Montag, 2. März 2015

Vorfrühlingsglück - ein sonniger Samstag in Timisoara

In Timisoara ist es bereits Ende Februar schon ziemlich mild. Hier im Banat dauert der Winter meistens nicht so lange und ist weniger streng als in anderen Regionen Rumäniens. Wenn man sich wie ich darauf freut, endlich wieder draußen was zu unternehmen, ist es natürlich toll, wenn an einem lauen Februarsamstag um die zwölf Grad Celsius vorherrschen. Und so habe ich den Samstag vor einer Woche genutzt.


Nach einem Frühstück mit Smoothie und Haferbrei – meine Lieblings-Morgenkombination im Moment, startete ich zum Flohmarkt. Ich wollte nach einer Jacke Ausschau halten und auch sonst, einfach mal sehen, was mir so über den Weg läuft. In Temeswar gibt es, soweit mir bekannt, drei Flohmärkte am Wochenende. Einmal der Ocsko – Er befindet sich am Stadtrand hinter dem Stadtteil Mehala vom Zentrum ausgesehen. Man erreicht ihn mit dem Bus Nummer 13 vom Piata Marasti. Dann gibt es noch Piata Flavia und Piata Aurora. Diese zwei Märkte sind direkt nebeneinander und am Besten mit der Straßenbahn Nummer 9 oder 7 (Haltestelle Transilvania) zu erreichen. Auf dem Piata Flavia gibt es fast alles – von deutscher Importschokolade und Joghurt, über pseudo-antike Möbel, bis hin zu Wohnungsauflösungen aus Deutschland, Second Hand Klamotten und Schuhen. Der Aurora-Markt ist nur Kleidung und Schuhen vorbehalten. Samstags ist der Eintritt im Flavia kostenlos, am Sonntag kostet es ein paar Lei. Bei Aurora zahlt man zwei Lei Eintritt (50 Cent). Ich stöberte ein wenig nach Jacken, und probierte sogar einige, aber das meiste was ich fand, war zu klein, zu hässlich, zu abgeranzt – irgendwas war immer. Dann sprang mir eine schwarze Softshell-Jacke in den Blick, sogar in meiner Größe – perfekt. Unübersehbar handelte es sich um eine Werbejacke einer deutschen Biermarke. Auf dem Kragen war eine Stickerei angebracht, an allen Reißverschlüssen baumelten kleine stilisierte „K“s zur Verzierung und ein großes K auch auf die Brust gedruckt. Und wenn ich mir auch nie so eine Jacke in Deutschland zulegen würde – wobei, zu dem Preis und fürs Radfahren in der Freizeit vielleicht schon – hier fand ich es so witzig, dass ich jetzt in meiner Freizeit, zum Wandern und Radfahren für das Team „Köstritzer“ unterwegs bin. Schwarzbier habe ich aber meist keins dabei.



Die Jacke war gekauft und wollte ausgefahren werden. Mein Drahtesel stand nach einer etwas missglückten Tour vor zwei Wochen, als sich schon mal so etwas wie schönes Wetter ankündigte, total verdreckt in meinem Flur rum. Ich hatte mich damals für eine Route über Feldwege entschieden, die aber bei matschigem Wetter vor allem in sumpfartige Feuchtgebiete führten. Irgendwann konnte ich in einer schienenbeinhohen Pfütze mein Rad im Schlamm nicht mehr manövrieren und hatte Absteigen müssen. Das Resultat waren schlammdurchtränkte Schuhe und nasse Füße auf der ganzen Heimfahrt gewesen. Und eben ein ziemlich dreckiges Fahrrad. Froh, dass der meiste Dreck nun abfallen würde, trug ich mein Mountainbike also die Treppen aus dem vierten Stock herunter und machte mich in Richtung Serbien auf. Kein Scherz! An der Bega entlang, dem langsam-dahinsickernden Kanal, der durch Temeswar und weiter Richtung Serbien führt, wurde seit Herbst letzten Jahres eine Radpiste angelegt. Ich war schon ein paar Mal dagewesen und auch vor der Fertigstellung bis zur serbischen Grenze einmal bis zum Ende, ich glaube das waren damals so 20km einfach, gefahren. Inzwischen ist die Strecke wohl 37km lang bis zur Grenze und im Sommer soll wohl sogar ein saisonaler Grenzkontrollpunkt für Radtouristen eingerichtet werden. Diesmal fuhr ich nur bis Sanmihaiu Roman und drehte wieder um. Jedoch sah ich schon hier, dass man gearbeitet hatte. Zum Beispiel muss man nicht mehr wie im letzten Jahr sein Fahrrad über die Bahnstrecke und die Gleise tragen sondern es gibt eine Unterführung am Fluss entlang. Auch wurden mehrere Schranken aufgestellt, damit die Strecke nicht mehr von Autofahrern benutzt wird. Diese Schranken haben aber den Nachteil, dass der Radfahrer auch nicht durch kommt, sondern sich daran vorbeischlängeln muss, also kurz den Radweg verlassen. Bei viel Betrieb werden diese Stellen sicher zum Nadelöhr werden, außerdem führt es den Radweg etwas ad absurdum. Es war wichtig und notwendig, eine Sperre aufzustellen, Poller wären aber in jedem Falle besser gewesen.

Nach meiner Radtour ruhte ich noch ein wenig aus, ehe es dann abends zu einem Jazzkonzert im Hostel Costel ging. Dieses gemütliche Hostel – ich habe nie hier genächtigt, aber schon ein paar Mal im Garten gesessen – ist eine Institution in Temeswar. Die Besitzer sind immer wieder an Veranstaltungen beteiligt und haben nun offensichtlich eine Konzertreihe in einem der Schlafsäle ins Leben gerufen. Letzten Samstag stand ein Jazz-Duo auf dem Plan, zusammengesetzt aus den Pianisten zwei der bedeutendsten Temeswarer Jazzbands – Spanache Trio und Jazzybit. Teodor Pop und Sebastian Spanache improvisierten und battleten sich zum Teil förmlich am Klavier. Wir waren früh gekommen und hatten somit freie Platzwahl – ich schlug eines der Hochbetten vor, aufgrund der guten Sicht. Wir blieben die einzigen mit dieser Idee, die Mehrheit der Zuhörer begnügte sich mit einem Platz im Hintergrund und auf den unteren Etagen. Das Konzert war ganz große Klasse, auch wenn ein wenig lang. Offensichtlich verlor nicht nur ich, sondern einige der Zuhörer nach zwei Stunden ein wenig die Geduld, was an der allgemeinen Unruhe zu spüren war. Man merkte den Jungs an den Keyboards echt an, dass sie Spaß am Musizieren hatten, aber zum Schluss wurde das Privatvergnügen, miteinander zu Jammen, etwas zu langwierig fürs Publikum. Das nächste Mal also vielleicht einfach privat fortsetzen...


Nicht alle Samstage hier sind so ereignisreich, manchmal hänge ich auch den ganzen Tag faul rum. Aber was ich sagen will – Timisoara hat durchaus Potential. Gerade jetzt im Frühling sprießen an allen Ecken nicht nur die Frühlingsblüher sondern auch die Ideen, scheint es. Im Moment entstehen so viele kreative Projekte, bei denen man Lust bekommt, hineinzuschnuppern, dass keine Langeweile aufkommt.

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