Neulich habe ich mich noch mit einem guten Freund darüber unterhalten, ob es Sinn macht in der Stadt ein Auto zu haben. Und meinte dann noch, dass ich auf meins nicht verzichten könnte, auch wenn ich es nur alle zwei Wochen benutze, um in den Harz oder in die sächsische Urheimat zu fahren. Klar, wo wirklich ein Wille ist, ist auch ein Weg, aber es wäre schon arg umständlich und dafür bin ich im Moment noch zu bequem. Ich hoffe, wenn ich mir mein nächstes Auto anschaffen werde - und bis dahin ziehen hoffentlich noch einige Jahre ins Land - ist die Technologie so weit fortgeschritten, dass ich ein Elektroauto kaufen kann. Denn auch das ist derzeit schwierig - fehlende Elektrotankstellen und ungenügende Reichweite (für meinen Bedarf) sind zwei Argumente dagegen.
Ich habe mir ja letztes Jahr im November Lucille zugelegt. Nachtblauer Skoda, hübsch, kompakt und praktisch. Skoda heißt ja auf tschechisch soviel wie schade. Nomen est omen, schade nur, dass ich nach ein paar Tagen mit meiner neuen Gefährtin einen unschönen Auffahrunfall hatte. Meine Schuld, aber schließlich halb so schlimm, denn es ist niemand außer die Gefährte aller Beteiligter zu Schaden gekommen. Nach ein paar Tagen hatte ich sie wieder, nur mein Konto war um einiges leerer. Als Spätfolge riss mir vor zwei Wochen mittig die Frontscheibe mit einem knirschenden Knacks ein, weil wohl noch Spannung drauf war von dem Auffahrunfall. Da der Riss sich immer weiter ausbreitete, habe ich Lucille zum Scheibendoktor gebracht und nach einer nicht geringen Investition hatte ich sie wieder - inklusive Deluxe-Nano-Versiegelung, die ich für einen symbolischen Euro hinter her geworfen bekam. Mir ist immer noch nicht klar, was die Firmen daran verdienen, wenn sie einem die Scheibe für 1 Euro versiegeln, aber es ist wohl eine Art Dauerwerbe-Aktion. Denn auch wenn ich es in einem halben Jahr wieder erneuern lassen will, kostet es mich, richtig, nichts als 1 Euro.
Ich habe also ein bisschen was durch mit Lucille und es zähneknirschend hingenommen - am Ende war es ja meine Schuld. Am letzten Wochenende leuchteten dann kurz hintereinander zwei orange Warnleuchten im Amaturenbrett. Ich hoffte kurz auf einen Fehlalarm und das beim nächsten Start oder einem kräftigen Knall der Tür wieder alles erlischt, aber den Gefallen tat mir Lucille nicht. Ich wurde beim Kauf genötigt, eine Gebrauchtwagenversischerung abzuschließen. Sie hatte ja einen Vorbesitzer und ich habe sie bei einem Händler gekauft. Nun war ich natürlich froh, musste aber auch erstmal nachschauen, was nun zu tun sei. Die Versicherung meinte, ich solle in eine Werkstatt und mir einen Kostenvoranschlag machen lassen. "Am Besten bei Skoda, die kennen sich am Besten mit dem Auto aus." Ich dachte mir, dass es doch immer hieße, freie Werkstätten seien billiger. Aber irgendwie sagte mein Bauchgefühl, ich solle lieber zu Skoda gehen, denn da bekäme ich einen vernünftigen Service und ich will die Gute ja noch ein paar Jährchen fahren. Gesagt getan, vorgestern war das. Heute war ich dann neugierig und habe mal angerufen, was denn nun ist mit ihr.
Die Dame vom Empfang stapfte extra in die Werkstatt, fand aber den Mechaniker nicht und ich erhielt dann Stunden später den Rückruf. Ja, da wäre einiges kaputt, mehrere hundert Euro Schaden. Aber: Ein Teil der Reparatur übernimmt Skoda aus Kulanz, einen anderen die Werkstatt, ich müsste dann nur immer meine Durchsicht auch im Autohaus machen. Klar ist das Kundenfang, aber hey, ich bekomme mein Auto umsonst repariert. Wenn sie mich jetzt nicht gerade bei der Durchsicht total über den Tisch ziehen, komme ich bestimmt immer noch günstiger weg, denke ich mir. Und so kann ich grad nicht fassen, dass ich mal wieder richtig Glück gehabt habe. Lucille hole ich dann am Samstag ab, wenn alles wieder heile ist an ihr. Als ich den ersten Unfall hatte, habe ich noch gescherzt, dass ich wenigstens keinen Parkplatz suchen muss, solange Lucille in der Werkstatt ist. Mittlerweile habe ich subjektiv das Gefühl, dass sie schon in mehr Werkstätten stand, als auf Parkplätzen hier in Halle.
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