertigstellung bis zur serbischen Grenze einmal bis zum Ende,
ich glaube das waren damals so 20km einfach, gefahren. Inzwischen ist
die Strecke wohl 37km lang bis zur Grenze und im Sommer soll wohl
sogar ein saisonaler Grenzkontrollpunkt für Radtouristen
eingerichtet werden. Diesmal fuhr ich nur bis Sanmihaiu Roman und
drehte wieder um. Jedoch sah ich schon hier, dass man gearbeitet
hatte. Zum Beispiel muss man nicht mehr wie im letzten Jahr sein
Fahrrad über die Bahnstrecke und die Gleise tragen sondern es gibt
eine Unterführung am Fluss entlang. Auch wurden mehrere Schranken
aufgestellt, damit die Strecke nicht mehr von Autofahrern benutzt
wird. Diese Schranken haben aber den Nachteil, dass der Radfahrer
auch nicht durch kommt, sondern sich daran vorbeischlängeln muss,
also kurz den Radweg verlassen. Bei viel Betrieb werden diese Stellen
sicher zum Nadelöhr werden, außerdem führt es den Radweg etwas ad
absurdum. Es war wichtig und notwendig, eine Sperre aufzustellen,
Poller wären aber in jedem Falle besser gewesen.
Nach meiner Radtour ruhte ich noch ein
wenig aus, ehe es dann abends zu einem Jazzkonzert im Hostel Costel
ging. Dieses gemütliche Hostel – ich habe nie hier genächtigt,
aber schon ein paar Mal im Garten gesessen – ist eine Institution
in Temeswar. Die Besitzer sind immer wieder an Veranstaltungen
beteiligt und haben nun offensichtlich eine Konzertreihe in einem der
Schlafsäle ins Leben gerufen. Letzten Samstag stand ein Jazz-Duo auf
dem Plan, zusammengesetzt aus den Pianisten zwei der bedeutendsten
Temeswarer Jazzbands – Spanache Trio und Jazzybit. Teodor Pop und
Sebastian Spanache improvisierten und battleten sich zum Teil
förmlich am Klavier. Wir waren früh gekommen und hatten somit freie
Platzwahl – ich schlug eines der Hochbetten vor, aufgrund der guten
Sicht. Wir blieben die einzigen mit dieser Idee, die Mehrheit der
Zuhörer begnügte sich mit einem Platz im Hintergrund und auf den
unteren Etagen. Das Konzert war ganz große Klasse, auch wenn ein
wenig lang. Offensichtlich verlor nicht nur ich, sondern einige der
Zuhörer nach zwei Stunden ein wenig die Geduld, was an der
allgemeinen Unruhe zu spüren war. Man merkte den Jungs an den
Keyboards echt an, dass sie Spaß am Musizieren hatten, aber zum
Schluss wurde das Privatvergnügen, miteinander zu Jammen, etwas zu
langwierig fürs Publikum. Das nächste Mal also vielleicht einfach
privat fortsetzen...
Nicht alle Samstage hier sind so
ereignisreich, manchmal hänge ich auch den ganzen Tag faul rum. Aber
was ich sagen will – Timisoara hat durchaus Potential. Gerade jetzt
im Frühling sprießen an allen Ecken nicht nur die Frühlingsblüher
sondern auch die Ideen, scheint es. Im Moment entstehen so viele
kreative Projekte, bei denen man Lust bekommt, hineinzuschnuppern,
dass keine Langeweile aufkommt.


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Mit der Nutzung der Kommentarfunktion stimmst du / stimmen Sie den Datenschutzrichtlinien dieser Seite zu.